Dom des Heiligen Sava

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Tempel des Heiligen Sava)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dom des Heiligen Sava (Храм светог Саве/Hram svetog Save)

Der Dom des Heiligen Sava (serbisch: Храм светог Саве/Hram svetog Save; deutsch auch Kathedrale des Heiligen Sawa) ist ein monumentaler serbisch-orthodoxer Kirchenbau in Belgrad. Er ist per Stand 2016 die größte Kirche Südosteuropas und eines der größten orthodoxen Gotteshäuser der Welt, die mit einer Kuppel von 35 m Durchmesser das direkte bauliche Vorbild der Hagia Sophia übertrifft. Der Dom ist dem ersten serbischen Erzbischof und Nationalheiligen Serbiens Hl. Sava (1175–1236) geweiht. Er wurde auf dem im südlichen Belgrader Stadtzentrum gelegenen Plateau des Vračar, einem 134 Meter hohen Hügel und auf dem Platz errichtet, wo Sinan Pascha 1595 mutmaßlich die sterblichen Überreste des Heiligen Sava verbrennen ließ. Die Kirche gehört zur Erzparechie von Belgrad und Karlovci der serbisch-orthodoxen Kirche.

Grundsätzliches[Bearbeiten]

Die Architektur des Doms ist den neobyzantinischen Strömungen verpflichtet, die zwischen 1920 und 1941 die Kirchenarchitektur Serbiens bestimmten. Der Entwurf Bogdan Nestorovićs und Aleksandar Derokos gehörte zwischen 1926 und 1935 zu den meistdiskutierten Themen in der Architektur- und Kunstszene Jugoslawiens und war Brennpunkt der stark polarisierten Diskussionen von Befürwortern moderner und traditioneller Kunstrichtungen. Als hochsymbolisches nationales Projekt, das anfangs zumindest auch deklarativ den gesamtjugoslawischen Staat repräsentieren sollte, wird heute in der Krypta der Kirche ein Museum der serbisch-orthodoxen Kirche, eine Erinnerungskapelle an Fürst Lazar und die Grablege der Patriarchen der serbisch-orthodoxen Kirche integriert.[1] Für die Innen- und Außendekoration der Kirche sind kostbare Materialien eingesetzt worden, die neben den Dimensionen des Bauwerks zur langen und komplexen Baugeschichte und den hohen Kosten beitrugen. Unter den noch anstehenden Arbeiten werden in den 2010er Jahren unter anderen die Kämpfer-Kapitelle der Eingangssäulen mit aufwendigen Steinskulpturen, die Eingangstüren mit Bronzereliefs, die Innenwände mit Mosaiken und der Boden mit Granitintarsien ausgelegt. Die Fassade ist vollständig mit weißem Marmor verkleidet, Konsolen und die Friese sind durch schwarze und rote Granitsimse akzentuiert.

Das gänzlich von einem Park eingenommene Plateau des Vračar (Plateau des hl. Sava – Svetosavski Plato) beherbergt neben dem Dom auch die Nationalbibliothek Serbiens.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Idee[Bearbeiten]

