Airolo

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Airolo
Wappen von Airolo
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Leventinaw
Kreis: Kreis Airolo
BFS-Nr.: 5061i1f3f4
Postleitzahl: 6780
UN/LOCODE: CH AIR
Koordinaten: 689766 / 15381546.529618.608681175Koordinaten: 46° 31′ 47″ N, 8° 36′ 31″ O; CH1903: 689766 / 153815
Höhe: 1'175 m ü. M.
Fläche: 94.5 km²
Einwohner: 1556 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 16 Einw. pro km²
Website: www.airolo.ch
Airolo mit der Kaserne Motto Bartola (Bildrand unten links)

Airolo mit der Kaserne Motto Bartola (Bildrand unten links)

Karte
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Airolo (in alpinlombardischer Mundart: Airö(u), Aire(u) [ajˈrøː, ajˈrøw, ajˈreː, ajˈrew],[2] deutsch Eriels oder Jerels, rätoromanisch Iriel) ist ein Dorf und eine politische Gemeinde im Kreis Airolo, Bezirk Leventina, im schweizerischen Kanton Tessin. Es ist Hauptort des gleichnamigen Kreises.

Geographie[Bearbeiten]

Airolo liegt am oberen Ende des Valle Leventina, 55 km nördlich von Bellinzona, am südlichen Fuss des Gotthardpasses. Es befindet sich damit an der Grenze sowohl zur Deutschschweiz (Kanton Uri) als auch zur rätoromanischen Schweiz (Kanton Graubünden). Westlich von Airolo erstreckt sich das Val Bedretto, von dem man über den Nufenenpass (Passstrasse) in den benachbarten Kanton Wallis oder über den San Giacomo (Wanderweg) ins italienische Val Formazza gelangt. Zur Gemeinde gehören nebst dem Hauptort die Weiler Brugnasco, Fontana, Madrano,[3] Nante und Valle; unbewohnt sind heute Albinasca und Bedrina.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Hauptstrasse beim Bahnhof

Die Landwirtschaft spielte lange eine wichtige Rolle, heute schafft sie jedoch nur noch wenige Arbeitsplätze. Durch den Bau einer Schaukäserei (Caseificio dimostrativo del Gottardo) konnten die einheimischen Landwirtschaftprodukte besser vermarktet werden.

Im Industriesektor nimmt das Baugewerbe den ersten Platz ein. Die einzige wichtige Fabrik von Airolo ist eine Metallverarbeitungsfirma, welche etwa 100 Personen beschäftigt.

In Airolo befinden sich Dienstleistungsbetriebe für Bahn- und Strassenverkehr sowie ein grosser Waffenplatz, in der Sanitätstruppen der Schweizer Armee ausgebildet werden. Durch Sparmassnahmen beim Militär und den Bahnbetrieben gingen in Airolo zahlreiche Arbeitsplätze verloren, was zu einer sinkenden Bevölkerungszahl führte. Eine wichtige Rolle spielen darüber hinaus die Wasserkraftwerke.

Trotz der Belastungen durch den Transitverkehr ist Airolo ein vielbesuchter Ferienort. Airolo war der erste Skisportort im Tessin und ist heute sehr wichtig. Das Skigebiet Pesciüm am Nordhang im Süden des Dorfs umfasst fünf Skilifte, eine Sesselbahn und zwei Seilbahnen und erschliesst 30 anspruchsvolle Pistenkilometer auf 1'175 bis 2'255 Meter über Meer.[4] Im Sommer ist Airolo ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen (Strada Alta, Sentiero degli Alpi).

Pneumatisch betriebene Tunnellokomotive bei Airolo während des Baus des Gotthard-Scheiteltunnels[5]

Verkehr[Bearbeiten]

Airolo ist eine wichtige Bahnstation an der Gotthardbahn-Linie. Der Ort liegt am Südportal des Gotthardtunnel und des Gotthard-Strassentunnel der Autobahn A2.

