Steinbrunn

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Steinbrunn (Begriffsklärung) aufgeführt.
Steinbrunn
Štikapron
Wappen von SteinbrunnŠtikapron
Steinbrunn (Österreich)
Steinbrunn
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Eisenstadt-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: EU
Fläche: 15,39 km²
Koordinaten: 47° 50′ N, 16° 25′ OKoordinaten: 47° 50′ 12″ N, 16° 24′ 48″ O
Höhe: 241 m ü. A.
Einwohner: 2.595 (1. Jän. 2016)
Bevölkerungsdichte: 169 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 2491, 7035
Gemeindekennziffer: 1 03 16
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Obere Hauptstraße 1
7035 Steinbrunn
Website: www.steinbrunn.at
Politik
Bürgermeister: Klaus Mezgolits (SPÖ)
Gemeinderat: (2012)
(23 Mitglieder)
13
9
1
13 
Von 23 Sitzen entfallen auf:
Lage der Gemeinde Steinbrunn
Štikapron im Bezirk Eisenstadt-Umgebung
Breitenbrunn am Neusiedler See Donnerskirchen Großhöflein Hornstein Klingenbach Leithaprodersdorf Loretto Mörbisch am See Müllendorf Neufeld an der Leitha Oggau am Neusiedler See Oslip Purbach am Neusiedler See Sankt Margarethen im Burgenland Schützen am Gebirge Siegendorf Steinbrunn Stotzing Trausdorf an der Wulka Wimpassing an der Leitha Wulkaprodersdorf Zagersdorf Zillingtal Eisenstadt Rust BurgenlandLage der Gemeinde Steinbrunn im Bezirk Eisenstadt-Umgebung (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Steinbrunn ist eine Gemeinde mit 2595 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2016) im Burgenland im Bezirk Eisenstadt-Umgebung in Österreich.

Geschichte des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname ist zum ersten Mal 1271, und zwar in der ungarischen Form Byzuskut erwähnt, die sich in der Folge zum heutigen Büdöskút (wörtlich "stinkende Quelle") entwickelte. 1344 ist erstmals die deutsche Form des Namens bezeugt, aus der das spätere Stinkenbrunn wurde (mit mhd. prunn "Quelle"). Beide Namensformen rühren von einer auf Gemeindegebiet befindlichen, übel riechenden Mineralquelle her. Der Volksmund, der die Umstände der merkwürdigen Namensgebung nicht mehr kannte, deutete den Ortsnamen später so, dass einst bei einem Gewitter ein Feuerdrache in den Ortsbrunnen gefallen und das Wasser verdorben habe.

Der deutsche Name wurde von den im 16. Jahrhundert zugewanderten Kroaten als Štikapron übernommen.

Auf Wunsch der Bevölkerung wurde der amtliche Ortsname per 1. Jänner 1959 in die unverfänglichere Form Steinbrunn geändert.[1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marktgemeinde liegt im nördlichen Burgenland nahe der Landeshauptstadt Eisenstadt und ist deckungsgleich mit der gleichnamigen Katastralgemeinde. Neben der Marktgemeinde bestehen an Ortschaften: Neue Siedlung (Dorf) sowie Wochenendsiedlung (Dorf).[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Steinbrunn grenzen folgende Gemeinden:

Neufeld an der Leitha Hornstein
Zillingdorf Nachbargemeinden Müllendorf
Zillingtal

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Später unter den Römern lag das heutige Steinbrunn dann in der Provinz Pannonia.

Der Ort wurde mehrmals durch Kriege zerstört, 1555 wurde er durch die ansiedelnden Kroaten wieder aufgebaut.