Die Idee zum Bau der Gedenkkirche geht direkt auf die 300 Jahr Feier der Verbrennung der Gebeine des ersten serbischen Erzbischofs, Lehrers und Heiligen Savas von Serbien durch Sinan Pascha auf das damals vermutete Jahr 1895 zurück. Nach dem Berliner Kongress und der völligen Unabhängigkeit des Königreichs Serbiens vom Osmanischen Reich wuchs innerhalb der religiösen Zirkel der Wunsch dem Gründer des serbischen Autokephalie und einem der maßgeblichen Größen der Geistesgeschichte Serbiens ein Denkmal zu errichten. Als Symbol der mittelalterlichen serbischen Geschichte mit seinem Kaiserreich und der kulturellen Größe, die sich in den vielen bedeutenden serbisch-orthodoxen Klöstern widerspiegelte, hatte insbesondere die Kirche ein großes Interesse dem eigenen Gründungsvater ein ihm gewidmetes Bauwerk zu errichten, was schnell in intellektuellen Kreisen positiv aufgenommen wurde.[2] Dem Heiligen Sava galt überdies im Volk eine kultische Verehrung die durch russophile und slawophile Strömungen verstärkt, insbesondere im Wirken des Belgrader Mitropoliten Mihailo ausgedrückt wurde.[3] Der Heilige Sava wurde durch die serbisch-orthodoxe Kirche auch als Symbol der Einheit der über verschiedene Länder und Territorien lebenden Serben empfunden und sein Kult sollte einer möglichen Vereinigung aller Serben Vorschub geben.[4] Während 1895 auch der Verein zum Bau der Gedenkkirche des Heiligen Sava durch Mihailo und durch Einschluss bedeutender Bürger Belgrads erfolgte, begann sich die Idee einer Gedenkkirche auf dem Vračar-Hügel in Belgrad zu formieren. Auf eben diesem Hügel erfolgte nach zahlreichen hagiographischen Berichten die von Sinan Pascha befohlene Verbrennung der Reliquie. Mythische Überlieferungen und wundersame Erzählungen in der Volksdichtung hoben den Verbrennungsort im Nachhinein zu einem sakralen und spirituellen Platz. Die Suche nach dem ursprünglichen Ort des Scheiterhaufens wurde in Serbien schon seit 1840 geführt, als der Savindan (27. Januar) als allgemeiner Feiertag im Fürstentum eingeführt wurde, und eine Priester Mihailo 1878 die Information mitgeteilt hatte, das auf dem Vračar 1757 eine Kirche durch die Türken zerstört wurde, an der angeblich wundersame Dinge geschahen. Obwohl keine genaue Kenntnis zum Platz auffindbar war, bestimmte Mihailo überwiegend aus praktischen Gründen, dass der Hügel der geeignetste Platz für eine zukünftige Gedenkstätte ist. Selbst das eigentliche Datum war nicht gesichert und die Serbische Akademie gab ein Datum der Feierlichkeiten zum Jahre 1894 an, während Mihailo aufgrund des schon verstrichenen Jahres die Feiern für 1895 bestimmte, was aber schon früher als Datum geläufig überliefert war. Die heute historisch gesicherte Datierung der aus der Grablege Savas und Krönungskirche der Nemanjiden im Kloster Mileševa 1594 von Sinan Pascha, dem damaligen Großwesir und wichtigen Heerführer im Osmanischen Reich, entwendete Reliquie und deren demonstrative Verbrennung, ist der 27. April 1594. Unmittelbarer Auslöser der als Vergeltung gedachte Aktion war der große serbische Aufstand im Banat zwischen Temeschwar und Pančevo, von der serbisch-orthodoxen Kirche durch den serbisch-orthodoxen Patriarchen Jovan (Patriarch 1592-1614) maßgeblich unterstützt, bildete er eine Teil eines allgemeinen serbischen Aufstandes der auch die Herzegowina und Montenegro ergriffen hatte und dessen militärisches Zentrum der Banat während des Langen Habsburgisch-Türkischen Krieges 1593-1607 bildete.[5] Die Reliquie Savas im Kloster Mileševa war zu der Zeit eine der wesentlichen Identifikationsfiguren im serbischen Nationalbewußtsein, eine Beschreibung der reichen Grablege des Klosters aus dem Jahre 1580, in der der Sarkophag Savas als "gänzlich mit silbernen Ornamenten und vergoldeten Figuren" beschrieben wurde, gab der venezianische Gesandte an der Hohen Pforte, Paolo Contarini während seines Aufenthaltes in Mileševo.[6]

Bis zu diesem Zeitpunkt war der Hügel geläufig als Englezovac, nach dem schottischen Händler Mackenzie der den größten Teil davon besaß, bekannt. Auf Vorschlag einer Gruppe von Bürgern sollte das Toponym daher auch in Savinac umbenannt werden. 1895 wurde hier daraufhin zuerst eine kleine Gedenkkirche errichtet.

Der nächste Schritt war zu den Feierlichkeiten 1904, als sich die Hundertjahrfeier des Ersten Serbischen Aufstandes jährte, als ein Wettbewerb zur Errichtung der zukünftigen großen Gedenkkirche ausgeschrieben wurde.

Planungsphase[Bearbeiten]

Die Kathedrale bei Nacht

Architekten-Wettbewerb[Bearbeiten]

Der Architekturwettbewerb von 1904 wurde, da die Kommission davon ausging das die Kapazitäten eines fachlichen Urteils sehr eingeschränkt sind, der St. Petersburger Akademie für Schöne Künste übertragen. Von den fünf eingereichten Beiträgen wurde keines von der Akademie akzeptiert, da keines alle Prinzipien der Ausschreibung erfüllen konnte. Durch die politische Situation, die bald in den Balkankriegen einen militärischen Kontext bekam sowie den Ersten Weltkrieg ruhten die weiteren Arbeiten an einem Wettbewerb.

