Äthiopisch-katholische Kirche

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Die Äthiopisch-katholische Kirche ist eine mit Kirche und Papst von Rom unierte Katholische Ostkirche mit dem Äthiopischen Ritus als liturgischer Ordnung. Sie ist zu unterscheiden von ihrer äthiopisch-orthodoxen Mutterkirche sowie von der katholischen Kirche des Römischen Ritus in Äthiopien.

Geschichte[Bearbeiten]

Unmittelbar im Anschluss an den „Mohammedanersturm“ des Sultanats Adal begannen Jesuiten 1557 mit der katholischen Missionierung Äthiopiens. Kaiser Claudius wies sie zwar zurück, doch gelang es ihnen, 1603 Kaiser Asnaf Sagad II. zum Übertritt zu bewegen. Sissinios stimmte zwar zunächst sogar einer Kirchenunion mit Rom zu (wie schon um 1450 Kaiser Konstantin I.), widerrief dann aber 1630, weil er die Unzufriedenheit seiner Untertanen fürchtete. Gestürzt und getötet wurde er 1632 dennoch, sein Nachfolger Fasilides (1632–1667) vertrieb die Jesuiten oder ließ sie hinrichten, ebenso wie muslimische Missionare. Das Land kehrte zum orthodoxen Christentum koptischer Prägung zurück. In der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen Bemühungen um eine Teilunion. Sie laufen parallel zur Einrichtung einer Kirche lateinischer Tradition in derselben Region, vor allem in Eritrea und den nicht-christianisierten Gebieten im Süden des äthiopischen Staates.

Justinus de Jacobis, ab 1839 Apostolischer Präfekt des römischen Papstes für Äthiopien mit Jurisdiktion über die lateinischen Katholiken, feierte Gottesdienst gerne auch nach Äthiopischem Ritus und gewann Achtung und Anhänger unter Priestern und Gläubigen der äthiopisch-orthodoxen Kirche.

1930 wurde im seit 1894 italienisch besetzten Eritrea neben der vorhandenen lateinischen Jurisdiktion, die hauptsächlich Italiener betreute, ein Ordinariat für die anwachsende Anzahl einheimischer Katholiken des Äthiopischen Ritus eingerichtet. Mit der Besetzung Äthiopiens 1936 durch Italien kam es zu einem Ausbau lateinischer Jurisdiktionsbezirke. Nach Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit Äthiopiens wurden die ausländischen Missionare ausgewiesen; der einheimische katholische Klerus des Äthiopischen Ritus hatte verstärkt Verantwortung zu übernehmen.

1951 wurden das Apostolische Exarchat Addis Abeba der Äthiopisch-katholischen Kirche eingerichtet und das Ordinariat für Eritrea zum Exarchat erhoben. Am 9. April 1961 wurde die Metropolie (Kirchenprovinz) Äthiopien gegründet mit Addis Abeba als Sitz des Metropoliten und Asmara (Eritrea) und Adigrat als Suffraganbistümern.

Nach der Unabhängigkeit Eritreas wurden hier 1995 zwei neue Eparchien (Diözesen), Barentu und Keren, errichtet und das lateinische Apostolische Vikariat aufgehoben. In Eritrea unterstehen demnach sämtliche Katholiken, auch die römisch-katholischer Tradition, einer ostkirchlichen Hierarchie. 2003 entstand eine neue Eparchie in Emdeber (Äthiopien), so dass die äthiopisch-katholische Metropolie heute sechs Bischofssitze umfasst, drei in Äthiopien und drei in Eritrea. Diese sechs Bistümer bilden die länderübergreifende Kirchenprovinz Addis Abeba.

Römisch-katholische (Missions-) Jurisdiktionen bestehen weiterhin im Süden Äthiopiens: sechs Apostolische Vikariate mit Titularbischöfen (Awasa, Harar, Meki, Nekemte, Hosanna und Soddo) und zwei Apostolische Präfekturen unter Leitung eines Priesters (Gambella und Jimma-Bonga). Die Apostolischen Präfekturen Gambella und Jimma-Bonga wurden am 5. Dezember 2009 zu Apostolischen Vikariaten mit einem Titularbischof an der Spitze erhoben. Das Apostolische Vikariat Soddo-Hosanna wurde am 10. Januar 2010 geteilt und das Apostolische Vikariat Soddo errichtet.

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