Claude Jade

Claude Jade (* 8. Oktober 1948 in Dijon; † 1. Dezember 2006 in Paris) war eine französische Schauspielerin. Berühmt wurde sie mit François Truffauts Filmen Geraubte Küsse (1968), Tisch und Bett (1970) und Liebe auf der Flucht (1979) sowie Édouard Molinaros Mein Onkel Benjamin (1969). Populär auch als Heldin der Fernsehserie Die Insel der 30 Tode, hatte sie 2006 ihre letzte Rolle am Theater als Célimène in Célimène und der Kardinal.
Leben und Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ausbildung und erste Rollen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Claude Marcelle Jorré, die sich später Claude Jade nannte, wurde am 8. Oktober 1948 als Tochter des Professorenpaares Marcel Jorré und Marcelle Schneider in Dijon geboren und begann mit 15 Jahren eine Ausbildung am Conservatoire d’art dramatique ihrer Heimatstadt. 1964 spielte sie an der Seite ihres Lehrers André Héraud die Agnès in Molières Schule der Frauen und unternahm eine Tournee durch Burgund. 1965 verkörperte sie in dem Fernsehfilm Le Crime de la rue de Chantilly ihres Cousins Guy Jorré die junge Modistin Lily. 1966 erhielt sie am Konservatorium für ihre Darstellung der Titelfigur in Giraudoux’ Ondine den Prix de comédie.
Nach dem Abitur begann sie eine Schauspielausbildung in Paris bei Jean-Laurent Cochet am Théâtre Édouard VII. Im Jahr 1967 erhielt sie, noch in der Ausbildung, ihre erste Fernsehrolle: In der Serie Prunelle spielte sie das Mädchen Rosette, das ihrer Tante Prunelle bei Detektiv-Abenteuern assistiert; anlässlich dieser Produktion nahm sie den Künstlernamen Claude Jade an. Nach einer Gastrolle in der Krimiserie Allô Police folgte 1967 eine Hauptrolle als „seltener Vogel“ Sylvie in der 60-teiligen Serie Les Oiseaux rares (wörtlich: seltene Vögel) von Jean Dewever. Der bekannte Theaterregisseur Sacha Pitoëff engagierte sie für seine legendäre Inszenierung von Pirandellos Stück Heinrich IV. am Théâtre Moderne. Hier wurde sie während der Generalprobe von dem jungen Filmregisseur François Truffaut entdeckt, der ihr kurz darauf die Hauptrolle in seinem Spielfilm Geraubte Küsse anvertraute.
Claude Jade und François Truffaut – der Doinel-Zyklus
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Am Théâtre Moderne in Paris wurde Jade im September 1967 in einer Aufführung von Luigi Pirandellos Heinrich IV. von einem führenden Kopf der Nouvelle Vague, François Truffaut, entdeckt. Er war „hingerissen von ihrer Schönheit, ihrem Wesen, ihren Manieren und ihrer Lebensfreude“ und engagierte sie für die weibliche Hauptrolle seines Films Geraubte Küsse. Tagsüber drehte sie mit ihm, abends spielte sie weiterhin am Theater. Die beiden verlobten sich und planten, im Juni 1968 zu heiraten, doch kurz davor machte Truffaut offenbar einen Rückzieher, und die Hochzeit fiel aus.[1][2]
Bereits in Geraubte Küsse trat Jade als Christine Darbon an der Seite ihres jungen Kollegen Jean-Pierre Léaud auf, der den oft als Truffauts Alter Ego bezeichneten Antoine Doinel verkörperte. Der Filmdienst schrieb im Januar 2007 in einem Nachruf auf Jade, Truffaut habe seiner Hauptdarstellerin am Ende von Geraubte Küsse eine der schönsten Liebeserklärungen des Kinos gemacht: Der Unbekannte, der ihr am Ende einen Heiratsantrag macht und dann geht, sei wie Doinel ein Alter Ego Truffauts gewesen.[3]
Zahlreiche Kritiker betrachteten Jade als große neue Hoffnung des französischen Films: Die Tageszeitung Le Figaro schwärmte, dass der Dichter Valery Larbaud von ihr angetan gewesen wäre, und La Croix schloss ihre Kritik mit „einem letzten Wort“ an Truffaut: „Sie haben mit Claude Jade nicht ein junges Mädchen gewählt, sondern DAS junge Mädchen. Und Jade, Mademoiselle, symbolisiert die Hoffnung!“
Henri Langlois, der langjährige Leiter der Cinémathèque Française, sagte zu Truffaut nach der Premiere von Geraubte Küsse, er würde sich wünschen, das Paar Antoine und Christine bald wiederzusehen – was 1970, als die beiden als junge Eheleute in Tisch und Bett zurückkehrten, Wirklichkeit wurde. Die amerikanische Kritikerin Pauline Kael pries Jade als eine „weniger ätherische, mehr lebensnahe Catherine Deneuve“.[4]
In den beiden Fortsetzungen von Geraubte Küsse, Tisch und Bett (1970) und Liebe auf der Flucht (1979), gab Truffaut Jade den stärkeren Part innerhalb des Paares Antoine und Christine, das sich in seiner jugendlichen Unvoreingenommenheit glich, in der Form der Liebe jedoch unterschied: Christine liebt Antoine mit all seinen Marotten, während er vor allem sich selbst liebt. Der dreiteilige Filmzyklus soll zahlreiche Zitate aus der Liebesbeziehung Truffauts und Jades enthalten, die sich später zu einer lebenslangen engen Freundschaft entwickelte. Truffaut nannte Claude Jade „meine dritte Tochter“.
1971 erwog Truffaut, Jade die Rolle der Männermörderin Camille in Ein schönes Mädchen wie ich zu übertragen, doch letztlich hielt er sie für zu jung und besetzte die zehn Jahre ältere Bernadette Lafont.
Imagewandel und weitere Filmrollen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Truffaut-Filme prägten Jades Typus nachhaltig als liebevoll-sanfte moderne junge Frau des Gegenwartskinos, dem sie jedoch auch immer wieder zu entfliehen versuchte. So variierte sie dieses Image bereits in der Historienkomödie Mein Onkel Benjamin von 1969: Als Manette bedrängt sie ihren Partner (Jacques Brel) mit ihrem Bestehen auf die Ehe, bis sie ihm schließlich – ohne Trauschein – in die Verbannung folgt. Und in Der Zeuge (ebenfalls 1969) ist sie die ihren Verlobten Jean-Claude Dauphin für den mysteriösen Gérard Barray verlassende Cécile, die am Ende allein bleibt.
Kritikerlob brachte ihr die zwischen zwei von Jean-Pierre Cassel und John McEnery gespielten Freunden stehende Eléonore in Gérard Brachs Film Le bateau sur l’herbe (1971) ein, in dem sie unbekümmert und eigennützig ein Drama heraufbeschwört. Als Gegenbesetzung zu Truffauts Christine Doinel erscheint auch Jades Julie in Bernard Toublanc-Michels Thriller Das böse Vergnügen (1975): Ein von ihr verführter Autor (Jacques Weber) kommt hinter den von vier Frauen als Unfall getarnten Mord an einem patriarchalischen Schriftsteller. In Benoît Lamys Sozialsatire Trautes Heim (1973) vollzieht ihre orientierungslose, unsympathische Claire einen Wandel von der gehorsamen zur solidarischen Pflegerin.
Dennoch wurde Jade auch weiterhin meist als positive Figur besetzt, etwa als die sich von der renitenten Tochter zur Freundin der Mutter entwickelnde Laura in Serge Korbers Familiendrama Kerzenlicht (1972): Durch die Liebe zum Lehrer Marc (Bernard Fresson) wird sie ermutigt, ihre getrennten Eltern (Annie Girardot und Jean Rochefort) wieder zu vereinen. Es folgten die kompromisslos in einen Priester (Robert Hossein) verliebte Françoise in Denys de La Patellières Résistance- und Zölibatsdrama Der Abbé und die Liebe (1973), die schüchterne alleinerziehende Witwe Dominique in Ein Pauker zum Verlieben (1978) und die vom Gatten hintergangene und sich mit einer außerehelichen Affaire revanchierende Gabrielle Martin in Tableau d’honneur (1992).
Der Belgier Jacques Faber nutzte die Widersprüchlichkeit ihres Images für die Doppelrolle Anne/Juliette in seinem Film Le Choix (1976), in dem sie einerseits als die lebensfrohe, dann enttäuschte Partnerin und andererseits als geheimnisvolle Versuchung auftritt. Eine weitere Doppelrolle übernahm sie 1982 in Henri Helmans Lise et Laura. Hier spielt sie die von der Gestapo ermordete Lise und deren Ebenbild Laura, eine emanzipierte Lektorin, die dem Witwer (Michel Auclair) vierzig Jahre später begegnet und Lises Tagebücher liest. Zwielichtig kommt Jade als Alice in René Férets Thriller L’Homme qui n’était pas là (1987) daher.