Schließlich wurde durch die Gründung des Vereins zum Bau der Gedenkkirche auf dem Vračar die nach Ende des Krieges und mit der politischen Neuformierung des Landes formiert wurde 1925 ein zweiter Wettbewerb ausgeschrieben. An dem im Königreich Jugoslawien ausgeschriebenen zweiten Wettbewerb für den Tempel des Heiligen Savas beteiligten sich 1926 insgesamt 22 Architekten. Unter diesen 22 Wettbewerbsbeiträgen nationaler und internationaler Provenienz fand sich dennoch kein einziger der alle Vorgaben erfüllte. Der bestplatzierte Beitrag stammte von Bogdan Nestorović, dessen Arbeit einen zweiten Platz belegte. Ebenso wurden einige weitere Projekte durch den Verein aufgekauft.

Mit der Ausrichtung des Zweiten Byzantinologischen Kongresses 1927 in Belgrad wurde die vorherrschende Strömung einer der mittelalterlichen byzantinischen Kunst verpflichtete Kirchenarchitektur in Serbien nochmals verstärkt.[7] Danach viel auch die endgültige Entscheidung der Kirchenobersten, dass die Kirche im Stil des Historismus auf Grundlage klassischer byzantinischer Vorbilder, im so genannter "Serbisch-Byzantinischer Stil" zu errichten sei.

Bestimmung der Architekten[Bearbeiten]

Obwohl keiner der Entwürfe einen ersten Preis bekommen hatte wurden Bogdan Nestorović (1901-1975) und Aleksandar Deroko (1894-1988) 1931 zu den Architekten der Kirche bestimmt. Sie wurden aufgefordert eine Überarbeitung der Entwürfe zu einem einzigen Entwurf im Sinne neobyzantinischer Tendenzen auf Basis der klassischen Frühbyzantinischen Vorbilder Konstantinopels zu machen. Die Kirche des Heiligen Sava sollte dabei aus der Transformation und Synthese der eingereichten Wettbewerbsentwürfe Nestorović und Derokos in den neuen Vorgaben insbesondere an die Architektur der Hagia Sophia neu gezeichnet werden.

Mit dieser Entscheidung setzte sich jedoch auch die scharfe Polemik um den Baustil des Gebäudes fort, die sich seit 1930 in extrem gegensätzlichen Vorstellungen von Architekten, Bildhauern und Medien im Königreich Jugoslawien entwickelt hatte und 1932 kulminierte. So waren an den Diskussionen insbesondere alle führenden Künstler und Architekten des Landes beteiligt.[8] Der Bildhauer Toma Rosandić plädierte beispielsweise für ein Denkmal, während Ivan Meštrović in dem Gebäude den jugoslawischen Pantheon verwirklicht haben wollte.[8] Letztlich setzte sich die Fraktion der Befürworter eines Gebäudes im sogenannten serbisch-byzantinischen Stil durch.

Nestorovićs erster Entwurf lehnte sich ursprünglich sehr eng an das Konzept, die Fassadengestaltung und die Silhouette der Klosterkirche Gračanica an.[9] In seiner weiteren Überarbeitung wurde dieses Modell an den monumentalen klassischen byzantinischen Stil des 6. Jahrhunderts im Zeitalter des Kaisers Justinian I. angenähert. Aleksander Derokos eigener Entwurf, der eher dem direkten Vorbild der Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, der Hagia Sophia im heutigen Istanbul, stärker verpflichtet war, bot damit die eigentliche Ausgangsbasis der Synthese aus beiden Konzepten. Als Zentralkuppelbau unterscheidet sich der finale Nestorović-Deroko-Entwurf jedoch insbesondere im Grundriss von dem der Hagia Sophia, da hier keine Verschmelzung von Basilika und Zentralbau gewählt wurde sowie durch die vier Halbkuppeln und den andersartigen Aufbau der Emporen. Auch besitzt die Hagia Sophia nur eine Kuppel, die Kathedrale des Heiligen Sava 18 unterschiedlicher Größe. Anklänge an den serbisch-byzantinischen Baustil des Mittelalters sind aus der Hinzufügung von vier Glockentürmen in Form von kleinen Kuppeln um die Zentralkuppel als Fünfkuppeltypus sowie in der Art der Kreuzarme, die Anleihen der Raška-Schule und einer obligaten Marmorverkleidung gegeben. Diese Stilelemente treten aber im Gesamteindruck zurück. Dabei besitzt der neue Entwurf jedoch genügend Eigenständigkeit und Individualität um nicht als bloße Kopie der Hagia Sophia verstanden zu werden.[10]

Ausfürungsphase[Bearbeiten]

Grundsteinlegung und Bau[Bearbeiten]

Nach mehreren Jahrzehnten Planung und etlichen Wettbewerben wurde der Bau 1935 begonnen. Durch den Zweiten Weltkrieg wurden die Bauarbeiten 1941 bis zu einer Höhe von 10 m eingestellt.

