Protosinaitische Schrift

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Protosinaitische Schrift
Schrifttyp Konsonantenschrift
Sprachen Norwestsemitisch
Entstehung vermutlich ab 1700 v. Chr.
Verwendet in Sinai-Halbinsel, Mittelmeerraum
Abstammung Wadi-el-Hol-Schrift (?)
Protosinaitische Schrift
Abgeleitete Ugaritische Schrift, Phönizisch-punische Schrift, Althebräische Schrift
Protosinaitische Schrift (ca. 1500 v. Chr.)

Die Protosinaitische Schrift (auch proto-kanaanäische Schrift oder bildhaft-kanaanäische Alphabetschrift) ist vermutlich ein Vorläufer der phönizischen Konsonantenschrift, von deren 22-buchstabigem Alphabet unter anderem die hebräische, die griechische, die lateinische, die arabische und die kyrillische Schrift abgeleitet sind. Es wird angenommen, dass sie um 1700 v. Chr. unter dem Einfluss des Konzepts der Einkonsonantenzeichen der ägyptischen Hieroglyphen auf der Sinai-Halbinsel entstand. Die Schrift wird nach dem Fundort und zur Unterscheidung von der jüngeren sogenannten Sinaischrift protosinaitisch genannt. Sie hat in der sogenannten Wadi-el-Hol-Schrift möglicherweise einen Vorläufer.

Entdeckung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1905 entdeckte der britische Ägyptologe Flinders Petrie in den altägyptischen Minenstätten Sarabit al-Chadim, Wadi Maghara und Bir Nasib Inschriften in einer noch unbekannten Schrift. Er vermutete, dass es sich um eine Alphabetschrift handelt. 1915 gelang dem britischen Ägyptologen Alan Gardiner die Entzifferung der Schriftzeichen.[1]

Einfluss auf andere Alphabete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das aus der protosinaitischen Schrift hervorgegangene phönizische Alphabet ist die Grundlage des aramäischen, des hebräischen und des griechischen Alphabets. Auch die ugaritische Schrift geht wahrscheinlich dem Konzept nach auf diese Schrift zurück. Aus der aramäischen Schrift sind die verschiedenen indischen Schriften und die arabische Schrift hervorgegangen. Das griechische Alphabet entstand aus dem phönizischen Alphabet und war die Grundlage des lateinischen sowie des kyrillischen Alphabets. Der überwiegende Teil der heute verwendeten Alphabete geht also auf die protosinaitische Schrift zurück. Die ältesten archäologischen Funde des phönizischen Alphabets datieren um 1100 v. Chr.

Die heutige Reihenfolge des arabischen Alphabets entspricht nicht der Reihenfolge des phönizischen Alphabets, aber an den Zahlwerten ist diese noch zu erkennen. Die in der Tabelle fehlenden arabischen Buchstaben Tha, Cha, Dhal, Dad, Za und Ghain sind nicht unmittelbar aus dem phönizischen Alphabet hervorgegangen, sondern Ableitungen von Ta, Ḥa, Dāl, Sad, Ṭa und Ain.

Ob der Buchstabe Sampi des griechischen Alphabets dem phönizischen Zade entspricht, ist umstritten. Das Sigma hat zwar Form und Position des phönizischen Schin, sein Name stammt aber vom Samech. Dessen Position und Form wiederum übernahm der Buchstabe Xi für einen anderen Lautwert. Das phönizische Waw wurde in einer konsonantischen (Digamma) und einer vokalischen Form (Ypsilon) von den Griechen übernommen. Die Buchstaben Phi, Chi und Omega sind Weiterbildungen von Pi, Kappa und Omikron.

Das X wurde erst später in das lateinische Alphabet eingefügt und steht daher am Ende der klassischen Buchstaben. Das G ist eine Weiterbildung aus dem C, das ursprünglich den G-Laut und den K-Laut bezeichnete. Das U wurde aus dem V entwickelt, um vokalische und konsonantische Verwendung zu unterscheiden. Y und Z wurden aus dem griechischen Alphabet übernommen, um griechische Fremdwörter schreiben zu können. Die Buchstaben J und W wurden erst in nachrömischer Zeit aus I und V entwickelt.

Zeichenkodierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Stand Anfang 2020 liegt dem Unicode-Konsortium ein Diskussionspapier zur Zeichenkodierung in Unicode vor,[2] in dem diverse Fragen behandelt werden, die vor einer tatsächlichen Aufnahme der Schrift in Unicode noch geklärt werden müssten.

Umfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste der Schriftzeichen im Vergleich mit anderen Alphabeten
Protosinaitisch Phönizisch Hebräisch Arabisch Griechisch Lateinisch
Proto-Canaanite letter alp.svg PhoenicianA-01.svg א Aleph أ Alif Α Alpha A
Proto-Canaanite letter bet.svg PhoenicianB-01.svg ב Beth ب Ba Β Beta B
Proto-Canaanite letter gaml.svg PhoenicianG-01.svg ג Gimel ج Dschim Γ Gamma C
G
Proto-Canaanite letter digg.svg PhoenicianD-01.svg ד Daleth د Dāl Δ Delta D
Proto-Canaanite letter haw.svg PhoenicianE-01.svg ה He هـ Ha Ε Epsilon E
Proto-Canaanite letter waw.svg PhoenicianW-01.svg ו Waw و Waw Ϝ Digamma F
Υ Ypsilon Y
V
U
W
Proto-Canaanite letter zen.svg PhoenicianZ-01.svg ז Zajin ز Zay Ζ Zeta Z
Proto-Canaanite letter het.svg PhoenicianH-01.svg ח Chet ح Ḥa Η Eta H
  PhoenicianTet-01.png ט Tet ط Ṭa Θ Theta
Proto-Canaanite letter yad.svg PhoenicianI-01.svg י Jod ي Ya Ι Iota I
J
Proto-Canaanite letter kap.svg PhoenicianK-01.svg כ Kaph ك Kaf Κ Kappa K
Proto-Canaanite letter lamd.svg PhoenicianL-01.svg ל Lamed ل Lam Λ Lamda L
Proto-Canaanite letter mem.svg PhoenicianM-01.svg מ Mem م Mim Μ My M
Proto-Canaanite letter nahs.svg PhoenicianN-01.svg נ Nun ن Nun Ν Ny N
  PhoenicianX-01.svg ס Samech س Sin Ξ Xi X
Proto-Canaanite letter en.svg PhoenicianO-01.svg ע Ajin ع Ain Ο Omikron O
Proto-Canaanite letter pit.svg PhoenicianP-01.svg פ Pe ف Fa Π Pi P
Proto-Canaanite letter sad.svg PhoenicianTsade-01.svg צ Tzade ص Sad Ϻ San
Proto-Canaanite letter qup.svg PhoenicianQ-01.svg ק Koph ق Qaf Ϙ Qoppa Q
Proto-Canaanite letter ras.svg PhoenicianR-01.svg ר Resch ر Ra Ρ Rho R
Proto-Canaanite letter sims.svg PhoenicianS-01.svg ש Schin / Sin ش Schin Σ Sigma S
Proto-Canaanite letter taw.svg Proto-semiticT-01.svg ת Taw ت Ta Τ Tau T

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alan H. Gardiner, Thomas E. Peet: The Inscriptions of Sinai I. London 1917. (2nd ed. rev. & augmented by Jaroslav Černý, London 1952.)
  • Alan H. Gardiner, Thomas E. Peet, Jaroslav Černý: The Inscriptions of Sinai II. London 1955.
  • Alan H. Gardiner: The Egyptian Origin of the Semitic Alphabet, in: Journal of Egyptian Archaeology 3 (1916), S. 1–16.
  • Orly Goldwasser: Canaanites Reading Hieroglyphs. Horus is Hathor? – The Invention of the Alphabet in Sinai, in: Ägypten und Levante 16 (2006), S. 121–160.
  • Gordon J. Hamilton: The Origins of the West Semitic Alphabet in Egyptian Scripts (= Catholic Biblical Quarterly, Monograph Series 40). Washington 2006. ISBN 0-915170-40-X
  • Ludwig D. Morenz: Ägypten und die Geburt der Alphabetschrift. (= Archäologie, Inschriften und Denkmäler Altägyptens. Band 3). Marie Leidorf, Rahden (Westfalen) 2016, ISBN 978-3-86757-533-1.
  • Ludwig D. Morenz, David Sabel: Sinai und Alphabetschrift. Die frühesten alphabetischen Inschriften und ihr kanaanäisch-ägyptischer Entstehungshorizont im Zweiten Jahrtausend v. Chr. (= Studia Sinaitica. Band 3.) EB-Verlag Dr. Brandt, Berlin [2019], ISBN 978-3-86893-252-2.
  • Benjamin Sass: The Genesis of the Alphabet and Its Development in the Second Millennium B.C. (= Ägypten und Altes Testament 13). Harrassowitz, Wiesbaden 1988, ISBN 3-447-02860-2
  • Paul D. LeBlanc: Deciphering the Proto-Sinaitic Script. Subclass Press, Ottawa 2017, ISBN 978-0-9952844-0-1, Deciphering the Serabit el-Khadim Inscriptions from Sinai, S. 99–190 (englisch, online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Proto-kanaanäisches Alphabet – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
  • Lawrence Lo: Proto-Sinaitic. In: AncientScripts.com. Abgerufen am 18. Mai 2009 (englisch).
  • Salim George Khalaf: The Phoenician Alphabet. In: phoenicia.org. Abgerufen am 18. Mai 2009 (englisch).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Günter Semsek: Ägypten und Sinai. Pharaonische Tempel und islamische Traditionen. 3. Auflage. DuMont, Ostfildern 2011, ISBN 978-3-7701-6619-0, S. 390.
  2. Anshuman Pandey: Revisiting the Encoding of Proto­Sinaitic in Unicode (Unicode Document L2/19-299). Unicode Technical Committee, 30. Juli 2019, abgerufen am 27. Januar 2020.