In den 1990er und 2000er Jahren war Claude Jade in einigen galant überzeichneten Rollen zu sehen, so als Erbschleicherin Lucienne des Grassins in Eugénie Grandet (nach dem gleichnamigen Roman von Honoré de Balzac), als lesbische Beamtin Caroline, der Michel Serrault in Jean-Pierre Mockys Bonsoir die Erbschaft rettet, als Gouverneursgattin Reine Schmaltz in dem Historiendrama Das Floß der Medusa (1998) und schließlich als Geldfälscherin Emma Nazarova in dem Fernsehkrimi Groupe Flag: Vrai ou faux (2005).
Jade verkörperte im Laufe ihrer Filmkarriere zudem mythologische Figuren wie Shéhérazade und historische Persönlichkeiten wie Louise de La Vallière in Le Château perdu, Lucile Desmoulins in La Passion de Camille et Lucile Desmoulins und Inessa Armand in Sergei Jutkewitschs Lenin in Paris.
Internationale Kinokarriere
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ihr Debüt in Geraubte Küsse 1968 begründete früh auch eine internationale Karriere, die sie im selben Jahr in die USA führte: Bei Alfred Hitchcock übernimmt sie 1968/69 die Rolle der Michèle Picard in seinem Thriller Topas. Sie ist die mit einem Journalisten (Michel Subor) verheiratete Tochter eines Agenten (Frederick Stafford). Michèle hilft ihrem Vater beim Enttarnen eines Spionagerings, mit dessen Chef (Michel Piccoli) ihre Mutter (Dany Robin) eine Affaire hat. Einen exklusiven Sieben-Jahres-Vertrag in den USA lehnte die 20-jährige Jade ab, um weiterhin vorrangig in ihrer Heimat arbeiten zu können. Ein nichtexklusiver Kontrakt wurde später annulliert.
In Belgien spielte sie 1969 die Hauptrolle in Anne Walters Thriller Der Zeuge eine junge Mordzeugin, die dem Verdächtigen (Gérard Barray) verfällt. Ebenfalls in Belgien entstehen Benoît Lamys sozialkritische Komödie Trautes Heim (1973) mit Jacques Perrin und Jacques Fabers Le Choix (1976), in dem sie eine Doppelrolle ausfüllte.
1973 spielte sie in Italien in zwei Thrillern. In Gianni Buffardis Number One liefert sie den Ermittlern als Mannequin Sylvie Hinweise zu Verbrechen, und in Das Mädchen aus der Via Condotti unterstützt sie als Fotografin Tiffany einen Privatdetektiv (Frederick Stafford) bei seinen Recherchen. 1977 übernahm sie in Eriprando Viscontis Drama Una spirale di nebbia an der Seite von Marc Porel und Duilio del Prete die Hauptrolle der unglücklich verheirateten Maria Teresa. 1984 drehte sie erneut in Italien in der weiblichen Hauptrolle als Gianni Morandis deutsche Ehefrau Barbara in der Miniserie Wie im Flug.
1975/1976 drehte sie in Japan ein Drama über die Gleichgültigkeit des Okzidents gegenüber der Dritten Welt: Unter der Regie von Kei Kumai reist sie in Das Nordkap als Nonne Marie-Thérèse von Marseille nach Yokohama und erlebt eine unmögliche Liebe zu dem Ingenieur Mitsuo (Gō Katō).
Ihr einziger deutscher Kinofilm ist Gabi Kubachs Rendezvous in Paris, der 1981 in München, Prag und Paris entstand. In dieser Verfilmung eines Romanes von Vicki Baum ist sie eine Berlinerin der 1930er Jahre, die ihre Ehe (mit Harald Kuhlmann) und bürgerliche Existenz für eine Affaire mit einem Amerikaner (Barry Stokes) aufs Spiel setzt.
Anfang der 1980er Jahre spielte Claude Jade, die von 1979 bis 1982 in Moskau lebte, in zwei sowjetischen Filmen. In Teheran 43 von Alexander Alow und Wladimir Naumow ist sie die junge Terroristin Françoise und in Sergei Jutkewitschs Lenin in Paris die Revolutionärin Inessa Armand.
Fernsehen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]„Kino oder Fernsehen, das macht für mich wirklich keinen Unterschied. Eine schwer zu verteidigende Rolle ist es, die mich glücklich macht“, sagte Jade, die während ihrer Laufbahn neben dem Kino vor allem für das Fernsehen tätig wurde. So spielte sie parallel zu den Dreharbeiten zu Topas die Rolle der Waise Françoise in der TV-Saga Mauregard.
