Sipplingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Sipplingen
Sipplingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Sipplingen hervorgehoben
47.7958333333339.0958333333333406Koordinaten: 47° 48′ N, 9° 6′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Bodenseekreis
Höhe: 406 m ü. NHN
Fläche: 4,28 km²
Einwohner: 2083 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 487 Einwohner je km²
Postleitzahl: 78354
Vorwahl: 07551
Kfz-Kennzeichen: FN
Gemeindeschlüssel: 08 4 35 053
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 10
78354 Sipplingen
Webpräsenz: www.sipplingen.de
Bürgermeister: Anselm Neher (CDU)
Lage der Gemeinde Sipplingen im Bodenseekreis
Bodensee Österreich Schweiz Bayern Bermatingen Daisendorf Deggenhausertal Eriskirch Frickingen Friedrichshafen Hagnau am Bodensee Heiligenberg (Bodenseekreis) Immenstaad am Bodensee Kressbronn am Bodensee Langenargen Markdorf Meckenbeuren Meersburg Neukirch (Bodenseekreis) Oberteuringen Owingen Salem (Baden) Sipplingen Stetten (Bodenseekreis) Tettnang Überlingen Überlingen Uhldingen-Mühlhofen Landkreis Konstanz Landkreis Konstanz Landkreis Ravensburg Landkreis SigmaringenKarte
Über dieses Bild

Sipplingen ist eine Gemeinde im Bodenseekreis in Baden-Württemberg, etwa sechs Kilometer westlich von Überlingen am nördlichen Steilufer des Überlinger Sees, eines Teils des Bodensees.

Geographie[Bearbeiten]

Natur- und Landschaftsschutzgebiete[Bearbeiten]

Im Gemeindegebiet Sipplingens sind drei Naturschutzgebiete (Hödinger Tobel, Köstenerberg, Sipplinger Dreieck) sowie ein Landschaftsschutzgebiet (Bodenseeufer) ausgewiesen (Stand: 30. April 2009).

Geschichte[Bearbeiten]

Nordwestansicht von Sipplingen

Das Gebiet um Sipplingen ist schon sehr lange besiedelt. Die sehr gut erhaltene Abfolge der Sedimentschichten des Sipplinger Bodenseeufers erwiesen sich als ergiebige archäologische Fundstelle für steinzeit-, jungsteinzeit- und bronzezeitliche Pfahlbausiedlungen. Etwa 20 Siedlungen konnten inzwischen nachgewiesen werden. Dendrochronologische Untersuchungen datieren die erste Siedlung auf exakt 3919 v. Chr. und die letzte auf 933 v. Chr.[2] Zudem wurde 2008 von Taucharchäologen des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg vor Sipplingen in einer Flachwasserzone ein prähistorischer Schuh gefunden. Es handelt sich um eine sehr gut erhaltene, aus Lindenbast geflochtene Sandale, die zwischen 2917 und 2856 v. Chr. datiert ist.[3][4][5]

Das Dorf Sipplingen entstand vermutlich zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert. Erstmals schriftlich erwähnt wird der Ort in einer Urkunde aus dem Jahr 1155[6], in der Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) die Grenzen des Bistums Konstanz festlegte.

Lange entwickelte sich Sipplingen in relativer Abgeschiedenheit. Aufgrund seiner Steiluferlage entstanden erst im 19. Jahrhundert Straßen und Bahnverbindungen zu den Nachbargemeinden. Im 20. Jahrhundert verlor die bis dahin vorherrschende Landwirtschaft an Bedeutung und der Ort entwickelte sich zu einer Wohngemeinde.

Bei Sipplingen befinden die Reste der Burgen Haldenberg, Hohenfels und Hüneberg.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus Sipplingen

Sipplingen ist mit der Großen Kreisstadt Überlingen und der Gemeinde Owingen eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Nach der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 ergab sich folgende Sitzverteilung:

CDU 55,9 % -1,6 % 7 Sitze ±0
FW 44,1 % +1,6 % 5 Sitze ±0

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Bürgermeisterwahl ohne Gegenkandidaten am 8. März 2009 wurde Anselm Neher mit 98,85 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 57,36 Prozent für eine zweite Amtszeit bestätigt.[7]

  • 1957–1977: Robert Cordes-Schmid
  • 1977–1993: Kurt Binder
  • 1993–2001: Klaus Kayan
  • seit 2001: Anselm Neher

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde Sipplingen zeigt in Silber einen roten Löwen, die Brust belegt mit einer schräglinken natürlichen Rechthand, mit der rechten Pranke einen aus dem Unterrand wachsenden goldenen Weinstock mit drei goldenen Trauben und drei grünen Blättern, mit der linken ein blaues Rebmesser haltend.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ein Teil der erwerbstätigen Bevölkerung pendelt in die umliegenden größeren Städte, etwa Überlingen und Friedrichshafen. Vor Ort arbeiten die Einwohner hauptsächlich im mittelständischen Gewerbe. Im Gewerbegebiet Längerach haben sich vorwiegend einheimische Handwerker und Gewerbetreibende niedergelassen. Seit Jahren verschiebt sich der Schwerpunkt kontinuierlich vom produzierenden zum Dienstleistungsgewerbe. Insbesondere der Tourismus gewinnt zunehmend an Bedeutung.

