Fallersleben

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Fallersleben
Stadt Wolfsburg
Koordinaten: 52° 25′ 8″ N, 10° 43′ 1″ O
Höhe: 74 m
Einwohner: 11.043 (30. Sep. 2021)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 38442
Vorwahl: 05362
Lage in Wolfsburg

Fallersleben ist ein Stadtteil von Wolfsburg in Niedersachsen, der am Bach Mühlenriede liegt. Bevor Fallersleben im Zuge der Gebietsreform 1972 in die Stadt Wolfsburg eingegliedert wurde, war es eine Stadt im Landkreis Gifhorn. Die Stadtrechte wurden 1929 verliehen.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 942 erwähnte Name Valareslebo[2] setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Die im ostfälischen weit verbreitete Endung -leb-o, bzw. heutzutage -leben, geht auf den germanischen Begriff „laiba“ zurück, was so viel wie „Erbeigentum, Grundbesitz“ bedeutet. Der Besitzer dieses Grundes, nämlich „Valares“, steuerte den vorderen Teil für den Namen des Ortes, bzw. der Siedlung, bei.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merian-Kupferstich von Fallersleben 1654
Schloss Fallersleben

Die ältesten Spuren einer Besiedlung im Gebiet der heutigen Stadt sind Bodenfunde von etwa 200 v. Chr. Der Ort Valareslebo mit einer St. Michaelskirche wurde 942 erstmals in einer Urkunde König Ottos I. erwähnt.[3] Im 12. Jahrhundert gehörte er den Grafen von Wohldenberg, die ihn vom Erzbischof von Magdeburg zum Lehen erhalten hatten. 1337 übergaben sie ihn samt dazugehörenden Dörfern und dem Gebiet des Papenteich an die Herzöge von Braunschweig und Lüneburg. Fallersleben gehörte ab 1539 unter der Herrschaft von Herzog Franz von Braunschweig-Lüneburg 10 Jahre lang zum neu gegründeten Herzogtum Gifhorn, das 1549 aufgelöst wurde. Danach lebte seine Witwe Clara von Lauenburg bis zu ihrem Tod 1576 im Schloss Fallersleben. 1559 gab es bereits eine Befestigung von Fallersleben mit Wall und Graben sowie vier Stadttoren: Westtor, Gröpertor im Osten, Hoftor zur Schlossseite im Süden und Neues Tor im Norden.

In der Beschreibung von 1654 heißt es zu Fallersleben:

„Es ist dieses Flecken vor Zeiten den Grafen von Woldenberg zuständig gewesen, welche es im Jahr Christi 1337 Herzog Otten und Herzog Wilhelmen zu Braunschweig und Lüneburg verkaufft. […] Daß das jetzige Fürstliche Hauß daselbst von Herzog Franzen zu Braunschweig Lüneburg erst angeleget und gebauet, hernacher von dessen verwitwete Gemahlin Frauen Clara Herzogin zu Sachsen, Engern und Westphalen, im Jahr 1551.“[4]

Über Fallersleben verlief im 18. und 19. Jahrhundert die Postroute Braunschweig–Calvörde.

Von 1894 bis 1896 wurde an der heutigen Wolfsburger Landstraße eine Windmühle errichtet, deren Flügel jedoch 1936 bei einem Sturm zerstört wurden. Von 1941 bis etwa 1960 war die Mühle nochmals mit Elektroantrieb in Betrieb.[5]

Nahe Fallersleben wurde ab April 1942 das KZ Arbeitsdorf aufgebaut, das jedoch im Oktober 1942 bereits wieder aufgelöst wurde.

Am 1. Juli 1972 wurde die Stadt Fallersleben, die aus dem Landkreis Gifhorn stammt, gemäß dem Wolfsburg-Gesetz in die Stadt Wolfsburg eingegliedert.[6]

Fallersleben, Ehmen und Sülfeld um 1892

Seit 2019 entsteht am Südwestrand von Fallersleben das Baugebiet „Kleekamp“.[7]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fallersleben bildet gemeinsam mit dem Stadtteil Sülfeld die Ortschaft Fallersleben-Sülfeld, die durch einen Ortsrat vertreten wird. Ortsbürgermeister ist seit 2021 André-Georg Schlichting (CDU).