Bereits 1965 hatte sie in einem TV-Film ihres Cousins Guy Jorré, Le Crime de la rue de Chantilly, als Lily ihre ersten Auftritte vor einer Fernsehkamera. 1967 erhielt sie ihre erste Serienhauptrolle in Les Oiseaux rares als pubertierende freche Sylvie. Später kann sie auf dem Bildschirm gegen ihr freundliches Leinwand-Image angehen, so als gerissene Serienmörderin Hélène in Malaventure: Monsieur seul. TV-Erfolge waren der Horrorfilm Schach dem Roboter, in dem sie als Penny einem unheimlichen Grafen das Handwerk legt, und Alle lieben Mami Rose, in dem sie als überforderte Mutter eines verhaltensgestörten Jungen auftritt. Der wohl größte Erfolg ihrer Fernsehkarriere war die Rolle der Véronique d’Hergemont, der couragierten Heldin des zum Kult avancierten Sechsteilers Die Insel der dreißig Tode (in Deutschland lief die insgesamt sechsstündige Produktion in zwölf Teilen).
Im Fernsehen spielte sie auch in Literaturadaptionen, so mit Michel Bouquet in Zwischen Tod und Leben nach Georges Simenons Die Glocken von Bicêtre und in dem Krimi La Grotte aux loups nach André Bessons Die Wolfshöhle. Ebenso war sie öfters in Theaterverfilmungen zu sehen: Ein Sommernachtstraum, Volpone, Die Mondvögel, La Mandragore u. a.
Der Fernsehfilm Une petite fille dans les tournesols, in dem sie 1984 als den Tod ihres Ehemannes betrauernde Marelle die Welt der Mythologie entdeckt, wurde mit einem Prix des auteurs ausgezeichnet. Das Fernsehen führte Jade auch nach Deutschland, wo sie 1981 die Hauptrolle in Gabi Kubachs Rendezvous in Paris nach Vicki Baums gleichnamigem Roman spielte. Außerdem war sie in Deutschland als Barbara in der Miniserie Wie im Flug (1984), als Suzan Frend in dem Sechsteiler Das große Geheimnis und in den Serien Der Hitchhiker (als Monique in der Folge Was der Maler sah), Kommissar Moulin (als Isabelle in der Folge Die Freundin aus der Kindheit) und Julie Lescaut (als Estelle Toulouse in der Folge Lynchjustiz) zu sehen.
Von 1998 bis 2000 war Claude Jade als Anna Chantreuil Heldin der Serie Cap des Pins, der ersten französischen Daily Soap. Ihren Serien-Ehemann Gérard Chantreuil spielte Paul Barge, der bereits in Der Rächer aus dem Sarg und La Mandragore ihr Filmpartner gewesen war.
Seit Mitte der 1990er Jahre arbeitete sie fast ausschließlich für das Fernsehen (Fleur bleue, Le Bonheur des autres, La Tête en l’air, Porté disparu, Un enfant au soleil, Das Findelkind). Außerdem ist sie Gaststar in den Krimiserien Une femme d’honneur, Kommissar Navarro, Julie Lescaut, La Crim’ und Groupe flag.
Im neuen Jahrtausend spielte sie für das Kino noch in Santiago Otheguys Beitrag Aufwärts zu dem Episodenfilm Drogenszenen und in Julien Donadas Kurzfilm À San Remo.
Seit Ende der 1990er Jahre übernahm sie auch häufig Parts in Hörspielen des Radiosenders France Culture (u. a. in Les Rapapommes, Meurtre pour mémoire, Pot-Bouille, L’Abyssin sowie in Le Journal d’Alphonse, einer Fortsetzung des Truffaut’schen Doinel-Zyklus).
Theater
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am Theater ebenfalls eine feste Größe, spielte Claude Jade kontinuierlich in Paris, Lyon, Dijon und Nantes. Von 1977 bis 1984 trat sie allein in sechs Inszenierungen des Regisseurs Jean Meyer auf.
Jade spielte unter anderem in Stücken von Luigi Pirandello (als Frida in Heinrich IV), Jean Giraudoux (als Isabelle in Intermezzo und als Helena in Der trojanische Krieg findet nicht statt), Sacha Guitry (in Je t’aime), Honoré de Balzac (als Adeline Mercadet in Der Macher), William Shakespeare (als Helena in Ein Sommernachtstraum), Jacques Deval (als Clarisse in Il y a longtemps que je t’aime), Stefan Zweig (als Colomba in Volpone), Jean Racine (als Junia in Britannicus), Vladimir Volkoff (als Ingeborg Schultz in Das Verhör), Henry de Montherlant (als Françoise in Port Royal), Marcel Aymé (als Sylvie in Die Mondvögel), James Joyce (als Berthe in Verbannte), Julien Vartet (als Lucie Raboin in Un château au Portugal), Michel Vinaver (als Hélène in Dissident, il va sans dire), Catherine Decours (als Marquise de Bonchamps in Regulus 93 ou la Veritable Histoire du citoyen Haudaudine) und Alfred de Musset (als Maria Soderini in Lorenzaccio).
