Tannenbusch

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Tannenbusch
Bundesstadt Bonn
Koordinaten: 50° 44′ 51″ N, 7° 3′ 27″ O
Höhe: 59 m ü. NHN
Einwohner: 17.565 (31. Dez. 2018)[1]
Postleitzahl: 53119
Vorwahl: 0228
Alt-GodesbergAuerbergBeuel-MitteBeuel-OstBrüser BergBuschdorfBonn-CastellDottendorfDransdorfDuisdorfEndenichFriesdorfGeislarGodesberg-NordGodesberg-VillenviertelGraurheindorfGronauHardthöheHeiderhofHochkreuzHoholzHoltorfHolzlarIppendorfKessenichKüdinghovenLannesdorfLengsdorfLessenich/MeßdorfLimperichMehlemMuffendorfNordstadtOberkasselPennenfeldPlittersdorfPoppelsdorfPützchen/BechlinghovenRamersdorfRöttgenRüngsdorfSchwarzrheindorf/Vilich-RheindorfSchweinheimSüdstadtTannenbuschÜckesdorfVenusbergVilichVilich-MüldorfWeststadtBonn-ZentrumKarte
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Lage des Ortsteils Tannenbusch im Stadtbezirk Bonn

Tannenbusch ist ein Ortsteil der Bundesstadt Bonn im gleichnamigen Stadtbezirk mit rund 16.000 Einwohnern. Er gliedert sich in die Siedlungsbereiche Alt-Tannenbusch und Neu-Tannenbusch.

Alt-Tannenbusch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Düne

Tannenbusch ist eine Siedlung am nordwestlichen Stadtrand von Bonn, die in drei Zeitabschnitten entstand. Nach dem Schützenhof entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg die „Vogelsiedlung“ und die HICOG-Siedlung an der Straße Im Tannenbusch. Alt-Tannenbusch gruppiert sich um eine Binnendüne (Düne Tannenbusch), die als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist und durch dichten Bewuchs kaum erkennbar ist. Zu den Bewohnern der Düne zählt eine Kolonie freilebender Halsbandsittiche.

In Alt-Tannenbusch leben etwa 6000 Menschen. Zentraler Einkaufspunkt ist der Paulusplatz. An diesem befindet sich auch die namengebende katholische Kirche St. Paulus, die zu einem Pfarrverband aus den Gemeinden Alt- und Neu-Tannenbusch, Dransdorf, Lessenich, Buschdorf, Auerberg, Graurheindorf und (äußere) Nordstadt gehört. Wenige Meter westlich, am Lievelingsweg, steht die evangelische Apostelkirche. Die Gemeinde umfasst Alt-, Neu-Tannenbusch und Dransdorf.

Neu-Tannenbusch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild von Neu-Tannenbusch

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neu-Tannenbusch wird im Norden durch die Bundesautobahn 555 und im Süden durch die Bahnstrecke Bonn-Köln abgegrenzt. Das Gebiet reicht westlich bis an die Grenze der Nachbarkommunen Alfter und Roisdorf und erstreckt sich im Osten bis zur Schlesienstraße.

Siedlungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neu-Tannenbusch ist eine planerisch erbaute Großwohnsiedlung, die Anfang der 1970er-Jahre als Reaktion auf die damals herrschende Wohnungsnot entstand.

Die Siedlung folgt dem damaligen Ideal „modernen Wohnens“. So finden sich ausgeprägte Wohnbereiche mit dichter Bebauung (Geschosswohnungsbau), breite, autogerechte Straßen mit vielen Parkmöglichkeiten und einer zentralen Abfallsauganlage, die allerdings von Anfang an mit erheblichen technischen Problemen zu kämpfen hatte und mittlerweile zurückgebaut wurde.[2] Daneben gibt es einen großen Bereich mit Reihenhäusern und Grünflächen.

Für den Bau von Neu-Tannenbusch wurde die Trasse der Rheinuferbahn auf mehreren Kilometern verlegt und in einem Einschnitt durch die neue Siedlung geführt. Heute fahren dort die Bonner Stadtbahnlinien 63 und 16. Die Straßen in Neu-Tannenbusch sind fast ausschließlich nach Orten und Landschaften in ehemals deutschen Ostgebieten und der damaligen DDR benannt (z. B. Schlesienstraße, Oppelner Straße, Westpreußenstraße).