Einstellung und langjährige Unterbrechung der Arbeiten[Bearbeiten]

Die Wehrmacht nutzte den ummauerten Platz während der Besatzung Serbiens als Lager, ebenso die Partisanen Titos.[11] Der Zweite Weltkrieg, wie die neuen kommunistischen Machthaber hatten den Weiterbau danach unterbunden. Die Baustelle lag brach und wurde von Kindern als Spielplatz oder von Zirkustruppen als Aufführunsplatz aufgesucht. Mit der politischen Veränderung durch die Machtübernahme der Kommunisten 1945 war an einen Weiterbau der Kirche nicht mehr zu denken. Trotz jahrzehntelanger Bemühungen des Patriarchen der serbisch Orthodoxen Kirche German (Patriarch von 1958-1990) und über 20 Gesuchen bei der Führung des Bundes der Kommunisten Serbiens einen Weiterbau genehmigt zu bekommen, dauerte der politisch bedingte Baustopp bis 1984.

Wiederaufnahme der Bauarbeiten[Bearbeiten]

Zweite Weihung der Kirche[Bearbeiten]

Mit der grundsätzlichen Freigabe einer Weiterführung der Arbeiten der Kirche durch die Sozialistische Regierung Serbiens 1985 wurde ein neuer Architekt bestellt um den Tempel zu vollenden. Dazu berief Patriarch German den Architekten Branko Pešić (1921-2006), einen Schüler Bogdan Nestorovićs, im September 1984 in seine Residenz im Patriarchen-Palast und eröffnete diesem, dass er als Architekt für den Weiterbau an der Kirche ausgewählt wurde. Pešić, der zuvor das Hochhaus der Beograđanka im Stadtzentrum geplant hatte, musste den Kirchenentwurf in Teilen modifizieren, hielt sich aber überwiegend an den letzten finalen Entwurf Nestorovićs. Es fehlten die im Krieg abhanden gekommenen statischen Konstruktionszeichnungen und alle Projekte der Bauausführung.[8]

Überarbeitung des Entwurfes[Bearbeiten]

Insbesondere veränderte Pešić jedoch die Dimensionen der Kuppel, deren Durchmesser von 32,63 m auf 35 m vergrößert wurde. Die Kuppel wurde um 5 m erhöht und das Kuppelkreuzes wuchs von 6 auf 12 m. Die Fassade erhielt als Anpassung an die ästhetische Moderne durch Weglassen einiger schmückender Details ein einheitlicheres Aussehen, die geplante Fassade aus Sandstein aus Beolvode, aus dem zahlreiche repräsentative Gebäude Belgrads errichtet wurden, wurde von Pešić aus weißem Marmor und roten Granit für Friese, Gesimsen, Arkaden und Pilaster geändert.[12] Auch hatte Branko Pešić entschieden, den Weiterbau in Stahlbeton auszuführen.

Die im Entwurf Nestorović' vorgesehene Krypta mit 1 600–1 800 m² Fläche, einer Kapelle des Heiligen Fürsten Lazar und dem Schatzhaus des Heiligen Sava wurde während des Baubeginns der Kirche 1935 nicht mit ausgeführt. Pešić ließ sie in den vorgesehenen Dimensionen in das begonnene Bauwerk nachträglich integrieren.[13]

Ein Teil der Baupläne hatte Aleksandar Deroko in einem Kriegsversteck im Keller seiner Wohnung eingegraben und nach dem Krieg dem Patriarchat übergeben. Da die Erben Nestorovićs jedoch keine Pläne mehr zur Statik im Archiv des Architekten ausfindig machen konnten, bat Pešić Aleksandar Deroko als einzigen lebenden der ursprünglichen Architekten um weitere Hilfe. Deroko der eigentlich nur Hauptautor in der Ornamentik der Fassade, Kapitelle und Bögen der Kirche war, konnte Pešić bei dem Treffen weitere Pläne vorzeigen, jedoch blieben die statischen Baupläne weiterhin verschollen. Jedoch sicherte Deroko Pešić und explizit nur ihm alleine jede erforderliche Hilfe im Weiterbau von Sv. Sava zu.