In erster Linie zum Nebenerwerb oder zum Eigenbedarf wird viel Obstanbau betrieben, wobei die Kirsche eine besonders wichtige Rolle spielt. Daneben werden Zwetschgen, Mirabellen, Pflaumen, Äpfel, Birnen und Walnüsse angebaut und Honig gewonnen. Die Sipplinger Steiluferlandschaft ist nur sehr aufwendig durch Obstwiesen, Gärten, Bewaldung und Sträucher landwirtschaftlich nutzbar.[8] Es gibt 26 Kleinbrenner (Stand: Dezember 2011).[9]

Die Wasserentnahmestelle und die Aufbereitungsanlagen des Zweckverbands Bodensee-Wasserversorgung, der etwa vier Millionen Bürger in Baden-Württemberg mit Trinkwasser versorgt, befinden sich auf Sipplinger Gemarkung.

Verkehr[Bearbeiten]

Sipplingen liegt an der Bundesstraße 31 alt, etwa vier Kilometer östlich von Bodman-Ludwigshafen und sechs Kilometer westlich von Überlingen. Die Gemeinde wird über die Bodenseegürtelbahn auch von der Deutschen Bahn AG angefahren und gehört dem Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) an. Sipplingen ist durch die Motorbootgesellschaft Bodman mbH von Anfang April bis Mitte Oktober sowohl von Bodman-Ludwigshafen als auch von Überlingen über den See zu erreichen.[10]

Als direkt am See liegende Gemeinde ist Sipplingen auch Station des Bodensee-Radwegs und des Bodensee-Rundwegs.

Durch das Gemeindegebiet Sipplingens verläuft die sechste Etappe des Jubiläumswegs, ein 111 Kilometer langer Wanderweg, der 1998 zum 25-jährigen Bestehen des Bodenseekreises ausgeschildert wurde. Er führt über sechs Etappen durch das Hinterland des Bodensees von Kressbronn über Neukirch, Meckenbeuren, Markdorf, Heiligenberg und Owingen nach Überlingen.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Das Dorf besitzt einen Kindergarten und eine Grund- und Hauptschule.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Sipplingen besitzt zwei Yachthäfen, in denen Boote von Einheimischen und Feriengästen liegen. An den Uferanlagen gibt es ein Beachvolleyballfeld, zwei Boule- bzw. Boccia-Bahnen und ein öffentliches Strandbad. Am Hauberg befinden sich zwei Fußballplätze, ein Kleinspielfeld und Leichtathletikanlagen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirchturm der St. Martin Pfarrkapelle Sipplingen
Innenraum der St. Martin Pfarrkapelle in Sipplingen

Sehenswert sind der Blick auf den Bodensee sowie die über 1000-jährige Linde beim Gasthof Haldenhof.

Museen[Bearbeiten]

Im ehemaligen Bahnhofsgebäude gibt es eine kleine Galerie.

Bauwerke[Bearbeiten]

Brauchtum[Bearbeiten]

Die Bürgermiliz aus Sipplingen[12] besteht aus den Abteilungen Spielmannszug, Milizkapelle und Mannschaft unter Gewehr. Ihr Bestehen verdanken sie ihrem Eingreifen im Jahr 1849 gegen badische Revolutionäre in Bodman.[13]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hanspeter Walter: Ausstellung mit tollen Bildern der Pfahlbauten. In: Südkurier vom 8. April 2010
  3. Der älteste Schuh in Herne. In: Archäologie-Online.de vom 21. November 2008
  4. Hanspeter Walter: Alte Sandale bringt Dorf auf Trab. Vor Sipplingen wurde ein prähistorischer Schuh gefunden – Schätze gefährdet. In: Südkurier vom 11. März 2009
  5. Forscher finden Steinzeit-Sandale am Bodensee. In: Schwäbische Zeitung vom 10. März 2009, abgefragt am 9. März 2010
  6. Hanspeter Walter: Der See lässt tief blicken. In: Südkurier vom 9. April 2010
  7. Staatsanzeiger Nr. 9 vom 13. März 2009, Seite 12
  8. Gemeinde Sipplingen (Hrsg.): Sipplinger Steiluferlandschaft. Überlingen 2009, S. 2-3
  9. Südkurier-Grafik: Orlowski/ Quelle: Hauptzollamt Ulm: Zahl der Kleinbrenner. In: Hanspeter Walter (hpw): Das alte Monopol läuft aus. In: Südkurier vom 17. Dezember 2011
  10. Internetseite Motorbootgesellschaft Bodman
  11. Franziskanerinnenkloster Sipplingen, abgerufen am 23. Juli 2011
  12. Die Bürgermiliz nahm teil am Festumzug 225 Jahre Stadtkapelle Überlingen. Übertragung des SWF-Fernsehens am 10. Mai 2009
  13. Internetseite Bürgermiliz Sipplingen

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sipplingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien