Via Suworow

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Reiterstandbild Gotthardpass
Via Suworow – Saumpfad bei der Gotthardpasshöhe

Die Via Suworow ist ein Schweizer Kulturwanderweg[1], der den historischen Spuren des russischen Generals Suworow bei seinem Feldzug im Herbst 1799 über die Schweizer Alpen folgt. Die Via Suworow führt in 11 Etappen von Airolo über vier Alpenpässe bis nach Ilanz. Die Via Suworow wurde als regionale Route (ViaRegio) im Rahmen der Kulturwege Schweiz im Juni 2011 eröffnet.

Geographie und Route[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Via Suworow passiert die Täler Valle Leventina, Urserental, Reusstal, Schächental, Muotatal, Klöntal, Sernftal, Val da Pigniu, Vorderrheintal auf einer Länge von rund 170 km, folgt den Flüssen Ticino, Gotthardreuss, Reuss, Linth, Sernf und Vorderrhein, führt durch die Schöllenen Schlucht und dem Klöntalersee entlang. Die gesamten Höhendifferenzen betragen 8000 Metern bergauf, 8670 Metern bergab und können in rund 56 Stunden bewältigt werden.

Bei den vorgeschlagenen Routen handelt es sich um offizielle, gelb (Wanderweg) und weiss-rot-weiss markierte (Bergwanderweg) Wege. Die Via Suworow ist zusätzlich als Wanderland-Route Nr. 55 ausgeschildert. Über den Chinzigpass (Etappe 6) und Panixerpass (Etappe 10) ist Trittsicherheit erforderlich.

Die Via Suworow lässt sich in 11 Tagen abwandern[2]:

  • 1. Etappe: Airolo – Saumpfad der Tremola – Gotthardpass (2106 m ü. M.), 8 km, 1000 m Aufstieg, 80 m Abstieg, 3 ½ Std.
  • 2. Etappe: Gotthardpass – HospentalAndermatt, 13 km, 10 m Aufstieg, 740 m Abstieg, 3 ½ Std.
  • 3. Etappe: Andermatt – Schöllenenschlucht – Wassen, 10 km, 280 m Aufstieg, 800 m Abstieg, 3 Std.
  • 4. Etappe: Wassen – Altdorf, 27 km, 720 m Aufstieg, 1200 m Abstieg, 8 Std.
  • 5. Etappe: Altdorf – "Suworowweg" – Bürglen – Biel-Kinzig, 10 km, 1250 m Aufstieg, 100 m Abstieg, 4 ½ Std.
  • 6. Etappe: Biel-Kinzig – Kinzigpass (oder Chinzigpass) (2073 m ü. M.), – Muotathal, 14 km, 450 m Aufstieg, 1470 m Abstieg, 5 Std.
  • 7. Etappe: Muotathal – Pragelpass (1548 m ü. M.) – Hinter Klöntal, 19 km, 1150 m Aufstieg, 900 m Abstieg, 6 Std.
  • 8. Etappe: Hinter Klöntal – Klöntalersee – Glarus, 15 km, 320 m Aufstieg, 700 m Abstieg, 4 Std.
  • 9. Etappe: Glarus – SchwandenSernftalElm, 21 km, 780 m Aufstieg, 280 m Abstieg, 6 Std.
  • 10. Etappe: Elm – Panixerpass (2407 m ü. M.) – Pigniu, 22 km, 1700 m Aufstieg, 1400 m Abstieg, 8 ½ Std.
  • 11. Etappe: Pigniu – Ilanz, 12 km, 420 m Aufstieg, 1000 m Abstieg, 4 Std.

Gut trainierte Wanderer können eine erweiterte Variante mit den folgenden Etappen in zehn Tagen bewältigen (ca. 280 km)[3]:

Kulturweg ViaStoria[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entlang der Via Suworow gibt es viele Objekte mit Gedenktafeln, die an den legendären Alpenmarsch erinnern und von ViaStoria erforscht werden. Es hat Suworow-Gedenktafeln an den Häusern, in denen der General übernachtete, auf den Passübergängen (Kinzig, Pragel, Panixer, Suworowstein in der Tremola, Reiterstandbild von 1999 auf der Gotthardpasshöhe), das Russendenkmal von 1898 in der Schöllenen, das an die siegreiche Schlacht bei der Teufelsbrücke erinnert sowie die monumentalen Suworow Soldaten an der Staumauer des Panixer-Stausees.