Pešićs Überarbeitung der Silhouette der Kirche ging vom Grundplan des Nestorović-Deroko-Entwurfs aus. Er vergrößerte neben der Höhe der Kuppel, die Dimensionen der Halbkuppeln, änderte die Fassadengestaltung, entwarf für jede der Kuppeln ein Kreuz und vergrößerte das Kreuz der Kuppel von 6 auf 12 m mit einem Gewicht von 4 Tonnen. Die Arkaden und Pilaster der Fenster wurden abgeändert, die Fassade wurde anstatt aus Sandstein in weißen Marmor geplant, Bänder der Arkaden an den Fensterbögen durch roten Granit strukturiert, Fenster Türen und Rosetten neu geformt.[14] Der offizielle Weiterbau wurde in einer Messe, bei dem etwa 100.000 Belgrader im noch immer kommunistischen Jugoslawien am 12. Mai 1985 erschienen waren, eröffnet.[15] Die eigentlichen Bauarbeiten begannen am 14. April 1986. Die Arbeiten bedurften insbesondere zahlreicher statischer Interventionen, da die vorgefundenen Vorarbeiten für die Grundmauern der vier Pfeiler für eine Kuppel von 35 m Durchmesser nicht ausreichend bemessen wurden und auch die Tragmauern der Halbkuppeln aus statisch ungenügend festen Ziegeln gemauert wurden. Stahlbeton wurde an allen kritischen Punkten der Grundmauern eingefügt sowie insbesondere die ursprünglich vorgesehene einschalige Kuppel durch eine Doppelschalenkonstruktion mit eine 2 m hohen Gang zwischen den Schalen versehen. Bautechnisch innovativ waren die Arbeiten an der außen 36 m Durchmesser messenden Kuppel. Pešić wollte sie gänzlich am Boden im Inneren der Kirche bauen lassen. Die über 4.000 Tonnen schwere und 28 m Hohe Kuppel wurde mit ihrem 28 Tonnen schweren Kupferdach und samt dem 12 m hohen vergoldeten Kreuz, das schon alleine 4 Tonnen wog, dann durch eine hydraulische Anlage in 20 Tagen auf 40 m Höhe gehoben. Die technisch spektakuläre Hebung der Kuppel durch speziell für den Zweck angefertigte 16 hydraulische Kräne wurde am 26. Mai 1989 von mehrere Fernsehstationen, zahlreichen Medienvertreter sowie angereisten Architekten und Bauingenieure begleitet. Eine eigene Bühne vor der Baustelle eingerichtet. Nach der Hebung lag der Scheitel der Kuppel in 68 und bis zur Spitze des Kreuzes in 80 m Höhe. Am 25. Juni 1989 fand daraufhin unter Leitung des Patriarchen German die erste eigentliche Liturgie in der Kirche statt, drei Tage vor der 600 Jahr Feier der Amselfeldschlacht auf dem Gazimestan, versammelten sich 150.000 Menschen auf dem Plateau und in der Kirche.[16]

Mit dem Zerfall Jugoslawiens in den Jugoslawienkriegen, sowie dem UN-Wirtschaftsembargo gegen die Bundesrepublik Jugoslawien ab 1992 hatten sich die Bauarbeiten Anfang der 90iger Jahre stark verlangsamt. 1991 waren dennoch 90 % der Arbeiten an den Betonarmierungen abgeschlossen gewesen. Die weiteren Bauarbeiten wurden zwar bis 1996 fortgesetzt, jedoch unter anderen Prioritäten. Die Serbisch-Orthodoxe Kirche bemühte sich insbesondere auch für kleinere Bauprojekte in ländlichen Gebieten, die stärker unter der Kriegssituation leideten sowie um die Hilfe für Flüchtlinge und Vertriebene. Schließlich mußten daraus aus Geldmangel die Architekten und Bauarbeiter am Dom des Heiligen Sava 1996 entlassen werden und die Baustelle wurde für mehrere Jahre aufgegeben. Insbesondere lagerten in dieser Zeit die Marmor- und Granitplatten um die Kirche, die als Betonrohbau jahrelang einen eigentümlichen Anblick im Stadtzentrum Belgrads bot. Während der NATO-Bombardierung Serbiens und Belgrads fand am 20. April 1999 eine Liturgie gegen den Krieg in der Kirche statt, an der wiederum trotz der Gefahr von Bombenalarmen 100.000 Menschen aus Serbien und Montenegro teilnahmen.[17] Der Weiterbau der Kirche wurde zum 5. April 2000 bekannt gegeben und bis 2004 konnte die Marmorverkleidung der Fassade aus griechischen Weißen Marmor und italienischen roten Granit vollendet werden. Im selben Jahr wurde das Bauwerk offiziell eingeweiht. 2003 fand in der Kirche die Messe für den bei einem Attentat verstorbenen Premier Serbiens Zoran Djinđić statt.[18]

