Valeo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Valeo

Logo
Rechtsform S.A.
ISIN FR0013176526
Gründung 1923/1980
Sitz Paris, FrankreichFrankreich Frankreich
Leitung Jacques Aschenbroich (CEO)
Mitarbeiterzahl 114.700[1]
Umsatz 19,2 Mrd. Euro (2019)[2]
Branche Automobilzulieferer
Website www.valeo.com

Valeo ist ein börsennotierter französischer Automobilzulieferer mit Sitz in Paris, der weltweit als Erstausrüster der Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie tätig ist. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2019 betrug 19,2 Mrd. Euro.[3] Die Gruppe beschäftigt weltweit 114.700 Mitarbeiter in 33 Ländern an 191 Produktionsstandorten, 59 Forschungs- und Entwicklungszentren sowie 15 Vertriebsstützpunkten.[1] Seit März 2009 wird Valeo von Jacques Aschenbroich als Chairman und CEO geleitet.[4]

In den Jahren 2016 und 2017 belegte Valeo den ersten Platz in der Liste der französischen Patentanmelder gemäß INPI. Im Jahr 2017 wurden 1.110 Patentanmeldungen veröffentlicht.[5] 2012 sowie 2015 wurde Valeo als Top 100 Global Innovator in die Thomson Reuters-Liste gewählt.[6] Valeo ist Mitglied des europäischen Verbandes der Automobilzulieferer, CLEPA.[7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1923–1961: Der Anfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Valeo ging aus der französischen Aktiengesellschaft Ferodo (Société Anonyme Française du Ferodo, SAFF) hervor, die im Jahre 1923 in Saint-Ouen (Seine-Saint-Denis) in der Nähe von Paris gegründet wurde. Unter Eugène Boisson vertrieb das Unternehmen Bremsbeläge und Kupplungsbeläge der englischen Gesellschaft Ferodo (Ferodo UK), später entstand in Saint-Ouen auch eine Fertigung unter Lizenz von Ferodo (UK).[8] Ab 1932 wurde Ferodo an der Pariser Börse gehandelt und erweiterte seine Aktivitäten auf die Herstellung von Kupplungen. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg warb das Unternehmen damit, 90 % aller Patente am französischen Markt für Kupplungen zu halten. Während des Krieges, in der Kesselschlacht von Falaise im Jahr 1944, wurden die Fabriken des Unternehmens in der Normandie teilweise zerstört. Während der Befreiung von Paris wurden auch die Werkstätten für Bremsbeläge und Kupplungen in Saint-Ouen beschädigt.

In den 1950er Jahren wurde das Unternehmen modernisiert und durch den Bau neuer Fabriken, insbesondere in der Normandie (Reibbeläge) und Amiens (Kupplungen), erweitert.[9]

1962–1979: Expansion in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab den 1960er Jahren begann das Unternehmen sich zu diversifizieren und das Geschäft um angrenzende Produktfelder zu erweitern. Dabei expandierte es in Europa und arbeitete eng mit französischen und italienischen Kunden zusammen.[8] 1962 übernahm es die SOFICA (Société de Fabrication Industrielle de Chauffage et d’Aération), die sich auf Heizung und Klimatisierung mit einem Werk in Nogent-le-Rotrou (Frankreich) spezialisiert hatte und erweiterte damit seine Geschäftssparte um Thermische Systeme für Fahrzeuge. Internationale Niederlassungen entstanden in Spanien (1963), Italien (1964).

Im Jahr 1970 errichtete das Unternehmen in La Verrière (bei Paris) ein Forschungszentrum (einschließlich eines Windkanals) für Thermische Systeme. Im Zuge der Unternehmenserweiterung in Europa erfolgten Übernahmen, wie beispielsweise von SEV Marchal (1970–1971) und später von Paris-Rhône und Cibié (1977–1978). Diese Übernahmen ermöglichten es dem Unternehmen seine Expertise im Bereich der elektrischen Komponenten (Zündkerzen, Lichtmaschinen und Anlasser, sowie  Zünd-, Beleuchtungs- und Wischsysteme) auszuweiten.[8] 1974 eröffnete das Unternehmen einen Geschäftsbereich für Thermische Systeme in Sao Paulo, Brasilien.[9]

1980–1999: Neuer Markenname und weltweite Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um alle Firmen unter einem Markennamen zusammenzufassen, beschloss die Aktionärshauptversammlung am 28. Mai 1980, der Gesellschaft den Namen Valeo (lateinisch für: „Mir geht es gut“) zu geben. Der Name wurde von der italienischen Tochtergesellschaft des Unternehmens übernommen.