Historische Spuren von Suworow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Wege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die historischen Verkehrswege werden mit dem Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz (IVS) geschützt, um sie für nachkommende Generationen zu erhalten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Koalitionskrieges durchquerten russische Truppen unter Generalfeldmarschall Suworow im September und Oktober 1799 die Schweiz. Ihre Route führte sie über sechs Pässe von Süden nach Norden. Die kräfteraubende Strecke führte über 280 km und wurde durch verschiedene Umstände erschwert: Regen in der Leventina, Schnee auf dem Panixer, schweres Gepäck und mangelhaftes Schuhwerk, schlechte Pfade, zerstörte Brücken und stets aufflammende Kampfhandlungen.

Die 22.000 russischen Soldaten waren 28 Tage unterwegs. Der Verlauf des Feldzuges gegen eine zahlenmässig übermächtige französische Armee zwang Suworow zu dieser kräftezehrenden, komplizierten Marschroute. Die geplante Vereinigung der beiden russischen Armeen war, nachdem Österreich die Koalition verlassen hatte und das russische Heer unter Korsakow in Zürich geschlagen worden war, nicht mehr möglich.

Als Rettung blieb nur noch ein Rückzug über die Alpen. Dieser fand in Russland ein grosses Interesse und Echo, welches sich auch im Atlas Suworow widerspiegelt und bis heute anhält. Anlässlich seines Staatsbesuchs in der Schweiz besuchte der russische Präsident Dmitri Medwedew am 22. September 2009 das Suworow-Denkmal[4].

Für diesen mit grossen menschlichen und materiellen Verlusten – von denen auch die an der Durchmarschroute wohnende Schweizer Bevölkerung durch die Kontributionen und Requisitionen betroffen war – verbundenen Gewaltmarsch wurde Suworow später durch Zar Paul I. der höchste militärische Grad eines "Generalissimus" verliehen.

Etappen (Übernachtungsorte Suworows), Passübergänge[5][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Suworows Route

Operations- und Kalendertage September 1799[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 0. Taverne 15.
  • 1. Bellinzona 21. (Herberge "La Cervica", Piazza Nosetto)
  • 2. Giornico 22. (bei Giovanni Rocco von Mentlen, Piazza San Rocco)
  • 3. Faido 23. (Kapuzinerkloster)
  • 4. Gotthardpass 24.
  • 4. Hospental 24. (Gasthaus "Ochsen", heute "St. Gotthard")
  • 5. Andermatt 25. (Adelbertenhaus, heute Talmuseum)
  • 5. Schöllenenschlucht 25.
  • 6. Altdorf 26. (Haus Jauch)
  • 7. Kinzigpass 27. (Biwak am Pass)
  • 8+9. Muotathal 28.–30. (Frauenkloster St. Josef)
  • 10. Pragelpass 30. (Alphütte am Pragelpass)

Operations- und Kalendertage Oktober 1799[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 11. Riedern 1./2. (Suworowhaus, Löntschbrücke)
  • 12-14. Netstal/Glarus 2.–4. (Suworowhäuschen zwischen Netstal und Glarus)
  • 15. Elm 5. (Haus des verstorbenen Landvogtes Freitag)
  • 16. Panixerpass 6.
  • 17. Pigniu 6.+7.
  • 17. Ilanz 7.
  • 18.–20. Chur 8.–10.
  • St. Luzisteig, Feldkirch, Lindau 11.–30.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl von Clausewitz: Die Feldzüge von 1799 in Italien und der Schweiz, Band 2. Verlag Ferdinand Dümmler, Berlin 1834.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Via Suworow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wanderland 55 Via Suworow
  2. Kulturwege Schweiz: Reisebeschreibung Via Suworow (PDF; 3,8 MB)
  3. NZZ vom 26. Juni 2009 - Entlang der «Generalissimus-Route» durch die Schweiz
  4. Medwedew auf Suworows Spur. In: NZZ. 22. September 2009, abgerufen am 2. Dezember 2017.
  5. Burgenverein Untervaz: Suworow (PDF; 939 kB)
  6. Die Feldzüge von 1799 in Italien und der Schweiz - Carl von Clausewitz - Google Books