Nieder-Bessingen

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Nieder-Bessingen
Stadt Lich
Koordinaten: 50° 32′ 17″ N, 8° 52′ 56″ O
Höhe: 173 m ü. NHN
Fläche: 5,3 km²[1]
Einwohner: 597 (Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 113 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35423
Vorwahl: 06404
Löschwasserteich in Nieder-Bessingen

Nieder-Bessingen ist ein Stadtteil der fünf Kilometer südwestlich liegenden Kernstadt Lich im Landkreis Gießen in Hessen. Zum Dorf gehören noch die Wochenendsiedlung Albertshöhe sowie die außerhalb liegende Pein-Mühle, das Hofgut Mühlsachsen und die Wüstung Hausen. Nieder-Bessingen hat ca. 600 Einwohner. Das am Dorf vorbeifließende Gewässer ist die Wetter.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Fundstücke belegen Ansiedlungen in der Gemarkung Nieder-Bessingen schon ab der neolithischen Zeit. Die bemerkenswertesten Stücke, zwei reichgewunden Armspiralen und ein Armreif aus Bronze stammen aus einem Gräberfeld aus der Bronzezeit auf dem Heideköppel.

In nachschriftlichen Urkunden findet der Ort für 1056 Erwähnung als Bezcingen, 1160 als bezzingestat; in beiden Fällen kann man Nieder-Bessingen zu dieser Zeit als fuldischen Besitz festschreiben. Der Ortsname leitet sich vom ahd. Rufnamen Bezzo ab, also „Ort des Bezzo“. Die älteste bekannte Original-Urkunde stammt von 1226, in ihr wird der Verkauf der in (Nieder-)Bessingen gelegenen Güter des Klosters Spieskappel an Gräfin Adelheid von Ziegenhain, Gattin des Ulrich I. von Münzenberg beurkundet. Diese Siedlung gruppierte sich um die Wehrkirche und den Nassauer Hof.[3] Zu einem späteren Zeitpunkt gelangte Nieder-Bessingen in Besitz des Stiftes Wetzlar, für 1268 sind Streitigkeiten der Art festgehalten, dass die Brüder von Merlau sich weigerten, ihr Besthaupt (Steuer) nach Wetzlar zu entrichten. 1509 verkaufen die Kanoniker des Stiftes Wetzlar Nieder-Bessingen an Bernhard von Solms, woraus ein vieljähriger Streit im Hause Solms entstehen sollte. Mit der Burg zu Nieder-Bessingen „an der Südostecke der Dorfgrenze in die sumpfigen Wiesen springend“, die in einigen dieser Urkunden erwähnt ist, ist wohl der heute nicht mehr existierende Vogthof gemeint.

Sowohl der Dreißigjährige Krieg wie auch die Napoleonischen Kriege hinterließen im Ort ihre Spuren. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte die Ablösung der landesherrlichen Rechte. Im 19. Jahrhundert wurde Nieder-Bessingen für seine Gurkenzucht bekannt, man lieferte bis Gießen und Grünberg. Daneben entstanden Flachsanbau und die Leineweberei. Auch die Bürstenbinderei aus Schweineborsten war als ortsansässiges Handwerk verzeichnet, ebenso die Blutegelzucht.

Mit der Verlängerung der Butzbach-Licher Eisenbahn bis nach Grünberg erhielt Nieder-Bessingen 1908 Bahnanschluss. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Wasserleitung gebaut, die Elektrifizierung erfolgte zu Beginn der 1920er Jahre. Durch den Zuzug von Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg erhöhte sich ab 1945 die Einwohnerzahl beträchtlich. 1960 konnte das mit Förderung des Hessenplans erbaute Dorfgemeinschaftshaus eingeweiht werden.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Nieder-Bessingen am 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Lich eingegliedert.[4]

Religionsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1315 wird unter Philipp III. von Falkenstein eine eigenständige Pfarrgemeinde eingerichtet, „weil die Einwohner von Bessingen zur Winterzeit wegen Überschwemmung nicht bequem zur Kirche kommen können“. Bis dahin ein Filial von Münster, erhält die Gemeinde nun Tauf- und Bestattungsrecht. Trotzdem muss weiter Kirchenzins nach Münster entrichtet werden. 1482 gehört die Kirchgemeinde zu Hungen, ab 1504 zum Marienstift in Lich.

Schulgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulunterricht ist in Nieder-Bessingen seit 1681 nachgewiesen, bis dahin mussten die Kinder zum Unterricht nach Villingen (Hungen), dem nächstgelegenen Solms-Braunfelsischen Pfarr- und Schulort gehen.

Das um 1910 neuerbaute Schulhaus ist seit den 1970er Jahren Kindergarten auch für das benachbarte Ober-Bessingen; Schulort ist seit 1970 Lich.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Nieder-Bessingen unterstand im Überblick:[1][5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1875: 337 Einwohner
  • 1925: 317 Einwohner
  • 1939: 341 Einwohner
  • 1946: 518 Einwohner
  • 1961: 444 (352 evangelische, 88 römisch-katholische) Einwohner. Erwerbspersonen: 108 Land- und Forstwirtschaft, 82 Prod. Gewerbe, 21 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 26 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1969: 439 Einwohner[8]
  • 1970: 447 Einwohner[9]
  • 1988: 544 Einwohner[8]
  • 2008: 640 Einwohner[8]
Nieder-Bessingen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
287
1840
  
303
1846
  
348
1852
  
379
1858
  
378
1864
  
353
1871
  
345
1875
  
337
1885
  
352
1895
  
328
1905
  
314
1910
  
327
1925
  
317
1939
  
341
1946
  
518
1950
  
521
1956
  
485
1961
  
444
1967
  
438
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Im Jahr 1961 wurden die folgenden Erwerbspersonen gezählt: 108 in Land- und Forstwirtschaft; 82 im produzierenden Gewerbe; 21 in Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung; 26 im Dienstleistungsbereich oder sonstigen Gewerbe.[1]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veranstaltungen und Wahlen finden im Dorfgemeinschaftshaus statt. Neben dem gemischten Chor, der seit über 50 Jahren existiert[10], gibt es seit 1897 die Freiwillige Feuerwehr Nieder-Bessingen, deren Jugendfeuerwehr und Wettbewerbsgruppe überregional bekannt ist.[11]

Bauwerke und Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dorf gibt es eine Grillhütte, eine traditionelle Landgastwirtschaft, zwei Pensionen, einen Kindergarten, einen Bäckerladen, eine Kfz-Werkstatt und weitere kleine Geschäfte.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die L 3481 führt von Lich aus kommend, über die am 6. Oktober 2010 eröffnete Ortsumgehung, am Dorf vorbei weiter in nordöstliche Richtung zum zwei Kilometer entfernten Nachbarort Ober-Bessingen und bildet damit die Hauptverkehrsstraße, auch in Richtung Gießen. Eine weitere Straße führt südlich nach Langsdorf bzw. nach Nonnenroth.

ÖPNV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Schließung des Bahnhofs in Nieder-Bessingen in den 1970er Jahren und Stilllegung der Eisenbahnstrecke gibt es nur noch Buslinien in Richtung Lich−Gießen bzw. nach Grünberg−Laubach−Schotten vom RKH und der BLE. Außerdem fahren mehrere Schulbusse nach Lich (Dietrich-Bonhöffer-Schule, Selma-Lagerlöf-Schule), Grünberg (Theo-Koch-Schule) sowie ein kleiner Extra-Bus für die Kindergartenkinder aus Ober-Bessingen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Schnorr, Nieder-Bessingen. In: Licher Heimatbuch. Die Kernstadt und ihre Stadtteile. Bearbeitet von Paul Görlich, herausgegeben vom Magistrat der Stadt Lich 1989.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Nieder-Bessingen, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 7. Oktober 2016)
  2. Steckbrief der Stadt Lich, abgerufen im Juli 2016.
  3. Geschichte Nieder-Bessingens auf www.nieder-bessingen.net
  4. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 303
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 21 (online bei Google Books).
  7. Neuste Länder und Völkerkunde, Band 22, S. 425, Weimar 1821
  8. a b c Heimatbuch der Stadt Lich, Stadtverwaltung Lich
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 364.
  10. Gemischter Chor auf www.nieder-bessingen.net
  11. Freiwillige Feuerwehr Nieder-Bessingen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]