Villingen (Hungen)

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Villingen
Stadt Hungen
Wappen von Villingen
Koordinaten: 50° 30′ 15″ N, 8° 56′ 17″ O
Höhe: 162 (147–167) m ü. NHN
Fläche: 13,02 km²[1]
Einwohner: 1351 (31. Dez. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 104 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 35410
Vorwahl: 06402
Dorfplatz an der Linde, Juli 2012
Dorfplatz an der Linde, Juli 2012

Villingen ist ein Stadtteil von Hungen im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Villingen liegt nordöstlich der Kernstadt Hungen. Der Dorfkern ist auf einer Niederterrasse entstanden, die sich hier an das rechte westliche Ufer der Horloff heranschiebt. Westlich des Ortes liegt der Oberweidgraben. Die Gemarkungsfläche beträgt 1302 Hektar, davon sind, besonders in den Höhenlagen, 604 Hektar bewaldet (Stand: 1961). Die höchste Erhebung ist der Diethersberg (246 m) im Osten der Gemarkung. Der Borgelberg (211 m) erhebt sich jenseits der Horloff als bewaldete Kuppe über dem Ort.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste urkundliche Erwähnung des Ortes ist heute nicht mehr feststellbar, jedoch wurde um 1300 die Kirche mit ihrem gotischen Chorturm gebaut. Ab 1423 waren die Grafen von Solms die Herren von Villingen.

Die Bewohner hatten es in diesem Gebiet besonders schwer und während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) war der Ort zeitweise regelrecht entvölkert. Im Jahre 1806 kam Villingen ebenfalls zum Großherzogtum Hessen. Die Pfarrkirche mit ihrem gotischen Chorturm wurde um 1300 errichtet.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 1. Januar 1977 per Gesetz die Gemeinde Villingen und drei weitere Gemeinden in die Stadt Hungen eingegliedert.[3] Für Villingen wurde wie für jeden Stadtteil ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet. Die Grenzen der Ortsbezirke folgen den seitherigen Gemarkungsgrenzen.[4]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Villingen unterstand im Überblick:[1][5]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Villingen ab 1806 das „Patrimonialgericht der Fürsten Solms-Braunfels“ in Hungen zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Ab 1822 ließen die Fürsten Solms-Braunfels ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Hungen“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Villingen zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde verzichtete der Fürst 1823.[9] Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[10]

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Hungen“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[11] Mit Wirkung vom 1. Januar 1882 wurde Villingen dem Amtsgericht Laubach zugeteilt.[12] Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des „Amtsgerichts Laubach“ und Villingen wurde dem Sprengel des Amtsgericht Gießen zugelegt.[13] Die übergeordneten Instanzen sind jetzt, das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Villingen: Einwohnerzahlen von 1830 bis 2017
Jahr  Einwohner
1830
  
884
1834
  
893
1840
  
983
1846
  
1.002
1852
  
935
1858
  
878
1864
  
830
1871
  
866
1875
  
899
1885
  
900
1895
  
894
1905
  
989
1910
  
1.053
1925
  
1.042
1939
  
1.083
1946
  
1.523
1950
  
1.557
1956
  
1.399
1961
  
1.497
1967
  
1.561
2012
  
1.397
2017
  
1.351
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][2]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1830: 866 evangelische, ein katholischer und 17 jüdische Einwohner
• 1961: 1272 evangelische, 886 römisch-katholische Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1961: Erwerbspersonen: 231 Land- und Forstwirtschaft, 326 Prod. Gewerbe, 82 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 77 Dienstleistung und Sonstiges.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. März 1964 wurde der Gemeinde Villingen im Landkreis Gießen ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Unter rotem Schildhaupt in Gold ein rechtsgewendeter, rotbezungter und -bewehrter, geflügelter blauer Löwe mit silbernem Nimbus.[14]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landesstraße 3137 führt von der Kernstadt Hungen durch den Ort und weiter nach Ruppertsburg und Laubach. In der Ortsmitte zweigt die Kreisstraße 147 nach Nonnenroth ab. Früher verkehrte hier die Vogelsberger Westbahn von Hungen nach Mücke. Die Gleise sind inzwischen abgebaut. Auf der ehemaligen Bahntrasse führt nun ein Radweg von Hungen an die Gemarkungsgrenze zu Ruppertsburg und von dort weiter nach Nonnenroth.

Im Ort gibt es eine Grundschule und einen städtischen Kindergarten sowie eine Metzgerei und eine Bäckerei.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Villingen, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 15. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerzahlen inkl. Nebenwohnsitze. In: Internetauftritt. Stadt Hungen, archiviert vom Original; abgerufen im Mai 2018. (Daten aus Archiv)
  3. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen (GVBl. II 330–28)  vom 13. Mai 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 17, S. 237 ff., § 8 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  4. Ortsbezirke nach § 6 der Hauptsatzung der Stadt Hungen PDF-Datei 308 KB
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 21, 438 (online bei Google Books).
  7. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 424 (online bei Google Books).
  8. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 135 (online bei Google Books).
  9. Theodor Hartleben (Hrsg.): Allgemeine deutsche Justiz-, Kameral- und Polizeifama, Band 2, Teil 1. Johann Andreas Kranzbühler, 1832, S. 271 (online bei Google Books).
  10. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1848, S. 237–241
  11. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze  vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  12. Bekanntmachung, die Bildung der Amtsgerichtsbezirke Hungen, Lich, Laubach, Grünberg, Homberg, Alsfeld, Vilbel und Friedberg betreffend vom 24. Dezember 1881 (Hess. Reg.Bl. S. 203–204)
  13. Der Hessische Minister der Justiz: Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16)  vom 12. Februar 1968. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 c) und Artikel 2, Abs. 4 d) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).
  14. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Villingen, Landkreis Gießen, Regierungsbezirk Darmstadt  vom 14. März 1964. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1964 Nr. 13, S. 438, Punkt 365 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,5 MB]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Villingen (Hungen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien