Tierpark Hellabrunn

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Münchner Tierpark Hellabrunn
Vollständiger Name Münchner Tierpark Hellabrunn
Motto Der Zoo der Stadt München
Ort Tierparkstraße 30
81543 München
Fläche 40 Hektar
Eröffnung 1. August 1911
Tierarten 767 Arten[1] (2014)
Individuen 18.943 Tiere[1] (2014)
Besucherzahlen 2.283.739 (2014)
Organisation
Leitung Rasem Baban
Trägerschaft Münchener Tierpark Hellabrunn AG
Förderorganisationen Förderkreis des Tierparks
Mitglied bei WAZA, EAZA, VdZ, European Association of Zoo and Wildlife Veterinarians (EAZWV), Zootierärzte im deutschsprachigen Raum, ISIS
www.hellabrunn.de
Tierpark Hellabrunn (Bayern)
Tierpark Hellabrunn
48.09722222222211.554166666667Koordinaten: 48° 5′ 50″ N, 11° 33′ 15″ O

Der Münchner Tierpark Hellabrunn wurde am 1. August 1911 gegründet. Der Tierpark ist durch seine naturnahe Lage im Landschaftsschutzgebiet der Isarauen gekennzeichnet. Im ersten Geozoo der Welt leben heute rund 19.000 Tiere in 767 Arten.[1]

Lage[Bearbeiten]

Der Tierpark Hellabrunn aus der Vogelperspektive

Der Tierpark liegt im Stadtteil Untergiesing-Harlaching. Eingebettet in das Landschaftsschutzgebiet der östlichen Isar-Auen konnte auf dem Gelände des Tierparks Hellabrunn ein 40 Hektar großer typischer europäischer Auenwald erhalten werden, der über einen sehr alten Baumbestand verfügt. Ursprünglich lag auf einem Teil des Geländes eine Mühle aus dem 14. Jahrhundert. Diese südlichste Untergiesinger Mühle wurde 1902 abgerissen, mit ihrem Abbruch gelang der Durchbruch für die dauerhafte Gründung eines Zoos für München.

Das Gelände des Zoos erstreckt sich von der Thalkirchner Brücke isaraufwärts bis zur Marienklause über das gesamte Terrain der Flussaue vom Steilhang bis zum Isarufer, von dem es nur durch einen Damm mit befestigtem Weg getrennt ist. Das Areal wird von dem am Südende des Zoos von der Isar bzw. vom Isar-Werkkanal abzweigenden Auer Mühlbach durchzogen. Mit 25 Brücken über verschiedene Wasserläufe und Kanäle bezeichnet sich der Münchner Tierpark mitunter als „Venedig unter den Zoos“.[2]

Der hohe Grundwasserspiegel im Tierparkgebiet speist eine große Zahl an Brunnen, die über das gesamte Areal verteilt sind und aus denen der Tierpark über ein Kanalsystem den Wasserbedarf für seine Tiere und Anlagen vollständig autark decken kann. Viele Gehege sind durch natürliche Wasserläufe oder Wassergräben begrenzt, so dass der Besucher einen barrierefreien Blick auf die tierischen Bewohner werfen kann.

Über die Thalkirchner Brücke gelangt man zu Fuß in wenigen Minuten von der U-Bahn-Station Thalkirchen zum sogenannten Isar-Eingang an der Nordwestecke des Tierparks. Die Endhaltestelle „Tierpark (Alemannenstraße)“ der Buslinie 52 liegt an der Nordostecke des Tierparks beim sogenannten Flamingo-Eingang. In der Nähe beider Eingänge gibt es auch Parkplätze.

Geschichte[Bearbeiten]

Eröffnung am 1. August 1911[Bearbeiten]

Nachdem in München verschiedene Gründungen von Zoos bzw. zooähnlichen Anlagen gescheitert waren, gründete sich am 25. Februar 1905 auf Initiative von Oberstleutnant Hermann von Manz der Verein „Zoologischer Garten München e.V.“ mit namhaften Münchner Honoratioren mit dem Ziel, einen neuen Tierpark in München zu errichten. Nachdem andere in Frage kommende Standorte ausgeschieden waren, entschied man sich für das Gebiet, das zu dem Adelssitz und Lustschlösschen Hellabrunn gehörte und das zum Namenspatron für den Tierpark wurde. Das Hellabrunner Areal wurde dem Verein 1906 von der Stadt München für sechzig Jahre unentgeltlich zur Verfügung gestellt – unter der Bedingung, dass dieser innerhalb von 5 Jahren das erforderliche Kapital für den Aufbau eines Tierparks beschaffen könne.

Der Tierpark Hellabrunn öffnete am 1. August 1911. Zwar waren noch einige der Tierhäuser relativ provisorisch, doch das heutige Elefantenhaus stammt bereits aus jener Anfangszeit (Eröffnung 1914). Der künstlerische Generalplan für den Tierpark stammt von dem Architekten Emanuel von Seidl, der das Hanggelände mit seinen Nagelfluhfelsen und der vom Auer Mühlbach durchflossenen Auenlandschaft geschickt ausnutzte, um eine naturnahe Tierhaltung zu ermöglichen.

Bereits 1922 musste der Tierpark jedoch wegen Geldmangels aufgrund der Inflation wieder schließen. Zahlreiche Einrichtungen wurden demontiert, das Löwenhaus von 1911 wurde abgerissen; die Gebäude verfielen.

Wiedereröffnung 1928[Bearbeiten]

Das Elefantenhaus als Postkartenmotiv (1932)

Im Jahr 1925 wurde innerhalb des „Hilfsbundes der Münchner Einwohnerschaft“ ein Tierparkausschuss gegründet und man nahm den Wiederaufbau in Angriff. Am 23. Mai 1928 wurde der Tierpark Hellabrunn unter Direktor Heinz Heck wiedereröffnet. Heck griff Ideen des Tierhändlers und Hamburger Zoogründers Carl Hagenbeck auf und konzipierte den Tierpark als ersten Geozoo der Welt, bei dem die Anordnung der Tierarten nach ihrer geographischen Herkunft erfolgte. Schnell erlangte der Tierpark dank dieses Konzeptes und der Abbildzüchtungs-Versuche ausgerotteter Tierarten, welche in Heckpferd und Heckrind resultierten, weltweite Anerkennung und Bekanntheit. Das in den 1930er Jahren erbaute Menschenaffenhaus mit Aquarium zählte damals zu den modernsten der Welt. Der Tierpark verlangte bis 1969 ein Extra-Eintrittsgeld dafür.

Zweiter Weltkrieg und Provisorien[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Zoo schwere Bombenschäden, auch zahlreiche Tiere fielen den Luftangriffen zum Opfer. Mai 1945 konnte der Tierpark wieder eröffnet werden. Als provisorische Unterbringung für die Tiere benutzte man teilweise ehemalige Pferde-Lazarettbaracken aus dem Krieg. Da der Tierpark keine Bauzuschüsse der Stadt München erhielt und ihm wenig Geld zur Verfügung stand, blieben einige dieser Provisorien mehr als 20 Jahre bestehen, neue Gebäude konnten kaum gebaut werden. Die Zebras und Antilopen waren bis 1972 in einem solchen Behelfsstall untergebracht, die Kamele sogar bis in die 1980er Jahre. 1960 spendete Helmut Horten dem Zoo mehr als eine Million Deutsche Mark, mit Hilfe dieses Geldes wurden Anlagen für Wildziegen und Wildschafe, ein Wolfsgehege sowie Ausstellungspavillons gebaut. Heck leitete den Zoo bis 1968.

Generalausbauplan 1972[Bearbeiten]

Orang-Utan Jolie, geboren 2009

Um 1970 war der Tierpark in einem schlechten Zustand und viele Renovierungen und Neubauten waren überfällig. Daher stellte man 1972 einen Generalausbauplan zur Erneuerung der Tierparkanlage auf. Auch die Stadt München stellte größere Zuschüsse zur Verfügung. Ab 1972 kam es zu einer grundlegenden Erneuerung aller Anlagen. Von 1970 an wurde die Menschenaffenstation renoviert. Zudem wurden Außenanlagen für Gibbons gebaut. Die Gitter ersetzte man durch weniger störende Panzerglasscheiben. 1975 folgte die Eröffnung des neuen Polariums mit Anlagen für Moschusochsen, Pinguine, Eisbären und Robben. Ebenso wurden ein Kindertierpark und ein Streichelzoo gebaut.

1980 errichteten Jörg Gribl, Frei Otto und Ted Happold[3] eine große Voliere für Vögel, die auf einer Fläche von 5000 m² von einem 18 m hohen, dünnmaschigen Edelstahlgewebe überspannt wird. Mittlerweile ist diese Großvoliere ein Wahrzeichen von Hellabrunn geworden.

1981 übernahm Henning Wiesner von Arnfrid Wünschmann die Leitung des Zoos und 1992 auch den Vorstandsvorsitz der Münchner Tierpark Hellabrunn AG.

Löwe im Dschungelzelt

Das Affenhaus wurde 1983 mit einer Anlage für Lemuren, Neuweltaffen und Siamangs erweitert. Die Außengehege der Wildziegen und Steinböcke wurden 1985/86 natürlicher gestaltet. In den 1990er Jahren kam ein neuer Kamelstall hinzu, ebenso ein neues Nashornhaus. Es folgte ein großes Glashaus für Schildkröten und Insekten, ein neues Dschungelzelt für Raubtiere und tropische Vögel. Ein neues Urwaldhaus wurde 2005 fertiggestellt und bietet Platz für die Hellabrunner Schimpansen, Gorillas, Mississippi-Alligatoren und einige Reptil- und Fischarten. Die Gorillas können über einen für das Publikum unsichtbaren Tunnel aus dem Innengehege zum entgegengesetzt liegenden Freigehege wechseln. Die Orang-Utans haben nun großzügige „Spielzimmer“. Im Anschluss daran konnte am 24. Juli 2007 das Artenschutzzentrum mit seinem Kino eröffnet werden.

Das weitgehend unterirdische Aquarium wurde renoviert. Sein Eingangsbereich erinnert an eine römische Villa. Von 2002 bis 2004 wurde das Elefantenhaus erheblich umgebaut und modernisiert. Das historische Gebäude erinnert an eine byzantinische Kirche. Die Flusspferde mussten dem Umbau weichen, der Bereich wurde dem Areal der Elefanten angegliedert.

Tierpark heute[Bearbeiten]

Kinder beobachten die Eselspinguine

Im November 2009 wurde Andreas Knieriem, der zuvor die stellvertretende zoologische Leitung im Zoo Hannover innehatte, Direktor und später alleiniger Vorstand der Münchener Tierpark Hellabrunn AG. Nach seinem Wechsel in den Berliner Zoo am 1. April 2014 leitete Beatrix Köhler den Tierpark als Interimsvorstand. Seit dem 1. August 2014 ist der Architekt Rasem Baban, bisher stellvertretender Direktor im Zoo Leipzig, im Amt.

In die Amtszeit Knieriems fallen viele Großprojekte vor allem baulicher Art. So wurde im Jahr 2013 die 10.000 m² große Giraffensavanne eröffnet, ebenso wie die neu konzipierte Fledermausgrotte. Im Jahr davor wurde bereits das Aquarium komplett renoviert und für eine große Vielfalt an Tieren fit gemacht. Dazu wurde im Jahr 2014 mit der Grundüberholung des Elefantenhauses begonnen. Rasem Baban will diese Politik der Erneuerung fortsetzen. Seine Projekte stehen unter dem angekündigten Konzept eines „Geozoos der Biodiversität“.[4]

Unterstützt wird der Tierpark Hellabrunn sowohl von der Stadt München als auch von einer breiten Basis von Sponsoren, Förderern, Spendern und Tierpaten. Bis Ende des Jahres 2011 wurde der Tierpark darüber hinaus von dem Verein „Tierparkfreunde Hellabrunn e. V.“ unterstützt, der sich im Jahr 2011 auflöste, nachdem der Tierpark alle Verträge mit ihm gekündigt hatte.

Der Tierpark Hellabrunn ist seit 2007 Drehort für die TV-Serie Nashorn, Zebra & Co., einen Ableger von Elefant, Tiger & Co. aus Leipzig. Sie wird vom Bayerischen Rundfunks produziert und wurde am 24. Mai 2007 erstausgestrahlt. Mittlerweile wird die sechste Staffel ausgestrahlt. Seit 2015 wird die Sendung "Neues aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn" im BR gezeigt.

Greifvogel-Show

Neben zahlreichen Shows, Vorführungen und Tierfütterungen, wie zum Beispiel der Greifvogel- oder Elefanten-Show, ist der Tierpark Hellabrunn auch Kulisse für verschiedene Sonderveranstaltungen und Ausstellungen. Des Weiteren gibt es Führungen, Kindergeburtstage und das „Rendezvous beim Lieblingstier“. Speziell für Schulklassen sind diverse Angebote der Tierparkschule konzipiert, bei denen der Tierpark gemeinsam mit den Schulen individuelle Unterrichtseinheiten erarbeitet und im Tierpark durchführt.

