Wer wenn nicht wir

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Wer wenn nicht wir ist ein Kinospielfilm aus dem Jahr 2011 von Andres Veiel, der vor allem als Dokumentarfilmer von Black Box BRD und Der Kick bekannt geworden ist. Der Berlinale-Wettbewerbsfilm[3] Wer wenn nicht wir zeigt die Befindlichkeiten in Deutschland vor dem Wendejahr 1968 auf und rüttelt an den üblichen Erklärungsthesen für die Entwicklungen in den Folgejahren. Veiels Spielfilm-Debüt erzählt eine politische Liebesgeschichte, die im Terror endet. Als Vorlage für das Drehbuch diente Gerd Koenens Studie Vesper, Ensslin, Baader – Urszenen des deutschen Terrorismus. Zu den einzelnen Figuren des Filmes hat Veiel auch selbst über Jahre hinweg recherchiert und Material gesammelt.

Handlung[Bearbeiten]

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Die ersten Bilder zeigen Tübingen im Jahr 1961. Auch wenn in Deutschland Aufbruchstimmung herrscht, so ist alles noch ruhig und beschaulich. Der junge Bernward Vesper hackt wütende und gesellschaftskritische Sätze in seine Schreibmaschine. Er, der Sohn des hitlertreuen Dichters Will Vesper, begehrt auf und will etwas bewegen. Die Begegnung mit Gudrun Ensslin mündet in eine intensive Liebesgeschichte, die jedoch nicht von Dauer ist. Gudrun ist die Tochter des Pastors Helmut Ensslin, der unter den Nazis einerseits Anhänger der oppositionellen Bekennenden Kirche war und gleichzeitig auch als Soldat in Hitlers Wehrmacht eintrat – um die Familie zu schützen. Die anfangs bedingungslose und maßlose Liebe zwischen Gudrun und Bernward wird immer komplizierter und zerbricht, als sich Bernward in Drogentrips verliert und Gudrun im bewaffneten RAF-Untergrund verschwindet. Andreas Baader spielt in diesem Geschehen nur eine Nebenrolle. Er ist jedoch konsequenter und radikaler als Bernward. Bernward, Gudrun und Andreas können die Fliehkräfte einer Geschichte, von der sie erfasst werden, nicht mehr kontrollieren.

Kritik[Bearbeiten]

„Angereichert mit Archivmaterial zum zeitgeschichtlichen Hintergrund, entwirft er [der Spielfilm] ein Porträt, das vor allem auf die intellektuellen Spannungen fokussiert. Eindringlich gespielt, gibt der Film einen facettenreichen Einblick in seinen Gegenstand, der allerdings manche Unschärfen aufweist und dem es nicht gelingt, über das Faktische hinaus das Lebensgefühl seiner Protagonisten und ihrer Zeit überzeugend einzufangen.“

Lexikon des internationalen Films[4]

„Ein kraftvoll erzähltes Zeitdrama, das in den Geist, die Gesten, das Gerede jener stürmischen Jahre eintaucht, aber letztlich immer eher psychologisch als politisch ist. Also spannendes Menschenkino bleibt und nicht zum Thesenfilm verkümmert.“

Leipziger Volkszeitung

„Eine Vorgeschichte zum deutschen Terrorismus, wie sie sie in derart biografischer Eindringlichkeit noch nicht erzählt wurde und noch dazu ein spannendes Lehrstück zur Identitätssuche junger Deutscher nach dem Krieg.“

Süddeutsche Zeitung[5]

„Andres Veiel hat den besseren Baader Meinhof Komplex gedreht. Sein Film Wer wenn nicht wir ist trotzdem nicht mehr als eine filmische Biografie.“

Die Zeit[6]

„Star des Tages: Lena Lauzemis, die mit ihrem Spiel den Weg der sich selbst bestrafenden Pastorentochter Gudrun Ensslin zur weltbestrafenden RAF-Terroristin glaubhaft nachvollziehbar macht.“

Berlinale-Blog auf Spiegel Online[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film gewann auf der Berlinale 2011 den Alfred-Bauer-Preis und den Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater. Im selben Jahr folgten fünf Nominierungen für den Deutschen Filmpreis (Bester Film, Bester Hauptdarsteller – August Diehl, Beste Hauptdarstellerin – Lena Lauzemis, Bester Schnitt, Bestes Szenenbild). In der Kategorie wurde die Produktion mit dem Filmpreis in Bronze ausgezeichnet.[8]

Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) verlieh dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“.[9]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabe (PDF; 38 kB) der FSK
  2. Kennzeichnung der Jugendmedienkommission.
  3. http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20113348
  4. Wer wenn nicht wir im Lexikon des internationalen Films
  5. Rainer Gansera: Der Vesper-Ensslin-Komplex, Süddeutsche Zeitung Nr. 56, vom 8. März 2011, S. 11.
  6. Carolin Ströbele: Im Bett mit Gudrun Ensslin, Zeit Online, 18. Februar 2011
  7. Stefan Kuzmany: Berlinale-Blog – Blutrache in Albanien, Bombenstimmung im Adlon, Spiegel Online, 14. Februar 2011
  8. vgl. Deutscher Filmpreis für "Vincent will Meer" bei dw-world.de, 8. April 2011 (aufgerufen am 8. April 2011).
  9. Gutachten der Deutschen Film- und Medienbewertung