Eiche (Potsdam)

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52.40472222222212.99055555555637Koordinaten: 52° 24′ 17″ N, 12° 59′ 26″ O

Eiche
Landeshauptstadt Potsdam
Höhe: 37 m
Einwohner: 4480 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 6. Dezember 1993
Postleitzahl: 14469
Vorwahl: 0331

Eiche ist ein Stadtteil Potsdams westlich des Parks Sanssouci. Die Gemeinde hat 4.480 Einwohner (2008) und ist seit 1993 eingemeindet. Sie gehörte bereits zwischen 1935 und 1952 zu Potsdam.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kirche in Eiche

Eiche wurde erstmals 1193 urkundlich erwähnt. Der Ort war bis zu den Erweiterungen ab 1881 ein Straßendorf. 1771 ließ Friedrich II. eine neue Kirche nach Entwürfen Georg Christian Ungers im Ort errichten.

Bis heute ist Eiche durch militärische Nutzung geprägt. Auf einem Hügel des Ortes (Kahleberg) wurde eine Kaserne errichtet, von der aus die Wachmannschaften des Neuen Palais versorgt wurden. Zwischen Kaserne, Kleinem Herzberg und Park Sanssouci wurden im 18. Jahrhundert Militärmanöver abgehalten und Truppenaufmärsche geprobt.

Polizei[Bearbeiten]

Die Kaserne in der Kaiser-Friedrich-Straße 143 war zunächst 1890–1891 für das Infanterie-Lehr-Bataillon in Barackenbauweise errichtet worden. In der Weimarer Republik war in ihr die Preußische höhere Polizeischule untergebracht, in welcher die Offizieranwärter der preußischen Schutzpolizei ausgebildet wurden. Ab 1935 wurde hier auch der Teil 2 der Polizeioffizier-Anwärter-Lehrgänge durchgeführt, die während der Überführung in eine Luftwaffen-Kaserne im Jahr 1935 in Luftkriegsschullehrgänge umbenannt wurden. Die Kaserne wurde 1936 als Heeresunteroffizierschule in Form der NS-typischen Heeresnormbauten neu errichtet, von denen die Hauptgebäude noch heute stehen.

In der DDR gehörte die Kaserne zur Kasernierten Volkspolizei, später Volkspolizei-Bereitschaft. Hier lag die 9. Volkspolizei-Kompanie als Spezialeinheit für Terrorismusbekämpfung - das Pendant der DDR-Polizei zur GSG 9 der Bundespolizei.

Heute befinden sich dort die Führung der Landeseinsatzeinheit der Polizei des Landes Brandenburg (LESE), eine Einsatzhundertschaft mit Beweissicherungs- und Festnahmeinheit (BFE) und die Technische Einsatzeinheit(TEE). Auch die Kriminalpolizei, das einzige Polizeipräsidium des Landes Brandenburg , der Zentraldienst der Polizei, der Kampfmittelbeseitigungsdienst und eine Außenstelle des Landeskriminalamtes sind hier angesiedelt.

Militär[Bearbeiten]

Die Kaserne der Luftnachrichten-Abteilung des Reichsluftfahrtministerium, heute Havellandkaserne, Kaiser-Friedrich-Straße 49–61, wurde 1935-38 im Rahmen der Neuaufstellung der deutschen Luftwaffe am Fuß eines Abhangs ebenfalls in Form von Typenbauten erbaut.

Am 1. Oktober 1935 wurde in dieser Kaserne die Luftnachrichten-Kompanie des Reichsluftfahrt-Ministeriums unter Major Schleich untergebracht. Sie wurde ab 1. April 1936 in die Luftnachrichten-Abteilung (Bataillons-Ebene) des Oberbefehlshabers der Luftwaffe (Hermann Göring) unter dem Kommando von Major Prinz vergrößert und umgegliedert.

Hier wurden auch Polizei-Offizieranwärter-Lehrgänge durchgeführt. Diese Lehrgänge wurden seit dem „24. Polizei-Offizieranwärter-Lehrgang (Teil 2)“ 1935 in „Luftkriegsschul-Lehrgänge“ umbenannt. Die Teilnehmer des zu dieser Zeit laufenden Polizeioffizieranwärter-Lehrgangs wurden – abhängig von ihrem Dienstalter - größtenteils zwangsweise in die deutsche Luftwaffe überführt.

Nach dem tödlichen Flugunfall des damaligen Chefs des Generalstabs der Luftwaffe Generalleutnant Walther Wever am 3. Juni 1936 in Dresden-Klotzsche wurde die Kaserne nach ihm in „General-Wever-Kaserne“ umbenannt. Dieser Schriftzug wurde auch über dem repräsentativen Einfahrtstor aus Naturstein angebracht, das in dieser Form nicht erhalten ist.

Die hier befindliche Luftnachrichten-Abteilung wurde Mitte 1939 in das Luftnachrichten-Regiment des Oberbefehlshabers der Luftwaffe unter dem Kommando von Oberstleutnant Schneider eingegliedert.

Ab April 1943 befand sich hier wegen Bombenschäden in der Berliner Zentrale der größte Teil der Abteilung III (Spionageabwehr und Gegenspionage) der militärischen Abwehr.

1956 zog hier die Nationale Volksarmee ein. Die Kaserne erstreckt sich über einen Hügel bis zum Campus der heutigen Universität Potsdam, der früheren Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit im Ortsteil Golm, die von dieser jedoch getrennt war.

Die heutige Havellandkaserne

Heute beherbergt die jetzige Havellandkaserne der Bundeswehr neben der Sportfördergruppe auch noch den Reservistenverband Land Brandenburg und das Feldjägerdienstkommando Potsdam (4./FJgBtl 351), die 3. Kompanie des Stab-/ Fernmeldebataillons des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr (Wach- und Jägerkompanie) und das Landeskommando Brandenburg, welches am 1. Januar 2007 aus dem Verteidigungsbezirkskommando 84 hervorgegangen ist. Die ehemalige Panzerbrigade 42 war hier bis 2003 ebenfalls stationiert.

In der Kaserne steht vor dem Stabsgebäude des Landeskommando Brandenburg, auf einer einfachen Betonstele ein mächtiger Bronzeadler des Bildhauers Adolf Breymann. Der Bronzeadler bewacht mit ausgebreiteten Schwingen eine auf einem Kissen abgelegte, lorbeerumkränzte Pickelhaube und einen Säbel. Die Skulptur ist eine Leihgabe der Stadt Göttingen und war Teil eines Kriegerdenkmals, das 1876 zur Erinnerung an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges dort errichtet worden war.

Verwaltungszugehörigkeit[Bearbeiten]

Eiche war eine Gemeinde des Kreises Osthavelland. Am 1. August 1935 wurde der Ort in den Stadtkreis Potsdam umgegliedert. Am 25. Juli 1952 wurde er aus Potsdam ausgegliedert. Er bildete mit dem Nachbarort Golm zusammen die neue Gemeinde Eiche-Golm im Kreis Potsdam-Land. Am 1. Januar 1962 trennte sich Eiche von Golm und wurde wieder selbständig. Schließlich wurde Eiche am 6. Dezember 1993 nach Potsdam eingemeindet.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Schmidt, Wolfgang: Historische Militärarchitektur in Potsdam heute. Berlin 2001. ISBN 3-89626-340-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eiche (Potsdam) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt