Lateinische Kirche

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Dieser Artikel erläutert die lateinische Rituskirche der römisch-katholischen Kirche. Andere Bedeutungen von Westkirche sind unter Westkirche (Begriffsklärung) aufgeführt.

Die lateinische Kirche oder römische Kirche, auch Westkirche oder westliche Kirche genannt, ist die größte und bedeutendste Rituskirche eigenen Rechts innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Lateinisch bezieht sich hierbei auf den Ritus oder die Gruppe von Riten, deren dominierender der römische Ritus ist, und auf die traditionelle Kirchensprache Latein, die in dieser Teilkirche verwendet wird. Die 22 katholischen Ostkirchen, die orthodoxe oder orientalische Riten sowie andere Liturgiesprachen benutzen, sind ebenfalls Bestandteil der römisch-katholischen Kirche.

Die lateinische Kirche umfasst die Diözesen des Patriarchats von Rom, die seit dem 2. Jahrhundert von der griechischen zur lateinischen Liturgiesprache übergegangen waren und diese auch in ihren Missionsgebieten beibehielten. Dieser westliche Teil der alten Kirche, eben die Westkirche, trennte sich in einem historischen Spaltungsprozess, der im Großen Schisma im Jahre 1054 kulminierte, vom östlichen Teil der Kirche, den Ostkirchen. Später vereinigten sich Teile der verschiedenen Ostkirchen wieder mit der katholischen Kirche, indem sie insbesondere den Primat des Papstes anerkannten und dabei Parallelhierarchien zu ihren orthodoxen Stammkirchen bildeten; dabei behielten sie jedoch weitgehend ihre rechtliche Eigenständigkeit und ihren Ritus. Diese katholischen Ostkirchen bezeichnet man als uniert. Das Gesetzbuch der lateinischen Kirche ist dabei der Codex Iuris Canonici; in den unierten Kirchen gilt der Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium.

Der Papst ist als Bischof von Rom sowohl Oberhaupt der gesamten katholischen Kirche als auch Oberhaupt der lateinischen Teilkirche. Seit dem Konzil von Chalzedon 451 nannten sich die Päpste auch Patriarch des Westens bzw. des Abendlandes innerhalb der Iustinianischen Pentarchie. Nach dem 2. Vatikanum wurden 1964 die Lateinischen Patriarchate des Ostens, die in der Kreuzzugszeit eingerichtet worden waren, im Dienste der Wiederaussöhnung mit der Ostkirche und der Ökumene mit der Orthodoxie wieder abgeschafft und Papst Benedikt XVI. legte 2006 den Titel des Patriarchen des Westens nieder.[1][2]

Vieles von dem, was gemeinhin als „typisch katholisch“ angesehen wird, so der Zölibat der Priester, die Ernennung von Bischöfen durch den Papst und zahlreiche Eigenheiten der Liturgie und des Kirchenrechts, trifft nur auf die lateinische Kirche zu. Die meisten katholischen Teilkirchen östlicher Prägung erlauben dagegen beispielsweise die Weihe verheirateter Männer zu Priestern, Ehescheidung und Wiederverheiratung, wählen in vielen Fällen ihre eigenen Bischöfe, die vom Papst nur bestätigt werden, und lehnen sich in ihrem kirchlichen und liturgischen Leben auch sonst eng an die Tradition ihrer orthodoxen Herkunftskirchen an.

Nach wie vor ist für die Liturgie der lateinischen Kirche Latein als Kirchensprache von grundlegender Bedeutung, auch wenn die Liturgie heute meistens in der Landessprache gefeiert wird. Kirchliche Verlautbarungen und Dokumente, die für die ganze lateinische Kirche bestimmt sind, werden in der Regel auf Latein verfasst und in andere Sprachen übersetzt. Sogar Verhandlungen vor den päpstlichen Gerichten finden noch auf Latein statt. Allerdings hat der Einfluss, die völkerverbindende Wirkung und nicht zuletzt auch die Kenntnis des Lateinischen in der katholischen Kirche in den letzten Jahrzehnten nachgelassen.

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem hat neben dem Papst eine eigene patriarchale Jurisdiktion über Palästina und Zypern, und ist seither der einzige amtierende lateinische Patriarch.

Liturgische Riten[Bearbeiten]

Wenn vom lateinischen Ritus bzw. den lateinischen Riten die Rede ist, kann einer – in der Regel der römische – oder die Gesamtheit der liturgischen Riten gemeint sein, die heute oder in der Vergangenheit in der lateinischen Kirche in Gebrauch sind oder waren. Von Bedeutung sind insbesondere folgende:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vergl. Apostolische Reise von Papst Benedikt XVI. in die Türkei (28. November - 1. Dezember 2006). Gemeinsame Erklärung von Papst Benedikt XVI. und Patriarch Bartholomaios I.
  2. Die Titulatur wurde im Annuario Pontificio 2006 unter nicht mehr angeführt. Spekulationen wurde mit einer Erklärung entgegenwirkt. Insbesondere wurde betont, dass „Westen“ ohnehin von alters her wenig spezifisch war, ob nur die Lateinische Teilkirche (also der klassisch-antike Westen) oder die ganze Westliche Welt gemeint sei, der Begriff dieses Patriarchats also unzeitgemäß sei.
     Pontifical Council for Promoting Christian Unity (Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen): Communique on Dropping of Papal Title. 22. März 2006 (In: Church History, Chapter 5, pdf, lumenchristischool.org, abgerufen am 21. November 2011).
    Vatican explains why pope no longer ‘patriarch of the West’. In: www.catholic.org. Catholic Online, 22. März 2006, abgerufen am 21. November 2011 (englisch).