Geschichte[Bearbeiten]

Schon im 2./3. Jahrhundert n. Chr. hielten sich in Airolo Menschen auf, wie römische Gräber in Madrano belegen. Die Geschichte von Airolo war stets vom Verkehr über den Gotthard geprägt. Dadurch erlangten Gastgewerbe und Säumerei grosse wirtschaftliche Bedeutung.

Die ältesten urkundlichen Belege für den Ort als Oriolo, Ur(i)olo, Irorio stammen aus dem 13. Jahrhundert, im 14. Jahrhundert erscheint er als Oriollo, Oirolo, Yroll(i)o, Airol(l)o, Ayrolio. Der Ortsname gehet wahrscheinlich auf volkslateinisch *oriolu ‚schmaler Rand, Kante‘ zurück.[2]

Die katholische Pfarrkirche Santi Nazario e Celso wurde im 12. Jahrhundert errichtet und erstmals 1224 zusammen mit der Pfarrei erwähnt. Das heutige Gebäude wurde 1879 neu gebaut, nachdem es 1877 von einem Brand zerstört worden war, bei dem ein grosser Teil des Dorfes niederbrannte. Der Kirchturm, der von doppelreihigen Zwillingsarkaden bekrönt ist, stammt aus romanischer Zeit.

Nahe dem Bahnhof steht das Denkmal für die Opfer des Gotthardtunnelbaus, ein von Vincenzo Vela (1820–1891) geschaffenes bronzenes Flachrelief.

1882 wurde der Eisenbahntunnel mit dem Südportal Airolo eingeweiht. Zum militärischen Schutz der Gotthardstrasse und des Gotthardtunnels wurden auf dem Gebiet von Airolo die Gotthardfestungen Motto Bartola (1890), Forte Airolo (1890) und Fort Hospiz (1894) gebaut.

Am 28. Dezember 1898 zerstörte ein Bergsturz einen Teil des Dorfes und forderte drei Tote. Zum Schutz des Dorfes wurde die grosse Schutzmauer oberhalb der Häuser errichtet. Eine riesige Lawine forderte am 12. Februar 1951 zehn Tote. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche Lawinenverbauungen errichtet; eine Arbeit, welche in neuerer Zeit fortgesetzt wird.

Bereits 1890 erhielt Airolo eine elektrische Strassenbeleuchtung. Airolo war die erste Gemeinde des Kantons Tessin, die eine Kläranlage baute (1969).

Im Zweiten Weltkrieg wurden auf dem Gemeindegebiet als Teil des Reduit die neuen Artilleriewerke San Carlo (1938), Foppa Grande (1940) und Festung Sasso da Pigna (1941) erstellt.

1980 wurde der Gotthard-Strassentunnel mit dem Südportal Airolo eröffnet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche Santi Nazario e Celso[6][7][8]
  • Denkmal für die Opfer des Gotthardtunnelbaus (1886) von Pietro Andreoletti[6]
  • Grabmal Giuseppe und Agostina Motta (1971) mit Sarkophag und Relief des Bildhauers Remo Rossi[6]
  • Denkmal für die Opfer des Gotthardtunnelbaus (1882/1883) von Vincenzo Vela[6][9]
  • Adrien Guex Denkmal (1928) des Bildhauers Fausto Agnelli[6][10]
  • Suworow-Denkmal (1999), Reiterstandbild des Bildhauers Dmitry Nikitovic Tugarinov[11][12]
  • Prähistorische Siedlung auf dem Gotthardpass (Alpe Rodont)[13]
  • Prähistorische Siedlung und römische Nekropole bei Madrano (Motto Caslascio)[14][6]
  • Im Ortsteil Stalvedro: Burgruine und Oratorium Santa Maria Vergine (1699), restauriert 1990[6][15]
  • Im Ortsteil Albinengo: Elektrikzitätswerk Lucendro (1945), Architekten: Carlo Tami, Rino Tami[6]
  • Alte Tremolastrasse (1828/1831), Ingenieur Francesco Domenico Meschini[6]
  • Im Ortsteil Fontana: Oratorium Santa Maria Maddalena (1882), restauriert 1972, Architekt: Alberto Finzi mit Glasmalereien des Malers fra' Roberto Pasotti[6][16]
  • Im Ortsteil Madrano: Oratorium Santi Gervasio und Protasio (17. Jahrhundert) renoviert 1992 mit Fresken (1931) des Malers Tita Pozzi und Kreuzweg (18. Jahrhundert)[6][17]

Militärbauten[Bearbeiten]

Kultur[Bearbeiten]

  • Stiftung Pro Sankt Gotthard[26]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Allgemeines
  • Comune di Airolo: Airolo. Arti Grafiche Arturo Salvioni & Co. SA, Bellinzona 1992.
  • Flavio Maggi: Patriziati e patrizi ticinesi. Pramo Edizioni, Viganello 1997.
Geschichte
  • Mario Fransioli: Airolo. im Historischen Lexikon der Schweiz.
  • Fabio Ballinari,: Storia di un disastro. Il grande incendio di Airolo del 17 settembre 1877. Edizione del Comune di Airolo, Airolo 2010.
  • Mario Fransioli: Il vicinato di Airolo. Gli ordini del 1788. Patriziato di Airolo, Airolo 1994.
Sprache
  • Fabio Beffa: Vocabolario fraseologico del dialetto di Airolo. Humilibus Consentientes, Bellinzona 1998.
Kunstgeschichte
  • Johann Rudolf Rahn: Airolo. In: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, S. 1–2, (Brugnasco S. 73), (Madrano S. 194), (San Gottardo S. 266), (Stalvedro S. 278).
  • Virgilio Gilardoni: Airolo. In: Il Romanico. Arte e monumenti della Lombardia prealpina. La Vesconta, Istituto grafico Casagrande, Bellinzona 1967, S. 30. 38, 40–43, 91, (Madrano S. 176, 251, 481), 176–178, 299, 342, 358, 476, 481, 484, 498, 509, (San Gottardo S. 543–544).
  • Simona Martinoli und andere: Airolo. In: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 113, 137, 142, 143, 144, 145, 146, 147, 148, 356.
  • Valeria Farinati: Centrali idroelettriche d’autore. In: «Arte&Storia», Il Ticino dell’acqua. Dalla formazione geologica del Cantone alle attività economiche, Edizioni Ticino Management, 12. Jahrgang, Nummer 54, April–Juli 2012, Lugano 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuchâtel unter der Leitung von Andres Kristol. Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 80.
  3. Madrano
  4. Airolo Seilbahnen
  5. Braun, Adolphe: Photographische Ansichten der Gotthardbahn. Dornach im Elsass, ca. 1875.
  6. a b c d e f g h i j k l m n o p q Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg.Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 143–147.
  7. Pfarrkirche Santi Nazario e Celso
  8. Pfarrkirche Santi Nazario e Celso (Foto)
  9. Denkmal für die Opfer des Gotthardtunnelbaus (Foto)
  10. Adrien Guex Denkmal (Foto)
  11. Suworow-Denkmal
  12. Suworow-Denkmal (Foto)
  13. Prähistorische Siedlung auf dem Gotthardpass (Alpe Rodont)
  14. Prähistorische Siedlung und römische Nekropole bei Madrano (Motto Caslascio)
  15. Oratorium Santa Maria Vergine (Foto)
  16. Oratorium Santa Maria Maddalena (Foto)
  17. Oratorium Santi Gervasio und Protasio (Foto)
  18. Forte Airolo (Foto)
  19. Festung Foppa Grande (Foto)
  20. Arsenale alto (Foto)
  21. Arsenale basso (Foto)
  22. Caserma (Foto)
  23. Festung Fieud (Foto)
  24. Festung Sasso da Pigna
  25. Forte San Gottardo (Foto)
  26. Stiftung Pro Sankt Gotthard