2006 begeisterte Jade bis kurz vor ihrem Tod das Pariser Publikum in der Titelrolle von Jacques Rampals Stück Célimène und der Kardinal, das, vom Autor selbst inszeniert, im Sommer 2006 mit ihr und Patrick Préjean auch verfilmt wurde.
Tod und Abschied
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Claude Jade litt am Ende ihres Lebens an einem Retinoblastom und spielte in Célimène et le Cardinal 2006 bereits mit einer Prothese. Sie starb im Frühjahr 2007 im Hôpital Ambroise-Paré in Boulogne-Billancourt an den Folgen ihrer Krebserkrankung.
Die Trauerfeier wurde am 5. Dezember in der protestantisch-reformierten Kirche Oratoire du Louvre abgehalten. Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres bezeichnete Jade in einem Nachruf als „die Inkarnation des Charmes und der Eleganz Frankreichs, die in diesem verdammten Metier Generationen von Schauspielerinnen als Vorbild galt“. Véronique Cayla, Vorsitzende des Centre national de la cinématographie, würdigte sie als „Lichtgestalt des französischen Kinos mit einer Klarheit in ihrem Handwerk“, und der Autor und Regisseur Jacques Rampal verabschiedete sie mit den Worten: „Sie dachte immer nur an die anderen in diesem Metier der Ellenbogen. Sie beendete ihr Leben auf der Bühne, es endete in Schönheit, sie gab eine bemerkenswerte Vorstellung, es war der 8. August, es war erst gestern.“[5]
Die Zeitung Neues Deutschland schrieb: „Wenn man Fotos von Claude Jade, der Wegbegleiterin Truffauts vom Bahnbrecher des formalen Experiments zum romantischen Erzähler, nun wieder betrachtet, dann kehrt eine wunderbare Zeit ins Gedächtnis zurück, die für immer vorbei ist. Man wollte nach Paris und ging einfach ins Kino. Mit dem Unerfüllbaren einer Sehnsucht befreundet zu sein, das war das schöne Erlebnis.“
Die Cinémathèque française widmete Claude Jade vom 19. bis 26. April 2007 eine Hommage.[6]
2013 wurde in Dijon eine Straße nach ihr benannt: die Allée Claude Jade.
Filmografie (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1967: Le Crime de la rue de Chantilly (TV-Film); Regie: Guy Jorré
- 1967: Prunelle (TV-Serie); Regie: Edmond Tiborovsky
- 1967: Allô Police: Retour à l’envoyeur (TV); Regie: Daniel Lecomte
- 1967: Les Oiseaux rares (TV-Serie); Regie: Jean Dewever
- 1968: Geraubte Küsse (Baisers volés)
- 1968: Der Rächer aus dem Sarg (Sous le signe de Monte Cristo)
- 1969: Topas (Topaz)
- 1969: Mein Onkel Benjamin (Mon oncle Benjamin)
- 1969: Der Zeuge (Le Témoin)
- 1969: Ein Sommernachtstraum (Le Songe d’une nuit d’été)
- 1970: Mauregard (TV); Regie: Claude de Givray
- 1970: Tisch und Bett (Domicile conjugal)
- 1971: Le Bateau sur l’herbe; Regie: Gérard Brach
- 1971: Shéhérazade (TV); Regie: Pierre Badel
- 1971: Les Oiseaux de lune (TV); Regie: André Barsacq
- 1972: La Mandragore (TV); Regie: Philippe Arnal
- 1972: Kerzenlicht (Les Feux de la chandeleur)
- 1973: Trautes Heim (Home sweet Home); Regie: Benoît Lamy
- 1973: Le Château perdu (TV); Regie: François Chatel
- 1973: Malaventure: Monsieur Seul (TV); Regie: Joseph Drimal
- 1973: Der Abbé und die Liebe (Prêtres interdits); Regie: Denys de La Patellière
- 1973: Number One; Regie: Gianni Buffardi
- 1973: La ragazza di Via Condotti
- 1974: Il y a longtemps que je t’aime (TV); Regie: Raymond Gérôme, Georges Folgoas
- 1975: Trop c’est trop; Regie: Didier Kaminka
- 1975: Das böse Vergnügen (Le Malin Plaisir); Regie: Bernard Toublanc-Michel
- 1975: Alle lieben Mami Rose (Mamie Rose) (TV); Regie: Pierre Goutas
- 1975: Maître Pygmalion; Regie: Jacques Nahum
