Leithaprodersdorf

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Leithaprodersdorf
Wappen Österreichkarte
Wappen von Leithaprodersdorf
Leithaprodersdorf (Österreich)
Leithaprodersdorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Eisenstadt-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: EU
Fläche: 18,94 km²
Koordinaten: 47° 56′ N, 16° 29′ OKoordinaten: 47° 56′ 16″ N, 16° 28′ 43″ O
Höhe: 196 m ü. A.
Einwohner: 1.174 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 62 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2443
Vorwahl: 02255
Gemeindekennziffer: 1 03 06
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulgasse 1
2443 Leithaprodersdorf
Website: www.leithaprodersdorf.gv.at
Politik
Bürgermeister: Martin Radatz (ÖVP)
Gemeinderat: (2017)
(19 Mitglieder)
15
3
1
15 
Insgesamt 19 Sitze
Lage der Gemeinde Leithaprodersdorf im Bezirk Eisenstadt-Umgebung
Breitenbrunn am Neusiedler SeeDonnerskirchenGroßhöfleinHornsteinKlingenbachLeithaprodersdorfLorettoMörbisch am SeeMüllendorfNeufeld an der LeithaOggau am Neusiedler SeeOslipPurbach am Neusiedler SeeSankt Margarethen im BurgenlandSchützen am GebirgeSiegendorfSteinbrunnStotzingTrausdorf an der WulkaWimpassing an der LeithaWulkaprodersdorfZagersdorfZillingtalEisenstadtRustBurgenlandLage der Gemeinde Leithaprodersdorf im Bezirk Eisenstadt-Umgebung (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Leithaprodersdorf (burgenlandkroatisch Mađarski Proderštof, ungarisch Lajtapordány) ist eine Gemeinde mit 1174 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) im Burgenland im Bezirk Eisenstadt-Umgebung in Österreich. Die Gemeinde liegt an der niederösterreichischen Landesgrenze, wo der Schwesterort Deutsch Brodersdorf anschließt (siehe Bild Lage des Badhauses).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im nördlichen Burgenland an der Grenze zu Niederösterreich nahe der Landeshauptstadt Eisenstadt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leithaprodersdorf ist einzige Katastralgemeinde sowie einzige Ortschaft (Dorf) in der Gemeinde.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seibersdorf (Gem., Bez. Baden, )

Deutsch Brodersdorf (Gem. Seibersdorf, NÖ)

Pottendorf (Gem., Bez. Baden, ) Nachbargemeinden Au am Leithaberge (Gem., Bez. Bruck a.d.L., )
Wampersdorf (Gem. Pottendorf, NÖ)


Hornstein (Gem.)
Loretto (Gem.)
Der Ort Stotzing liegt hinter Loretto, Gemeindegebiet zwischen diesem und Au kurz angrenzend

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Später unter den Römern lag das heutige Leithaprodersdorf dann in der Provinz Pannonia. Ältere Funde belegen von Aktivitäten schon seinerzeit. In römischer Zeit war das Gemeindegebiet von Leithaprodersdorf dicht besiedelt. Zwei große Gutshöfe und ein Wachturm (Burgus) sowie die zugehörigen Gräberfelder mit Grabsteinen sind durch Ausgrabungen seit dem vorigen Jahrhundert benannt. Die Namen Maguricius, Ussuro, Ucco, Cenomarus, Gnatila sowie Octo, Aurelia Valla und Aurelia Florentina belegen die keltisch-römische Mischbevölkerung des 1. bis 3. Jahrhunderts. Aus der Frühgeschichte stammt ein Bestattungsplatz der Awaren aus dem 8. Jahrhundert beim Annenkreuz.

Das bedeutendste, noch heute sichtbare Bodendenkmal am Ortsrand von Leithaprodersdorf ist das G’schlößl, eine mittelalterliche, aus drei konzentrisch umlaufenden Gräben und Wällen bestehende Wasserburg. Sie wurde im 13. Jahrhundert auf den Ruinen des römischen Wachturmes zur Sicherung des Leithaüberganges errichtet. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg 1232.[1]

Lage des Badhauses Bad Prodersdorf/Brodersdorf (1872)

Bereits in den 1860er Jahren scheint in der Presse das Bade-Etablissement in Leitha-Prodersdorf auf.[2] Noch Jahrzehnte nach 1900 war Bad Prodersdorf (bisweilen: Bad Brodersdorf) als Ortsbezeichnung bekannt. Sie nahm Bezug auf die als Heil- und Thermalbad ausgebauten, bis 26 Grad Celsius warmen Quellen[3] an der heutigen Adresse Badgasse 49.[4] Das Bad, für dessen mittelbares bahntechnisches Erreichen die Stationen Ebreichsdorf, Weigelsdorf und Unterwaltersdorf genannt wurden, war als Tagesausflugsziel populär, unter anderem bei Wiener Radfahrvereinen.[5]

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zum Königreich Ungarn (Deutsch-Westungarn), wurde Ungarisch Prodersdorf genannt, und war wichtiger Grenzübergang zu Deutsch Brodersdorf im Erzherzogtum Österreich bzw. Kronland Österreich unter der Enns. Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Lajtapordány verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

1982 feierte die Gemeinde 750 Jahre ihres Bestehens, verbunden mit der Erhebung zum Markt.[6]

Mit 1. Jänner 1990 wurden die bis dahin zur Marktgemeinde Leithaprodersdorf gehörenden Katastralgemeinden bzw. Ortschaften Loretto sowie Stotzing abgetrennt, und Leithaprodersdorf wurde als neue Gemeinde geschaffen.[7]

Heute sind Leithaprodersdorf und Deutsch Brodersdorf vollständig zu einer Siedlungseinheit verwachsen, haben sich aber durch die Lage in zwei Bundesländern ihre Eigenständigkeit bewahrt.

