Genossenschaft Migros Aare

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Genossenschaft Migros Aare

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Rechtsform Genossenschaft[1]
Gründung 1998
Sitz Moosseedorf, SchweizSchweiz Schweiz
Leitung
  • Anton Gäumann (Vorsitzender der Geschäftsleitung)
  • Thomas Aebersold
    (Präsident der Verwaltung)
  • Adrian Bhend (Präsident des Genossenschaftsrates)
Mitarbeiterzahl 11'874[2]
Umsatz 3,48 Mrd. CHF[2]
Branche Detailhandel, Gastronomie
Website Migros Aare
Stand: 2018

Die Genossenschaft Migros Aare ist eine von zehn Genossenschaften der Migros, des grössten Detailhandelsunternehmens der Schweiz. Sie hat ihren Sitz in Moosseedorf und ist ein rechtlich eigenständiges Unternehmen innerhalb des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB). Die Migros Aare entstand 1998 aus der Fusion der Genossenschaften Bern und Aargau/Solothurn. Gemessen am Umsatz ist sie die zweitgrösste aller Migros-Genossenschaften.

Organisation und Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Shoppyland Schönbühl

Das Einzugsgebiet der Migros Aare umfasst die Kantone Aargau, Bern (ohne den französischsprachigen Berner Jura) und Solothurn (ohne das Schwarzbubenland). Benannt ist die Genossenschaft nach dem Fluss Aare, de durch alle drei Kantone fliesst. Am Genossenschaftskapital des MGB hält sie einen Anteil von 19,8 %.[3] Im Jahr 2018 zählte die Migros Aare 518'369 Genossenschafter, die durch einen alle vier Jahre neu gewählten Genossenschaftsrat mit 60 Mitgliedern vertreten werden. 15 der Ratsmitglieder sind gleichzeitig Delegierte an die Delegiertenversammlung des MGB. 2018 erwirtschafteten 11'874 Mitarbeiter einen Umsatz von 3,483 Milliarden Franken.[2] Der Hauptsitz der Genossenschaft ist das Verteilzentrum neben dem Shoppyland Schönbühl in Moosseedorf.

Geschäftstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Genossenschaft Migros Aare gehören:[2]

Ebenso ist die Genossenschaft im Auftrag der 1995 vom MGB gegründeten Stiftung Gurten-Park im Grünen für den Unterhalt des Freizeitparks auf dem Berner Hausberg Gurten zuständig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Migros Bern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Migros stiess im Kanton Bern auf hartnäckigen Widerstand der Behörden und mittelständischen Gewerbetreibenden. Am 25. März 1930 eröffnete sie ihren ersten Laden in Bern, zwei Tage später erfolgte der Eintrag der Berner Zweigniederlassung ins kantonale Handelsregister. Als am selben Tag erstmals Verkaufswagen ausfuhren, beschlagnahmte die Berner Stadtpolizei diese vorübergehend wegen fehlender Bewilligungen; die mitgeführten Waren lagerte sie ein. Diese Auseinandersetzung bescherte der Migros sogleich viel Gratiswerbung. Die vom Journalisten Alfred A. Häsler verbreitete Legende, wonach einer der Angestellten von einem Flugzeug aus Flugblätter auf die Stadt abgeworfen haben soll, um gegen das Verkaufswagenverbot zu protestieren, ist aufgrund fehlender neutraler Quellen schwer überprüfbar. Schliesslich lag am 2. Juni 1930 die Bewilligung für drei Verkaufswagen vor.[4]

Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler verwickelte die Kantonsbehörden aufgrund der willkürlich hohen Gebühren in Verwaltungsverfahren, die er bis ans Bundesgericht weiterzog. Als er sich im Februar 1931 in einem anderen Rechtsfall weigerte, eine Geldbusse von 400 Franken zu bezahlen, wurde ihm eine Kommode gepfändet. Er empfand dies als besonders ungerecht, da das Urteil nur wegen eines Berechnungsfehlers des Berner Obergerichts zustandegekommen war und nicht angefochten werden konnte. In einem Flugblatt, das er Kaffee- und Mehlpaketen beilegen liess, wandte er sich direkt an die Berner Kundschaft und bat sie darum, mittels beigelegtem Postcheckformular jeweils zehn Rappen zugunsten der Migros einzuzahlen. Insgesamt gingen 4800 Zahlungen ein, den Überschuss von 80 Franken spendete er der Arbeitslosenfürsorge.[5]

Nicht nur der Kanton, sondern auch die Gemeinden behinderten den ambulanten Handel. Etliche erliessen ein Halteverbot für Verkaufswagen auf ihrem Gemeindegebiet oder machten schikanöse Auflagen. Per 1. März 1932 beendete die Migros den Wagenverkauf im Kanton Bern. Jährlich wären für vier Wagen rund 50'000 Franken an kantonalen und kommunalen Gebühren fällig geworden, was annähernd 4 % des Wagenumsatzes entsprochen hätte. Dadurch wäre es nicht mehr möglich gewesen, die Preiskalkulation aufrechtzuerhalten. Gleichwohl sorgten die Filialen im Kanton Bern für die grösste Preisindexsenkung in der gesamten Schweiz. Am 7. November 1941 wandelte sich die Berner Zweigniederlassung in die Genossenschaft Migros Bern um. Nach dem Wegfall des Filialverbots im Jahr 1945 reichte der Platz des Lagers in Bern-Weyermannshaus nicht mehr aus, weshalb die Migros 1951 ein viermal grösseres Gebäude im Wankdorf-Quartier bezog. Dessen Nutzfläche hielt mit dem rasanten Wachstum bald ebenfalls nicht mehr Schritt. 1965 begann der Bau der Verteilzentrale Schönbühl in der Gemeinde Moosseedorf, die 1969 bezogen werden konnte.[6] 1975 ging in dessen Nachbarschaft das Shoppyland Schönbühl in Betrieb, eines der ersten dezentralen Einkaufszentren der Schweiz. Am 26. April 1991 kaufte die Genossenschaft dem französischen Detailhandelskonzern Carrefour ein Einkaufszentrum in Brügg ab.[7]

Migros Aargau/Solothurn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Regierungsrat des Kantons Aargau verbot 1926 die Ausfahrt von Verkaufswagen. Als das Bundesgericht die Aufhebung des Verbots anordnete, setzte der Regierungsrat die Gebühren so hoch an, dass die Migros bis 1952 auf den Einsatz von Verkaufswagen verzichtete. Stattdessen eröffnete sie am 6. Oktober 1927 in Aarau den ersten Migros-Laden ausserhalb Zürichs (den zweiten insgesamt). Die Gründung der Genossenschaft Migros Aargau erfolgte am 24. Januar 1942. Ihr Sitz war zunächst in Basel, ab 1946 in Aarau. Die Filialen in Aarau und Zofingen wurden von Basel aus beliefert, die übrigen von Zürich aus. Mit der Eröffnung einer Verteilzentrale in Suhr war die Genossenschaft ab 1. Juli 1949 auch betrieblich eigenständig.[8][9]

Im Kanton Solothurn wurden die ersten Läden 1931 in Olten und im Kantonshauptort Solothurn eröffnet und zunächst von der Zweigniederlassung Basel betreut.[10] Nach der Gründung der Genossenschaft Migros Solothurn am 22. November 1941 war die Berner Genossenschaft zuständig[11], ab 1. Januar 1959 die Aargauer Genossenschaft. Da sich die betriebliche Zusammenarbeit bewährte, drängte sich bald auch ein organisatorischer Zusammenschluss auf. Basierend auf einem Beschluss ihrer Mitglieder fusionierten die beiden Genossenschaften per 1. Januar 1967 zur neuen Genossenschaft Migros Aargau/Solothurn mit Sitz in Suhr. Ende 1967 zählte sie 83'317 Mitglieder und setzte mit 36 Läden und sechs Verkaufswagen 222,7 Millionen Franken um.[12]

Fusion zu Migros Aare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einkaufszentrum Westside

Da es zwischen den Genossenschaften Bern und Aargau/Solothurn zahlreiche Synergien gab, hielten die Verantwortlichen ein Zusammengehen beider Organisationen für sinnvoll. Die Fusion zur Genossenschaft Migros Aare erfolgte am 22. Juni 1998. Mit 203 Verkaufsstellen, 7100 Mitarbeitern und einem Umsatz von 2,8 Milliarden Franken stieg sie sogleich zur damals grössten aller Migros-Genossenschaften auf. Die gesamte Logistik der Migros Aare war ab 1. Oktober 2000 in Schönbühl zusammengefasst. Das kleinere Verteilzentrum in Suhr wurde als Migros Verteilzentrum Suhr AG innerhalb des MGB verselbständigt und spezialisierte sich auf die Belieferung aller Genossenschaften mit Kolonialwaren[13], seit 2011 ist sie auch für Convenience-Shop-Kette Migrolino zuständig.[14] Am 8. Oktober eröffnete die Migros Aare das Freizeit- und Einkaufszentrum Westside am westlichen Stadtrand von Bern. Für das rund 500 Millionen Franken Bauprojekt hatte sie Daniel Libeskind als Architekten engagiert.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genossenschaft Migros Aare. Handelsregister des Kantons Bern, abgerufen am 8. November 2019.
  2. a b c d Geschäftsbericht 2018. (PDF, 4,3 MB) Genossenschaft Migros Aare, 2019, abgerufen am 8. November 2019.
  3. Organisation & Struktur. In: Geschäftsbericht 2018. Migros-Genossenschafts-Bund, 2019, abgerufen am 8. November 2019.
  4. Alfred A. Häsler: Das Abenteuer Migros. Die 60 Jahre junge Idee. Hrsg.: Migros-Genossenschafts-Bund. Migros Presse, Zürich 1985, S. 145–147.
  5. Häsler: Das Abenteuer Migros. S. 146–147.
  6. Häsler: Das Abenteuer Migros. S. 148–150.
  7. Migros-Genossenschafts-Bund (Hrsg.): Chronik der Migros 1925–2012 – Porträt eines dynamischen Unternehmens. Zürich 2013, S. 75.
  8. Häsler: Das Abenteuer Migros. S. 164–165.
  9. Häsler: Das Abenteuer Migros. S. 310.
  10. Häsler: Das Abenteuer Migros. S. 152.
  11. Häsler: Das Abenteuer Migros. S. 309.
  12. Häsler: Das Abenteuer Migros. S. 336.
  13. Migros-Genossenschafts-Bund (Hrsg.): Chronik der Migros 1925–2012 – Porträt eines dynamischen Unternehmens. Zürich 2013, S. 89 (Online).
  14. Sergio Aiolfi: Kampf der Riesen um kleine Flächen. Neue Zürcher Zeitung, 24. Mai 2016, abgerufen am 1. November 2019.
  15. Chronik der Migros 1925–2012. S. 103.