Organisatorisch zählt ferner die 1938 gegründete Siedlung Ilkerbruch zum Stadtteil. Sie liegt ganz im Norden von Fallersleben, außerhalb der geschlossenen Ortschaft an der Kreisstraße 114 („Nordtangente“) von Wolfsburg nach Gifhorn. Die Siedlung befindet sich zwischen den Naturschutzgebieten Barnbruch und Ilkerbruch.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwefelbad

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michaeliskirche
St.-Marien-Kirche

Die evangelisch-lutherische Michaeliskirche wurde 1805 durch Christian Gottlob Langwagen erbaut, nachdem 1803 ihre Vorgängerkirche größtenteils abgerissen worden war. Ihre Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen der Landeskirche Hannovers. An der Berliner Straße befindet sich die 1992 eröffnete Kindertagesstätte Michaelis.

Die römisch-katholische Kirche Mutterschaft Mariens, umgangssprachlich auch kurz St. Marien genannt, wurde 1953/54 erbaut. Sie befindet sich an der Herzogin-Clara-Straße (früher Braunschweiger Straße), ihre Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Wolfsburg-Helmstedt im Bistum Hildesheim. Bereits 1929 wurde die katholische Kapelle St. Michael erbaut, sie war das erste katholische Gotteshaus im heutigen Wolfsburger Stadtgebiet nach der Reformation. Sie wurde nach dem Bau der Kirche abgerissen, an ihrer Stelle steht heute das Pfarrhaus mit Pfarrheim. 2005 eröffnete die Pfarrgemeinde eine Kindertagesstätte im Nachbarort Sülfeld.

Die Evangelische Gemeinschaft Fallersleben verfügt über ein von 1981 bis 1983 erbautes Gemeinschaftshaus an der Karl-Heise-Straße, sie gehört über den Ohofer Gemeinschaftsverband zum Bund evangelischer Gemeinschaften. Die Gemeinschaft geht auf das Jahr 1926 zurück. Am 8. Mai 1983 erfolgte die Einweihung des heutigen Gemeinschaftshauses, zuvor besaß die Gemeinschaft ein kleineres Gemeinschaftshaus an der Sandkämper Straße.

Das Christliche Veranstaltungszentrum Wolfsburg befindet sich an der Hafenstraße,[10] es wird von der Oase-Gemeinde Wolfsburg und der Deutsch-Brasilianischen Gemeinde Wolfsburg genutzt.

Die neuapostolische Gemeinde Wolfsburg-Fallersleben gehört zum Kirchenbezirk Braunschweig der Neuapostolischen Kirche Mitteldeutschland. Ein 1904 zugezogenes Ehepaar waren die ersten neuapostolischen Gläubigen in Fallersleben. 1923 wurde die Kirchengemeinde Fallersleben gegründet, ihre Gottesdienste fanden zunächst in Gaststätten statt. 1929/30 wurde die erste Kirche an der Ehmer Straße errichtet, sie wurde 1972 abgerissen. 1971/72 wurde auf demselben Grundstück hinter der ersten Kirche eine neue größere Kirche erbaut, die noch heute besteht.[11]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Polizeistation Fallersleben ist neben Fallersleben auch für die Wolfsburger Stadtteile Brackstedt, Ehmen, Hattorf, Heiligendorf, Mörse und Sülfeld zuständig.[12]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eulenschule
  • Städtische Kindertagesstätte am Schlosspark
  • DRK-Kindertagesstätte Fallersleben-Ost (1972 eröffnet)[13]
  • DRK-Kindertagesstätte Fallersleben-West
  • Michaelis-Kindertagesstätte
  • Bewegungskita VfB Fallersleben
  • Grundschule Fallersleben (an den beiden Standorten Glockenbergschule und Eulenschule)
  • Schulzentrum Fallersleben mit den 3 Schulen
    • Hauptschule Fallersleben
    • Hoffmann-von-Fallersleben-Realschule
    • Gymnasium Fallersleben
  • Musikschule der Stadt Wolfsburg (Zweigstelle) am Standort Glockenbergschule

