Wendeburg

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Wendeburg; zu dem Ortsteil siehe Wendeburg (Ortsteil).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wendeburg
Wendeburg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wendeburg hervorgehoben
Koordinaten: 52° 19′ N, 10° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Peine
Höhe: 67 m ü. NHN
Fläche: 60,02 km2
Einwohner: 10.234 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 171 Einwohner je km2
Postleitzahl: 38176
Vorwahlen: 05303, 05302 und 05171Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: PE
Gemeindeschlüssel: 03 1 57 008
Gemeindegliederung: 8 Ortschaften
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Anger 5
38176 Wendeburg
Webpräsenz: www.wendeburg.de
Bürgermeister: Gerd Albrecht (CDU)
Lage der Gemeinde Wendeburg im Landkreis Peine
Hohenhameln Ilsede Lengede Vechelde Peine Wendeburg Edemissen Landkreis Peine Niedersachsen Braunschweig Landkreis Gifhorn Landkreis Wolfenbüttel Salzgitter Landkreis Hildesheim Region HannoverKarte
Über dieses Bild

Wendeburg ist eine Gemeinde im Landkreis Peine in Niedersachsen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wendeburg liegt unmittelbar am nordwestlichen Stadtrand von Braunschweig. Das Ortsbild ist von der Landwirtschaft geprägt. Es sind in den vergangenen Jahren in allen Ortsteilen Neubaugebiete entstanden. Gleichwohl blieben die traditionellen Strukturen erhalten, so dass von einer „Idylle im Grünen“ mit hoher Lebensqualität zu sprechen ist. In Wendeburg ist zudem ein Freibad, das Auebad, sowie ein großes Einkaufszentrum vorzufinden.

Die Aue und Erse durchfließt das Gemeindegebiet von Süd nach Nord, im Fuße des Gemeindewappens ist sie durch eine goldene Leiste symbolisiert.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Edemissen Samtgemeinde Papenteich
Peine Nachbargemeinden
Vechelde Braunschweig

Gemeindegliederung (Ortschaften)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage der Ortsteile in Wendeburg

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dort, wo früher die Heerstraße von Braunschweig nach Celle die Aue überquerte, wurde irgendwann im hohen Mittelalter (12. oder 13. Jahrhundert) eine Burg angelegt. Die ältesten Bezeichnungen lauten 1196–1197 Winetheburg und Wenedeburch. Es bietet sich an, dass eine Namensgebung vorliegt, die sich auf den Volksstamm der Wenden bezieht. Urkundliche oder archäologische Beweise für die Niederlassung von Wenden gibt es hier nicht, die Bauweise des Ortsteiles Wendezelle, lässt aber hierauf schließen. Der Ortsname mit der Silbe „Wende“ könnte auf die Wenden hinweisen, aber auch auf einen Personennamen Winetho, Wendo oder ähnlich oder mit dem Zeitwort „wenden“ oder mit einer Ecke (= Wendung) einer (Gau-)Grenze in Zusammenhang stehen – alles sind Meinungen. Naheliegendst ist jedoch – ausgehend „Winethe“ – die Deutung als „Weide“, was sich mit der Lage in der Aueniederung erklärt. Die „Burg“ mag an der Stelle der heutigen Marienkirche ihren Platz gehabt haben. Die Marienkirche, mit dem Kirchturm aus den Jahren 1250–1300, ist das älteste Gebäude des Ortes. Erhalten aus dem Mittelalter ist an der Westseite des Kirchturms eine Weihetafel, die nach einem wesentlichen Umbau und anschließender Neuweihe der Kirche in etwa 5 m Höhe am Kirchturm angebracht wurde. Dieser Stein zeigt den Gekreuzigten mit Maria und Johannes, ihnen zu Füßen das betende Stifterpaar. Darunter befindet sich ihr Adelswappen und die Jahreszahl 1439.

Weltneuheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1903 stellte Heinrich Büssing den ersten von ihm konstruierten Motorlastwagen der Öffentlichkeit vor. Kaum ein halbes Jahr später war der erste Motoromnibus mit 20 Sitzplätzen betriebsfertig. Nach vierteljähriger Erprobung richtete Heinrich Büssing am 5. Juni 1904 seine erste Omnibuslinie zwischen Wendeburg und Braunschweig ein. Die Buslinie, die auf die Initiative des damaligen Wendeburger Pastors Otto Hayder einging, gab ihm die Möglichkeit, seinen Omnibus weiter unter seiner ständigen Kontrolle zu erproben. Die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit veranlasste nur wenige Monate später die Kaiserliche Ober-Postdirektion Braunschweig, mit Büssing einen Vertrag über die Beförderung von Postsachen – ab 1. September 1904 – abzuschließen. Die Omnibuslinie Wendeburg–Braunschweig gilt daher als erste erfolgreiche Kraftpost-Omnibuslinie der Welt.[2]

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname ergibt sich aus dem Teil „Burg“ und dem offensichtlichen Bestimmungswort „Winethe“, die germanische Bildung „Win-ithi“, „winja“ bedeutet Weide, zusammen also Weideort, Weidestelle. Der Name kann aber auch auf einer wendischen Siedlung basieren. Hierzu würde passen, dass der Ortsteil Wendezelle das westlichste Rundlingsdorf Deutschlands ist. Dies ist eine typisch wendnische Bauweise.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1968 schlossen sich die Gemeinden Wendeburg, Wendezelle und Zweidorf freiwillig zu einer neuen Gemeinde Wendeburg zusammen, sie bestand bis zum 28. Februar 1974. Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen wurden am 1. März 1974 die Gemeinden Bortfeld, Didderse, Harvesse, Meerdorf, Neubrück, Rüper, Sophiental, Wendeburg und Wense zur neugeschaffenen Einheitsgemeinde Wendeburg zusammengefasst.[3][4]

Ausgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Mai 1981 wurde die Gemeinde Didderse durch Ausgliederung aus der Gemeinde Wendeburg neu gebildet und in den Landkreis Gifhorn eingegliedert.[4] Damit wurde von Seiten des Landes den Protesten der Bewohner Didderses Rechnung getragen. Die neue Gemeinde Didderse entspricht in ihrem Zuschnitt nicht genau der Ausdehnung der ehemaligen Gemeinde Didderse, ein Teil der Feldmark verblieb in der Gemeinde Wendeburg.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marienkirche ist die evangelisch-lutherische Kirche in der Ortschaft Wendeburg, in der heutigen äußeren Form im 18. Jahrhundert vollendet. Gegenüber der Kirche, an der Braunschweiger Straße, befindet sich ein evangelischer Kindergarten. Weitere evangelische Kirchen befinden sich in Bortfeld, Harvesse, Meerdorf, Rüper und Sophiental.

Die katholische St.-Elisabeth-Kirche wurde 1962/63 errichtet. Heute gehört die Kirche, die zwischen Pastor-Derks-Weg und Rothbergstraße gelegen ist, zur Pfarrgemeinde Heilig Geist in Braunschweig-Lehndorf.

Im Neubrücker Ortsteil Ersehof befindet sich eine neuapostolische Kirche.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2016
Wahlbeteiligung: 64,29 % (+1,64 Pp.)
 %
50
40
30
20
10
0
46,24 %
29,75 %
13,12 %
2,86 %
8,01 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2011
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-1,23 %p
-3,77 %p
-4,30 %p
+1,29 %p
+8,01 %p

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat der Gemeinde Wendeburg besteht aus 26 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 10.001 und 11.000 Einwohnern.[5] Die 26 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2016 und endet am 31. Oktober 2021.

Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Gerd Albrecht (CDU).

Die letzten Kommunalwahlen ergaben das folgende Ergebnis:

Jahr CDU SPD GRÜNE FDP AfD Gesamt Stand
2016 12 8 3 1 2 26 Sitze Kommunalwahl am 11. September 2016
2011 12 9 5 26 Sitze Kommunalwahl am 11. September 2011

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Wendeburg ist Gerd Albrecht (CDU). Bei der Bürgermeisterwahl am 11. September 2011 wurde er mit 63,1 % der Stimmen gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 64,3 %.[6] Albrecht trat sein Amt am 1. November 2011 an, die Wahlperiode endet am 31. Oktober 2019.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde Wendeburg zeigt in Gold über einem blauen mit einer goldenen Leiste belegten Zinnenkranz einen blauen rotbezungten Wolfskopf, begleitet von je einer blauen Ähre.[7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marienkirche Wendeburg
Weidenkirche Wendeburg
Kath. Kirche Wendeburg

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zweidorfer Mühle
  • Marienkirche
  • Weidenkirche zu Wendeburg
    In den Monaten Februar bis Mai 2006 wurde in Wendeburg eine Weidenkirche von etwa 100 Menschen aller Altersgruppen errichtet. Dabei wurden in vielen Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit u. a. 16 Bögen geflochten, die aus weit über 1000 Weidenruten bestehen und mit fast 1000 Meter Hanfseil zusammengebunden.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bauernhausmuseum Bortfeld

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Teatr dach, Kleinkunstbühne im Ortsteil Meerdorf

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wendeburg war Hauptsitz der Volksbank Vechelde-Wendeburg.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zweidorfer Holz (einem Wald zwischen Peine und Wendeburg) ist mit Hilfe der Wendeburger Aueschule, der Gemeindejugendpflege, der Revierförsterei Meerdorf und des Niedersächsischen Forstamtes Braunschweig ein Walderlebnispfad entstanden.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesautobahn 2 – an ihr befinden sich hier die Autobahnraststätten „Zweidorfer Holz – Nordseite“ und „Zweidorfer Holz – Südseite“ – durchquert das Gemeindegebiet, wie auch die Bundesstraße 214, sie kreuzen sich an der Anschlussstelle Braunschweig-Watenbüttel. Für den Schiffsverkehr gibt es die Häfen Wendeburgs am Mittellandkanal und am Stichkanal Salzgitter, der hier beginnt.
Die Schienenverkehrstrasse der Bahnstrecke Celle–Braunschweig führt durch die Gemeinde. Früher befanden sich Bahnhöfe in den Ortsteilen Wendezelle, Harvesse und Wense, die derzeit alle stillgelegt sind. Der südliche Teil der Strecke ist für die Anbindung des neu errichteten Logistikzentrums von Volkswagen reaktiviert.
Bereits ab 1. Juli 1885 konnten die Wendeburger mit einem Fahrzeug des öffentlichen Personennahverkehrs ÖPNV nach Braunschweig gelangen: Der Wendeburger Kaufmann Friedrich Wilhelm Taeger fuhr einmal täglich mit dem Privat-Personen-Fuhrwerk von Wendeburg nach Braunschweig und zurück, dabei beförderte er auch die Postsachen. 1893 übernahm der Wendeburger Fuhrunternehmer August Wegener diesen Dienst mit der zwölfsitzigen Postkutsche. Am 5. Juni 1904 hielt neuzeitliche Technik ihren Einzug. In Braunschweig hatte sich Heinrich Büssing 1903 mit einer Motorlastwagenfabrik selbständig gemacht und auch einen Bus gebaut, den er aber noch nicht verkaufen wollte. Auf Drängen des Wendeburger Pastors Otto Hayder begann Büssing am genannten Tage mit dem Busverkehr von Wendeburg nach Braunschweig. Die Zuverlässigkeit des Fahrzeuges erkannte die Post nach kurzer Zeit und übertrug der Buslinie ab 1. September 1904 die Postbeförderung. Damit nahm die erste erfolgreiche Kraftpostomnibuslinie der Welt, Wendeburg–Braunschweig, ihren Betrieb auf. Die täglich dreimalige Tour des Busses führte von Wendeburg über Wendezelle, Bortfeld, Völkenrode, Watenbüttel und Ölper nach Braunschweig, die Rückfahrt entsprechend.[8]

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer den unter „Verkehr“ genannten Schifffahrtskanälen gibt es weitere Gewässer. Die Aue-Erse ist mittels des entlastenden Aue-Oker-Kanals mit der Oker verbunden. Das „Zweidorfer Meer“ ist ein Relikt aus der Eiszeit, wie auch das „Meerdorfer Meer“, welches jedoch inzwischen zugeschüttet worden ist.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wendeburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. . Wilfried Lochte und Rolf Ahlers: Wendeburg-Braunschweig, die erste Kraftpost-Omnibuslinie von Heinrich Büssing. Wendeburg 2004, 80 Seiten
  3. wendeburg.de: Geschichte der Ortschaften
  4. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 203 und 268.
  5. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 26. Dezember 2014
  6. Einzelergebnisse der Direktwahlen 2011 in Niedersachsen, abgerufen am 26. Dezember 2014
  7. Hauptsatzung der Gemeinde Wendeburg, abgerufen am 26. Dezember 2014
  8. Rolf Ahlers: Wendeburg, 800 Jahre aus der Geschichte des Ortes. Wendeburg 1996, 170 Seiten
  9. Literaturverzeichnis "Heimatkundliche Themen"
  10. ZeitZeugenBüro