Theo Sommer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Theo Sommer im Mai 2018
Theo Sommer (1967)

Theo Sommer (* 10. Juni 1930 in Konstanz; † 22. August 2022 in Hamburg[1]) war ein deutscher Historiker und Publizist. Von 1973 bis 1992 war er Chefredakteur der Wochenzeitung Die Zeit, danach bis 2000 zusammen mit Marion Gräfin Dönhoff und Helmut Schmidt deren Herausgeber. Zudem veröffentlichte er zahlreiche Bücher und Beiträge zu Politik und Zeitgeschichte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommer war von August 1942 bis Mai 1945 Schüler an der Adolf-Hitler-Schule (AHS) auf der Ordensburg Sonthofen.[2] Zu seinen Schulkameraden gehörten unter anderem Hardy Krüger und Jakob Muth. Ende April 1945 sollten sie im Volkssturm noch Ulm verteidigen; sie kamen aber zu spät. Daraufhin trennten sie den Volkssturm-Streifen von ihren linken Ärmeln ab und campierten in einer Almhütte.
Sommer stieg am 8. Mai 1945, dem Tag der Kapitulation, mit zwei Kameraden auf die Rotspitze. Als sie zurückkamen, waren die anderen von französischen Soldaten festgenommen worden; sie mussten in Lothringen in einem Bergwerk arbeiten. Sommer kehrte im Juni 1945 zu Fuß und per Fahrrad zu seiner Familie nach Schwäbisch Gmünd zurück.[3] Dort machte er 1949 das Abitur. Anschließend studierte er Geschichte und politische Wissenschaften an der Åsa Folkhögskola, Schweden, an der Universität Tübingen, am Manchester College im US-Bundesstaat Indiana und an der University of Chicago. Sommer wurde 1960 bei Hans Rothfels in Tübingen zum Dr. phil. mit einer Arbeit über Deutschland und Japan zwischen den Mächten, 1935–1940 promoviert. Anschließend nahm er im Sommer 1960 an Henry Kissingers Internationalem Seminar an der Harvard-Universität teil.

Journalist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommer arbeitete seit 1949 als Journalist. Seine Karriere begann bei der Rems-Zeitung in Schwäbisch Gmünd, für die er von 1952 bis 1955 als Lokalredakteur tätig war. Er wurde 1958 auf Empfehlung Theodor Eschenburgs von Marion Gräfin Dönhoff als politischer Redakteur bei der Zeit eingestellt,[4] deren Chefredakteur er vom 1. Januar 1973 bis zum 30. September 1992 war. Danach fungierte er vom 1. Oktober 1992 bis zum 31. März 2000 neben Marion Gräfin Dönhoff und Altbundeskanzler Helmut Schmidt als Herausgeber. Seit 2004 war Sommer Herausgeber im Verlagshaus Times Media GmbH unter der Geschäftsführung von Detlef W. Prinz. Er war Herausgeber der Monatszeitungen The Atlantic Times, The German Times und The Asia Pacific Times. Außerdem arbeitete Sommer für ausländische Presseorgane, u. a. als Kolumnist bei Newsweek International, Yomiuri Shimbun (Tokio), JoongAng Ilbo (Seoul).

Weitere Ämter und Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommer hatte von 1967 bis 1970 einen Lehrauftrag für Politische Wissenschaften an der Universität Hamburg. Im Wintersemester 1972 lehrte er am Center for European Studies an der Harvard University.

1969/1970 war er unter Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt Leiter des Planungsstabes im Bundesministerium der Verteidigung. Von 1970 bis 1972 war er Mitglied der Wehrstrukturkommission der Bundesregierung.

Darüber hinaus war Sommer in den Jahren 1999 und 2000 stellvertretender Vorsitzender der Weizsäcker-Kommission „Gemeinsame Sicherheit und Zukunft der Bundeswehr“ und von Januar 2001 bis Juni 2001 Leiter des „Arbeitsstabes Dr. Sommer“ zur Untersuchung des Umgangs der Bundeswehr mit Gefahrstoffen und Gefährdungen wie Uranmunition, der Röntgenstrahlung aus Radaranlagen sowie Asbest.

Von 1990 bis 1996 gehörte er dem Beirat der gemeinnützigen Bertelsmann Stiftung an.[5]

Von 1992 bis 2004 war Sommer im Vorstand der Welthungerhilfe.

