PricewaterhouseCoopers International

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Dieser Artikel behandelt den internationalen Unternehmensteil; zur deutschen Aktiengesellschaft von PwC siehe PricewaterhouseCoopers.
PricewaterhouseCoopers International
Logo
Rechtsform Limited
Gründung 1849 in London
Sitz London, Vereinigtes Königreich
Leitung Robert E. Moritz (CEO)[1]
Mitarbeiter rund 223.000 (2016)[2]
Umsatz 35,9 Mrd. USD (2016)
Website www.pwc.com

PricewaterhouseCoopers International (PwC) ist ein globales Netzwerk rechtlich selbständiger und unabhängiger Unternehmen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Unternehmens- bzw. Managementberatung.[3]

Der globale PwC-Verbund hat heute Mitgliedsfirmen in 157 Staaten, die weltweit zusammen mehr als 208.000 Mitarbeiter beschäftigen. Der Umsatz des Gesamtkonzerns belief sich im Geschäftsjahr 2015 auf 35,4 Milliarden US-Dollar.[4] PricewaterhouseCoopers entstand durch den Zusammenschluss von Price Waterhouse und Coopers & Lybrand. Beide Ursprungsunternehmen bestehen jeweils seit über 150 Jahren.

PwC ist eine der vier umsatzstärksten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt, gehört also zu den sogenannten Big Four.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges PricewaterhouseCoopers Gebäude in Berlin.

Die Geschichte des Netzwerks, das heute als PricewaterhouseCoopers firmiert, begann im Jahr 1849, als der Buchprüfer Samuel Lowell Price in London sein Unternehmen gründete. Ebenfalls in London eröffnete 1854 William Cooper ein eigenes Geschäft. Price schloss sich 1865 mit seinen beiden Kollegen Holyland und Waterhouse zu einer Partnerschaft zusammen. Neun Jahre später änderten sie deren Namen zu Price Waterhouse & Co. William Cooper firmiert seit 1861 unter Cooper Brothers.

Beide Unternehmen, sowohl Price Waterhouse & Co. als auch Cooper Brothers, expandierten kräftig. Die britische Cooper Brothers & Co. (UK) und McDonald, Currie and Co. (Kanada) sowie Lybrand, Ross Broth. & Montgomery (US) schlossen sich 1957 als Coopers & Lybrand zusammen. Im Jahr 1982 wurde die Price Waterhouse World Firm gegründet. Im Jahr 1998 schlossen sich die beiden Firmen zusammen. Vier Jahre später wurde der Unternehmensberatungsteil an IBM verkauft.

Am 30. Oktober 2013 wurde bekannt, dass PricewaterhouseCoopers eine Übernahme von Booz & Company anstrebt.[5] Seit dem Zusammenschluss am 3. April 2014 ist die internationale Strategieberatung unter dem neuen Namen Strategy& Teil des PricewaterhouseCoopers-Firmennetzwerks.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche PwC-Hauptniederlassung (Frankfurt)

Unter der Marke PricewaterhouseCoopers (PwC) bieten Unternehmen in 157 Staaten selbstständig und unabhängig voneinander Dienstleistungen an. Die Unternehmen unterliegen den dort jeweils geltenden Gesetzen, Handelsgebräuchen und berufsrechtlichen Bestimmungen. Sie können nicht für die jeweils andere Gesellschaft vertragliche Verpflichtungen eingehen. Jedes Unternehmen haftet jeweils nur für sein eigenes Handeln oder Unterlassen, nicht aber für das Handeln oder Unterlassen einer der anderen Gesellschaften. Nicht jedes Unternehmen bietet alle Leistungen an und bestimmte Leistungen können möglicherweise aufgrund der jeweils geltenden Gesetze nicht erbracht werden.

Alle Unternehmen sind der PricewaterhouseCoopers International Limited angeschlossen, die u.a. die Rechte an der Marke PricewaterhouseCoopers (PwC) hält und verwaltet, das Corporate Design verantwortet und andere koordinierende Aufgaben übernimmt. Dieses Unternehmen erbringt allerdings selbst keine Leistungen gegenüber Mandanten.

