St. Laurentius (Unterneuhausen)

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Außenansicht der Pfarrkirche St. Laurentius von Süden
Innenraum
Gegenblick zur Doppelempore

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Laurentius in Unterneuhausen, einem Ortsteil der Gemeinde Weihmichl im niederbayerischen Landkreis Landshut, ist eine stattliche barocke Landkirche, deren Ausstattung überwiegend aus der Zeit des Rokoko stammt. Sie ist beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Baudenkmal der Nummer D-2-74-187-14 eingetragen. Kirchenpatron ist der heilige Laurentius von Rom, dessen Gedenktag ist der 10. August.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Jahr 814, als Unterneuhausen erstmals urkundlich erwähnt wurde und in den Besitz des Klosters Sankt Emmeram in Regensburg überging, könnte an der Stelle der heutigen Pfarrkirche ein Baptisterium bestanden haben. Aus den Urkunden des Klosters geht hervor, dass bereits im Jahr 1031 ein Geistlicher im Ort war, der auf der „Pfarrhube“ saß. Unterneuhausen dürfte also bereits zur damaligen Zeit Pfarrdorf gewesen sein.[1]

Der mittelalterliche Vorgängerbau der heutigen Kirche wurde 1589 restauriert. Damals waren vier Altäre aufgestellt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gotteshaus schwer beschädigt, sodass es sich noch Anfang des 18. Jahrhunderts in einem ruinösen Zustand befand. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde ein Neubau erstellt, der 1741 geweiht wurde. Der einheitliche Barockbau ist bis heute erhalten. Als Baumeister wird bisweilen der Landshuter Hofmaurermeister Felix Hirschstötter erwähnt, der im Übrigen erst später in Erscheinung tritt. Um 1770 wurde die Kirche im Rokokostil ausgestattet. Die Deckenfresken wurden im Jahr 1773 von dem Maler Ignaz Kauffmann signiert.[1]

Die Kirche wurde letztmals 2009 renoviert. Dabei war unter anderem eine aufwändige konstruktive Sicherung der Zwiebelhaube erforderlich, da deren Holzgerüst stark verfault war. Außerdem wurde die Turmbekrönung neu mit Kupferblech verkleidet.[2]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dreijochige Saalkirche mit zweijochigem, halbrund geschlossenem Chor ist ein stattlicher, nach Osten ausgerichteter Barockbau. Der Außenbau wird durch Lisenen, einen abgesetzten Sockel und einen einfachen Dachfries gegliedert. Auf der Westseite ist ein Zwiebelturm angebaut, dessen Erdgeschoss als Vorhalle dient und das einzige Kirchenportal enthält. Der Turm steht auf einem zweigeschossigen, von Lisenen gegliederten Unterbau über quadratischem Grundriss und verjüngt sich etwas zu dem von Pilastern gegliederten Oberbau mit abgerundeten Kanten, der den Glockenstuhl enthält. Den oberen Abschluss bildet eine stark eingeschnürte Zwiebelkuppel mit Kugel und Kreuz. An den Chorraum ist auf der Südseite die doppelgeschossige Sakristei angebaut, die ein nach außen abfallendes Pultdach besitzt.[2][3]

Innenraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Langhaus und Chor werden von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überspannt, das aus Doppelpilastern mit kräftigem, mehr profiliertem Gebälk entspringt. Am Gewölbe und über den Fenstern befinden sich Stuckaturen mit Rocaillen, die in der Zeit des Spätrokoko um 1770 entstanden sein dürften. Die Deckengemälde im Chor und im Langhaus sind in geschweifte Stuckrahmen eingelassen. Im rückwärtigen Langhausjoch ist eine Doppelempore eingezogen, auf deren oberem Geschoss die Orgel untergebracht ist.[2][3]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberer Teil des Deckenfreskos im Langhaus
Unterer Teil des Deckenfreskos im Langhaus
Hochaltarblatt
Kanzel und linker Seitenaltar
Stuhlwangen

Deckengemälde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von Ignaz Kauffmann geschaffenen Deckenfresken in Chor und Langhaus beziehen sich auf den Kirchenpatron Laurentius. Das Deckengemälde im Chor ist mit Ignaz Kauffmann pinxit 1773 signiert und zeigt eine entscheidende Szene aus dem Leben des Heiligen: Laurentius zeigt dem Kaiser Valerian nicht Gold, sondern zum christlichen Glauben gekommene Arme als wahren Schatz der Kirche und wird daraufhin von dem erbosten Herrscher zu Folter und Tod verurteilt. Das große Deckenfresko im Langhaus zeigt das Martyrium des heiligen Laurentius, die Verbrennung auf dem Rost, als Konsequenz der Verurteilung. Oberhalb dieser Szene ist aber bereits zu sehen, was den Heiligen erwartet: der Himmel mit zahlreichen, zum Teil rauchfassschwingenden Engeln, die vergnügt mit einer Blumengirlande spielen. Über allem steht inmitten eines Strahlenkranz das gleichseitige Dreieck als Symbol für die heilige Dreifaltigkeit.[2][3]

Hochaltar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hochaltar und das zugehörige Altarblatt wurden vom damaligen Pfarrherrn von Unterneuhausen gestiftet. Es handelt sich dabei um einen stattlichen Rokokoaltar mit seitlichen Durchgängen, dessen Aufbau von zweimal drei Säulen getragen wird. Die jeweils mittlere Säule ist leicht nach vorne gerückt und erzeugt so eine gewisse Tiefenwirkung. Die Säulen rahmen das Altarblatt, auf dem die Aufnahme des Kirchenpatrons Laurentius in den Himmel dargestellt ist. Er wird von zwei Engeln mitsamt seinem Marterwerkzeug, dem Rost, zu Gott Vater und Gott Sohn, ebenfalls umrahmt von zahlreichen Putten emporgehoben. Als Seitenfiguren flankieren die Eltern Mariens, der heilige Joachim (links) und die heilige Anna (rechts), das Altarblatt.[2]

Über den seitlichen Durchgängen sind Figuren der Heiligen Johannes Nepomuk (links) und Sebastian (rechts) in geschweift umrandeten Durchbrüchen angeordnet. Das mehrfach verkröpfte und abgesetzte Gebälk trägt den Altarauszug mit einer Heilig-Geist-Taube, der von einem kleinen Rundfenster an der Ostseite des Chores hinterleuchtet wird. Außen herum sind vier Ringe silberner Wolken angeordnet. Der Auszug wird von zwei Engelsfiguren, die auf Voluten sitzen, flankiert.[2]

Seitenaltäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden barocken Seitenaltäre sind älter als die übrige Ausstattung. Die beiden zweisäuligen Altäre, die in ihrer Gestaltung deutlich zurückhaltender sind als der Hochaltar, wurden wohl vom Vorgängerbau übernommen. Auf der Leuchterbank steht jeweils eine Aussetzungsnische; darüber das große Altarblatt, das von zwei Figuren auf seitlichen Konsolen flankiert wird. Auf dem kräftigen Gebälk stehen je zwei Vasen, die den Altarauszug einrahmen. Letzterer enthält jeweils ein weiteres Gemälde.

Der nördliche (linke) Seitenaltar zeigt im Hauptbild Mariä Verkündigung. Die Gottesmutter kniet auf einem Betstuhl und liest dabei in der Schrift. Über ihr schwebt der Erzengel Gabriel, der mit seiner Linken Maria eine Lilie als Symbol ihrer Keuschheit überreicht und mit der Rechten auf den Heiligen Geist weist, der in Gestalt einer Taube am Himmel zu sehen ist. Im Auszugsbild ist der heilige Johannes Nepomuk dargestellt. Als Assistenzfiguren fungieren die heiligen Bischöfe Benno von Meißen und der Diözesanpatron Wolfgang von Regensburg.[2]

Der südliche (rechte) Seitenaltar zeigt im Hauptbild wahrscheinlich den heiligen Aloisius, im Oberbild ist der heilige Florian dargestellt. Die Assistenzfiguren sind die Heiligen Emmeram und Erhard, also der zweite und dritte Diözesanpatron Regensburgs.[2]

Kanzel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die reich verzierte Rokokokanzel ist auf der Evangelienseite am ersten Doppelpilaster von Osten angebracht. Der polygonale Korpus wird von Volutenpilastern in Felder eingeteilt, in denen farbige Reliefs mit Darstellungen biblischer Gleichnisse zu sehen sind. An der Stiege setzen sich die Reliefs fort. An der Rückwand ist ein weiteres Relief zu sehen, welches den Apostel Paulus darstellt. Auf dem Schalldeckel bilden Voluten ein erhöhtes Podest, auf dem eine Figur des Apostels Petrus steht.[2][3]

Übrige Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von besonderer Bedeutung ist eine Figur, die im Langhaus auf einer Konsole aufgestellt ist. Es handelt sich um eine spätgotische Mondsichelmadonna aus der Zeit um 1500. Auf ihrer Linken trägt sie das nackte Jesuskind, in der Rechten hält sie das Zepter. Die Krone dürfte in der Barockzeit hinzugekommen sein. Das Kirchengestühl ist noch original barock mit schwungvoll geformten Stuhlwangen, die einfache Schnitzereien aufweisen. Die Rückseiten der Lehnen, die mit Platznummern beschriftet sind, weisen ebenfalls einfache Ornamentik auf. Das Chorgestühl enthält ist etwas aufwändiger mit Akanthusschnitzwerk gestaltet. Im rückwärtigen Bereich des Langhaus befindet sich ein Epitaph für Franz Xaver Olbert († 1766), der 28 Jahre lang Pfarrer von Neuhausen war.[2]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel der Pfarrkirche St. Laurentius wurde im Jahr 1906 von Willibald Siemann aus München in einem frühklassizistischen Prospekt des Landshuter Orgelbauers Johann Schweinacher aus der Zeit um 1785 erbaut. Das pneumatische Kegelladeninstrument mit insgesamt elf Registern auf zwei Manualen und Pedal besitzt folgende Disposition:[4]

I Manual C–f3
1. Bourdon 16′
2. Principal 8′
3. Gamba 8′
4. Tibia 8′
5. Octav 4′
6. Mixtur 223
II Manual C–f3
7. Salicional 8′
8. Lieblich Gedeckt 8′
9. Rohrflöte 4′
Pedal C–d1
10. Subbaß 16′
11. Violonbaß 8′
  • Koppeln: II/I, II/P, I/P, Sub II/I, Super II/I

Als nicht erhaltene Vorgängerinstrumente sind eine Orgel von Johann Schweinacher aus der Zeit um 1785 und ein einmanualiges Instrument mit acht Registern, das Josef Mühlbauer junior etwa 1846/47 geschaffen hatte, belegt.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: St. Laurentius (Unterneuhausen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Kirchen. Online auf www.weihmichl.de. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  2. a b c d e f g h i j Unterneuhausen – Kirche St. Laurentius. Online auf kirchturm.net. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  3. a b c d Anton Eckardt (Hrsg.): Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern – Bezirksamt Landshut. Oldenbourg, München 1914, S. 213f. (Digitalisat).
  4. a b Orgeldatenbank Bayern online

Koordinaten: 48° 36′ 59,8″ N, 11° 59′ 33,8″ O