Von 1973 bis 2014 war Sommer Mitglied des Kuratoriums der ZEIT-Stiftung Gerd und Ebelin Bucerius. 2001 übernahm er als Dean die Moderation und akademische Leitung der neu gegründeten Bucerius Summer School (BSS). Sommer hat auch an der Gründung des BSS-Ablegers „Asian Forum“ mitgewirkt, das die ZEIT-Stiftung seit 2011 in Neu-Delhi zusammen mit der Observer Research Foundation durchführt. Er war Vorsitzender in der Jury des „Gerd Bucerius-Förderpreises Junge Presse Osteuropa“ und von 2003 bis 2014 hatte er auch den Vorsitz in der Jury inne, die alljährlich den Marion-Dönhoff-Preis vergibt.[6]

Verurteilung wegen Steuerhinterziehung und schweren Betrugs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 wurde Sommer vom Amtsgericht Hamburg wegen Steuerhinterziehung und Betrugs im besonders schweren Fall zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten verurteilt; als Bewährungsauflage musste er zudem 20.000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen.[7] In dem Verfahren ging es um eine Steuerschuld von 649.917,99 Euro[8] aus den Jahren 2005 bis 2011 durch seine Tätigkeit als Herausgeber für das Verlagshaus Times Media GmbH und dessen Produkte wie The Atlantic Times, die er zunächst vor dem Fiskus verborgen, aber bis zum Prozess weitgehend getilgt hatte. Sommer hatte sich geständig gezeigt, das Fehlverhalten bedauert und damit erklärt, dass er zunächst die Rentabilität des Engagements abwarten wollte und dann das Problem verdrängt habe. Ihm sei die Sache „peinlich vor meiner Familie, den Kollegen, Freunden und Kritikern, vor allem aber mir selbst gegenüber“.[9]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommer war bis 1988 mit Heide Sommer geb. Grenz verheiratet, mit der er zwei seiner fünf Kinder hat. Er lebte bis zu seinem Tod mit seiner dritten Ehefrau in Hamburg-Volksdorf.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor

Als Herausgeber

  • Denken an Deutschland. Zum Problem der Wiedervereinigung, Ansichten und. Einsichten. Nannen, Hamburg 1966.
  • Allianz im Umbruch? Das Verhältnis zwischen Europa und Amerika. Heyne, München 1982, ISBN 3-453-01724-2.
  • Reise ins andere Deutschland. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1986, ISBN 3-498-06210-7.
  • (mit Marion Gräfin Dönhoff, Helmut Schmidt) Zeit-Geschichte der Bonner Republik 1949–1999. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, ISBN 3-498-01314-9.
  • Leben in Deutschland. Die Anatomie einer Nation. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2004, ISBN 3-46203-414-6.
  • My idea of the land of ideas. How the world sees Germany. Droemer, München 2006, ISBN 3-426-27410-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DIE ZEIT trauert um Theo Sommer. In: Zeit Online. Die Zeit, abgerufen am 22. August 2022.
  2. Vgl. Setzen, Sechs! – Schulgeschichten aus Deutschland (1/3). Verlorene Kindheit. Dokumentarfilm von Dora Heinze im Auftrag des SWR. Deutsche Erstausstrahlung am 8. Dezember 2005.
  3. spiegel.de: »Dass wir Täter waren, ehe wir Opfer wurden, wurde uns erst langsam klar« (Interview mit Theo Sommer im Jahr 2020)
  4. Die Zeit bleibt, wir vergehen. In: sueddeutsche.de, 10. Juni 2020.
  5. Chronik. (Nicht mehr online verfügbar.) Bertelsmann Stiftung, archiviert vom Original am 7. Mai 2020; abgerufen am 15. Mai 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bertelsmann-stiftung.de
  6. Tätigkeit für die ZEIT-Stiftung. In: theosommer.de. Abgerufen am 25. August 2022.
  7. Theo Sommer erhält Bewährungsstrafe Website MEEDIA, Artikel 22. Januar 2014, von Felix Disselhoff. Abgerufen 31. Januar 2014.
  8. Ehemaliger "Zeit"-Chef Theo Sommer "Ich habe einen Riesenfehler begangen", sueddeutsche.de vom 22. Januar 2014.
  9. Steuerhinterziehung – Ehemaliger ZEIT-Chef Sommer zu Bewährungsstrafe verurteilt, FAZ.net, abgerufen am 22. Januar 2014.
  10. The Trilateral Commission (Memento vom 5. Juni 2011 im Internet Archive) (PDF 436 KB).
  11. Theodor-Wolff-Preis (Memento vom 11. Juli 2013 im Internet Archive) Preisträger der Jahre 1962 bis 1997. Website BDZV, Preisträger & Preisverleihung. Abgerufen 31. Januar 2014.
  12. Auszeichnungen.
VorgängerAmtNachfolger
Leiter des Planungsstabes im Bundesministerium der Verteidigung
1969–1970
Hans-Georg Wieck