Der globale CEO ist seit 1. Juli 2009 Dennis M. Nally, der zuvor Chef der US-amerikanischen Firma war.[6] Seine Aufgaben sind aufgrund der rechtlich selbstständigen und unabhängigen Organisation eher repräsentativer Natur.

Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo bis 2010

Die Dienstleistungen von PricewaterhouseCoopers lassen sich drei Geschäftsbereichen zuordnen:

Assurance
Prüfung und prüfungsnahe Dienstleistungen
Tax & Legal
Nationale und internationale Steuerberatung, Personal- und Verrechnungspreise sowie Compliance-Beratung.
Advisory
Consulting, Transactions, Prozess- und Krisenberatung, Strategieberatung, Prozessoptimierung, Restrukturierung, Krisenmanagement, etc.

Ergänzend zur Service-Line-Struktur betreuen Teams mit branchenspezifischem Know-how Kunden aus allen Märkten, wie bspw.

  • Konsumgüterindustrie
  • Finanzdienstleistungen
  • Technologie, Medien und Telekommunikation

Der Branchenzuschnitt kann von Land zu Land variieren.

Einige Großkunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PwC in der Presse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PwC war seit 1995 als Prüfer des russischen Ölkonzerns Yukos tätig. Im Zuge der Zerschlagung des Konzerns und des Prozesses gegen Michail Chodorkowskij, der wegen Betruges und Steuerhinterziehung verurteilt wurde, konnte dieser stets auf die Berichte der PwC-Rechnungsprüfer verweisen, die eine einwandfreie Buchführung bescheinigen. Allerdings wurde auch PwC 2007 einem Verfahren wegen Steuerhinterziehung ausgesetzt, musste 290 Millionen Rubel (8,3 Millionen Euro) Steuern nachzahlen und wurde wegen angeblicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Fall Yukos juristisch verfolgt. Nachdem so der staatliche Druck auf PricewaterhouseCoopers Russland stark angestiegen war, hat man alle Rechnungsprüfungsberichte der Jahre 1995 bis 2004 wegen nicht weiter benannter neuer Erkenntnisse zurückgezogen.[9] Im Oktober 2008 wurde die Klage gegen PwC fallengelassen und das Verfahren eingestellt.[10]

Im Oktober 2011 wurde bekannt, dass es bei der in Bundesbesitz befindlichen Bad Bank FMS Wertmanagement, die von der Hypo Real Estate (HRE) ausgegliedert wurde, zu einem Buchungsfehler in Höhe von 55,5 Milliarden Euro gekommen ist[11]. Nach gemeinsamer Klärung der Faktenlage stellte das Finanzministerium ein Kommunikationsproblem zwischen den beteiligten Banken fest. Der Wirtschaftsprüfer PwC, der eigentlich die Bad-Bank beaufsichtigen sollte, habe immerhin bei der Aufklärung geholfen.[12]

Steuerberatung und Steuervermeidung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel für eine Steuervereinbarung zwischen PwC und den luxemburgischen Steuerbehörden

PwC setzte im Jahr 2013 weltweit 8,8 Milliarden Dollar mit Dienstleistungen im Bereich Steuerberatung um.[13] PwC berät seine Kunden auch bei der Erstellung von Steuervermeidungsmodellen und liefert eine Einschätzung, ob diese Modelle gerichtsfest sind. Durch eine Anhörung im Jahr 2013 wurde publik, dass das Unternehmen auch Steuermodelle erarbeitet und verkauft, bei denen die Chance vor einem Finanzgericht zu bestehen nur 50 Prozent und weniger beträgt.[14][15]

