PostFinance

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  PostFinance AG
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PostFinance headquarters, Bern 2015.jpg
Staat SchweizSchweiz Schweiz
Sitz Bern
Rechtsform Aktiengesellschaft
BC-Nummer 9000[1]
BIC POFICHBEXXX[1]
Gründung 1906
Website www.postfinance.ch
Geschäftsdaten Vorlage:Infobox Kreditinstitut/Wartung/Daten veraltetVorlage:Infobox Kreditinstitut/Wartung/Jahr fehlt
Bilanzsumme 120 Mrd. CHF (31. Dezember 2016)[2]
Mitarbeiter 3571 (31. Dezember 2014)[3]
Leitung

Unternehmensleitung

Hansruedi Köng (Geschäftsleitung)

PostFinance ist eine Tochtergesellschaft der staatlichen Schweizerischen Post, welche im Privatkundengeschäft und Geschäftskundengeschäft tätig ist und als solches zu den grössten Schweizer Finanzinstituten gehört.[4] Das Haupttätigkeitsgebiet liegt im nationalen und internationalen Zahlungsverkehr. Daneben bietet sie auch Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen Sparen, Anlegen, Vorsorgen und Finanzieren an. Seit Ende Juni 2013 ist PostFinance im Besitz einer Banklizenz und unter Aufsicht der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA). 2015 wurde PostFinance von der Schweizerischen Nationalbank im Inland als systemrelevant eingestuft und muss besondere Regeln bei Eigenmitteln und Liquidität einhalten und einen Notfallplan vorlegen.[5]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die privatrechtliche Aktiengesellschaft gehört zu 100 % der Schweizerischen Post.[4] Innerhalb des Post-Konzerns nimmt PostFinance eine wichtige Stellung ein und steuert rund zwei Drittel des gesamten Betriebsertrags der Post bei. Die Bilanzsumme lag per Ende 2013 bei 115 Milliarden Schweizer Franken, der Nettogewinn (EBIT) für das Gesamtjahr 2013 bei 719 Millionen Franken. PostFinance betreut knapp 3 Millionen Kunden und beschäftigt rund 4000 Mitarbeitende (rund 3400 Vollzeitstellen).[6]

Unternehmensdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
Bilanzsumme (in Mrd. CHF) 39,9 43,1 44,2 47,3 52,1 56,2 67,2 80,3 89,3 104 115 115
Kundengelder (in Mrd. CHF) 26,7 32,8 35,7 38,2 40,6 43,7 58 75 84 95 103 108
 davon in Depositen- und Anlageform (in Mrd. CHF) 6,6 7,6 9,7 11,2 13,1 14,7 17,7 23,9 29,3 33 37 38
Nettogewinn (EBIT, in Mio. CHF) 203 243 278 312 246 318 229 441 571 591 625 719
Personalbestand (Vollzeitstellen; Jahresdurchschnitt) 2'001 2'148 2'246 2'390 2'526 2'709 2'889 3'042 3'265 3'425 3'473 3'432
Anzahl Kundenkonten (in Tausend) 2’577 2'746 2'879 3'008 3'154 3'335 3'646 3'881 4'079 4'211 4'520 4'628

Rechtsgrundlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die rechtliche Grundlage für die Tätigkeit der Post und von PostFinance bildet das Schweizer Postgesetz[7] und die Postverordnung.[8]

Die Grundversorgung mit Dienstleistungen des Zahlungsverkehrs muss im ganzen Land gewährleistet sein. Demnach müssen alle Bevölkerungsgruppen in allen Regionen in angemessener Weise Zugang zu Einzahlungen, Auszahlungen und Überweisungen haben. Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) muss dafür sorgen, dass diese Grundversorgung erbracht wird. Zu diesem Zweck legt die Post dem BAKOM jährlich einen Bericht über die Erfüllung ihres Auftrags vor.[9]

Wegfall der Staatsgarantie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Folge einer Revision des Postorganisationsgesetztes in 2012, welche auch zur Umwandlung von PostFinance in eine Aktiengesellschaft führte, wird die Staatsgarantie des Bundes per Ende September 2017 aufgehoben. Diese Staatsgarantie war in den vergangenen Jahren ein wesentlicher Grund für die Zunahme der Kundengelder. In den letzten fünf Jahren verdoppelten sich die Kundengelder von 50 Mrd. CHF auf über 100 Mrd. CHF.[10]

Die für alle Schweizer Banken wie auch ab dem 1. Oktober 2017 für die PostFinance geltende Einlagensicherung der Spargelder ist jedoch nur ein sehr beschränkter Ersatz der bisherigen umfassenden Staatsgarantie. Es gibt nicht nur eine Obergrenze von 100'000 CHF pro Kunde, sondern die Garantie des Vereins Esisuisse gilt nur bis zu einer Gesamtsumme von 6 Mrd. CHF für alle beteiligten Institute. Nach einer Schätzung würde bei einem Ausfall von PostFinance ohne weitere Leistungen an andere Institute pro Kunde nur ein Garantiebetrag von 12'000 CHF zur Verfügung stehen, weil die 6 Mrd. des Garantiefonds die etwa 50 Mia. betroffenen Kundengelder[10] bei weitem nicht zu decken vermögen.

Tätigkeitsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Postomat: Geldautomat der PostFinance, welcher nebst PostFinance Card Direct auch mit anderen Bankkarten funktioniert. Ob Gebühren für den Bargeldbezug mit einer Bankkarte am Postomaten anfallen, wird von der betreffenden Bank definiert.
Benutzeroberfläche des PostFinance-eigenen Electronic Bankings E-Finance (2009, heute veraltet)

Das Haupttätigkeitsgebiet von PostFinance ist traditionell und auch heute noch der nationale und internationale Zahlungsverkehr. Die weiteren Tätigkeitsgebiete liegen in den Bereichen Sparen, Anlegen, Vorsorgen und Finanzieren. Der «Postcheck- und Giroverkehr» nahm bereits 1906 seinen Betrieb als Teil der Schweizerischen Post auf. PostFinance ist mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent die Marktführerin im schweizerischen Zahlungsverkehr und mit E-Finance, dem Online-Portal von PostFinance, führend im Electronic Banking. Zum Bereich Zahlen gehört das Privatkonto-Sortiment und die verschiedenen damit verbundenen Dienstleistungen. Zwar hat PostFinance Ende 2013 108 Mrd. Franken Kundengelder, doch davon sind nur 38 Mrd. Franken in Depositen- und Anlageform, während der weitaus grösste Teil in Form von Guthaben auf Privat- und Sparkonti liegt.

Seit Ende Juni 2013 besitzt PostFinance eine Banklizenz und wird von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) überwacht.[11] Sie wurde zu diesem Zweck in eine privatrechtliche Aktiengesellschaft im Besitz der Schweizerischen Post überführt.

Der Bereich Anlegen umfasst eigene Anlageprodukte und solche, die in Zusammenarbeit mit anderen Banken angeboten werden. Zu den eigenen Anlageprodukten gehören Kassenobligationen und Anlagefonds. Daneben bietet PostFinance in Zusammenarbeit mit UBS weitere Anlagefonds an. Ebenso bietet PostFinance in Zusammenarbeit mit Swissquote eine Onlineplattform für den Wertschriftenhandel (E-Trading) an. Swissquote ist für PostFinance als Tradingplattform tätig und wickelt die von ihren Kunden im E-Trading aufgegebenen Börsenaufträge ab. Basierend auf der Effektenhändlerbewilligung, die PostFinance zusammen mit der Bankenbewilligung erhalten hat, ist sie Kundenhändlerin und Depotstelle für ihre rund 60'000 E-Trading-Kunden.

Im Bereich Vorsorgen bietet PostFinance ein Freizügigkeitskonto 2. Säule, Vorsorgekonto im Rahmen der Säule 3a an sowie in Zusammenarbeit mit AXA Winterthur Leben verschiedene Lebensversicherungs-Möglichkeiten.

Der Bereich Finanzieren ist das jüngste der vier Tätigkeitsgebiete von PostFinance. Seit Mai 2003 bietet PostFinance in Kooperation mit verschiedenen Partnern auch Hypotheken an. Da es ihr gemäss Postorganisationsgesetz untersagt ist, eigenständig Hypotheken und Kredite an Dritte zu vergeben, kooperiert PostFinance im Bereich Finanzieren mit der Münchener Hypothekenbank und Valiant Bank. Dabei werden die Kredite und Hypotheken nicht durch PostFinance selbst, sondern durch die beiden Partner gewährt, die diese auch in ihren Bilanzen führen und das Kreditrisiko tragen. Dafür bezahlt PostFinance ihren Partnern eine Risikoprämie.