Tieranlagen[Bearbeiten]

Der Münchner Tierpark Hellabrunn war der erste Geozoo der Welt. Der Gedanke des Geo-Prinzips, nach dem die Tiere nach Kontinenten geordnet sind und in natürlichen Lebensgemeinschaften gehalten werden, war zwischenzeitlich in den Hintergrund getreten, beispielsweise durch die Entscheidung, nur noch Asiatische Elefanten zu halten, deren Anlage freilich im Parkteil Afrika verblieb. Zoodirektor Andreas Knieriem erklärte das Geo-Prinzip in seiner Amtszeit (2009–2014) wieder zum Leitmotiv, das seitdem über allen zoologischen Veränderungen und baulichen Maßnahmen steht.

Urwaldhaus[Bearbeiten]

Gorilladame Bagira ist eine erfahrene Mutter

Im 2001 erbauten Urwaldhaus leben Schimpansen neben einer großen Gorilla-Familie und gegenüber mehreren Mississippi-Alligatoren. Weiters befindet sich ein Korallenriff mit rund 50 verschiedenen Korallenarten und verschiedenen tropischen Fischen im Urwaldhaus. Die zugehörigen Außenanlagen für die Menschenaffen wurden 2015 komplett umgebaut sowie die Anlagen im Urwaldhaus neu gestaltet. Die Außenanlagen waren zunächst durch Wassergräben vom Besucherbereich getrennt. Sie wurden im Zuge des Umbaus zugeschüttet und durch Glasscheiben ersetzt, wodurch die Gehege an Fläche gewannen.[5]

Aquarium[Bearbeiten]

lili rere
Kronen-Kugelfisch
Schwarzspitzen-Riffhai

Unmittelbar an das Urwaldhaus schließen sich die Aquarien und Terrarien an, in denen unter anderem Seepferdchen und Haie angesiedelt sind. Im Frühjahr 2012 wurde das Aquarium renoviert und am 20. Juli des Jahres eröffnet. Das neue Meerwasserbecken, das drei der bestehenden Becken ersetzt, ist alleine 14 m breit und bietet den Schwarzspitzen-Riffhaien ausreichend Platz. Insgesamt leben in den Becken des Aquariums ca. 5.000 Fische aus rund 200 verschiedenen Arten.

Welt der Affen[Bearbeiten]

Der kleine Silbergibbon Mia bei ersten Kletterversuchen

Hier leben unter anderem Orang-Utans sowie seltene Silbergibbons in einer Umgebung, die dem natürlichen Lebensraum der Affen nachempfunden ist. 1983 wurde nach Plänen von Jörg Gribl das Affenhaus mit einer Anlage für Lemuren, Neuweltaffen und Siamang erweitert.

Artenschutzzentrum[Bearbeiten]

Das Hellabrunner Artenschutzzentrum wurde 2007 eröffnet. Nach der Neugestaltung im Jahr 2015 haben Besucher die Möglichkeit sich über verschiedene Artenschutzprojekte zu informieren. Eine Dauerausstellung, wechselnde Sonderausstellungen und Vorträge vermitteln die Bedeutung der Biologischen Vielfalt und die Rolle von Zoos im internationalen Artenschutz.

Australien[Bearbeiten]

Hier leben unter anderem Flink-Wallabys und Rote Riesenkängurus. Beide australische Beuteltierarten haben im Februar 2012 Nachwuchs erhalten.

Afrika[Bearbeiten]

Dieses Areal beherbergt unter anderem Elenantilopen, Mhorrgazellen, Kudus, Mantelpaviane, Tieflandnyalas, Strauße und Hartmann-Bergzebras.