Seit Beginn der 1980er Jahre wuchs Valeo durch regelmäßige Firmenzukäufe. 1980 eröffnete das Unternehmen seinen ersten Standort zur Herstellung von Thermischen Systemen in den Vereinigten Staaten. 1982 folgte ein Werk in Mexiko. Im Jahr 1984 übernahm die Unternehmensgruppe Ducellier, einen Hersteller von Generatoren, Anlassern, Scheinwerfern und Zündanlagen und errichtete seinen ersten Standort in Tunesien, um Kupplungen herzustellen.[10] 1987 konzentrierte sich Valeo vollständig auf seine Kernaktivitäten und begann mit der Veräußerung von Geschäftsbereichen, die nicht mit der Fahrzeugtechnik zusammen hängten und damit keine strategischen Geschäftsfelder mehr dar stellten. Die Gruppe erwarb Neiman und erweiterte damit sein Geschäftsfeld um Sicherheitssysteme für Fahrzeuge. 1988 wird ein weiterer Ausbau des Bereiches Sicherheitssysteme durch die Übernahme von Clausor, einem Lizenzunternehmen von Neiman in Spanien, sowie des deutschen Unternehmens Tibbe KG, welches daraufhin mit der Tochtergesellschaft der Neiman GmbH verschmilzt, übernommen. 1988 eröffnete Valeo seine ersten Standorte in Südkorea und der Türkei.

Der Bereich Forschung und Entwicklung wurde ausgeweitet. 1992 wurde in Créteil (bei Paris) ein F&E-Zentrum für Elektronik eröffnet, während in Bobigny (bei Paris) ein weiteres F&E-Zentrum für Beleuchtung eröffnet wurde.[9] Weitere Standorte in China (1994), Polen, Tschechien (1995) und Indien (1997) folgten. 1995 unterzeichnet Valeo mit Siemens AG eine Vereinbarung über die Zusammenlegung der gemeinsamen Aktivitäten im Bereich Heiz-/Klimaanlagen, eine neue Gesellschaft Valeo Climatisation wird gegründet, die in der Folge die deutsche Firma Thermal übernimmt.[11] 1996 übernimmt Valeo den Geschäftsbereich Schließsysteme von der deutschen Ymos AG, die in den Bereichen Fahrzeugschließung und Antidiebstahl-Produkte spezialisiert war.[12] 1998 übernimmt das Unternehmen den Geschäftsbereich Elektrische Systeme von ITT Industries[13] sowie die Automobilsparte von Labinal[14]. Diese Akquisitionen machten Valeo nach eigenen Angaben zu einem weltweit führenden Anbieter von elektronischen Systemen in der Automobilbranche.[9] 1999 wurde der deutsche Automobilzulieferer SWF übernommen.[15]

2000 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 2000ern basierte die Strategie des Unternehmens auf zwei Hauptwachstumsbereichen: der Reduzierung von CO₂-Emissionen durch die Entwicklung innovativer Technologien und der Investition in Asien und anderen wachstumsstarken Ländern. Im Jahr 2004 eröffnet Valeo sein erstes F&E-Zentrum in China (Wuhan), das sich der Fahrzeug-Beleuchtung widmet.[16] Im Januar 2005 übernimmt Valeo den Geschäftsbereich Motorelektronik des amerikanischen Automobilzulieferers Johnson Controls, die es dem Unternehmen ermöglichte, den effizienten Betrieb im Bereich Antriebsstrangsysteme für saubere und ökonomische Fahrzeuge zu stärken.[17] Im Jahr 2011 erwarb das Unternehmen den japanischen Automobilzulieferer Niles und baute damit seinen Geschäftsbereich Innenausstattung für Fahrzeuge weiter aus.[18]

Aktivitäten in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2013 übernimmt das Unternehmen Eltek Electric Vehicles mit Sitz in Frankfurt.[19] 2016 übernimmt das Unternehmen peiker[20], einen Anbieter für Kommunikation in Fahrzeugen, mit Sitz in Friedrichsdorf (Hessen), sowie Spheros[21], einen Anbieter von Heiz- und Klimasystemen im LKW- und Busbereich, mit Sitz im bayerischen Gilching. 2017 wird gestigon, ein Startup-Unternehmen, welches Softwarelösungen zur Gestenerkennung und -steuerung anbietet, mit Sitz in Lübeck, übernommen.[22]

