Schloss Vollrads

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Gesamtanlage von Südosten gesehen
Überblick über das Gelände
Hauptbau und Haupttor des Schlosses
Hauptbau vom Schlosshof aus
Wohnturm und Wassergraben
Wirtschaftsgebäude im hinteren Teil des Schlosshofs
Orangerie

Schloss Vollrads ist ein Schloss und Weingut im hessischen Rheingau, etwa zwei Kilometer vom Rheinufer entfernt in der Gemarkung Winkel der Stadt Oestrich-Winkel gelegen, umgeben von Wald und Weinbergen auf einer Höhe von 160 Metern.[1] Zum Weingut gehören eine Vinothek im Wirtschaftshof und ein Gutsrestaurant im Kavaliershaus mit Orangerie. Saisonal findet im Schlosshof ein Ausschank statt (Straußwirtschaft). Der Schlosshof dient traditionell als Open-Air-Spielstätte des Rheingau Musik Festivals.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss wurde nach den Herren von Winkel benannt; Vollradus ist ein Vorname. So wird 1218 ein „Vollradus in Winkela“ (so genannter „Ritter Vollradus“), 1268 ein „Conradus dictus Vollradus armiger“ (Conradus, genannt der waffentragende Vollradus) quellenkundlich erwähnt. Von der ursprünglichen Bausubstanz aus dieser Zeit ist nichts mehr erkennbar.

Den Kern des heutigen Schlosses bildet ein als Wasserburg errichteter wuchtiger Wohnturm, der von einem quadratischen Teich umgeben und nur über eine Brücke zu erreichen ist. Er geht auf das erste Drittel des 14. Jahrhunderts und die Familie von Greiffenclau zurück, die Erben der Herren von Winkel waren. Der achteckige Treppenturm, der den Donjon flankiert, wurde 1471 angebaut; der Erker ist eine Zutat von 1620. Über dem Eingang zum Wohnturm prangt das Familienwappen der Greiffenclau.

1684 wurde das heutige zweiflügelige Herrenhaus (damals zweigeschossig) von Georg Phillip Greiffenclau von Vollrads neben dem Turm erbaut. Sein Sohn Johann Erwein baute um 1700 die Wirtschaftsgebäude an, errichtete Begrenzungsmauern um den Schlossgarten und versah den Wasserturm mit einem barocken Haubendach.

1907/1908 nahm Gräfin Clara Matuschka-Greiffenclau, Ehefrau des Wiesbadener Landrates Guido von Matuschka-Greiffenclau, Umbauten vor. Sie ließ den Südtrakt des Herrenhauses um ein drittes Stockwerk erhöhen, zwei Türme mit Zwiebelhauben anbauen, die Terrassen erweitern und den Erker am Donjon ebenfalls aufstocken.

Ab 1935 war Richard Graf Matuschka-Greiffenclau, der spätere Präsident und Ehrenpräsident des Deutschen Weinbauverbandes und Landtagsabgeordneter, Gutsherr auf Schloss Vollrads.

1975 übernahm Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau den hoch verschuldeten Besitz. In den 1980er und 1990er Jahren bewirtschaftete er zusätzlich die fürstlich Löwenstein-Wertheim-Rosenberg’schen Weinberge in Hallgarten mit 16 Hektar und war so auf eine Betriebsgröße von 64 Hektar gekommen.[2] Allerdings gelang es ihm nicht, den Besitz finanziell zu sanieren. Als die Hausbank die Eröffnung des Konkursverfahrens über den Besitz beantragte, nahm sich Matuschka-Greiffenclau im Jahr 1997 das Leben. In der Folge übernahm die Nassauischen Sparkasse Schloss Vollrads und führte seitdem die Bewirtschaftung samt Weingut und Restaurant fort.[3]

Das Weingut ist Mitglied im Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter. Weite Teile des Schlosses sind für die Öffentlichkeit nicht zu besichtigen; im Rahmen von Veranstaltungen ist der Zugang möglich. Im Sommer werden Live-Musik-Veranstaltungen, zur Weinsaison im Herbst Ausschank im Innenhof angeboten. In Absprache mit dem Standesamt Oestrich-Winkel sind standesamtliche Trauungen möglich.[4]