Elefantenhaus[Bearbeiten]

Ludwig an seinem zweiten Geburtstag mit Mutter Temi
Elefanten in München

Das 1914 eröffnete Elefantenhaus gehört zu den ältesten Bauwerken im Tierpark Hellabrunn. Es wurde vom Architekten Emanuel von Seidl, in dessen Händen auch der erste künstlerische Generalausbauplan lag, errichtet. Seine 18 Meter hohe Betonglaskuppel-Konstruktion war eine der ersten freitragenden Betonkuppeln, und es steht heute, als das letzte noch erhaltene Bauwerk dieses Architekten im Tierpark, unter Denkmalschutz.[6] Im Rahmen der Renovierungsarbeiten zum 100-jährigen Jubiläum des Tierparks im Jahr 2011, bei dem das Elefantenhaus seine ursprüngliche ockergelbe Farbe wieder erhalten und ehemals vorhandene Oberlichter freigelegt werden sollten, wurde festgestellt, dass die Statik der Dachkonstruktion des damals fast 100 Jahre alten Wahrzeichens von Hellabrunn beeinträchtigt war, so dass das Haus umgehend einer Generalsanierung unterzogen werden musste. Die Umbauarbeiten wurden im Frühjahr 2011 aufgenommen. Die Entscheidung, die baufällige Kuppel im Rahmen der Sanierung im Sommer 2014 zu sprengen und als Stahlkonstruktion wiederzuerrichten, könnte den Verlust des Denkmalstatus des Gebäudes bedeuten.[7] Am 12. September 2014 wurde die Kuppel dennoch gesprengt. Für die Zeit der Bauarbeiten wurde auf der Freianlage des Elefantenbullen ein provisorisches Elefantenhaus errichtet, das für den Publikumsverkehr nicht geöffnet ist. Im Dezember 2014 wurde ein Info-Pavillon gegenüber der Baustelle des Elefantenhauses eröffnet. Hier erfahren die Besucher Hintergründe über die Bau- und Restaurierungsarbeiten an dem historischen Gebäude.

Ursprünglich eines der wenigen beheizten Häuser im Tierpark, diente das Elefantenhaus in den Anfangsjahren nicht nur den Elefanten als ständige Unterkunft, sondern auch anderen, kälteempfindlichen Tieren als Winterquartier. Bis 2002 lebten hier noch Flusspferde, die seitdem jedoch nicht mehr zum Tierbestand Hellabrunns zählen. Dem Konzept des Tierparks folgend, die Gehege soweit möglich ohne Gitter und Zäune abzutrennen, ist die 3500 m² große Anlage von einem Trockengraben eingegrenzt. Auf der Anlage befindet sich neben zwei Bauminseln, die durch Stromdrähte vor den Elefanten gesichert sind, ein Badebecken. Im Jahr 2004 wurde ein separates Außengehege für den Elefantenbullen geschaffen, den Elefantenkühen und ihrem Nachwuchs steht somit ein eigenes Freigehege zur Verfügung.

Zurzeit lebt eine Gruppe von vier weiblichen Asiatischen Elefanten im Zoo: Steffi (geb. 1967), Panang (geb. 1989), Mangala (geb. 1993) und Temi (geb. 2001 im Tierpark Berlin). Der Elefantenbulle Gajendra (geb. 1993) ist wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten am Hellabrunner Elefantenhaus vorübergehend in einem anderen Zoo untergebracht und kehrt nach Abschluss der Arbeiten wieder nach München zurück: Anfang 2011 zog Gajendra in den Zoo Leipzig, seit April 2013 lebt er im Tierpark Hagenbeck in Hamburg, wo er für Nachwuchs sorgen soll. Die seit 1961 in München lebende Elefantenkuh Tina (geb. 1960) starb am 27. Juni 2012 im Alter von 53 Jahren.

Nachdem es sieben Jahrzehnte Probleme bei der Elefantennachzucht gegeben hatte, brachte die Elefantenkuh Temi am 6. Mai 2011 den Elefantenbullen Ludwig zur Welt. Ludwig war der Publikumsliebling in Hellabrunn.[8] Er wurde am 12. Mai 2015 an den Zoo Heidelberg abgeben.[9] Am 28. Oktober 2011 kam die zierliche Elefantenkuh Lola mit einem Herzfehler auf die Welt (Vater: Gajendra, Mutter: Panang). Im Dezember 2011 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. Trotz des Versuchs, Lola im Klinikum Großhadern zu operieren, verstarb sie am 21. Januar 2012 noch vor der Operation während einer CT-Aufnahme an einer Lungenembolie.[10]

Dschungelwelt[Bearbeiten]

In der Dschungelwelt können verschiedene Arten von Großkatzen beobachtet werden. In diesem 18 Meter hohen, von einer Seil- und Folienkonstruktion überspannten Haus leben neben Löwe und Leopard auch verschiedene, frei fliegende Vogelarten wie Papageien und der Schildturako. Zusätzlich werden Arten wie Palmen- und Riesenflughunde gehalten. Leguane, Kleinkantschile und zahlreiche tropische Vogelarten leben ohne Barriere in der dichten Vegetation der großen Besucherhalle.