Innendekoration[Bearbeiten]
Steinerne Biforien und Teile der Wandverkleidung der Kirche. Mit den Mosaiken wurde ab 2012 begonnen.
Alle Steinskulpturen wie die Biforien sind nach Zeichnungen Aleksandar Derokos ausgeführt

2007 waren die Arbeiten im Außenbereich abgeschlossen, innen ist die Kirche bis auf eine kleine Altarecke im Rohbauzustand (Stand 2016). Die Verkleidung des größtenteils in Beton erstellten Innenraums mit Mosaiken, Granitboden und Marmor-Granitwandverkleidung wurde durch den Präsidenten Russlands Wladimir Putin nach dem Besuch der Kirche 2011 zugesichert.[19] Putin sicherte neben den 30 Millionen Euro Kosten auch die Ausführung durch russische Mosaikspezialisten zu.[20] Die aufwendige Gestaltung der Heiligendarstellungen und Heilsgeschichte in Mosaiktechnik wird in den ersten beiden Phasen bis 2019 andauern und von Firmen wie Gazprom unterstützt.[21] Ein Treffen der Direktorin der Russischen Regierungsagentur Rossotrudnicestvo Lubov Nikolaevna Glebova, die von Putin als direkte Beauftragte für die Ausführung der Mosaike berufen wurde, fand am 13. November mit dem Präsidenten Serbiens sowie dem serbischen Aussenminister in Belgrad statt.[22] Zuerst sollen Kuppel, Halbkuppeln und die Altar-Apsiden mit Mosaiken ausgestattet werden, allein dafür werden 300 Mosaik-Künstler aus Russland und Weißrussland in der Kirche anwesend sein. Die Leitung der Mosaiken obliegt Nikolaj Aleksandrovič Muhin, der zuvor schon die Moskauer Kathedrale gestaltet hatte.[23]

Ursprünglich waren neben dem Tempel ein neues Patriarchenpalais, eine theologische Fakultät und ein kirchliches Museum, allesamt im Stil der Neorenaissance, geplant, die aber aufgrund fehlender finanzieller Mittel und Neubauten nach dem Krieg wahrscheinlich nicht zu verwirklichen sind.

Dimensionen und Details[Bearbeiten]

Maße[Bearbeiten]

Kuppel und Halbkuppel der Konche

Die Kirche ist eines der größten Gotteshäuser der Welt, mit 91 m × 81 m zu 77 m × 71 m und einer Grundfläche von 3 255 m² zu 7 570 m² entspricht sie ungefähr den Dimensionen der Hagia Sophia in Istanbul, hat aber einen größeren Kuppeldurchmesser (35 m zu 31 m) und eine größere Scheitelhöhe der Kuppel (68 m zu 56 m).[24] Die Krypta nimmt auf einem Niveau von 6 m eine Fläche von 1 600 m² ein. Die drei Galerien im ersten Niveau über den drei Kreuzarmen der Konchen besitzen eine Gesamtfläche von 1 276 m². Auf ihnen finden die Chöre während der Gottesdienst-Liturgie ihren Platz. Insgesamt sollen maximal 12.000 Menschen in der Kirche Platz haben.[24] Der innere Kuppeldurchmesser erreicht 35,15 m und ist damit etwas größer als derjenige der Hagia Sophia. Das vier Tonnen schwere vergoldete Kreuz der Hauptkuppel ist insgesamt 12 m hoch. Die Kirche hat 10 Glockentürme, 4 gruppieren sich als Kuppeln um die Hauptkuppel, jeweils zwei um drei der vier Konchen. Auf allen finden sich vergoldete Kreuze, die nach der Vorgabe im großen Kreuz geformt wurden.

Ornamentik[Bearbeiten]

Kapitell mit Kämpfer

Die Innendekoration und Ausarbeitung der Steinskulpturen des Bauwerkes hatte in den 1930er Jahren Aleksandar Deroko entworfen. Nach seinen Vorgaben werden Reliefs der Kapitelle und Biforien gefertigt. An allen Eingangstüren der Kirche werden bronzene Reliefs angebracht, für die Lünetten oberhalb der Türen sind Mosaiken vorgesehen. Über die mit Aluminium verzierten Fenster und Rosetten werden Steinskulpturen montiert.