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fallersleben liegt an der Bundesautobahn 39, die im Bereich von Fallersleben 1971/72 – zunächst als Bundesstraße 248 – erbaut wurde. Fallersleben ist über die Anschlussstellen 22 (Sandkamp), 23 (Wolfsburg-West) und 24 (Fallersleben) zu erreichen.

Die Landesstraße 321 verläuft ist West-Ost-Richtung durch Fallersleben. In Fallersleben trägt sie die Bezeichnungen Gifhorner Straße, Hofekamp, Hinterm Hagen und Wolfsburger Landstraße. Die L 321 beginnt in Peine und führt über Wendeburg, Meine, Sülfeld und Fallersleben bis zu A 39.

Die Kreisstraße 70 beginnt in Fallersleben an der Landesstraße 321 und führt über Ehmen in den Landkreis Helmstedt. Die Kreisstraße 115 führt in nördlicher Richtung bis zur Kreisstraße 114 („Nordtangente“) an der Autobahn-Anschlussstelle Sandkamp und in südlicher Richtung nach Mörse.

Gemeindeverbindungsstraßen führen von Fallersleben im Norden nach Weyhausen und im Südosten in den Nachbarstadtteil Westhagen.

Die Buslinie 203 der Wolfsburger Verkehrs GmbH führt von Fallersleben nach Sülfeld sowie über den Nordkopf in der Wolfsburger Innenstadt bis nach Vorsfelde. Die Buslinie 204 führt von Fallersleben über den Nordkopf bis nach Neuhaus sowie über Ehmen bis nach Mörse. Die Buslinie 211 führt von Fallersleben über Sandkamp und den Nordkopf bis nach Kästorf sowie über Westhagen bis nach Heiligendorf. Die Buslinie 180 der Verkehrsgesellschaft Landkreis Gifhorn mbH führt über Sülfeld, Calberlah und Isenbüttel bis nach Gifhorn.

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden des Stadtteils befindet sich der Bahnhof Wolfsburg-Fallersleben an der Strecke nach Hannover und über die abzweigende Weddeler Schleife in Richtung BraunschweigHildesheim. Hier halten im Regionalverkehr Züge unter der Bezeichnung enno. 1996 wurde eine Aufzugsanlage erbaut, um das überqueren der Bahnstrecke für Fußgänger zu erleichtern.[14]

Schifffahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittellandkanal bei Fallersleben

Fallersleben liegt am Mittellandkanal, der nach mehrjähriger Bauzeit seit 1938 von Fallersleben aus durchgängig befahrbar ist. Die Schifffahrt nutzt den 1934/35 errichteten Hafen Fallersleben, eine von der Agravis Raiffeisen AG betriebene Lände, die durch ein Ausziehgleis an das Schienennetz angeschlossen ist und vorrangig für den Umschlag von Agrarerzeugnissen, Futter- und Düngemitteln sowie Baumaterialien genutzt wird. 2013/14 bekam Fallersleben am Mittellandkanal an anderer Stelle noch ein Containerterminal. Der Yacht-Club Hoffmannstadt Fallersleben e.V. hat seinen Hafen nicht in Fallersleben, sondern am Mittellandkanal bei Allerbüttel, rund fünf Kilometer westlich von Fallersleben.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hoffmann von Fallersleben