Schildkrötenhaus[Bearbeiten]

Das 1996 erbaute Schildkrötenhaus hat durch eine neue Besucherplattform und zehn naturnah gestaltete Terrarien deutlich an Attraktivität gewonnen. Insgesamt elf Aldabraschildkröten leben in diesem Haus. In den 12 Terrarien des Schildkrötenhauses werden außerdem Insekten und Spinnentiere sowie Echsen, Lurche und Schlangen gehalten.

Polarwelt[Bearbeiten]

Besucher vor der neuen Eisbärenanlage (2013)

Die Eisbärenanlage in der Polarwelt ist eine der jüngeren Attraktionen im Tierpark Hellabrunn. Sie wurde im August 2010 nach zehnmonatiger Umbauzeit fertiggestellt. Die bis dahin bestehende Anlage wurde um 2800 m² vergrößert und ihre Fläche damit nahezu vervierfacht. Neben der neuen Tundra- und Taigalandschaft verfügt die Anlage über Felswände mit (Unterwasser-)Höhlen, die dem natürlichen Lebensraum seiner Bewohner nachempfunden sind. Die Eisbären lassen sich im neuen Tauchbecken mit Unterwassereinsicht beim Schwimmen und Tauchen beobachten. Das Gehege wurde darüber hinaus mit einem Wasserlauf mit Wasserfall ausgestattet. Es gehört zu den größten und modernsten Anlagen für Eisbären in Europa.

Beton als Hauptgestaltungselement (als Entsprechung der Fels- und Eislandschaften der Polargebiete) findet sich noch in den Anlagen für Pinguine (Eselspinguin, Königspinguin, Nördlicher Felsenpinguin) und Robben (Mähnenrobbe und Kalifornischer Seelöwe).

Im Juni 2015 wurden Pläne zur weiteren Umgestaltung der Polarwelt vorgestellt: Die Haltung der Kalifornischen Seelöwen soll aufgegeben werden, dafür entstehen Anlagen für Vielfraße und Polarfüchse (diese ziehen innerhalb des Tierparks um) sowie Schnee-Eulen.[11]

Außerhalb des Polariums wurde zum Jubiläumsjahr 2011 die Fischotter-Anlage in eine Anlage für Humboldtpinguine umgewandelt.

Asien[Bearbeiten]

In diesem Bereich ist eine Auswahl an Großsäugetierarten des eurasischen Kontinents zu sehen. Hier leben unter anderem Panzernashörner, Sibirische Tiger, ein Schneeleoparden-Paar und Takine.

Nashornhaus[Bearbeiten]

Panzernashörner, Faultiere, Schabrackentapire und Bartschweine findet der Besucher im muschelartig konstruierten Nashornhaus, welches 1990 als erstes Projekt des Architekten Herbert Kochta fertiggestellt wurde.

Europa[Bearbeiten]

Hier sind beispielsweise Abruzzengämsen, Alpenmurmeltiere, Alpensteinböcke, Elche, verschiedene Wasservögel, Rosapelikane und Wölfe zu beobachten. Darüber hinaus lebt auch ein Braunbär in diesem Bereich.

Fledermausgrotte[Bearbeiten]

1992 wurde ein Teil des 1960 entstandenen „Horten“-Hauses zu einer großen Fledermausgrotte umgestaltet. Seit März 2013 ist das Haus wie ein Bergwerksstollen gestaltet. Wenn sich die Augen der Besucher an die Dunkelheit gewöhnt haben, können sie die freifliegenden Fledermäuse (Brillenblattnasen) erkennen, die es sich an den Stalaktiten der Höhle gemütlich gemacht haben. Neben den Fledermäusen können die Besucher unter anderem eine große Webervogelkolonie und diverse Spinnenarten bewundern.