Das Tannenbusch Center, welches sich an der Bahnhaltestelle Tannenbusch Mitte befindet, wird als ökonomisches Zentrum, sowie auch als sozialer Treffpunkt angesehen. Im Tannenbusch Center befinden sich neben Supermärkten und diversen internationalen Restaurants auch eine Stadtteilbibliothek.

Sozialdemographische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neu-Tannenbusch hat 10.498 Einwohner (Stand 2019)[3]. 60,6 % der Einwohner Neu-Tannenbuschs sind Zuwanderer (Doppelstaatler (Deutsche mit weiterer Staatsangehörigkeit) und Ausländer). In der Stadt Bonn liegt der Anteil an Zuwanderern bei 29,3 %[4]. Auch in der Altersstruktur weicht Neu-Tannenbusch vom Durchschnitt der Stadt Bonn ab. Mit einem Durchschnittsalter von 36,1 Jahren ist Neu-Tannenbusch ein junger Stadtteil mit vielen Kindern (Bundesstadt Bonn Durchschnitt 42,5 Jahre)[5]. Die Arbeitslosenquote liegt in 2014 in Neu-Tannenbusch/Buschdorf mit 13,3 % deutlich über der Arbeitslosenquote der Stadt Bonn mit 7,0 %[6]. Anhand der vorgestellten statistischen Daten kann man also feststellen, dass das Gebiet Neu-Tannenbusch hinsichtlich sozialer Indikatoren wie dem Anteil an Zuwanderern, dem Arbeitslosenanteil sowie der Altersstruktur signifikant vom gesamtstädtischen Durchschnitt abweicht.

Probleme des Stadtteils[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die sozialdemographischen Merkmale des Stadtteils wird deutlich, dass Neu-Tannenbusch mit Aufgaben der Integration, sowie Bildung und Beschäftigung mehr zu kämpfen hat als andere Stadtteile. Hieraus ergeben sich „erhebliche soziale Handlungsbedarfe“[7]. Hinzu kommt, dass Neu-Tannenbusch auch durch Sanierungs- und Modernisierungsbedarfe in den Wohngebäuden geprägt ist. Hierdurch ist der Stadtteil mit einem negativen Image behaftet, was beispielsweise dazu führt, dass Bewohner Neu-Tannenbuschs Stigmatisierungen aufgrund ihres Wohnortes erfahren[8].

Neu-Tannenbusch wird in den Medien als sozialer Brennpunkt bezeichnet. Zudem werden unter anderem Parallelen zum Brüsseler Stadtteil Molenbeek gezogen.[9]

Das Programm „soziale Stadt“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Programm Soziale Stadt ist eine Städtebauförderung von Bund und Ländern und wurde 1999 initiiert. Im Mittelpunkt des Programms stehen Quartiere mit besonderem Entwicklungsbedarf. Laut § 171e des BauGB weisen Quartiere mit besonderem Entwicklungsbedarf städtebauliche und infrastrukturelle Probleme auf. Der besondere Entwicklungsbedarf liegt vor, wenn das Quartier "eine statistische Abweichung vom gesamtstädtischen Durchschnitt aufweist"[10]. Das Programm unterscheidet sich insofern von anderen Programmen der Städtebauförderung, da das Quartier nicht allein als geographischer Raum, sondern als Sozialraum verstanden wird. Ein zentrales Instrument, um benachteiligte Quartiere aufzuwerten, ist die Partizipation der Bewohner. Die Bewohnerschaft soll in deutlich stärkerem Maße partizipieren, als es bei förmlichen Beteiligungsverfahren praktiziert wird. Um Bürger zur Teilnahme an Beteiligungsangeboten zu aktivieren, wird ein Quartiersmanagement eingerichtet. Das Quartiersmanagement fungiert als Vermittler zwischen der Bewohnerschaft und der städtischen Verwaltung und soll fachübergreifende Zusammenarbeit und die Vernetzung der Akteure fördern.