Forschungen haben ergeben, das Leithaprodersdorf als der älteste benannte Ort des Burgenlandes bezeichnet werden kann. Der Name stammt von Lithaha mit der Präposition super Sconibrunno, auf deutsch oberhalb des schönen Brunnens aus dem Jahr 833.[8]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 19 Mitglieder.

Bürgermeister
  • bis 2007 Matthias Heinschink (ÖVP)
  • seit 2007 Martin Radatz (ÖVP)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Leithaprodersdorf
  • Katholische Pfarrkirche Leithaprodersdorf: Die Kirche ist ein Neubau aus dem Jahr 1680 an der Stelle einer ehemaligen Kapelle. Im Zuge der Türkenkriege 1683 wurde die Kirche gebrandschatzt und 1696 erneuert.
  • Östlich des Ortes befinden sich die Reste einer mittelalterlichen Wehranlage mit ihrem noch heute sichtbaren Wall-Graben-System. Das Gschlößl ist eine aus drei konzentrisch umlaufenden Gräben und Wällen bestehende Wasserburg.
  • Die ehemalige mittelalterliche Pfarrkirche zum Heiligen Stephan Martyr wurde südwestlich des Ortes am „Berg“ errichtet, und wird heute Pfefferbüchsel genannt; 1252 diente sie beim Einfall der Ungarn als Zufluchtsort. 1683 wurde sie jedoch zerstört, 1907 restauriert und zu einer Kapelle umgebaut (Dreifaltigkeitskapelle). Im Jahr 1972 fand eine Außenrenovierung statt. In der Turmkapelle wurden 1975 gotische Freskenreste festgestellt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Seracsin (Fundbericht), Herbert Mitscha-Märheim (Bearb.): Der Awarenfriedhof von Leithaprodersdorf. Burgenländisches Landesmuseum, Eisenstadt 1957, OBV.
  • 750 Jahre Leithaprodersdorf 1232–1982. Festschrift anläßlich des 750-Jahr-Jubliäums und der Erhebung zur Marktgemeinde 21. bis 29. August 1982. Marktgemeinde Leithaprodersdorf, Leithaprodersdorf 1982, OBV.
  • Sonja-Ulrike Prochaska: Zur mittelalterlichen Wasserburg von Leithaprodersdorf (politischer Bezirk Eisenstadt, Burgenland) und ein Beitrag zur Wieder-/Weiterverwendung römischer Bauten im Mittelalter. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 1994, OBV.
  • Martin Siffert: Flurnamenbuch Leithaprodersdorf. Urschrift des Leithaprodersdorfer Flurnamenbuches. Abweichender Titel: Die Leithaprodersdorfer Flurnamen in ihrem historischen, geographischen und sprachgeschichtlichen Umfeld. Gemeinde Leithaprodersdorf, Leithaprodersdorf 2008, OBV.
  • Bundesdenkmalamt, Franz Sauer, Nikolaus Hofer, Marita Holzner (Beiträge): Leithaprodersdorf von der Frühbronzezeit zum Mittelalter. Berger, Horn 2011, OBV.
  • Hannah Lzicar: Das Gräberfeld Leithaprodersdorf, Burgenland. Master-Arbeit. Universität Wien, Wien 2013, OBV. – Volltext online (PDF; 21 MB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leithaprodersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Ulbrich: Das „Gschlößl“ von Leithaprodersdorf. In: Burgenländische Heimatblätter, Nr. 19/1957, Eisenstadt 1957, OBV, S. 104–112.
  2. Verpachtung des Bade-Etablissements in Leitha-Prodersdorf. In: Wiener Zeitung, Nr. 207/1866, 22. August 1866, S. 494, unten rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.
  3. Eine Heilquelle vom Alt-Großbauern der „Röthelstoaner“ erschlossen. In: Grazer Volksblatt, Abend-Ausgabe, Nr. 56/1911 (XLIV. Jahrgang), 4. Februar 1911, S. 3 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/gre.
  4. Zur Scheune. Die Location. In: Arabelle Kamler (Red.): zurscheune.at, abgerufen am 8. November 2017.
  5. Notizen. (…) „Die Wanderer“. In: Allgemeine Sport-Zeitung, Jahrgang 1883, 26. Juli 1883, Nr. 39/1883 (IV. Jahrgang), S. 633, Mitte oben. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/asz;
    Allgemeine Sport-Nachrichten. (…) Radfahrsport. (…) Gemeinschaftliche Ausflüge. (…) Wiener Radfahr-Club „Wanderlust“. In: Deutsches Volksblatt, Morgen-Ausgabe, Nr. 3397/1898 (X. Jahrgang), 18. Juni 1898, S. 12 (unpaginiert), Spalte 2. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/dvb.
  6. 750 Jahre Leithaprodersdorf 1232–1982.
  7. 53. Verordnung der Burgenländischen Landesregierung vom 18. Oktober 1989 über die Trennung der Marktgemeinde Leithaprodersdorf. In: Landesgesetzblatt für das Burgenland, Jahrgang 1989, LGBl 1989/53, S. 267. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/lgb.
  8. Leithaprodersdorf: Offiziell ältester Ort auf ORF Burgenland vom 26. September 2016 abgerufen am 26. September 2016