WikiLeaks-Affäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Depeschen US-amerikanischer Botschaften durch WikiLeaks schloss PostFinance am 6. Dezember 2010 ein Konto von Julian Assange mit der Begründung, er habe einen falschen Wohnort in der Schweiz angegeben und habe kein Domizil in der Schweiz, was für ausländische Kunden ausserhalb der angrenzenden Ländern eine Voraussetzung für eine Geschäftsbeziehung sei.[12][13] Daraufhin wurde die Website postfinance.ch durch einen Denial-of-Service-Angriff zeitweise im Rahmen der Operation Payback lahmgelegt.[14][15] Von politischer Seite wurde PostFinance wegen Datenschutzbedenken kritisiert. Die Justiz prüft, ob die PostFinance beim Abbruch der Geschäftsbeziehung unter Angabe von Gründen mit der aktiven Kommunikation nach aussen das Postgeheimnis verletzte.[16] Die Bundesanwaltschaft leitete eine Voruntersuchung ein, die noch nicht abgeschlossen ist. Unabhängig dieser Untersuchung prüfte das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation als Überwachungsbehörde der Post, wie die Post über die Schliessung informierte und kam zum Schluss, dass das Postgeheimnis nicht verletzt wurde.[17]

Verurteilung wegen Geldwäscherei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2011 wurde die Schweizerische Post wegen Geldwäscherei zu einer Busse von 250'000 Franken verurteilt. Das Gericht warf der PostFinance vor, bei einer hohen Bargeldauszahlung von über 4,6 Millionen Franken an eine Anlagegesellschaft keine Abklärungen vorgenommen zu haben. Die Post verfüge über keine entsprechenden Reglemente, was ein Organisationsmangel sei. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass das Geld unsauberer Herkunft war. Die Post bestreitet, dass sie keine Reglemente hätte und ihre Mitarbeitenden wären richtig vorgegangen. Sie kündigte Berufung an.[18]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Eintrag im Bankenstamm der Swiss Interbank Clearing
  2. Postfinance Offenlegung, 2016. Abgerufen am 2. März 2017.
  3. Postfinance Geschäftsbericht, 2015. Abgerufen am 2. März 2017.
  4. a b Konzernstruktur der Post (PDF; 43 kB)
  5. Michael Ferber: SNB stuft Postfinance als systemrelevant ein. In: Neue Zürcher Zeitung vom 1. September 2015
  6. Kennzahlen, PostFinance AG aktuelle Kennzahlen.
  7. Postgesetz
  8. Postverordnung
  9. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.bakom.admin.chBundesamt für Kommunikation
  10. a b Albert Steck: Postfinance verliert Staatsgarantie und Status als Musterknabe. NZZ am Sonntag, 2. September 2017. Abgerufen am 3. September 2017
  11. Medienmitteilung der FINMA
  12. WikiLeaks: PostFinance beendet Geschäftsbeziehung zu Assange (Memento vom 26. April 2011 auf WebCite) Medienmitteilung vom 6. Dezember 2010
  13. Postfinance: «Assange hat sein Konto persönlich eröffnet» (Memento vom 3. November 2013 im Internet Archive) in: Schweizer Fernsehen vom 8. Dezember 2010
  14. Website von Postfinance wird überflutet in: NZZ Online vom 7. Dezember 2010
  15. PayPal, PostFinance Hit by DoS Attacks, Counter-Attack in Progress in: eweek.com vom 6. Dezember 2010
  16. Nach den Hackern kommen die Richter in: SonntagsZeitung vom 12. Dezember 2010
  17. PostFinance: Keine Postgeheimnis-Verletzung bei Kontoschliessung von Assange in: Swissinfo vom 9. März 2011
  18. Postfinance wegen Geldwäscherei verurteilt in: NZZ Online vom 21. April 2011

Koordinaten: 46° 57′ 25″ N, 7° 28′ 4″ O; CH1903: 602229 / 200664