Wer wenn nicht wir

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Filmdaten
Originaltitel Wer wenn nicht wir
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2011
Länge 125 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
JMK 14[2]
Stab
Regie Andres Veiel
Drehbuch Andres Veiel
Produktion Thomas Kufus
Musik Annette Focks
Kamera Judith Kaufmann
Schnitt Hansjörg Weißbrich
Besetzung

Wer wenn nicht wir ist ein Kinospielfilm aus dem Jahr 2011 von Andres Veiel, der vor allem als Dokumentarfilmer von Black Box BRD und Der Kick bekannt geworden ist. Der Berlinale-Wettbewerbsfilm[3] Wer wenn nicht wir zeigt die Befindlichkeiten in Deutschland vor dem Wendejahr 1968 auf und rüttelt an den üblichen Erklärungsthesen für die Entwicklungen in den Folgejahren. Veiels Spielfilm-Debüt erzählt eine politische Liebesgeschichte, die im Terror endet. Als Vorlage für das Drehbuch diente Gerd Koenens Studie Vesper, Ensslin, Baader – Urszenen des deutschen Terrorismus. Zu den einzelnen Figuren des Filmes hat Veiel auch selbst über Jahre hinweg recherchiert und Material gesammelt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die ersten Bilder zeigen Tübingen im Jahr 1961. Auch wenn in Deutschland Aufbruchstimmung herrscht, so ist alles noch ruhig und beschaulich. Der junge Bernward Vesper, Student an der Universität Tübingen, hackt wütende und gesellschaftskritische Sätze in seine Schreibmaschine. Er, der Sohn des hitlertreuen Dichters Will Vesper, begehrt auf und will als Schriftsteller und Verleger etwas bewegen. Die Begegnung mit Gudrun Ensslin mündet in eine intensive, aber auch wechselvolle Liebesgeschichte. Gudrun ist die Tochter des Pastors Helmut Ensslin, der unter den Nazis einerseits Anhänger der oppositionellen Bekennenden Kirche war und gleichzeitig auch als Soldat in Hitlers Wehrmacht eintrat – um die Familie zu schützen.

Mit schwarz-weißen Dokumentarfilm-Ausschnitten - Abwurf von Napalm-Bomben über Vietnam, Demonstration am 2. Juni 1967 in West-Berlin gegen den Schah-Besuch, Attentat auf Rudi Dutschke - wird die Handlung immer wieder in den zeitgeschichtlichen Kontext der 1960er Jahre gesetzt.

Die anfangs bedingungslose und maßlose Liebe zwischen Gudrun und Bernward wird, insbesondere nach dem Umzug nach Berlin, immer komplizierter. Die Beziehung zerbricht nach einigen Jahren trotz eines gemeinsamen Kindes, als sich Bernward in Drogentrips verliert und Gudrun Andreas Baader kennenlernt, sich mehr und mehr radikalisiert und schließlich im bewaffneten RAF-Untergrund verschwindet. Andreas Baader spielt in diesem Geschehen nur eine Nebenrolle. Er ist jedoch konsequenter und radikaler als Bernward. Bernward, Gudrun und Andreas können die Fliehkräfte einer Geschichte, von der sie erfasst werden, nicht mehr kontrollieren.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Angereichert mit Archivmaterial zum zeitgeschichtlichen Hintergrund, entwirft er [der Spielfilm] ein Porträt, das vor allem auf die intellektuellen Spannungen fokussiert. Eindringlich gespielt, gibt der Film einen facettenreichen Einblick in seinen Gegenstand, der allerdings manche Unschärfen aufweist und dem es nicht gelingt, über das Faktische hinaus das Lebensgefühl seiner Protagonisten und ihrer Zeit überzeugend einzufangen.“

„Ein kraftvoll erzähltes Zeitdrama, das in den Geist, die Gesten, das Gerede jener stürmischen Jahre eintaucht, aber letztlich immer eher psychologisch als politisch ist. Also spannendes Menschenkino bleibt und nicht zum Thesenfilm verkümmert.“

„Eine Vorgeschichte zum deutschen Terrorismus, wie sie sie in derart biografischer Eindringlichkeit noch nicht erzählt wurde und noch dazu ein spannendes Lehrstück zur Identitätssuche junger Deutscher nach dem Krieg.“

„Andres Veiel hat den besseren Baader Meinhof Komplex gedreht. Sein Film Wer wenn nicht wir ist trotzdem nicht mehr als eine filmische Biografie.“

„Star des Tages: Lena Lauzemis, die mit ihrem Spiel den Weg der sich selbst bestrafenden Pastorentochter Gudrun Ensslin zur weltbestrafenden RAF-Terroristin glaubhaft nachvollziehbar macht.“

Berlinale-Blog auf Spiegel Online[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film gewann auf der Berlinale 2011 den Alfred-Bauer-Preis und den Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater. Im selben Jahr folgten fünf Nominierungen für den Deutschen Filmpreis (Bester Film, Bester Hauptdarsteller – August Diehl, Beste Hauptdarstellerin – Lena Lauzemis, Bester Schnitt, Bestes Szenenbild). In der Kategorie wurde die Produktion mit dem Filmpreis in Bronze ausgezeichnet.[8] Außerdem erhielt Andres Veiel in der Kategorie Spielfilm den Hessischen Filmpreis 2011.

2012 wurde die von Suzanne Vogdt gesprochene Audiodeskription mit dem deutschen Hörfilmpreis in der Kategorie Kinofilm ausgezeichnet.[9]

Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) verlieh dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Wer wenn nicht wir. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, August 2011 (PDF; Prüf­nummer: 126 718 V).
  2. Alterskennzeichnung für Wer wenn nicht wir. Jugendmedien­kommission.
  3. http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20113348
  4. Wer wenn nicht wir. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.
  5. Rainer Gansera: Der Vesper-Ensslin-Komplex, Süddeutsche Zeitung Nr. 56, vom 8. März 2011, S. 11.
  6. Carolin Ströbele: Im Bett mit Gudrun Ensslin, Zeit Online, 18. Februar 2011
  7. Stefan Kuzmany: Berlinale-Blog – Blutrache in Albanien, Bombenstimmung im Adlon, Spiegel Online, 14. Februar 2011
  8. vgl. Deutscher Filmpreis für "Vincent will Meer" bei dw-world.de, 8. April 2011 (aufgerufen am 8. April 2011).
  9. 10. Deutscher Hörfilmpreis 2012
  10. Gutachten der Deutschen Film- und Medienbewertung