Moto Guzzi Norge 1200

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Moto Guzzi
Norge.jpg
Modelljahr 2007
Norge 1200
Hersteller: Moto Guzzi
Verkaufsbezeichnung Norge
Produktionszeitraum ab 2006
Klasse Motorrad
Bauart Sporttourer
Motordaten
Flüssigkeitsgekühlter V-Motor mit zwei Zylindern
Hubraum (cm³) 1151
Leistung (kW/PS) 75/102 bei 7000/min
Drehmoment (N m) 104 bei 5500/min
Höchst­geschwindigkeit (km/h) 220
Getriebe 6 Gänge
Antrieb Kardanantrieb
Bremsen Hydraulisch betätigte Doppelscheibenbremse Ø 320 mm vorne, Einscheibenbremse Ø 282 mm hinten
Radstand (mm) 1495
Maße (L × B × H, mm): 2195 × 880 × 1430–1480
Sitzhöhe (cm) 81
Leergewicht (kg) 255

Die Moto Guzzi Norge [ˇnɔrɡə] ist ein vollverkleidetes Motorrad des italienischen Zweiradherstellers Moto Guzzi. Der Sporttourer wurde am 18. September 2005 auf der Zweiradmesse EICMA in Mailand präsentiert.[1]

Modellentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verkaufsbezeichnung Norge ist das einheimische Wort für Norwegen und eine Reminiszenz an eine Motorradtour von Giuseppe Guzzi, dem Bruder des Firmengründers, der im Jahr 1928 mit einer Moto Guzzi GT von der italienischen Firmenzentrale in Mandello del Lario zum Nordkap fuhr.[2]

Norge 1200 (2006–2010)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Motor der Norge 1200 stammte von der Moto Guzzi Breva 1100 ab, auch der Kraftstofftank, Sitzbank, Heckpartie, Räder, Rahmen und Fahrwerksgeometrie waren identisch. Lediglich die Abstimmung der Federelemente musste dem höheren Gewicht angepasst werden. Moto Guzzi modifizierte 60 Bauteile und vergrößerte den Kolbenhub um 1,2 mm und die Zylinderbohrung um 3 mm,[3] was den Hubraum um 87 cm³ vergrößerte.[4]

Norge GT 8V (seit 2011)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Modelljahr 2011 wurde die Norge umfangreich überarbeitet und mit dem Vierventil-Motor des Naked Bikes Moto Guzzi Griso ausgerüstet, der 9 PS mehr Leistung erzeugt. Das Fahrwerk wurde straffer ausgelegt. Die Verkleidung wurde im Windkanal komplett überarbeitet, um den Windschutz für Fahrer und Passagier zu verbessern und den Fahrer vor der Wärmeabstrahlung des Motors besser zu schützen. Nach Aussage des Herstellers wurden 80 Prozent aller Bauteile neu entwickelt oder überarbeitet.[5]

Moto Guzzi änderte die Verkaufsbezeichnung von Norge 1200 zu Norge GT 8V. Die Abkürzung GT steht für Gran Turismo, 8V beschreibt die Anzahl der Ventile.

Marktsituation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konkurrenzmodelle mit vergleichbarer Charakteristik sind die Sporttourer Kawasaki 1400GTR, Yamaha FJR1300 sowie die BMW R 1200 RT und die BMW K 1300 GT und Honda ST1300 Pan European.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der luft-/ölgekühlte Zweizylindermotor mit dem Namen „Quattrovalvole“ erzeugt aus 1151 cm³ Hubraum eine Nennleistung von 75 kW (102 PS) und ein maximales Drehmoment von 104 Nm bei einer Drehzahl von 5500 min−1. Der längs montierte V-Motor hat einen Zylinderbankwinkel von 90 Grad. Die zwei Zylinder haben eine Bohrung von 95 mm Durchmesser, die Kolben einen Hub von 81,2 mm bei einem Verdichtungsverhältnis von 11:1.

Die unten liegenden, kettengetriebenen Nockenwellen steuern über Stoßstangen je zwei Ein- und Auslassventile in den zwei seitlich herausragenden Zylinderköpfen des Viertaktmotors an.

Das Motorrad beschleunigt in 4,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h[6] und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h.[7]

Kraftübertragung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Primärtrieb erfolgt über Zahnräder. Eine hydraulisch betätigte Einscheiben-Trockenkupplung trennt den Motor vom Fahrzeuggetriebe, das sechs Gänge hat. Im Sekundärantrieb zwischen Getriebeausgang und Hinterrad arbeitet ein Kardanantrieb als Antriebswelle.

Elektrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Starterbatterie hat eine Kapazität von 18 Amperestunden und versorgt den elektrischen Anlasser. Die Lichtmaschine erzeugt eine elektrische Nennleistung von 550 Watt.

Kraftstoffversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine elektronisch gesteuerte Benzineinspritzung pumpt den Kraftstoff in die Ansaugrohre, eine Doppelzündung entzündet das Kraftstoffluftgemisch. Der Hersteller empfiehlt die Verwendung von bleifreiem Motorenbenzin mit einer Klopffestigkeit von mindestens 95 Oktan. Der Kraftstofftank hat ein Volumen von 23 Liter, davon sind 4 Liter Reserve. Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch liegt bei 7 Litern auf 100 km. Die theoretische Reichweite auf Landstraße beträgt über 350 km.

Die Abgasnachbehandlung erfolgt durch einen geregelten Drei-Wege-Katalysator mit zwei Lambdasonden und unterschreitet die Schadstoffgrenzwerte der Abgasnorm Euro-3. Die 2-in-1-Auspuffanlage mündet in einen Endschalldämpfer aus Edelstahl.[8]

Fahrwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fahrwerk baut auf einem Brückenrahmen aus Stahlrohren auf und hat hinten eine Einarmschwinge aus Aluminiumguss mit progressiver Umlenkung und Momentabstützung. Die Motor-Getriebe-Einheit ist mittragend.

Das Vorderrad wird von einer Teleskopgabel mit 45 mm Standrohrdurchmesser und 117 mm Federweg geführt. Das fahrbereite Gewicht beträgt 275 kg, die maximale Zuladung 203 kg und die Zulässige Gesamtmasse beträgt 478 kg.

Bremsanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Vorderreifen verzögert eine hydraulisch betätigte Doppelscheibenbremse, hinten eine Scheibenbremse. Alle drei Bremsscheiben sind mit einem Vier-Kolben-Schwimmsattel ausgerüstet. Ein Zweikanal-Antiblockiersystem von Continental unterstützt die Verzögerung an beiden Bremsen. Die Gussräder aus Aluminium haben die Dimension 3.50×17" vorn und 5.50×17" hinten.

Das Motorrad ist in den Farben „Braun Mogano“ und „Weiß Madreperla“ erhältlich.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Früher waren Guzzi-Tourer eine Macht, und deshalb gingen die Ingenieure mit großen Ambitionen an die Entwicklung ihres modernen Reisedampfers Norge. Sie schneiderten eine gut schützende, dennoch schlanke Verkleidung, steckten einen ordentlichen Scheinwerfer hinein, formten zwei langstrecken-taugliche Sitze, spendierten eine gehobene Grundausstattung und sorgten für eine beachtliche Verarbeitungsqualität. Das Fahrwerk geriet ihnen komfortabel, aber gleichzeitig sehr brav. Es kündigt seine Grenzen berechenbar an, setzt diese Grenzen früh.“

Norbert Kappes: Motorrad[4]

„Der kernige Motor verschiebt den Gesamtcharakter noch deutlicher in Richtung „Sporttourer“ als das Fahrwerk. Natürlich kann man auch in bester Bummellaune durch die Gegend rollen. Man kann aber auch zügig um die Ecken wetzen, wobei der Hauptständer dann schon mal Funken schlägt.“

Heiko P. Wacker: Focus[9]

„Sehr gut gefallen Vibrationsarmut und Laufkultur des Triebwerks, weniger dagegen die Lastwechselreaktionen aus dem Kardanantrieb. Die Norge ist ein komfortabel ausgelegter Tourer mit aufrechter, entspannter Sitzposition und sehr gut schützender Verkleidung, aber (zu) kleinem Windschild. Wer sie im Cruise-Modus fährt und ihren nie nervenden Sound genießt, wird seine Freude haben. Hektiker am Gasgriff werden allerdings Grenzen des Fahrwerks (Stabilität auf schlechtem Untergrund, Schräglagenfreiheit) wie auch des Temperaments bemerken.“

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Moto Guzzi Norge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maxx Biker: 2009 Moto Guzzi Norge 1200. In: topspeed.com. 8. Mai 2009, abgerufen am 24. August 2014 (englisch).
  2. Kevin Wing: Road Test. In: ridermagazine.com. 20. September 2011, abgerufen am 24. September 2014 (englisch).
  3. a b Fahrbericht. In: ADACmotorradwelt, Ausgabe 8/2006. Abgerufen am 11. September 2014.
  4. a b Norbert Kappes: All inclusive. In: Motorrad, Ausgabe 12/2006. 23. Mai 2006, abgerufen am 11. September 2014.
  5. Felix Hasselbrink: Fahrbericht. In: bma, Ausgabe 5/2011. Abgerufen am 11. September 2014.
  6. Moto Guzzi Norge 1200 (Memento vom 12. September 2014 im Internet Archive). In: wheelies-online.de.
  7. Moto Guzzi Norge GT 8V - im Test. In: motorline.cc. 13. April 2011, abgerufen am 12. September 2014.
  8. Thilo Kozik: Unterwegs in die Neuzeit. In: autogazette.de. 23. April 2011, abgerufen am 11. September 2014.
  9. Heiko P. Wacker: Die italienische Alternative zu BMW und Yamaha. In: Focus. 8. Mai 2011, abgerufen am 24. August 2014.