- 1976: Le Choix (Le Choix/De Keuze); Regie: Jacques Faber
- 1976: Das Nordkap (北の岬 / Kita no misaki); Regie: Kei Kumai
- 1976: Schach dem Roboter (Le Collectionneur de cerveaux); Regie: Michel Subiela
- 1977: Zwischen Tod und Leben (Les Anneaux de Bicêtre); Regie: Louis Grospierre
- 1977: Una spirale di nebbia; Regie: Eriprando Visconti
- 1978: La Passion de Camille et Lucile Desmoulins (TV) R: Jean-Paul Carrère
- 1978: Ein Pauker zum Verlieben (Le Pion); Regie: Christian Gion
- 1978: Fou comme François (TV); Regie: Gérard Chouchan
- 1978: Volpone (TV); Regie: Jean Meyer, Pierre Sabbagh
- 1978: Ulysse est revenu (TV); Regie: Jean Dewever
- 1979: Claude Jade lit Madame de Sévigné (TV), Regie: Jacques Cornet
- 1979: Liebe auf der Flucht (L’Amour en fuite); Regie: François Truffaut
- 1979: Die Insel der 30 Tode (L’Île aux trente cercueils) (Serie); Regie: Marcel Cravenne
- 1980: Au bout du chemin (TV); Regie: Daniel Martineau
- 1980: Teheran 43 (Тегеран-43 / Tegeran-43); Regie: Alexander Alow und Wladimir Naumow
- 1980: Lenin in Paris (Ленин в Париже / Lenin w Parishe); Regie: Sergei Jutkewitsch
- 1980: La Grotte aux loups (TV); Regie: Bernard Toublanc-Michel
- 1981: Nous ne l’avons pas assez aimée (TV); Regie: Patrick Antoine
- 1981: Quelqu’un manque (Kurzfilm); Regie: Jean-Claude Messager
- 1981: Le bahut va craquer; Regie: Michel Nerval
- 1981: Kommissar Moulin: Die Freundin aus der Kindheit (TV); Regie: Jean Kerchbron
- 1981: Treize (TV); Regie: Patrick Villechaize
- 1982: Lise et Laura; Regie: Henri Helman
- 1982: L’Honneur d’un capitaine; Regie: Pierre Schoendoerffer
- 1982: Rendezvous in Paris; Regie: Gabi Kubach
- 1984: Une petite fille dans les tournesols; Regie: Bernard Férié
- 1984: Wie im Flug (Voglia di volare) (TVS); Regie: Pier Giuseppe Murgia
- 1987: L’Homme qui n’était pas là; Regie: René Féret
- 1987: Qui sont mes juges ? Regie: André Thiery
- 1988: Das große Geheimnis (Le Grand Secret) (TVS); Regie: Jacques Trébouta
- 1990: Hitchhiker: Windows (Was der Maler sah) (TV); Regie: René Manzor
- 1991: Fleur bleue (TV); Regie: Jean-Pierre Ronssin
- 1991: L’Éternité devant soi (TV); Regie: Stéphane Bertin
- 1991: Le Bonheur des autres (TV); Regie: Charles Bitsch
- 1992: Tableau d’honneur; Regie: Charles Nemes
- 1993: La Tête en l’air (TVS); Regie: Marlène Bertin
- 1994: Eugénie Grandet; Regie: Jean-Daniel Verhaeghe
- 1994: Bonsoir; Regie: Jean-Pierre Mocky
- 1995: Belle Époque (TV); Regie: Gavin Millar
- 1995: Navarro: Sentiments mortels (TV); Regie: Nicolas Ribowski
- 1995: Julie Lescaut: Rumeurs (Lynchjustiz) (TV); Regie: Marion Sarraut
- 1995: Porté disparu (TV); Regie: Jacques Richard
- 1997: Inspecteur Moretti: Un enfant au soleil (TV); Regie: Gilles Béhat
- 1997: Une femme d’honneur: Mémoire perdue (TV); Regie: Michèle Hauteville
- 1998: Le Radeau de la Méduse; Regie: Iradj Azimi
- 1998–2000: Cap des Pins (TVS); Regie: diverse
- 2000: Drogenszenen (Scénarios sur la drogue) Episode Aufwärts; Regie: Santiago Otheguy
- 2000: Das Findelkind (Sans famille); Regie: Jean-Daniel Verhaeghe
- 2003: À San Remo (Kurzfilm); Regie: Julien Donada
- 2004: La Crim’: Le Secret (TV) (dt. Das Geheimnis); Regie: Dominique Guillo
- 2005: Groupe Flag: Vrai ou faux (TV) (dt. Wahr oder falsch); Regie: Étienne Dhaène
- 2006: Célimène et le Cardinal (Theaterfilm/DVD); Regie: Jacques Rampal
Theater (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1964: Die Schule der Frauen (Molière) Rolle: Agnès, Regie: André Héraud, Dijon und Tournee
