Verstehen Sie die Béliers?

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Film
Deutscher Titel Verstehen Sie die Béliers?
Originaltitel La famille Bélier
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch, LSF
Erscheinungsjahr 2014
Länge 106 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Éric Lartigau
Drehbuch Victoria Bedos,
Stanislas Carré de Malberg
Produktion Éric Jehelmann,
Philippe Rousselet
Musik Evgueni Galperine,
Sacha Galperine
Kamera Romain Winding
Schnitt Jennifer Augé
Besetzung
Synchronisation

Verstehen Sie die Béliers? (Originaltitel: La famille Bélier) ist eine französische Komödie von Éric Lartigau aus dem Jahr 2014. Sie thematisiert das Leben einer gehörlosen Familie, die im Alltag auf die Hilfe der hörenden Tochter angewiesen ist. Als diese ein Gesangsstipendium erhält und nach Paris gehen will, wird die Abhängigkeit zum Problem.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einem Bauernhof in der kleinen Gemeinde Lassay-les-Châteaux im westfranzösischen Département Mayenne lebt eine vierköpfige Familie, bestehend aus der 16-jährigen Paula, ihrem Bruder Quentin sowie den Eltern Rodolphe und Gigi. Bis auf Paula sind alle Familienmitglieder gehörlos. Die gehörlosen Mitglieder der Familie kommunizieren in Gebärdensprache, die auch Paula von klein auf gelernt hat. Aus diesem Grund ist Paulas Hilfe sowohl als Hörende als auch als Dolmetscherin in vielen Alltagssituationen unerlässlich, was für das Mädchen nicht immer ganz einfach ist. Beim Verkauf des auf dem Hof selbst hergestellten Käse auf dem Markt gibt es eine Arbeitsteilung: die Mutter lächelt und verpackt, Paula redet und ihr Bruder kassiert.

Die Situation wird nicht leichter, als Paulas Vater Bürgermeister werden will. Paula muss nun auch auf den Wahlversammlungen dolmetschen.

Weil Paulas „Schwarm“ Gabriel dem Schulchor beitritt, will auch sie dort singen. Beim Vorsingen entdeckt der Musiklehrer Paulas Gesangstalent und ermutigt sie, beim Pariser Radiosender Radio France vorzusingen und Gesang zu studieren. Sie müsse allerdings hart arbeiten und jeden Tag mit dem Lehrer proben. Paula setzt alles daran, regelmäßig am Gesangsunterricht teilzunehmen. Als aber eines Tages ein Fernsehsender über die Bürgermeisterkandidatur berichten will und auf dem Hof der Béliers dreht, kommt sie zu spät zur Probe. Der Musiklehrer lässt sie trotz strömendem Regen vor verschlossener Türe stehen und Paula radelt verzweifelt wieder heim.

Am Ende des Schuljahres wird der Schulchor ein Konzert geben und Paula und Gabriel sollen ein Duett singen. Weil ihre Darbietung dem Lehrer nicht leidenschaftlich genug ist, sollen die beiden bei der ersten Gesangsprobe miteinander tanzen. Später will Gabriel zum Üben zu Paula nach Hause kommen, was Paula in helle Aufregung versetzt. Mitten in der Probe setzt ihre erste Regel ein.

Als Paula ihre Familie über ihren Plan informiert, sich in Paris auf ein Gesangsstudium zu bewerben, wirft ihre Mutter ihr vor, sie wolle die Familie im Stich lassen. Zudem sagt Gigi, sie selbst hasse alle Leute, die nicht gehörlos seien, und sie habe versucht, Paula wie eine Gehörlose zu erziehen. Daraufhin will Paula ihre Pläne begraben, um den Eltern weiter zur Seite stehen zu können.

Paula schlägt vor, dass ihre Freundin Mathilde auf dem Markt helfen soll. Dazu muss Mathilde die Gebärdensprache lernen, die ihr Paulas Bruder nur zu gerne beibringen will. Während des Unterrichts – bei Kerzenlicht – kommen sich die beiden näher, und Quentin erleidet einen anaphylaktischen Schock, da er allergisch auf das im Kondom enthaltene Latex reagiert. Auf dem Markt ist Mathilde keine große Hilfe.

Das Konzert des Schulchors mit dem Duett ist ein voller Erfolg. Paulas Eltern sitzen mit im Publikum und, obwohl sie nichts hören können, beginnt immerhin Rodolphe zu ahnen, mit welcher Leidenschaft Paula dem Gesang zugetan ist. Früh am nächsten Morgen weckt der Vater sie und gemeinsam mit der Familie fahren sie nach Paris, wo Paula um zehn Uhr vorsingen soll. Gabriel fährt mit dem Musiklehrer hinterher.

Paula singt das Chanson Je vole von Michel Sardou, von ihrem Musiklehrer am Flügel begleitet. Für ihre Familie, die oben auf der Tribüne sitzt, gebärdet sie den Text, der von einem Kind handelt, das sein Elternhaus verlässt.

Sie wird angenommen, verabschiedet sich von Bruder und Eltern und läuft vor Glück strahlend zum Auto.