Luxemburg-Leaks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den sogenannten „Luxemburg-Leaks“ wurden im Jahr 2014 insgesamt 28.000 Seiten geheimer Steuerdokumente geleakt, aus denen hervorgeht, wie internationale und deutsche Konzerne Milliarden an Steuern vermeiden. Nach Berichten der Süddeutschen Zeitung wurden die Dokumente vor allem von PwC-Mitarbeitern verfasst. Demnach erdachten die Berater Offshore-Konstrukte für ihre Kunden, die gezielt Lücken in der internationalen Steuergesetzgebung ausnutzen. Aus den Dokumenten geht hervor, wie insgesamt 343 Konzerne ihre Steuerflucht organisieren.[16][17] Unter der Ägide des damaligen Finanzministers Jean-Claude Juncker gelang es PwC, ein Steuersparmodell für Großkonzerne wie Ikea, Pepsi, Apple, Deutsche Bank, Amazon und etlichen anderen zu entwickeln, sodass deren Steuerlast zum Teil weniger als 0,1 % des Gewinns betrug. Hierdurch entstandene Steuerausfälle in europäischen Nachbarländern gehen vermutlich in die Milliarden.[18]

PwC hat derzeit in Luxemburg 2450 Mitarbeiter und ist laut eigenen Angaben sechstgrößter Arbeitgeber Luxemburgs. Im Jahr 2013 setzte das Unternehmen in Luxemburg 288 Millionen Euro um.[19]

Caterpillar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wurde außerdem bekannt, dass PricewaterhouseCoopers ein komplexes Modell zur Steuerflucht für das Unternehmen Caterpillar etabliert hatte. 8 Milliarden Dollar Gewinn, welche zunächst in den USA erwirtschaftet wurden, wurden weiter in die Schweiz gebucht. Diese Transaktionen reduzieren die Steuerlast um 2,4 Milliarden Dollar in den USA.[20][21] Aus internen E-Mails zweier Mitarbeiter geht hervor, dass dieses Modell verschleiert werden sollte. Ein Mitarbeiter schrieb für den Fall, dass das Steuervermeidungsmodell publik würde: „Was solls, wir werden alle pensioniert sein, wenn das hochkommt.“[22]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: PricewaterhouseCoopers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. pwc.com: Leadership team
  2. [1]
  3. http://www.pwc.com/gx/en/corporate-governance/network-structure.jhtml
  4. [2]
  5. „Big Four“ in Angriffslaune, Handelsblatt Online, 13. Oktober 2013
  6. Dennis M. Nally. PwC. Abgerufen am 14. Juni 2017.
  7. Stern 12/2013, S. 86
  8. thyssenkrupp Geschäftsbericht 2014 / 2015. Abgerufen am 7. März 2017.
  9. PwC withdraws Yukos audits. Financial Times. 24. Juni 2007. Abgerufen am 14. Juni 2017.
  10. The Wall Street Journal, 27. Oktober 2008.
  11. FAZ Online, 31. Oktober 2011
  12. FAZ Online, 2. November 2011
  13. Süddeutsche Zeitung, Steuertrickser vom Dienst
  14. House of Commons, Committee of Public Accounts, Tax avoidance: the role of large accountancy firms, S.5, S.24
  15. This is money, Prem Sikka For The Daily Mail, THE PROFESSOR'S VIEW: Number's up for Big Four accountants behind tax avoidance schemes and duff audits of banks
  16. International PwC tax schemes exposed, Financial Review, Australia
  17. So wurde Luxemburg-Leaks recherchiert, Süddeutsche Zeitung, 5. November 2014
  18. Manche Gewinne müssen die Konzerne nicht einmal mit 0,1 Prozent versteuern, SZ Online, 6. November 2014
  19. Steuertrickser vom Dienst, SZ Online, 6. November 2014
  20. Michael Hudson, Sasha Chavkin, Bart Mos: Big 4 Audit Firms Play Big Role in Offshore Murk. In: International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). 5. November 2014, abgerufen am 12. Mai 2017.
  21. Caterpillar spart in der Schweiz Milliarden-Steuern. In: Handelszeitung. 1. April 2014, abgerufen am 12. Mai 2017.
  22. Steuerdeals bringen PwC, Ernst & Young, KPMG und Deloitte in Erklärungsnot. In: Manager Magazin Online. 6. November 2014, abgerufen am 12. Mai 2017.