Mosaiken[Bearbeiten]

Zu den umfangreichen Arbeiten, neben der mehrere Jahre in Anspruch nehmenden Ausführung der Mosaiken, gehören die Montage der steinernen Wanddekoration, die Galerien sowie die Kapelle in den Vorräumen und eine steinerne Taufkapelle.

Krypta[Bearbeiten]

In der Krypta wird die Begräbniskirche des Heiligen Märtyrers Lazar den zentralen Platz einnehmen. Die Krypta ist als kultureller Treffpunkt für Konzerte und die Ausstellung der Schatzkammer der Serbisch-Orthodoxen Kirche vorgesehen. Während der Naos der Kirche mit Mosaiken ausgeschmückt wird, sind für die Krypta Fresken geplant. Die Wände werden außerdem mit Travertin und Kalkstein bedeckt.

Für die Mosaiken der Kirche und die gesamte Inneneinrichtung ist der Architekt Dragomir Acović verantwortlich.

Glocken[Bearbeiten]

Die 49 Glocken des Doms stammen aus der österreichischen Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck. Vier Glocken sind normale Läuteglocken, die übrigen 45 sind Bestandteil eines Carillons. Die größte Glocke mit einem Durchmesser von 2,04 m wiegt 6 128  kg, die zweitgrößte 3 650 kg. Die kleinste Glocke mit 20 cm Durchmesser hat etwa 11 kg. Für die Zeitmessung besitzt das Läutewerk einen Empfänger für die Atomuhr in Stuttgart.[25]

Fenster und Türen[Bearbeiten]

Rahmen von Fenster und Rosetten der Kirche sind aus eloxiertem Aluminium, wie sie von Pešić schon in der Außenverkleidung der Beograđanka genutzt wurden. Die Fenster selber bestehen aus Kristallglas. Anstatt der zuerst vorgesehenen Aluminium-Portale wurde große Holztüren eingebaut.

Boden[Bearbeiten]

Der beheizte Boden wird aus verschiedenfarbigen Granitplatten gefertigt werden, wie er in der Krypta schon fertig zu sehen ist.

Stilkritik[Bearbeiten]

Innenansicht des Naos mit Kuppel, Halbkuppeln und Biforienfenstern

Von Seiten der Architekturkritik wurde die Kirche und deren Bauplan unterschiedlich gewertet. Insbesondere waren die Wettbewerbe in den 1920er und 30er Jahren die meistdiskutierten des ehemaligen Jugoslawiens. Mit dem Wiederbeginn der Bauarbeiten und der Überarbeitung der Pläne wurde der Bau wieder zum Fokuspunkt zahlreicher Kritiken. Diese konzentrierten sich auf die Statik des Bauwerks, insbesondere der Kuppel, den verwendeten Materialien der Fassade um die ein jahrelanger Streit um radioaktive Belastungen, den Glocken wie der Form des Kreuzes entbrannte. Das eigentliche Bauwerk wurde in der Regel als mehr oder minder gelungene Interpretation einer Klassischen Bauform der Hagia Sophia gewürdigt. Für den italienischen Architekten Pier Paolo Tamburelli besticht die Innenwirkung der Kirche durch "erstaunliche Schönheit". Er beschrieb die Innenansicht des Beton-Rohbaus als "unglaublich rein und würdevoll", sowie das Kuppel und die vier Halbkuppeln der Apsiden eine "einheitliche und trotzdem gut entwickelte Tiefe und einen überraschend kompakten Raum" bilden.[26] Auf die Analogie zum gefeierten Innenraum der Hagia Sophia strich Tamburelli den eigenen Charakter von Sveti Sava heraus, in dem der Innenraum durch "Roh- und Sanftheit" eines streng symmetrischen Grundrisses und einer "erstaunlichen" Empfindlichkeit für Licht heraus sticht. Dieses große Lob das Tamburelli der Raumwirkung dem kuppelgekrönten Naos der Kirche zuerkennt, führt er auf die architektonische Konstruktion, den Maßen, Beziehungen der einzelnen Formen und Raumteile und deren Anordnung in der massiven Betonkonstruktion Pešićs zurück. Für Tamburelli ist das Innere der Kirche in seiner Wirkung auf den Betrachter nicht erhaben sondern wunderschön.[27] Dagegen sieht er in der "plumpen" äußeren Silhouette der Kirche keinen Vorteil für die Stadtansicht Belgrads.