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Dialogbuch und die Dialogregie im Auftrag der Christa Kistner Synchronproduktion GmbH Potsdam war Susanna Bonaséwicz zuständig.

Rolle Darsteller Deutscher Sprecher
Gigi Bélier Karin Viard (stumm)
Rodolphe Bélier François Damiens (stumm)
Monsieur Thomasson Éric Elmosnino Frank Schaff
Paula Bélier Louane Emera Lina Rabea Mohr
Mathilde Roxane Duran Amelie Plaas-Link
Quentin Bélier Luca Gelberg (stumm)
Gabriel Ilian Bergala Patrick Baehr
Bürgermeister Stéphan Wojtowicz Frank-Otto Schenk
Journalistin Céline Jorrion Greta Galisch de Palma
Mlle Dos Santos Mar Sodupe Iris Artajo
Dr. Pugeot Jérôme Kircher Jörg Pintsch
Jury-Vorsitzender Philippe Dusseau Tobias Lelle

Produktion und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Drehbuch entstand nach einer Erzählung der französischen Schauspielerin und Drehbuchautorin Victoria Bedos (* 1983) in Zusammenarbeit mit der Autorin und Stanislas Carré de Malberg (* 1969).

Für Louane Emera war es die erste Rolle in einem Film überhaupt. Louane hatte Anfang 2013 an der zweiten Staffel der französischen Version von „The Voice“ teilgenommen, wo sie einem Mitarbeiter Lartigaus aufgefallen war. Über einen Agenten erhielt sie eine Einladung zum Casting und wurde engagiert. Die Gebärdensprache lernte sie mit einem persönlichen Gebärdensprachenlehrer, François Damiens und Karin Viard mussten die Französische Gebärdensprache ebenfalls erlernen. Der Schauspieler Luca Gelberg ist tatsächlich gehörlos. Wie Lartigeau in einem Interview ausführte, mussten alle Schauspieler ihren komplett „Text“ auswendig spielen, Wiederholungen waren nicht möglich, da wegen der besonderen Bedingungen der Gebärdensprache ein späterer Schnitt nicht ausgeführt werden konnte.[3]

Die Filmmusik komponierten Evgueni und Sacha Galperine, für sie die dritte Zusammenarbeit nach L'homme qui voulait vivre sa vie (2010) mit Regisseur Lartigeau. La maladie d'amour, Je vole, Je vais t'aimer, En chantant und Java de Boradway sind Chansons von Michel Sardou. Éric Elmosnino wird am Piano von Michel Amsellem (* 1961) gedoubelt.[4] Es singt der Chor La Maîtrise des Hauts-de-Seine der Pariser Oper.

Filmstart in Frankreich war am 17. Dezember 2014, in Deutschland am 5. März 2015 und am 12. März in den Kinos der Deutschschweiz.[5] Die vom Label Concorde veröffentlichte DVD in französischer und deutscher Sprache mit Untertiteln für Hörbehinderte enthält Bonusmaterial mit einem Interview des Regisseurs.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der film-dienst bezeichnete den Film als „gefühlsbetonte Komödie, die weniger durch inhaltliche Originalität als durch ihre warmherzig gezeichneten Figuren“ überzeuge. Die „versierten Darsteller, vor allem aber die fulminante Hauptdarstellerin“ überdeckten „kleinere Handlungsschwächen und einige weniger gelungene Einfälle“.[6] Birgit Roschy von epd Film vergab drei von fünf Sternen und beurteilte dieses „Coming-of-Age eines Provinzmädchens“ als einen Film, nach dem „man das Kino in bester Laune“ verlasse, „obwohl das Gezeigte reichlich platt“ sei. Die vielen „Handlungslöcher“ würden durch ein „Hand in Hand von Burleske, Drama und Musik“ wettgemacht.[7] Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) gab dem Film das Prädikat „Besonders wertvoll“, unter anderem mit der Begründung, dass „ein altes Thema – die Schmerzen des Erwachsenwerdens für Kinder und Eltern – auf liebenswerte Weise variiert“ werde.[8]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2021 entstand ein amerikanisches Remake mit dem Titel Coda, das den Oscar für den besten Film erhielt.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

César 2015

Prix Lumières

Europäischer Filmpreis 2015

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme mit ähnlichem Thema (hörende Tochter, gehörlose Eltern):

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Verstehen Sie die Béliers? Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Januar 2015 (PDF; Prüf­nummer: 149 440 K).
  2. Alterskennzeichnung für Verstehen Sie die Béliers? Jugendmedien­kommission.
  3. Interview mit Érich Lartigau (Regie) in: Verstehen Sie die Beliers? Presseheft. Concorde, Filmverleih, 2014. S. 10.
  4. Verstehen Sie die Béliers? in der Internet Movie Database (englisch)
  5. Release Info. Internet Movie Database, abgerufen am 26. März 2015.
  6. Verstehen Sie die Béliers? In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 26. März 2015. (= film-dienst 5/2015)
  7. Birgit Roschy: Verstehen Sie die Béliers? epd Film, 3/2015, abgerufen am 5. April 2015.
  8. Verstehen Sie die Béliers? (PDF) Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW), abgerufen am 17. August 2015.