Société coopérative Migros Neuchâtel-Fribourg

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Société coopérative Migros
Neuchâtel-Fribourg

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Rechtsform Genossenschaft[1]
Gründung 1941
Sitz La Tène, SchweizSchweiz Schweiz
Leitung
  • Jean-Marc Bovay (Vorsitzender der Geschäftsleitung)
  • Damien Piller
    (Präsident der Verwaltung)
  • Daniel Bena (Präsident des Genossenschaftsrates)
Mitarbeiterzahl 2'007[2]
Umsatz 755,2 Mio. CHF[2]
Branche Detailhandel, Gastronomie
Website Migros Neuchâtel-Fribourg
Stand: 2018

Die Société coopérative Migros Neuchâtel-Fribourg (deutsch Genossenschaft Migros Neuenburg-Freiburg) ist eine von zehn Genossenschaften der Migros, des grössten Detailhandelsunternehmens der Schweiz. Sie hat ihren Sitz in der Gemeinde La Tène und ist ein rechtlich eigenständiges Unternehmen innerhalb des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB). Die Migros Neuenburg-Freiburg entstand 1941 aus der Umwandlung einer Zweigniederlassung der Migros AG. Gemessen am Umsatz ist sie heute die achtgrösste aller Migros-Genossenschaften.

Organisation und Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Einzugsgebiet der Société coopérative Migros Neuchâtel-Fribourg umfasst die Kantone Neuenburg und Freiburg (ohne die Region um Estavayer-le-Lac), den westlichen Teil des Berner Juras im Kanton Bern, den Bezirk Franches-Montagnes im Kanton Jura sowie die Region um Avenches im Kanton Waadt. Am Genossenschaftskapital des MGB hält sie einen Anteil von 4,4 %.[3] Im Jahr 2018 zählte die Migros Neuenburg-Freiburg 124'000 Genossenschafter, die durch einen alle vier Jahre neu gewählten Genossenschaftsrat mit 39 Mitgliedern vertreten werden. Acht der Ratsmitglieder sind gleichzeitig Delegierte an die Delegiertenversammlung des MGB. 2018 erwirtschafteten 2'007 Mitarbeiter einen Umsatz von 755,2 Millionen Franken.[2] Der Hauptsitz der Genossenschaft ist das Verteilzentrum Marin in der Gemeinde La Tène.

Geschäftstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Société coopérative Migros Neuchâtel-Fribourg gehören:[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zweigniederlassung der Migros AG in Bern eröffnete 1932 und 1933 Filialen in Neuchâtel, La Chaux-de-Fonds und Fribourg sowie ein Verkaufsdepot in Tramelan. Damit war die Migros noch vor Inkrafttreten des Filialverbots erstmals auch in der Romandie vertreten. Am 20. Oktober 1941 erfolgte die Gründung der Société coopérative Migros romande. Allerdings ordnete das Handelsregisteramt die Streichung des Wortes romande an, da die Migros damals im grössten Teil der französischsprachigen Schweiz noch gar nicht vertreten war. Aus diesem Grund benannte sich die Genossenschaft am 30. Dezember 1941 in Société coopérative Migros, siège de Neuchâtel um. Die im selben Jahr gegründete Genossenschaft Migros Bern blieb vorerst für die Verwaltung zuständig, bis zur vollständigen organisatorischen Trennung am 1. Juni 1949.[4]

Zwar wehrten sich auch im Kanton Neuenburg die etablierten Lebensmittelhändler gegen die billigere Konkurrenz, doch im Gegensatz zu anderen Landesgegenden stiess die Migros auf bedeutend weniger Widerstand. Beispielsweise wollte die Gesundheitsbehörde von Le Locle 1946 den Fleischverkauf untersagen, bis das Eidgenössische Veterinäramt eines Besseren belehrte. Verkaufswagen fuhren erstmals 1957 aus – mit der Auflage, dass alle Haltestellen mindestens 50 Meter vom nächsten Lebensmittelladen entfernt sein mussten. Fünf Jahre zuvor nahm die Genossenschaft die erste Verteilzentrale in Betrieb, die bald nicht mehr den Anforderungen genügte. Bereits 1962 bezog sie einen Neubau in Marin-Epagnier (heute in der Gemeinde La Tène), der in der Folge wegen Platzmangels mehrmals erweitert werden musste. 1984 nahm die Genossenschaft ihren heutigen Namen an.[5]

