Strassenbahn Neuenburg

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Neuenburg Place Pury–Boudry
Eine Komposition der Linie 5 im Jahr 1981
Eine Komposition der Linie 5 im Jahr 1981
Fahrplanfeld: 213
30d (vor 1982)
Streckenlänge: 8.85 km
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
Stromsystem: 600 Volt =
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8.86 Neuchâtel Place Pury
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Neuchâtel Evole
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Neuchâtel Champ-Bougin
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6.96 Neuchâtel Port de Serrières
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Neuchâtel Serrières-Ruau
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4.57 Auvernier
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Colombier Bas des Allées
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3.14 Colombier
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Colombier Chésards
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1.46 Areuse
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Cortaillod Chantier
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Cortaillod
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Boudry Tuilière
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0.00 Boudry

Die meterspurige Strassenbahn Neuenburg ist der Strassenbahn-Betrieb der schweizerischen Stadt Neuenburg im Kanton Neuenburg. Sie besteht heute nur noch aus einer 8,85 Kilometer[1] langen Überlandstrecke, die über Auvernier sowie Colombier nach Boudry führt und von der Linie 5 bedient wird.

Die Bahn gehört seit 2012 zum Verkehrsunternehmen Transports Publics Neuchâtelois SA (transN), in dem die vorherige Eigentümerin Transports en commun de Neuchâtel et environs (TN), ursprünglich Compagnie des Tramways de Neuchâtel (TN), aufging. Zu transN gehören neben dem Tram zwei weitere Schmalspurbahnen, eine Normalspurstrecke, zwei Standseilbahnen, der Trolleybus Neuenburg und der Trolleybus La Chaux-de-Fonds sowie zahlreiche Autobuslinien.

Geschichte[Bearbeiten]

Überlandstrecke[Bearbeiten]

Endhaltestelle Boudry
Abzweig nach Cortaillod mit Wagen 83 (einem von drei Schweizer Standardwagen in Neuchâtel)

Die Strecke nach Boudry samt einem circa 800 Meter [2] langen Nebenast von Areuse nach Cortaillod wurde am 16. September 1892 von der ehemaligen Gesellschaft Régional Neuchâtel–Cortaillod–Boudry (NCB) eröffnet. Sie war ursprünglich eine Dampfstrassenbahn. Die mit 86 Promille ansteigende Strecke vom Hafen zum Bahnhof Neuenburg war mit Zahnstange ausgerüstet und wurde ab 1898 mit drei elektrischen Tramwagen im Adhäsionsbetrieb befahren. 1902 erfolgte die Elektrifizierung der restlichen Strecke mit 600 Volt Gleichstrom. Nach der Fusion der beiden Tram-Gesellschaften wurde die Strecke zum Bahnhof als Teil des Stadtnetzes weiter betrieben. Die Überlandstrecke begann nun an der Place Pury. Die Zweigstrecke nach Cortaillod wurde schliesslich am 2. Juni 1984 auf Autobusbetrieb umgestellt und wird heute von der Linie 5b bedient.

Am 28. Juni 1945 stiessen zwei Tramzüge in einer Kurve auf der eingleisigen Strecke zwischen Colombier und Auvernier zusammen. Das aus Boudry kommende Tram hat in Colombier die Kreuzung des Gegenkurses nicht abgewartet. Durch die Kollision wurden die beiden vorderen Plattformen eingedrückt und etwa 70 Personen verletzt.[3]

Seit der Anfang der 1980er-Jahre erfolgten Modernisierung wird die Strecke meist Littorail genannt. Hierbei handelt es sich um eine Zusammensetzung der Begriffe Littoral (französisch für Küstenstreifen im Allgemeinen, beziehungsweise für die Küstenregion am Neuenburgersee im Speziellen) und rail (französisch für Schiene, auch im Sinne von Bahn verwendet).

Das Tram nach Boudry verkehrt heute tagsüber im starren 20-Minuten-Takt und bedient insgesamt zwölf Haltestellen, der mittlere Haltestellenabstand beträgt 805 Meter. Die Strecke ist durchgehend unabhängig vom Strassenverkehr trassiert und grösstenteils eingleisig. Ähnlich einer klassischen Eisenbahnstrecke wird sie im automatischen Streckenblockverfahren betrieben und ist mit Drucktastenstellwerken ausgerüstet. Die Bahn wird mit Zweirichtungsfahrzeugen betrieben, die offizielle Reisezeit beträgt je nach Fahrtrichtung 16 beziehungsweise 18 Minuten.

Stadtstrecken[Bearbeiten]

Zug auf der Linie 3, 1976

Die erste Stadtstrecke Neuenburgs – sie führte nach Saint-Blaise – ging am 16. September 1893 in Betrieb und wurde mit Gas betrieben. Aufgrund technischer Probleme mit den Gasmotorwagen wandelte man sie am 22. Dezember 1894 in eine Pferdebahn (Rösslitram) um. Hierfür beschaffte man sechs kleine leichte Wagen denen jeweils ein Pferd vorgespannt wurde. 1897 erfolgte schliesslich die Elektrifizierung. Diese erste Strecke wurde vom Unternehmen Tramway Neuchâtel–Saint-Blaise (NSB) gebaut, welches dann 1901 mit der NCB zur Compagnie des Tramways de Neuchâtel vereinigt wurde.

Das Stadtnetz wurde anschliessend weiter ausgebaut und erreichte 1926 mit 27 Kilometern Streckenlänge seine höchste Ausdehnung.[4] Zeitweise verkehrten sechs Stadtlinien, sie waren mit 1, 2, 3, 4, 6 und 7 nummeriert. In den Jahren 1940 bis 1976 ersetzte man sie sukzessive durch Trolleybusse.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Der historische Motorwagen Ce 2/2 52, hier 2011 bei der Museumsbahn Blonay–Chamby

Der Neuenburger Strassenbahn stehen heute zehn ausschliesslich hochflurige Fahrzeuge zur Verfügung, darunter sechs vierachsige Triebwagen des Typs Be 4/4 mit den Nummern 501–506 (Baujahre 1981 bis 1988) und vier dazugehörige, baugleiche Steuerwagen (Bt) mit den Nummern 551 bis 554 (Baujahr 1981). Diese beiden Fahrzeugtypen sind von der Generation FB 2000 der Forchbahn beziehungsweise vom «Tram 2000» der Verkehrsbetriebe Zürich abgeleitet. Für die verbliebene Strecke nach Boudry stand bereits früher stets ein gesonderter Fahrzeugpark zur Verfügung, darunter auch vier 1962 gebraucht aus Genua übernommene Gelenktriebwagen, die mit der Beschaffung der heutigen Fahrzeuggeneration ausgemustert wurden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Willen: Strassenbahnen der Schweiz. Triebwagen. Orell Füssli Verlag, Zürich 1978, ISBN 3-280-00998-7
  • Sébastien Jacobi: Neuchâtel en Tram 1890–1990. Eigenverlag Sébastien Jacobi, Neuchâtel 1989

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Strassenbahnen in Neuchâtel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans E. Wägli, Schienennetz Schweiz, 3. Auflage, 2010, Seite 93
  2. Die Zweigstrecke Areuse–Cortaillod auf www.eingestellte-bahnen.ch
  3. Ergebnisse der Unfallstatistik der sechsten fünfjährigen Beobachtungsperiode 1943–1947. Schweizerische Unfallversicherungsanstalt, abgerufen am 18. Oktober 2013 (PDF, 2.3 MB).
  4. Die Strassenbahn Neuenburg auf www.eisenbahn-bilder.com