Steinbrunn noch als „Stinkenbrunn“ (Mitte links) um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Im Jahre 1810 begann man mit dem Braunkohleabbau im Tagebau. Für diesen Zweck entstand der Ortsteil Neue Siedlung. Jährlich betrug die Fördermenge 600 Tonnen. Zu dieser Zeit waren im Bergwerk 128 Frauen und Kinder beschäftigt. Genauere Angaben über die Arbeiterzahl gibt es aber nicht. Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Bevölkerung auf über 2000 Personen. 1905 begann die Elektrifizierung des Bergwerkes. 20 Jahre später hatte man im ganzen Ort Strom.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Büdöskút verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes). Die Gemeinde war sehr durch die zwei Weltkriege, die Wirtschaftskrise, den Austrofaschismus und den Nationalismus gekennzeichnet (thematisiert im Roman Die Dämonen von Heimito von Doderer). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit dem Wiederaufbau des Ortes begonnen. Zu dieser Zeit war er sehr landwirtschaftlich geprägt.

Die große Umgestaltung wurde durch den Bürgermeister Friedrich Robak eingeleitet. Der vor dem Zweiten Weltkrieg eingestellte Braunkohleabbau wurde im Bereich der Neuen Siedlung wieder aufgenommen, doch nach einigen Jahren wieder aufgegeben. Es entstanden ein Sandwerk (1965),[3] eine Wäschefabrik, eine Kartonagenfabrik und ein Betonwerk. Ein Höhepunkt war die Errichtung eines für Österreich ersten Gemeinschaftshauses, in dem eine Wäscherei, Brausen und Warmbäder, Kühlanlagen, Fernsehraum, eine Bücherei sowie ein Saal mit Küche eingerichtet war.

Um 1960 wurde auch das seit der Zwischenkriegszeit nicht mehr betriebene und schon mit Grundwasser gefüllte Bergwerk Steinbrunn-Zillingdorf in ein Strandbad mit Erholungszentrum umgewandelt. Auf der Steinbrunner Seite des Sees, durch den die Landesgrenze zwischen Niederösterreich und dem Burgenland verläuft, entstand der neue Ortsteil "Steinbrunner See".

1971 wurde Steinbrunn mit der Nachbargemeinde Zillingtal aufgrund des Gemeindezusammenlegungsgesetzes zusammengeschlossen. 20 Jahre später wurde diese Zusammenlegung wieder aufgehoben. 1976 wurde die Volksschule neu errichtet. 1977 erfolgte der Neubau des Rathauses.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist Klaus Mezgolits von der SPÖ.

Die Mandatsverteilung (23 Sitze) in der Gemeindevertretung ist SPÖ 13, ÖVP 9, FPÖ 1, andere Listen haben keine Mandate.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Steinbrunn

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsteil Neue Siedlung befindet sich das burgenländische Landessportzentrum VIVA.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Probst, Fred Sinowatz: Dorfgemeinschaftshaus Stinkenbrunn. Gemeinde Stinkenbrunn, Stinkenbrunn 1958, OBV.
  • Festschrift 700 Jahre Steinbrunn-Zillingtal. Gemeinde Steinbrunn-Zillingtal (Hrsg.), Steinbrunn-Zillingtal 1971, OBV.
  • Angelika Kern: 2.2 Steinbrunn, 2.2.1 Geschichte. In: —: Langobardenzeitliche Siedlungsstrukturen im Burgenland anhand zweier Fallbeispiele. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 2013. – Volltext online (PDF; 23 MB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aus Stinkenbrunn wurde Steinbrunn. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 6. Jänner 1959, S. 7, unten rechts.;
    Unser Gruß gilt Steinbrunn!. In: Burgenländische Freiheit, Nr. 2/1959, 10./11. Jänner 1959, S. 3.
  2. 4. Teil: Gemeinden – Burgenland – 142. Steinbrunn. In: Österreichischer Amtskalender online. Jusline Österreich GmbH (Verlag Österreich), Wien 2002–, ZDB-ID 2126440-5.
  3. Friedrich August Steirer: 1.2 Historische Entwicklung. In: —: Geologisch-geophysikalische Untersuchungen der Sandgrube Steinbrunn und ihrer Umgebung (Nördliches Burgenland). Master-Arbeit. Universität Wien, Wien 2014. – Volltext online (PDF; 33 MB).