2017 wurde Mov’InBlue von Valeo gemeinsam mit Capgemini ins Leben gerufen und liefert Mobilitätslösungen für die Nutzung von In-car Delivery- und Carsharing-Diensten sowie für Unternehmensflotten und Autovermietungen. Sitz ist in Berlin, Kreuzberg.[23] Im Jahr 2017 schloss Valeo die Übernahme von FTE Automotive, einem deutschen Unternehmen, das auf die Herstellung von Getrieben spezialisiert ist, für 819 Millionen Euro ab.[24]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmensgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gruppe ist in vier Hauptgeschäftsbereiche (englisch Business Groups) und zwölf Produktgruppen gegliedert[25]:

  • Komfort- und Fahrassistenzsysteme (englisch Comfort and Driving Assistance Systems, Abk. CDA)
    • Fahrassistenzsysteme (englisch Driving Assistance Systems)
    • Innenraumsteuerungen (englisch Interior Controls)
    • Vernetztes Fahrzeug (englisch Connected Car)
  • Antriebssysteme (englisch Powertrain Systems, Abk. PTS)
    • Elektrifizierung (englisch Electrical Systems)
    • Getriebeautomatisierung (englisch Transmission Systems)
    • Sauberer Motor (englisch Clean Engine)
  • Thermische Systeme (englisch Thermal Systems, Abk. THS)
    • Klimasysteme (englisch Climate Control)
    • Thermische Systeme des Antriebs (englisch Powertrain Thermal Systems)
    • Verdichter für die Klimatisierung (englisch Climate Control Compressors)
    • Frontmodule (englisch Front-End Modules)
  • Sichtsysteme (englisch Visibility Systems, Abk. VIS)
    • Wischersysteme (englisch Wiper Systems)
    • Beleuchtungssysteme (englisch Lighting Systems)

Darüber hinaus ist Valeo auch im Bereich des Ersatzteilemarktes tätig: Valeo Service liefert Teile und Zubehör für Kfz-Vertragshändler, freie Werkstätten und Ersatzteilhändler in über 100 Ländern.[26] Einer der Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte der Innovationsaktivitäten von Valeo ist die Sicherheit des Fahrers und seiner Umwelt sowie die Reduzierung der CO2-Emissionen und die Elektrifizierung der Fahrzeuge.[27]

Geschäftsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Personen saßen in der Unternehmensgeschichte der Geschäftsführung vor:

  • 1923: Eugene Buisson, Gründer
  • 1928–1952: Jacques Vandier
  • 1987–2000: Noel-Goutard
  • 2000–2001: André Navarri
  • 2001–2009: Thierry Morin
  • seit 2009: Jacques Aschenbroich

Niederlassungen in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist Valeo mit ca. 9.500 Mitarbeitern an 28 Standorten sowie mit 8 F&E-Zentren in folgenden Städten vertreten.[28]

Joint Venture[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 gründen Siemens und Valeo das Joint Venture „Valeo Siemens eAutomotive“. Damit sollen gemeinsame Synergieeffekte genutzt werden, um Hochspannungskomponenten und -systeme für Elektrofahrzeuge anzubieten. Siemens und Valeo halten je die Hälfte der Anteile. Hauptsitz ist Erlangen.[29]

Börsenangaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Valeo ist an der Pariser Börse notiert und im CAC Next 20 vertreten (ISIN-Code: FR0000130338); die Aktien sind breit gestreut.[30]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen ist früher stark an der Herstellung von asbesthaltigen Komponenten beteiligt gewesen (überwiegend in Kupplungssystemen und Bremsbelägen) u. a. an seinem Standort in Condé-sur-Noireau in Frankreich. Nach fast 100 Jahren Asbestverschmutzungen und nach Gerichtsverfahren, die mehr als zehn Jahre dauerten, wurden Valeo, mehrere Manager sowie der zuständige Betriebsarzt im Jahr 2006 und 2007 wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung in Condé-sur-Noireau verurteilt. Valeo hat seither strenge Vorschriften zur Vermeidung und Behebung von Asbestrisiken für Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter eingeführt; diese wurden auch am 10. April 2009 in einer Vereinbarung mit dem französischen Umweltministerium ratifiziert.[31]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Profile and Key Figures |. Abgerufen am 6. März 2020 (englisch).
  2. Geschäftsbericht 2019. Abgerufen am 28. Februar 2020 (englisch).
  3. Geschäftsbericht 2019. Abgerufen am 6. März 2020 (englisch).
  4. The Board of Directors |. Abgerufen am 6. März 2020 (englisch).
  5. PALMARES 2017 DES DEPOSANTS DE BREVETS EN FRANCE. Abgerufen am 18. Oktober 2020 (französisch).
  6. Reuters Editorial: Top 100 Global Innovators. Abgerufen am 6. März 2020 (englisch).
  7. Members. In: CLEPA. Abgerufen am 6. März 2020 (amerikanisches Englisch).
  8. a b c micdec: VALEO : QUELLE HISTOIRE ! De 1830 -a- 1988. In: Travail et Recherches. 13. Mai 2012, abgerufen am 6. März 2020 (fr-FR).
  9. a b c d Our story |. Abgerufen am 6. März 2020.
  10. Bénédicte Rochet, Ludo Bettens, Florence Gillet, Christine Machiels, Anne Roekens: Quand l'image (dé)mobilise: Iconographie et mouvements sociaux au XXe siècle. Presses universitaires de Namur, 2015, ISBN 978-2-87037-878-6 (google.de [abgerufen am 6. März 2020]).
  11. Siemens apporte sa climatisation à Valeo. 2. März 1995, abgerufen am 6. März 2020 (französisch).
  12. Ad hoc-Service: YMOS AG YMOS verkauft Bereich – dgap.de. Abgerufen am 6. März 2020.
  13. VALEO: Concentration amongst automotive suppliers: Acquisition of ITT Electrical / Purchase price DEM 3 bn / 18 % growth in sales in 1997 | Plasteurope.com. Abgerufen am 6. März 2020.
  14. Press corner. Abgerufen am 6. März 2020 (englisch).
  15. a b SWF, der deutsche Wischerspezialist. Abgerufen am 6. März 2020.
  16. Valeo Opens First R&D Center in Wuhan. Abgerufen am 6. März 2020.
  17. aftermarketNews Staff: Johnson Controls to Sell Engine Electronics Business to Valeo. In: aftermarketNews. 10. Januar 2005, abgerufen am 6. März 2020 (amerikanisches Englisch).
  18. Paris Bureau: Valeo completes acquisition of Japan's Niles. Abgerufen am 6. März 2020 (amerikanisches Englisch).
  19. Ingo Kuss: Akquisition: Valeo übernimmt Eltek Electric Vehicles. Abgerufen am 6. März 2020.
  20. Thorsten Winter: Valeo-Chef im Gespräch: „Wir übernehmen vor allem die Mitarbeiter von Peiker“. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 6. März 2020]).
  21. Gabriel Pankow: Bestätigt: Valeo übernimmt Spheros. Abgerufen am 6. März 2020.
  22. Ein Zulieferer-Riese schluckt Gestigon. Abgerufen am 6. März 2020.
  23. Valeo and Capgemini launch Mov’InBlueTM, a smart digital mobility solution for corporate fleets and vehicle rental companies. In: Capgemini Worldwide. 10. Oktober 2016, abgerufen am 6. März 2020 (amerikanisches Englisch).
  24. Valeo: Übernahme von FTE Automotive abgeschlossen. Abgerufen am 6. März 2020.
  25. Our Activities |. Abgerufen am 6. März 2020.
  26. Über uns. Abgerufen am 6. März 2020.
  27. Innovation tous azimuts chez Valeo. 9. Februar 2018, abgerufen am 6. März 2020 (französisch).
  28. Willkommen bei Valeo in Deutschland. Abgerufen am 6. März 2020.
  29. Automobilwoche: Joint Venture: Valeo Siemens eAutomotive nimmt Betrieb auf. Abgerufen am 6. März 2020.
  30. finanzen net GmbH: Valeo SA Unternehmensprofil – BÖRSE ONLINE. Abgerufen am 6. März 2020 (englisch).
  31. Amiante. Chronologie d'un scandale à Condé-sur-Noireau. Ouest-France, 28. Februar 2013, abgerufen am 4. November 2013 (französisch).