Nieder-Bessingen

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50.5380555555568.8822222222222174Koordinaten: 50° 32′ 17″ N, 8° 52′ 56″ O

Nieder-Bessingen
Stadt Lich
Höhe: 174 m
Einwohner: 633 (2011)
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35423
Vorwahl: 06404

Nieder-Bessingen ist ein Stadtteil der 5 km südwestlich liegenden Kernstadt Lich im Landkreises Gießen, Hessen. Zum Dorf gehören noch die Wochenendsiedlung Albertshöhe sowie die außerhalb liegende Pein-Mühle, das Hofgut Mühlsachsen und die Wüstung Hausen. Nieder-Bessingen hat ca. 600 Einwohner.[1][2] Das am Dorf vorbeifließende Gewässer ist die Wetter.

Brandweiher in Nieder-Bessingen

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten]

Zahlreiche Fundstücke belegen Ansiedlungen in der Gemarkung Nieder-Bessingen schon ab der neolithischen Zeit. Die bemerkenswertesten Stücke, zwei reichgewunden Armspiralen und ein Armreif aus Bronze stammen aus einem Gräberfeld aus der Bronzezeit auf dem Heideköppel.

In nachschriftlichen Urkunden findet der Ort für 1056 Erwähnung als Bezcingen, 1160 als bezzingestat; in beiden Fällen kann man Nieder-Bessingen zu dieser Zeit als fuldischen Besitz festschreiben. Der Ortsname leitet sich vom ahd. Rufnamen Bezzo ab, also „Ort des Bezzo“. Die älteste bekannte Original-Urkunde stammt von 1226, in ihr wird der Verkauf der in (Nieder-)Bessingen gelegenen Güter des Klosters Spieskappel an Gräfin Adelheid von Ziegenhain, Gattin des Ulrich I. von Münzenberg beurkundet. Diese Siedlung gruppierte sich um die Wehrkirche und den Nassauer Hof.[3]Zu einem späteren Zeitpunkt gelangte Nieder-Bessingen in Besitz des Stiftes Wetzlar, für 1268 sind Streitigkeiten der Art festgehalten, dass die Brüder von Merlau sich weigerten, ihr Besthaupt (Steuer) nach Wetzlar zu entrichten. 1509 verkaufen die Kanoniker des Stiftes Wetzlar Nieder-Bessingen an Bernhard von Solms, woraus ein vieljähriger Streit im Hause Solms entstehen sollte. Mit der Burg zu Nieder-Bessingen „an der Südostecke der Dorfgrenze in die sumpfigen Wiesen springend“, die in einigen dieser Urkunden erwähnt ist, ist wohl der heute nicht mehr existierende Vogthof gemeint.

Sowohl der Dreißigjährige Krieg wie auch die Napoleonischen Kriege hinterließen im Ort ihre Spuren. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte die Ablösung der landesherrlichen Rechte. Im 19. Jahrhundert wurde Nieder-Bessingen für seine Gurkenzucht bekannt, man lieferte bis Gießen und Grünberg. Daneben entstanden Flachsanbau und die Leineweberei. Auch die Bürstenbinderei aus Schweineborsten war als ortsansässiges Handwerk verzeichnet, ebenso die Blutegelzucht.

Mit der Verlängerung der Butzbach-Licher Eisenbahn bis nach Grünberg erhielt Nieder-Bessingen 1908 Bahnanschluss. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Wasserleitung gebaut, die Elektrifizierung erfolgte zu Beginn der 1920er Jahre. Durch den Zuzug von Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg erhöhte sich ab 1945 die Einwohnerzahl beträchtlich. 1960 konnte das mit Förderung des Hessenplans erbaute Dorfgemeinschaftshaus eingeweiht werden.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Nieder-Bessingen am 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Lich eingegliedert.[4]

Kirchliches Leben[Bearbeiten]

1315 wird unter Philipp III. von Falkenstein eine eigenständige Pfarrgemeinde eingerichtet, „weil die Einwohner von Bessingen zur Winterzeit wegen Überschwemmung nicht bequem zur Kirche kommen können“. Bis dahin ein Filial von Münster, erhält die Gemeinde nun Tauf- und Bestattungsrecht. Trotzdem muss weiter Kirchenzins nach Münster entrichtet werden. 1482 gehört die Kirchgemeinde zu Hungen, ab 1504 zum Marienstift in Lich.

Schulgeschichte[Bearbeiten]

Schulunterricht ist in Nieder-Bessingen seit 1681 nachgewiesen, bis dahin mussten die Kinder zum Unterricht nach Villingen (Hungen), dem nächstgelegenen Solms-Braunfelsischen Pfarr- und Schulort gehen.

Das um 1910 neuerbaute Schulhaus ist seit den 1970er Jahren Kindergarten auch für das benachbarte Ober-Bessingen; Schulort ist seit 1970 Lich.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

  • 1834: 287
  • 1875: 337
  • 1925: 317
  • 1939: 341
  • 1946: 518
  • 1961: 444[5]
  • 1969: 439
  • 1970: 447[5]
  • 1988: 544
  • 2008: 640
  • 2011: 633
Datenquelle: Heimatbuch der Stadt Lich, Stadtverwaltung Lich / Webseite der Stadt Lich

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten]

Die L 3481 führt von Lich aus kommend, über die am 6. Oktober 2010 eröffnete Ortsumgehung, am Dorf vorbei weiter in nordöstliche Richtung zum zwei km entfernten Nachbarort Ober-Bessingen und bildet damit die Hauptverkehrsstraße, auch in Richtung Gießen. Eine weitere Straße führt südlich nach Langsdorf bzw. nach Nonnenroth.

Nahverkehr[Bearbeiten]

Nach Schließung des Bahnhofs in Nieder-Bessingen in den 1970er Jahren und Stilllegung der Eisenbahnstrecke gibt es nur noch Buslinien in Richtung Lich−Gießen bzw. nach Grünberg−Laubach−Schotten vom RKH und der BLE. Außerdem fahren mehrere Schulbusse nach Lich (Dietrich-Bonhöffer-Schule, Selma-Lagerlöf-Schule), Grünberg (Theo-Koch-Schule) sowie ein kleiner Extra-Bus für die Kindergartenkinder aus Ober-Bessingen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Dorfleben[Bearbeiten]

Neben dem gemischten Chor, der seit über 50 Jahren existiert[6], gibt es seit 1897 die Freiwillige Feuerwehr Nieder-Bessingen, deren Jugendfeuerwehr und Wettbewerbsgruppe überregional bekannt ist.[7] Veranstaltungen und Wahlen finden im Dorfgemeinschaftshaus statt. Des Weiteren gibt es eine Grillhütte, eine traditionelle Landgastwirtschaft, zwei Pensionen, einen Kindergarten, einen Bäckerladen, eine KFZ-Werkstatt und weitere kleine Geschäfte.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.lich.de/content/DE/geschichte_der_stadt.html (15. Mai 2008)
  2. http://www.lich.de/content/DE/ortsvorsteher.html (15. Mai 2008)
  3. http://www.nieder-bessingen.net/portal.php?func=html&name=bessingen (15. Mai 2008)
  4. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 303
  5. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 364.
  6. http://www.nieder-bessingen.net/portal.php?func=cms&name=10 (15. Mai 2008)
  7. http://ffw-nieder-bessingen.de

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Schnorr, Nieder-Bessingen. In: Licher Heimatbuch. Die Kernstadt und ihre Stadtteile. Bearbeitet von Paul Görlich, herausgegeben vom Magistrat der Stadt Lich 1989.

Weblinks[Bearbeiten]