Im Jahre 2011 wurden die Ledertapeten des Herrenzimmers im Herrenhaus aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts mit Mitteln des Landes Hessen, des Fördervereins Schloss Vollrads und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz restauriert.[5]

Weinbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinbau in der gegenwärtigen Rheingauer Einzellage Schloßberg wurde bereits im frühen Mittelalter dokumentiert. Die älteste Weinrechnung von Schloss Vollrads stammt aus dem Jahr 1211.

Seit dem deutschen Weingesetz von 1971 ist Schloss Vollrads wie auch Schloss Johannisberg, Schloss Reichartshausen und der Steinberg bei Kloster Eberbach eine anerkannte Ortsteilbezeichnung. Somit darf der Wein aus der Lage Schloss Vollrads ohne Angabe der Ortsbezeichnung „Winkel“, also einfach als „Schloss Vollrads“ etikettiert werden. Der Ortsteil Schloss Vollrads hat Anteil an den Winkeler Einzellagen Schloßberg und Dachsberg. Diese beiden Einzellagen sind für den Ortsteil Schloss Vollrads unterteilt in folgende „den Einzellagen zugeordnete kleinere geografische Einheiten“: Greiffenberg östlich, Schlossberg südlich, Marienberg südwestlich und Honigberg westlich der Gebäude von Schloss Vollrads.[6] Unter dem Namen von Einzellagen werden vermarktet Weine aus Schloss Vollrads, Schlossberg und Schloss Vollrads, Greiffenberg sowie aus dem Mittelheimer Edelmann und dem Hattenheimer Engelmannsberg.[7]

Das Schlossweingut, das zur Rheingauer Großlage Erntebringer gehört, umfasst neben der Rebfläche im Ortsteil Schloss Vollrads mit 48 Hektar[8] auch andere Lagen in Oestrich-Winkel sowie solche in Hattenheim und Geisenheim und damit insgesamt 80 Hektar.

Gepflanzt wird ausschließlich die Riesling-Rebe, aus der alle Qualitätsstufen von Qualitätswein über Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese bis zum Eiswein erzeugt werden.

Seit 2004 werden die Weinflaschen mit den Vino-Lok-Glasverschlüssen als Alternative zum traditionellen Korken verschlossen. Dadurch bleibt der Wein länger frisch und frei von Fehltönen wie dem Korkgeschmack oder anderen durch den Naturkork verursachten Weinfehlern. 2017 erfolgte die Umstellung auf Schraubverschlüsse.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Müller (Hrsg.): Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0, S. 284f.
  • Harald Winkel: Urkunden des Hausarchivs Schloss Vollrads online recherchierbar. Erschließungsprojekt im Hessischen Hauptsstaatsarchiv abgeschlossen. In: Archivnachrichten aus Hessen 18/1 (2018), S. 39f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schloss Vollrads – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Topografische Karte 1:25 000.
  2. Seite 159 in Horst Dohm: Weingüter in Deutschland. Quellen erlesener Weine. Verlag Meininger, Neustadt an der Weinstraße 1985, ISBN 3-87524-044-8.
  3. Angelika Bruder: Tragischer Tod vor idyllischer Kulisse. In: Berliner Zeitung. 20. August 1997, abgerufen am 18. August 2011.
  4. Standesamtliche Trauungen, Downloadbereich Schloss Vollrads. Abgerufen am 25. Januar 2021.
  5. Fabelwesen und Rankpflanzen in Gold. In: FAZ vom 25. Mai 2011, S. 44.
  6. Hessische Ausführungsverordnung zum Weinrecht und zur Reblausbekämpfung, Anlage 3: Schloss Vollrads im Verzeichnis der Lagen und Bereiche
  7. Preisliste Jahrgang 2020
  8. Weingut Schloss Vollrads bei Vinarium.

Koordinaten: 50° 0′ 46″ N, 7° 59′ 46″ O