Großvoliere[Bearbeiten]

Roter Sichler beim Baden

Die Großvoliere aus Edelstahlgewebe gehört mit 18 Metern Höhe zu den größten Bauwerken Hellabrunns. Diese Freifluganlage wurde vom deutschen Architekten Frei Paul Otto entworfen, aus dessen Feder unter anderem auch die Dachkonstruktion des Münchner Olympiageländes stammt. Auf einer Fläche von 5.000 m² bietet die Voliere vielen Arten – darunter Schwarzstörchen, Waldrappen und Roten Sichlern – einen Lebensraum. Die Besucher haben das ganze Jahr über die Möglichkeit, Balz, Nestbau sowie Aufzucht von Jungtieren zu beobachten. Wie der gesamte Tierpark, so ist auch die Großvoliere von einem Aubach durchzogen. Die vielfältigen hier entstandenen ökologischen Nischen sind auf die angesiedelten Vogelarten sowie deren Brutverhalten abgestimmt.

Amerika[Bearbeiten]

Ein schönes Beispiel für die Vergesellschaftung verschiedener Arten nach dem Geozooprinzip stellt die Südamerika-Anlage dar: die große Anlage teilen sich Vikunjas, Nandus, Wasserschweine, Großer Ameisenbär und Pampashasen. Gegenüber teilen sich Waldbisons ein Zuhause mit den kleinen Präriehunden. Weiter leben in diesem Zooteil die südamerikanischen Mähnenwölfe.

Giraffensavanne[Bearbeiten]

lili rere
Eröffnung der Giraffensavanne
Der kleine Giraffenbulle Naledi (geb. 2013) mit Mutter Kabonga

Nach nur einem Jahr Bauzeit wurde im Mai 2013 die 10.000 m² große Giraffensavanne an Stelle der alten Anlage für Auerochsen- und Tarpan-Rückzüchtungen eröffnet (Fläche der Außenanlage: 4000 m²)[12]. Das Giraffenhaus mit einer Fläche von 770 m² ist bis zu sieben Meter hoch. Sein lichtdurchlässiges Foliendach in Kombination mit den Holz- und Glaselementen verleiht ihm einen offenen, durchlässigen Charakter. Im Innenbereich sind die Besucher durch eine Glasscheibe von den Giraffen getrennt. Die neue Anlage bietet Platz für einen Giraffenbullen und bis zu vier weibliche Giraffen mit maximal vier Jungtieren. Nach dem Tod des Giraffenbullen Togo wurde 2015 auf die Haltung einer reinen Weibchengruppe umgestellt.[13] In Nachbarschaft mit den Netzgiraffen leben Erdmännchen und Weißschwanz-Stachelschweine. Die Giraffensavanne ist der erste Schritt bei der geplanten Verlegung des Parkteils Afrika in den Parkteil Europa.

Artenschutz[Bearbeiten]

Nachwuchs bei den gefährdeten Drills

Der Münchner Tierpark Hellabrunn nimmt an mehr als 35 Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen (EEP) teil. Dabei führt Hellabrunn das EEP und das Internationale Zuchtbuch für eine der bedrohtesten Affenarten Afrikas, den Drill. 2013 durfte sich der Tierpark Hellabrunn gleich zweimal über Nachwuchs bei dieser bedrohten Affenart freuen.[14] Die Arterhaltungszucht hat für Hellabrunn eine hohe Priorität. So engagiert sich der Tierpark seit 1932 insbesondere für die Zucht und Arterhaltung der Przewalski-Pferde, die in den 1960er Jahren in freier Natur bereits ausgerottet wurden und nur in Gefangenschaft überleben konnten. Neben der Arterhaltungszucht unterstützt der Tierpark verschiedene Artenschutzprogramme zum Schutz der Arten in ihrem natürlichen Lebensraum. Im Artenschutzzentrum des Tierparks werden Besucher für die Problematik des Biodiversitätsverlusts sensibilisiert sowie über einzelne bedrohte Arten, Gefährdungsursachen und Artenschutzprogramme informiert.

Biogasanlage[Bearbeiten]

Zur Reduktion des eigenen CO2-Ausstoßes hat der Tierpark Hellabrunn gemeinsam mit den Stadtwerken München im Jahr 2006 eine eigene Biogasanlage in Betrieb genommen. Der Betrieb erfolgt mit den Bioabfällen des Tierparks – der in der Biogasanlage gewonnene Strom wird in das Stromnetz der Stadt München eingespeist, die bei den Umwandlungsprozessen gewonnene Wärme wiederum wird der Wärmeversorgung des Tierparks zugeführt.

