Periodisierung

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Klassische europäische Periodisierung der Weltgeschichte

Unter Periodisierung versteht man die Einteilung der Geschichte in Zeitalter („Epochen“) oder Zeitabschnitte mit gemeinsamen Merkmalen.

Dabei wird der Begriff „Periodisierung“ von manchen Autoren als problematisch angesehen, da er etymologisch (griechisch: periodos – „Kreislauf“) ein zyklisches Geschichtsbild nahelegt. Als Ersatz wurde der neutralere Begriff der Geschichtsgliederung vorgeschlagen. Dieser hat sich dafür aber nicht allgemein durchgesetzt.

Merkmale, Funktion und Voraussetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unterteilungen in Epochen sind – ähnlich wie auch die räumlichen Einteilungen – recht flexibel, das heißt die Grenzen zwischen ihnen sind fließend. Des Weiteren werden sie regional oft verschieden angesetzt, da bestimmte Merkmale in manchen Weltregionen nicht oder zu ganz verschiedenen Zeitpunkten auftauchen.

Eine Gliederung der Geschichte ist für ihre sinnvolle Erschließung unabdingbar. Sie kann dabei helfen, historischen Überblick zu gewinnen und erleichtert die Einordnung geschichtlicher Prozesse und Strukturen. Durch systematische Bündelungen der komplexen Vergangenheit vermag eine Periodisierung auch, diesbezügliche Lernprozesse zu ordnen und sie zu unterstützen, indem sie als orientierende „Merkhilfe“ dient.

Eine Gliederung folgt immer bestimmten Kategorien, d. h., sie setzt eine Entscheidung darüber voraus, welche Merkmale als die entscheidenden zur Abgrenzung einer Epoche angesehen werden. Für diese Entscheidung nehmen manche (v. a. frühere) Autoren „Objektivität“ in Anspruch, andere (eher heutige) betonen, dass in diese Entscheidung immer subjektive bzw. wandelbare gesellschaftliche Werte und Blickwinkel eingehen, und dass Periodisierungen wie alle Ergebnisse der Wissenschaften nur Annäherungen an ein objektives Bild der Realität sein können, die mit fortschreitendem Wissen überarbeitet werden müssen. Anzustreben sei also ein möglichst objektives Geschichtsbild.[1]

Zu den Voraussetzungen von Periodisierungen gehört nicht nur die gesellschaftlich beeinflusste Bewertung von herausgehobenen Merkmalen des Geschichtsverlaufs, sondern dazu gehören auch die jeweils zur Verfügung stehenden technischen Mittel der historischen Forschung. Je mehr die Forschung herausfindet, desto mehr Merkmale des Geschichtsprozesses müssen in Epochen „einsortiert“ werden. Dies kann neue Periodisierungen notwendig machen.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Christoph Cellarius hat sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts in der europäischen Geschichtswissenschaft die Einteilung in drei große Epochen dauerhaft etabliert. Zwischen die Epochen Altertum und Neuzeit trat ein Mittelalter genannter Zeitabschnitt, der von ca. 500 n. Chr. bis ca. 1500 n. Chr. datiert wurde.

Auf Grundlage dieser großen Dreiteilung der Geschichte werden weitere Unterteilungen getroffen, wie zum Beispiel: Alter Orient; griechisch-römische Antike (mit weiteren Unterteilungen in: archaisches und klassisches Griechenland, Hellenismus, Römisches Reich), Spätantike; dann Frühmittelalter, Hochmittelalter und Spätmittelalter; schließlich Frühe Neuzeit und Moderne (oder auch: Neueste Zeit). Auch für die Zeitgeschichte existieren solche Gliederungsansätze.

In der von Globalisierungserfahrungen geprägten modernen Weltgeschichtsschreibung werden diese traditionellen Periodisierungen als eurozentrisch kritisiert. Verschiedene Vorschläge werden gemacht, die zumindest die Verflechtungen im eurasiatischen Raum besser in den Blick nehmen. Gelegentlich werden auch die „inhaltsleeren“ Epochen-Bezeichnungen der klassischen Periodisierungen kritisiert, da sie wenig über die Besonderheiten der jeweiligen Epoche aussagten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johan Hendrik Jacob Van Der Pot: Sinndeutung und Periodisierung der Geschichte. Eine systematische Übersicht der Theorien und Auffassungen. Brill, Leiden, Boston, Köln 1999 (Vorschau).
  • Jürgen Osterhammel: Über die Periodisierung der neueren Geschichte. In: Berichte und Abhandlungen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Bd. 10, 2006, S. 45–64, urn:nbn:de:bsz:352-opus-82804.
  • Jacques Le Goff: Geschichte ohne Epochen? Ein Essay. Philipp von Zabern, Darmstadt 2016. ISBN 978-3-8053-5055-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian König: Periodisierung. In: Universität Regensburg: Propädeutikum Geschichte (PDF)
  • Markus Bernhardt, Justus Cobet, Amalie Fößel u. a.: Bausteine für das Geschichtsstudium. Ein Reader für Einführungsseminare am Historischen Institut. Universität Duisburg-Essen, 2012, Kapitel Baustein: Periodisierungssysteme, S. 15–35 (PDF)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Imanuel Geiss, Geschichte griffbreit, Bd. 6, Hamburg 1979, S. 25.