Am 1. Juli 2019 reichte der MGB bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Freiburg Strafanzeige gegen Damien Piller, dem Präsidenten der Verwaltung, ein und warf ihm vor, sich persönlich bereichert zu haben. Beim Ausbau von Gebäuden in Belfaux und La Roche, in denen Migros-Supermärkte eingemietet sind, sollen rund 1,7 Millionen Franken an Firmen geflossen sein, die Piller gehören.[6] Am 16. Juli folgte eine weitere Strafanzeige der Geschäftsleitung. Damit sollte erreicht werden, dass Vorwürfe zu ungetreuer Geschäftsführung von unabhängiger Stelle untersucht werden.[7] Ende August kam ein von der Verwaltung in Auftrag gegebener Expertenbericht zum Schluss, es gebe keine Beweise dafür, dass Piller Geld unterschlagen habe. Der Genossenschaftsrat teilte diese Meinung nicht: Mitte September entzog er in einer Konsultativabstimmung Piller und der restlichen Verwaltung das Vertrauen.[8] Da ausser Elena Wildi-Ballabio (hauptberuflich Direktionssekretärin von Aussenminister Ignazio Cassis) kein weiteres Mitglied des Gremiums zurücktrat, beschloss der Rat, eine Urabstimmung durchzuführen. Am 16. November 2019 werden alle Genossenschaftsmitglieder über die Abberufung Pillers und der drei weiteren verbliebenen Mitglieder der Verwaltung entscheiden – ein in der Geschichte der Migros bisher einmaliger Vorgang.[9] Vor der Urabstimmung sprachen sich auch die Geschäftsleitung und die Personalkommission der Genossenschaft, die Präsidenten aller neun übrigen Migros-Genossenschaften, die Gottlieb und Adele Duttweiler-Stiftung und der Migros-Genossenschafts-Bund für die Abberufung aus.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Société coopérative Migros Neuchâtel-Fribourg. Handelsregister des Kantons Neuenburg, abgerufen am 8. November 2019.
  2. a b c d Rapport de gestion 2018. (PDF; 2,0 MB) Société coopérative Migros Neuchâtel-Fribourg, 2019, abgerufen am 8. November 2019 (französisch).
  3. Organisation & Struktur. In: Geschäftsbericht 2018. Migros-Genossenschafts-Bund, 2019, abgerufen am 8. November 2019.
  4. Alfred A. Häsler: Das Abenteuer Migros. Die 60 Jahre junge Idee. Hrsg.: Migros-Genossenschafts-Bund. Migros Presse, Zürich 1985, S. 170.
  5. Häsler: Das Abenteuer Migros. S. 170–172.
  6. Patrick Mülhauser: Verdacht auf Bereicherung - Hat der regionale Migros-Präsident Geld abgezweigt? Schweizer Radio und Fernsehen, 2. Juli 2019, abgerufen am 8. November 2019.
  7. Natalie Gratwohl: Der Streit in der Migros geht in die nächste Runde. Neue Zürcher Zeitung, 26. Juli 2019, abgerufen am 8. November 2019.
  8. Urabstimmung zu Konflikt Migros versus Piller im November. Aargauer Zeitung, 26. Juli 2019, abgerufen am 8. November 2019.
  9. Natalie Gratwohl: Die Migros-Genossenschafter entscheiden über die Abwahl des Regionalfürsten. Neue Zürcher Zeitung, 25. September 2019, abgerufen am 8. November 2019.
  10. Votation générale extraordinaire 2019. Société coopérative Migros Neuchâtel-Fribourg, Oktober 2019, abgerufen am 8. November 2019 (französisch).