Schachen (Gersfeld)

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Schachen
Koordinaten: 50° 27′ 52″ N, 9° 55′ 2″ O
Höhe: 551 m
Fläche: 5,76 km² (LAGIS)
Einwohner: 296 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36129
Vorwahl: 06654

Schachen ist ein Stadtteil von Gersfeld (Rhön) in der hessischen Rhön im Landkreis Fulda.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schachen vor dem Eubeberg

Schachen liegt im Naturpark Hessische Rhön im Quellgebiet der Fulda auf 570 m Höhe über NN. Es ist eine Streusiedlung mit Einzelhöfen und dem zur Gruppensiedlung verdichteten Ort mit etwa 300 Einwohnern. Er verfügt durch Pensionen, Ferienwohnungen und einem Campingplatz über einen bescheidenen Tourismus. Zum Dorf gehören die Weiler Brembach und Sommerberg, sowie die Gehöfte Hünkelshäuptchen, Fazienhof, Oberhof, Oberkohlgraben, Mittelhof, Dreierhof, Unterhof, Veitenhof, Bienloch und Unterkohlgraben. Schachen wird von der Kreisstraße 41 durchzogen, die östlich von Gersfeld in die Bundesstraße 284 mündet und in nordwestlicher Richtung nach Poppenhausen führt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Ort Schachen aus sind schon im 16. Jahrhundert Rodungen durchgeführt worden. Um 1595 wurden die Höfe Schwarzerden und Kohlstöcken errichtet, im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der Einzelhöfe weiter zu. 1626 erhielt die Gemeinde von Conrad und Lucas von Ebersberg genannt von Weyhers eine Dorfordnung.[2] Sie gehörte unter Ebersberg zum "Buchschen Quartier", einem reichsfreien Ritterkanton. Das Dorf verfügte zu dieser Zeit über eine Pfarrei und einen Schultheiß. Seit 1819 gehörte Schachen zum bayrischen Landgericht (älterer Ordnung) Weyhers. 1862 wurde es dem bayrischen und ab 1866, nach dem sogenannten Deutschen Krieg, dem Bezirksamt Gersfeld der preußischen Provinz Hessen-Nassau zugeschlagen.

Das ehemals selbstständige Schachen wurde im Rahmen der Gemeindegebietsreform am 31. Dezember 1971 zusammen mit fünf weiteren umliegenden Gemeinden nach Gersfeld eingemeindet. Am 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Altenfeld in die Stadt Gersfeld eingegliedert.[3]

Schachen Ort: 24 Wohnhäuser, 34 Familien, 181 Seelen: 14 Katholiken, 167 Protestanten, 1 protestantische Schule, die Katholiken gehen zur katholischen Schule nach Gersfeld. (1830).[4] Die weitere Einwohnerentwicklung ist: 1895: 402 Einwohner 1939: 348; 1961: 332; 1970: 307 Einwohner.

Weiler und Gehöfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bienloch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hof mit 3 Wohnhäuser, 3 Familien, 17 Seelen: Protestanten (1830).[4]

Brembach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Auch Bremig genannt) 5 Wohnhäuser, 8 Familien, 31 Seelen: 7 Katholiken, 24 Protestanten (1830).[4]

Dreierhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Dreier, mittelhochdeutsch für Dreher oder Drechsler, lässt vermuten, dass hier früher dieses Handwerk ausgeübt wurde.[5]

Einzelhof mit 5 Wohnhäusern, 8 Familien, 35 Seelen: 4 Katholiken, 31 Protestanten (1830).[4]

Hünkelshäuptchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hünkelshäuptchen ist nach einer gleichnamigen, 668 NN hohen Erhebung benannt, die dem Eubeberg (814 NN) südlich vorgelagert ist. Unmittelbar am Südhang der Erhebung sind der Hof und die umliegenden Häuser errichtet. Am Hünkelshäuptchen lebte von 1775 bis 1851 der Orgelmacher Georg Limpert, der vermutlich Dreh- und Jahrmarksorgeln herstellte.[6] Anschließend werden die Orgelbauer Johann und Nikolaus Richter, sowie Peter Limpert in Hünkelshäuptchen als Orgelbauer genannt.[7]

Das Naturschutzgebiet „Eubeberg-Hünkelshäuptchen“ ist mit seinem Mischwaldbestand, sowie mit Grünland, Feuchtflächen und Magerrasen als erhaltenswerte Kulturlandschaft in die Pflegezone B des Biosphärenreservats Rhön aufgenommen worden.[8][9]

Drei Höfen mit 4 Wohnhäusern, 5 Familien, 33 Seelen: 24 Protestanten, 9 Katholiken (1830).[4] Heute besteht Hünkelshäuptchen aus drei Höfen mit Nebengebäuden.

Fazienhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name kommt von Bonifatius, das Gehöft wurde früher auch Bonifaziushof genannt. Wynfreth Bonifatius (672– circa 755) war ein bekannter Missionar, der die Landschaft um Fulda etwa im Jahr 730 zum Christentum bekehrte. Der Fazienhof befindet sich am Osthang des Hünkelshäuptchens.

Hof mit 2 Wohnhäusern, 3 Familien, 9 Seelen: Protestanten (1830).[4] Heute besteht der Fazienhof aus zwei Höfen mit Nebengebäuden.

Ober-Kohlgraben, Unter-Kohlgraben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name deutet, wie bei anderen Ortsnamen mit dem Namensbestandteil „Kohl“, auf die Gewinnung von Holzkohle hin. Wahrscheinlich standen an diesen Plätzen früher Kohlenmeiler, um die sich später die Höfe, aus Katen heraus, bildeten.[10]

Sommerberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiler mit 8 Häusern, 10 Familien, 24 (26) Seelen, 24 Katholiken.

Organisationen und Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als einziger Verein besteht die Ortsgruppe Schachen der Freiwilligen Feuerwehr Gersfeld.

Freiwillige Feuerwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiwillige Feuerwehr Schachen wurde am 3. April 1935 gegründet und hatte 33 Mitglieder.[11] 1963 wurde nach einem Großbrand eine Motorspritze vom Hersteller Metz angeschafft sowie das veraltete Feuerhorn durch eine Sirene ersetzt. Am 20. Februar 1966 wurde der Bau eines neuen Feuerwehrhauses beschlossen welches am 18. Oktober 1970 eingeweiht wurde. Im Oktober 1995 wurde das 24 Jahre alte Fahrzeug (TSF) durch ein neues TSF der Marke Fiat Ducato ersetzt. Im Herbst 1998 erhielt die Feuerwehr Schachen eine neue TS 8/8 (Tragkraftspritze – 800 Liter pro Minute bei 8 bar Ausgangsdruck) der Marke Rosenbauer. 2007 wurden seit dem Bestehen der Feuerwehr erstmals Frauen in den aktiven Feuerwehrdienst der Feuerwehr aufgenommen. Aufgrund der Schließung einer Nachbarwehr, hat die Freiwillige Feuerwehr Gersfeld-Schachen ein Feuerwehrfahrzeug, (TSF-W Baujahr 2002) mit 750 Litern Wassertank erhalten. Am 27. Juni 2013 wurden vier neue Digitalfunkgeräte in das Fahrzeug eingebaut. 2013 hatte die Freiwillige Feuerwehr Schachen 40 aktive Mitglieder, 9 Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung und 69 passive Mitglieder.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen, Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, 1926
  • Ute Lange: Zur Schutzwürdigkeit der Eube und des Hünkelshäuptchens (Wasserkuppenrhön). In: Beiträge zur Naturkunde in Osthessen, ISSN 0342-5452, Bd. 25 (1989), S. 3–29

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsstatistik des Landkreises Fulda, abgerufen im September 2015.
  2. Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, Verein für hessische Geschichte und Landeskunde, Cassel, Gebr. Schönhoven, 1897, S. 84
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 394.
  4. a b c d e f Historische Angaben aus: Anton Rottmayer: Statistisch-topographisches Handbuch für den Unter-Mainkreis des Königreichs Bayern, Sartorius'schen Buchdruckerei, 1830, S. 417 (bei Google-Books)
  5. Horst Zimmer: Geschichte des deutschen Handwerks, Reinhard Welz Verlag, 2005, ISBN 978-3-93862217-9, S. 3
  6. Hermann Fischer: 100 Jahre Bund Deutscher Orgelbaumeister 1891-1991, Festschrift mit einem lexikalischen Verzeichnis deutscher Orgelbauwerkstätten, Orgelbau-Fachverlag, 1991, ISBN 3-92184818-0, S. 242
  7. Gottfried Rehm: Leben in der Rhön: Beiträge zur Geschichte und Volkskunde unserer Heimat, Rhön-Verlag, 1996, ISBN 3-93179632-9, S. 186
  8. Dokument des Bundesamtes für Naturschutz, S. 30 (Google-Dokument)
  9. Internetseite Biosphärenreservat Rhön (Memento des Originals vom 14. Juni 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.brrhoen.de
  10. Giessener geographische Schriften, Ausgaben 9–10, Justus Liebig-Universität Gießen. Geographisches Seminar, 1957, S. 69
  11. Freiwillige Feuerwehr Schachen