Bonn Neu-Tannenbusch wurde Ende 2009 in das Programm Soziale Stadt aufgenommen. Das Integrierte Handlungskonzept[11] für Neu-Tannenbusch gilt hierbei als Wegweiser für umfangreiche Maßnahmen, unter anderem in den Bereichen der baulichen Aufwertung, Bildung und Beschäftigung, sowie der aktiven Nachbarschaften. Im Rahmen des integrierten Handlungskonzeptes wurden fünf Handlungsfelder für Neu-Tannenbusch ausgearbeitet, welche nach der Umsetzung die Lebensbedingungen im Stadtteil nachhaltig verbessern sollen:

  • Handlungsfeld A: Nachhaltige Erneuerungsstrategie für die Wohngebäude – Gesundes und zukunftsfähiges Wohnen
  • Handlungsfeld B: Orte für Kommunikation und Aktion – Erleben und Erholen, Natur, Kunst und Kultur
  • Handlungsfeld C: Zweite Chance – Bildung und Beschäftigung im Stadtteil
  • Handlungsfeld D: Zukunftsperspektive Leben in Neu-Tannenbusch – Ganzheitliche Familienarbeit
  • Handlungsfeld E: Quartiersmanagement – Neues Image und aktive Nachbarschaften

Seitdem konnten bereits viele bauliche Projekte mithilfe der Fördergelder durchgeführt werden[12] Hierzu zählen die Aufwertung zahlreicher Häuserfassaden, Kinderspielplätze oder des Platzes vor dem Tannenbusch Center. Die Etablierung partizipativer Strukturen konnte unter anderem mit Projekten wie dem Kinder- und Jugendsportfest (2012 und 2013) sowie der Veranstaltung von acht Tannenbuschforen im Zeitraum 2013 bis 2016 vorangetrieben werden. Ein weiteres Projekt des Quartiersmanagements ist der Stadtteilfond. Durch das Projekt des Stadtteilfonds werden Bewohner aktiviert und befähigt, eigene Ideen für den Stadtteil umzusetzen. Dies geschieht mit Hilfe finanzieller Unterstützung aus öffentlichen Mitteln. Als weitere Erfolgsgeschichte des Stadtteils wird die Eröffnung des Familien- und Bildungszentrums "Haus Vielinbusch" gesehen. Dieses wurde mit Unterstützung des Quartiersmanagements von Bewohner des Stadtteils aufgebaut und leistet seit 2017 eine Vielfalt an Beratungs- und Freizeitangeboten[13].

Bis Ende 2017 war die Quartiersarbeit in Neu-Tannenbusch Teil des Förderprogramms Soziale Stadt und wurde durch das Büro für Architektur und Stadtentwicklung (BASTA) durchgeführt. Seit 2018 gliedert sich das Quartiersmanagement Neu-Tannenbusch, welches weiterhin durch das BASTA vertreten wird, in das Systematische Quartiersmanagement der Stadt Bonn ein. Mit dieser strukturellen Veränderung wechselt die Zuständigkeit vom Stadtplanungsamt zum Amt für Soziales und Wohnen der Stadt Bonn. Die bisherigen Aktivitäten und Projekte des Quartiersmanagements Neu-Tannenbusch bleiben erhalten.

2019 wurde die Fortschreibung des integrierten Handlungskonzeptes für Neu-Tannenbusch beschlossen. Der Fokus liegt zukünftig auf sozialen Maßnahmen. Hierbei werden Projekte im Bereich der Integration, Beschäftigung, Bildung, Bekämpfung von Armut und gesundheitlicher Aufklärung erarbeitet und umgesetzt.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Grenze zwischen Neu- und Alt-Tannenbusch ist der FC Tannenbusch angesiedelt, der die Sportanlage „An der Düne“ nutzt und intensive Jugendarbeit insbesondere in der Sportart Fußball betreibt. Ein markantes Gebäudes ist das Gustav-Heinemann-Haus, eine Modelleinrichtung für Rehabilitationsmaßnahmen mit einer Reihe unterschiedlicher Zentren. An einigen Tagen in der Woche ist das hauseigene Schwimmbad für die Allgemeinheit geöffnet.