Werbegraphik[Bearbeiten]

Der Tierpark Hellabrunn ist bekannt für sein graphisches Werbewerk. Zu den bekanntesten Plakatkünstlern gehören unter anderem:

außerdem erschien in den 1920er und 1930er Jahren eine monatliche Tierparkzeitschrift mit dem Titel Das Tier und Wir.

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg August Baumgärtner: Denkschrift zum Wieder-Aufbau des Münchner Tierparks Hellabrunn. München 1927.
  • Heinz Heck: Führer durch den Tierpark Hellabrunn, Geo-Zoo München. Kunst im Druck, 1931.
  • Fritz Hirsch, Henning Wiesner: 75 Jahre Münchner Tierpark Hellabrunn. Münchner Tierpark Hellabrunn AG 1986, ISBN 3799163441.
  • Michael Kamp et al.: Nilpferde an der Isar: eine Geschichte des Tierparks Hellabrunn in München. Buchendorfer Verlag, 2000, ISBN 3934036198.
  • Walli Müller, Günter Mattei, Henning Wiesner (Hrsg.): "Müssen Tiere Zähne putzen?" ... und andere Fragen an einen Zoodirektor. Hanser Verlag, München 2005, ISBN 3446206116.
  • Julia Strauß: Münchner, Maler, Mustertiere. Der Tierpark Hellabrunn in Zeit und Kunst. August Dreesbach Verlag, München 2011, ISBN 978-3-940061-50-8.
  • Helmut Zedelmaier/Michael Kamp: Hellabrunn - Geschichte und Geschichten des Münchner Tierparks. Bassermann Verlag, 2011 ISBN 978-3-8094-2718-6.
  • Heiko Wrusch von Bachem: Mein Tierpark Hellabrunn: Mit Bachems Wimmelbildern durch den Münchener Zoo. Bachem Verlag, 2011 ISBN 978-3761624463.
  • Diana Hillebrand: Paula, die Tierpark-Reporterin: Abenteuer in Hellabrunn. Volk Verlag, 2011 ISBN 978-3862220199.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tierpark Hellabrunn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Tierbestandsliste vom 31.12.2014. Homepage des Tierparks Hellabrunn. Abgerufen am 1. Juli 2015.
  2. «Das Venedig unter den Zoos» – Hellabrunn wird 100. Artikel der Augsburger Allgemeinen vom 28. Februar 2011. Abgerufen am 28. März 2015.
  3. … in die Jahre gekommen. Voliere im Tierpark Hellabrunn in München. Artikel der Deutschen Bauzeitung vom 30. Mai 2011. Abgerufen am 28. März 2015.
  4. Ein Architekt plant „Geozoo Hellabrunn“. Rasem Baban will als Leiter des Tierparks die Vision vom „Geozoo der Biodiversität“ umsetzen. Tiere sollen Bauherren sein. Artikel der Mittelbayerischen Zeitung vom 27. Dezember 2014. Abgerufen am 28. März 2015.
  5. Vorhang auf für die neuen Menschenaffen-Anlagen. Meldung auf der Homepage des Tierparks Hellabrunn vom 27. März 2015. Abgerufen am 28. März 2015.
  6. Denkmal-Nr.: D-1-62-000-6514
  7. Es geht voran! Endlich wieder Bauarbeiten am Elefantenhaus. Meldung auf der Homepage des Tierparks Hellabrunn vom 15. Mai 2014. Abgerufen am 28. März 2015.
  8. http://www.sueddeutsche.de/muenchen/nachwuchs-fuer-den-tierpark-hellabrunn-neuer-ruessel-im-elefantenhaus-1.1094397
  9. Elefant Ludwig gut angekommen im Zoo Heidelberg auf hellabrunn.de, 13. Mai 2015, abgerufen am 15. Mai 2015
  10. http://www.br.de/themen/wissen/elefantenbaby-hellabrunn102.html
  11. Hellabrunner Polarwelt wird bald umgestaltet. Meldung auf der Homepage des Tierparks Hellabrunn vom 26. Juni 2015. Abgerufen am 1. Juli 2015.
  12. Carsten Zehrer: Die Giraffensavanne im Tierpark Hellabrunn. Tiergarten 3/2015, S. 4–9, hier S. 7
  13. Willkommen zurück in Hellabrunn, Giraffe Limber! Meldung auf der Homepage des Tierparks Hellabrunn vom 2. Juli 2015. Abgerufen am 2. Juli 2015.
  14. http://www.muenchen.de/freizeit/tierpark-hellabrunn/drills.html