- 1967: Heinrich IV (Luigi Pirandello) Rolle: Frida, Regie: Sacha Pitoëff, Paris, Théâtre moderne
- 1969: Ein Sommernachtstraum (William Shakespeare) Rolle: Helena, Regie: Jean-Christophe Averty, Paris, Buttes-Chaumont
- 1971: Je t’aime (Sacha Guitry) Rolle: Elle (Denise), Regie: Julien Bertheau, Paris, Palais au Théâtre-Royal
- 1971: Die Mondvögel (Marcel Aymé) Rolle: Sylvie, Regie: André Barsacq, Paris, Théâtre de l'Atelier
- 1972: Ich liebe dich seit langem (Jacques Deval) Rolle: Clarisse, Regie: Raymond Gérôme, Paris, Théâtre Marigny
- 1975: Der trojanische Krieg findet nicht statt (Jean Giraudoux), Rolle: Helena, Regie: Jacques Mauclair, Lyon, Théâtre des Célestins
- 1977: Port Royal (Henry de Montherlant) Rolle: Françoise, Regie: Jean Meyer, Lyon, Théâtre des Célestins
- 1978: Intermezzo (Jean Giraudoux) Rolle: Isabelle, Regie: Jean Meyer, Lyon, Théâtre des Célestins
- 1978: Volpone (Ben Jonson, Stefan Zweig, Jules Romains), Rolle: Colomba, Regie: Jean Meyer, Paris, Théâtre Margigny
- 1980: Britannicus (Jean Racine), Rolle: Junia, Regie: Jean Meyer, Lyon, Théâtre des Célestins
- 1983: Verbannte (James Joyce), Rolle: Berthe, Regie: Jean Meyer, Lyon, Théâtre des Célestins
- 1984: Der Macher (Honoré de Balzac), Rolle: Adeline Mercadet, Regie: Jean Meyer, Lyon, Théâtre des Célestins
- 1986: Das Verhör (Vladimir Volkoff), Rolle: Ingeborg Schulz, Regie: Jean-Paul Zehnacker, Paris, Paris Festival 13
- 1988: Regulus 93 (Catherine Decours), Rolle: Marquise Marie Renée de Bonchamps, Regie: Jean-Luc Tardieu, Nantes
- 1991: Un chateau au Portugal (Julien Vartet), Rolle: Lucie Raboin, Regie: Idriss, Paris, Studio des Champs Elysées
- 1992: Dissident il va sans dire - Verschwunden ohne ein Wort (Michel Vinaver), Rolle: Hélène, Regie: Jean Maisonnave, Dijon, Athénée
- 2001: Lorenzaccio (Alfred de Musset, George Sand), Rolle: Marie Soderini, Regie: Henri Lazzarini, Paris, Théâtre Mouffetard
- 2006: Célimène und der Kardinal (Jacques Rampal), Rolle: Célimène, Regie: Jacques Rampal, Paris, Lucernaire, Festival de Sarlat
Weitere Auftritte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1970: Dim, Dam, Dom (TV) Moderatorin
- 1970: Gala de l’union (dt. Gala-Premiere) Mitwirkende mit Zauberkunststück (mit Michel Piccoli und Marion Game)
- 1975: La Clef des chants (TV) Moderatorin
Hörspiele und Lesungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1975 besprach sie eine Schallplatte mit der Geschichte François le bossu der Comtesse Sophie de Ségur.[7] Später sprach Claude Jade in Hörspielen.
Hörspiele und Lesungen im Hörfunkprogramm France-Culture
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1997: Mais qu’est-ce qu’on fait du violoncelle ? von Mateï Visniec, Regie: Myron Meerson, u. a. mit Serge Avedikian
- 1997: Les Rapapommes von Karine Mazoumian, Regie: Myron Meerson (Erzählungen für Kinder in zwei Teilen), u. a. mit Serge Avedikian
- 1997: Der Abessinier (L’Abyssin) von Jean-Christophe Rufin, Regie: Myron Meerson, u. a. mit Jacques Leplus
- 1998: Histoires en liberté: La parapluie von Yves Dantin, Regie: Myron Meerson, mit Philippe Siboulet
- 1999: Condoléances ou Je suis là, chérie von Roland Zehm, Regie: Myron Meerson, mit Bernard-Pierre Donnadieu
- 1999: Marathon de lecture, Werke von Autores des XX. Jahrhunderts (Ausstrahlung vom 31. Dezember 1999 zum 1. Januar 2000)
- 2001: Bonjour, monsieur Hugo; Bonjour, monsieur Dumas, Regie: Michel Sidoroff
- 2002: Pot-Bouille von Émile Zola, Regie: Myron Meerson (Serie), mit Sophie Barjac u. a.