Häuser der amerikanischen HICOG-Siedlung zwischen Alt- und Neu-Tannenbusch

Am nördlichen Rand geht Tannenbusch in den „Grünzug Nord“ über, ein Naherholungsgebiet mit Freiflächen, einem See, Spielplätzen und einer kleinen Freilichtbühne. In Neu-Tannenbusch gibt es neben Kindergärten und Grundschulen auch eine Gesamtschule (Bertolt-Brecht-Gesamtschule) sowie ein von 1977 bis 1980 entstandenes Schulzentrum mit Realschule (Freiherr-vom-Stein-Realschule) und Gymnasium (Tannenbusch-Gymnasium),[14] das sich durch die beiden wählbaren Schwerpunkte Musik und Sport auszeichnet.

Die katholische Kirche in Neu-Tannenbusch ist die Pfarrkirche St. Thomas Morus, die mit den Kirchen St. Paulus in Alt-Tannenbusch, St. Aegidius in Buschdorf, St. Margaretha in Graurheindorf, St. Laurentius in Lessenich, St. Antonius in Dransdorf sowie St. Bernhard und St. Hedwig in Auerberg zum gleichnamigen Pfarrverband gehört. Die evangelischen Christen gehören zusammen mit jenen aus Dransdorf zur Gemeinde der Apostelkirche in Alt-Tannenbusch.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tannenbusch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung in Bonn nach Ortsteilen (lt. Hauptsatzung) am 31.12.2018, Bundesstadt Bonn – Statistikstelle, Februar 2019
  2. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 15. März 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.general-anzeiger-bonn.de
  3. Statistikstelle Bundesstadt Bonn: Statistik aktuell. Hrsg.: Bundesstadt Bonn. Bonn Dezember 2018, S. 16, doi:10.1007/s35114-016-1260-8 (bonn.de [PDF; abgerufen am 7. November 2019]).
  4. Statistikstelle Bundesstadt Bonn: Statistik aktuell. Bundesstadt Bonn, 31. Dezember 2018, abgerufen am 7. November 2019.
  5. Statistikstelle Bundesstadt Bonn: Statistik aktuell. Bundesstadt Bonn, 31. Dezember 2018, abgerufen am 7. November 2019.
  6. Statistikstelle Bundesstadt Bonn: Vorbericht zu den Wahlen in Bonn am 25. Mai 2014. Bundesstadt Bonn, abgerufen am 7. November 2019.
  7. M. Kamp-Murböck et al: Evaluation und Fortschreibung des integrierten Handlungskonzeptes Soziale Stadt Neu-Tannenbusch. StadtRaumKonzept GmbH, abgerufen am 30. Mai 2019.
  8. U. Mölders et al: Soziale Stadt NRW. Integriertes Handlungskonzept Bonn Neu-Tannenbusch. Stadt und Regionalplanung. Hrsg.: Dr. Jansen GmbH. Köln. Köln, S. 2.
  9. Bonn-Tannenbusch – das deutsche Molenbeek? Westdeutscher Rundfunk, 3. Dezember 2015, abgerufen am 10. April 2016.
  10. A. Volkmann: Quartierseffekte in der Stadtforschung und in der sozialen Stadtpolitik. In: Forum Stadt- und Regionalplanung e. V. (Hrsg.): Graue Reihe des Instituts für Stadt- und Regionalplanung TU Berlin. Heft 36. Berlin, S. 33.
  11. U. Mölders et al: Soziale Stadt NRW. Integriertes Handlungskonzept Bonn Neu-Tannenbusch. Stadt und Regionlaplanung Dr. Jansen GmbH Köln, abgerufen am 7. November 2019.
  12. Bundesstadt Bonn Stadtplanungsamt: Soziale Stadt Bonn Neu-Tannenbusch. Jahresbericht 2013. Bundesstadt Bonn, abgerufen am 7. November 2019.
  13. UG Vielfalt in Tannenbusch: Vielfalt in Tannenbusch. Abgerufen am 7. November 2019.
  14. Ingeborg Flagge: Architektur in Bonn nach 1945: Bauten in der Bundeshauptstadt und ihrer Umgebung. Verlag Ludwig Röhrscheid, Bonn 1984, ISBN 3-7928-0479-4, S. 156.