Statuen in der Umgebung[Bearbeiten]

Die Statue des hl. Sava, die sich vor dem Dom befindet, ist ein Geschenk der russisch-orthodoxen Kirche. Die Statue des Karađorđe unweit des Doms wurde 1974 aufgestellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Pier Paolo Tamburelli 2006: Hram Svetog Save, the Concrete Cathedral. Domus, 898, December 2006, 68-71

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kathedrale des Heiligen Sawa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen/ Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Riznica pod zemljom, Politika, 25. Januar 2009
  2. Vuk Štrabac 2013: Historicisme ou pastiche. S. 56
  3. Bojan Aleksov, 2003: Nationalism in Construction: The Memorial Church of St. Sava on Vračar Hill in Belgrade. In: Balkanologie - Revue d'etude pluridisciplinaire, Vol. VII, n° 2, 47-72, décembre 2003. Hier S. 52
  4. Bojan Aleksov, 2003: Nationalism in Construction: The Memorial Church of St. Sava on Vračar Hill in Belgrade. S. 52
  5. Milorad Ekmečić 2011: Dugo kretanje između klanja i oranja - istorija Srba u novom veku (1492-1992). Evro-Giunti, 4. Ausgabe, Belgrad. ISBN 978-86-505-1614-0 Hier S. 45
  6. Milorad Ekmečić 2011: Dugo kretanje između klanja i oranja - istorija Srba u novom veku (1492-1992). S. 46
  7. Aleksandar Kadijevic:EVOKACIJE I PARAFRAZE VIZANTIJSKOG GRADITEQSTVA U SRPSKOJ ARHITEKTURI OD 1918 DO 1941 (PDF; 332 kB). GODINE
  8. a b c Branko Pešić, 1988: Spomen Hram Sv. Save na Vračaru u Beogradu 1895–1988. In: Sveti Arhijeriejski Sinod Srpske Pravoslavne Crkve, Belgrad. S. 32
  9. Tanja Damljanović: Dva hrama za dve konfesije - traganje za moderno-vizantijskim (PDF; 1,4 MB), 2005, In: Nasleđe, br. 6, str. 77-84
  10. Vuk Štrabac 2013: HISTORICISME OU PASTICHE. Nasleđe. Serbisch und Französisch Istoricisam ili pastiš (PDF)
  11. Pier Paolo Tamburelli 2006: Hram Svetog Save - The concrete cathedral. Domus, 898, Dezember 2006. (lokales JPG)
  12. Popio sam dve rakije Interview mit dem Architekten Branko Pešić, NIN, 5. September 2002.
  13. Zanos, pa zastoj - Podizanje Hrama Svetog Save NIN, 12. September 2002.
  14. NIN, 5. September 2002 Popio sam dve rakije - Intervju: Branko Pešić, arhitekta
  15. NIN, Nr. 2698, 12. September 2002 Zanos, pa zastoj - Podizanje Hrama Svetog Save
  16. ibid NIN, Nr. 2698, 12. September 2002 Zanos, pa zastoj - Podizanje Hrama Svetog Save
  17. ibid NIN, Nr. 2698, 12. September 2002 Zanos, pa zastoj - Podizanje Hrama Svetog Save
  18. Pier Paolo Tamburelli 2006: Hram Svetog Save - The concrete cathedral.
  19. Novosti, 28. März 2011 Putin posetio Hram Svetog Save
  20. Novosti, 7. Oktober 2014 Rusi daju 30 miliona evra za oslikavanje Hrama Svetog Save
  21. RTS, 15. November 2015 Sve spremno za početak radova na Hramu Svetog Save
  22. Tanjug, 13. Nov. 2015 Nikolic confers with Russian official
  23. Novosti, 26. Nov. 2015 Ukrašavanje Hrama svetog Save odlažu komplikovane procedure
  24. a b Branko Pešić, Feuilleton der Večernje novosti, 9. Mai 2004.
  25. Homepage der Kathedrale mit Architekturdaten, (nur serbisch; aber die Zahlen kann man lesen); der Google-Übersetzer liefert für den fraglichen Passus Folgendes: „bei den westlichen Türmen wurden 49 Glocken, 4 schwenkbare und 45 in einem "svirajućih" (Glockenspiel) eingebaut“, abgerufen am 4. Oktober 2013.
  26. Pier Paolo Tamburelli 2006: Hram Svetog Save - The concrete cathedral. Hier S. 71
  27. Pier Paolo Tamburelli 2006: Hram Svetog Save - The concrete cathedral. Hier S. 71

44.7980820.46915Koordinaten: 44° 47′ 53″ N, 20° 28′ 9″ O