- 2002: Meurtres pour mémoire (Bei Erinnerung Mord / Karteileichen) von Didier Daeninckx, Regie: Michel Sidoroff (Serie)
- 2004: Meurtre en famille von Martin Laurent, Regie: Michel Sidoroff, mit Daniel Isoppo u. a.
- 2004: Le Journal d’Alphonse von Élisabeth Butterfly und François Truffaut, Regie: Vanessa Vadjar, mit Stanislas Merhar
Lesungen (2002–2003)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Han d’Islande von Victor Hugo in Ajaccio
- Nouvelles, Novellen von Anton Tschechow in Campbon
- Die Kleine Bijou de Patrick Modiano, Festival 18 (Paris)
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neben dem Theaterpreis Prix de Comédie wurde sie 1970 mit dem Prix Révélation de la nuit du Cinéma, dem Vorgänger des französischen Filmpreises César,[8] und in Brasilien für ihre Leistung in Le Bateau sur l’herbe (O Barco na relva) mit der Goldenen Eule geehrt.
1975 erhielt sie auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes den Prix orange.
Ehrenpreise: 2000 wurde Claude Jade in West Palm Beach den New Wave Award für ihre Rolle in der Filmwelt und 2002 in Puget-Théniers mit dem Prix Réconnaissance des Cinéphiles ausgezeichnet.
1998 wurde Jade zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2004 erschien Jades Autobiografie Baisers envolés im Verlag Éditions Milan. Sie schrieb Beiträge zu weiteren Büchern, so zu Hitchcock von Bruno Villien und Frenchie goes to Hollywood von Henri Veyrier.
In der 1999 in Deutschland erschienen Truffaut-Biografie von Antoine de Baeque und Serge Toubiana wird die Liebesbeziehung zwischen Truffaut und Jade beschrieben. Elisabeth Gouslans 2016 erschienenes Buch Truffaut et les Femmes widmet sich Truffauts Beziehungen zu seiner Ehefrau Madeleine, zu Jeanne Moreau, Françoise Dorléac, Claude Jade, Catherine Deneuve und Fanny Ardant.[9] 2019 erscheint das Buch La Cinematique des muses von Ludovic Mabreuil, in dem zwanzig Filmmusen porträtiert sind, darunter Claude Jade.[10]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Claude Jade bei IMDb
- Claude Jade bei Filmdienst.de
- Theaterarchiv Claude Jade
- theatreonline: Claude Jade
- deutsche Online-Filmbank Omdb Claude Jade
- BDFF: Claude Jade. Illustrierte Filmographie zu 69 ihrer Filme in französischer Filmdatenbank
- cineclap: Claude Jade
- Hommage auf Cinematheque.fr
- Blog über die Schauspielerin Claude Jade
- TV Wunschliste – Filme mit Claude Jade im deutschen Fernsehen
- Claude Jade seriebox
- Claude Jade in der Deutschen Synchronkartei
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Claude Jade: Baisers envolés. Éditions Milan, 2004
- ↑ Antoine de Baecque, Serge Toubiana: Truffaut, vgs-Verlag 1999
- ↑ Rolf-Ruediger Hamacher: Nachruf, im film-dienst 1/2007, S. 18
- ↑ Bed and Board
- ↑ Ici Paris, Bericht Claude Jade (zur Trauerfeier), N° 3206, Dezember 2006, S. 52/53
- ↑ Claude Jade Du 19 au 26 avril 2007 – HOMMAGE A CLAUDE JADE ( vom 1. Februar 2013 im Webarchiv archive.today), auf cinematheque.fr
- ↑ Claude Jade bei Discogs
- ↑ Zum 17. Todestag: Triomphe Révélation de la Nuit du cinéma – die Entdeckung des Jahres 1970, auf claudejade.com
- ↑ Truffaut et les femmes, auf grasset.fr
- ↑ Cinématique des muses ( vom 4. Juli 2019 im Internet Archive), auf pgderoux.fr
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Jade, Claude |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Schauspielerin |
| GEBURTSDATUM | 8. Oktober 1948 |
| GEBURTSORT | Dijon, Frankreich |
| STERBEDATUM | 1. Dezember 2006 |
| STERBEORT | Paris, Frankreich |