In Fallersleben geborene Personen

Mit Fallersleben verbundene Personen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Zeiller: Vallerschleben. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Ducatus Brunswick et Lüneburg (= Topographia Germaniae. Band 15). 1. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1654, S. 195 (Volltext [Wikisource]).
  • Konrad Hecht: Vorsfelde und Fallersleben. Zur Frage der Erhaltung und Pflege zweier alter Kleinstädte im Gebiet der heutigen Stadt Wolfsburg. Wolfsburg 1975.
  • Gerhardt Seiffert: Bratjen und Klümpe. Die mundartliche Sprache in und um Fallersleben. Ausdrücke, Sprichwörter und Bräuche. Eine Zusammenstellung der mundartlichen Forschungsarbeiten Hoffmanns von Fallersleben in den Jahren 1821 bis 1823. Fallersleben 1981.
  • Theo Bosse: Die Register und Kataster der Ämter Gifhorn, Fallersleben und Isenhagen ab 1563/64. Gifhorn 1988, ISBN 978-3-929632-02-6.
  • Dirk Riesener: Das Amt Fallersleben. Regionalverwaltung des fürstlichen Staates vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. In: Texte zur Geschichte Wolfsburgs. Bd. 22, Braunschweig 1991, ISBN 978-3-925151-50-7.
  • Stadt Fallersleben (Hrsg.): Häuserchronik der Stadt Fallersleben. Ein Versuch von Dr. Richard Müller. Buchdruckerei Just & Seiffert, Fallersleben 1963.
  • Stadt Wolfsburg (Hrsg.): Fallersleben 1930–1972. Von Otto Wolgast. Buchdruckerei Just & Seiffert, Fallersleben 1974.
  • Stadt Wolfsburg (Hrsg.): Hoffmannstadt Fallersleben. Zeitreise durch ein Jahrtausend. Appelhans Verlag Braunschweig, Braunschweig 2010, ISBN 978-3-941737-38-9 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Fallersleben (Wolfsburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfsburg Bevölkerungsbericht – 3. Quartal 2021. (PDF) In: Stadt Wolfsburg. Abgerufen am 23. Oktober 2021.
  2. in loco Valareslebo enthält eine konjugierte Form eines etwas anderen richtigen Namens, vielleicht Valaresleb-e oder ähnlich
  3. Regest der Urkunde Regesta Imperii
  4. Martin Zeiller: Vallerschleben. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Ducatus Brunswick et Lüneburg (= Topographia Germaniae. Band 15). 1. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1654, S. 195 (Volltext [Wikisource]).
  5. Cathérine Fischer: Wolfsburgs flügellose Mühle. In: Wolfsburger Nachrichten. Ausgabe vom 19. April 2018.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 221.
  7. Claudia Carls: Im Kleekamp entstehen noch mehr neue Wohnungen. In: Wolfsburger Nachrichten. Ausgabe vom 30. Oktober 2021.
  8. Deutschen Amateur-Radio-Club e. V.
  9. Alte Rangierlok auf Abstellgleis. In: Wolfsburger Nachrichten. Ausgabe vom 24. Januar 2015, S. 15.
  10. Internetpräsenz des Christlichen Veranstaltungszentrums Wolfsburg e. V. www.cvz-wob.de
  11. Neuapostolische Kirche Niedersachsen K.d.ö.R., Kirchengemeinde Wolfsburg-Fallersleben (Hrsg.): Chronik der Neuapostolischen Kirche, Gemeinde Wolfsburg-Fallersleben. Wolfsburg 2013.
  12. Claudia Caris: Noch weniger Wohnungseinbrüche als 2020. In: Wolfsburger Nachrichten. Ausgabe vom 13. April 2022.
  13. Stephanie Boy: DRK-Kita Fallersleben Ost feiert Jubiläum mit einem Familienfest. In: Wolfsburger Nachrichten. Ausgabe vom 4. Juli 2022.
  14. Wann werden die Fahrstühle am Bahnhof saniert? Wolfsburger Allgemeine Zeitung, 15. Oktober 2018, abgerufen am 24. Mai 2022.