2. Pommersches Ulanen-Regiment Nr. 9

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Das 2. Pommersche Ulanen-Regiment Nr. 9 war ein Kavallerieregiment der Preußischen Armee. Wegen seiner weißen Abzeichenfarbe wurde es auch Weiße Ulanen genannt.

Organisation und Verbandszugehörigkeit[Bearbeiten]

Ulanen-Regiment Nr. 9, Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, Bar-le-Duc.
Kommandierender General: General der Infanterie Alexander von Linsingen
Kommandeur: Generalleutnant Ferdinand von Trossel
  • 3. Kavallerie-Brigade in Stettin
Kommandeur: Generalmajor von Unger
Regimentskommandeur: Oberstleutnant Graf von Schmettow
Stiftungstag: 7. Mai 1860[1]
Garnison:Demmin

Als Ergebnis der Reorganisation des Preußischen Heeres erfolgte am 26. Januar 1860 durch Allerhöchste Kabinettsorder (A.K.O.) die Aufstellung eines Kavallerieregiments, das am 4. Juli 1860 den Namen 2. Pommersches Ulanen Regiment Nr. 9 erhielt. Die Anfangsformation bestand zunächst nur aus vier Eskadrons, die von den folgenden Regimentern abgegeben werden mussten:

Die etatmäßige 5. Eskadron erhielt das Regiment erst 1867.

Geschichte[Bearbeiten]

Demminer Ulanen beim Ausritt vor der Stadt – vor 1890

Zunächst wurde dem Regiment noch keine endgültige Garnison zugewiesen, es war auf die Standorte Anklam, Ueckermünde und Treptow an der Tollense verteilt. Der Stab und die 2. Eskadron zogen im Dezember 1860, der restliche Teil am 15. Oktober in die neue Garnison nach Demmin um.

Erste Verwendung fand das Regiment während des Aufstandes in Russisch-Polen von 1863/64, als die Ulanen im Verband mit anderen preußischen Truppen zum Schutz der preußisch-russischen Grenze aufgeboten wurden.

Deutsch-Dänischer Krieg[Bearbeiten]

Im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 wurden die Eskadrons zum Küstenschutz gegen Dänemark auf der Insel Rügen eingesetzt.

Preußisch-Österreichischer Krieg[Bearbeiten]

Als Divisionskavallerieregiment nahm es 1866 am Deutschen Krieg teil und rückte in Böhmen ein. Es war dem II. Armee-Korps zugeteilt. Dabei war es unter anderem an den Schlachten von Münchengrätz und Königgrätz beteiligt, hatte aber nur wenig Gefechtsberührung.

Deutsch-Französischer Krieg[Bearbeiten]

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 kämpften die Ulanen in Lothringen (Gravelotte und St. Privat) und nahmen mit Teilen an der Belagerung von Metz, (19. August bis 27. Oktober) von Diedenhofen (24. August bis 19. November) und von Verdun (28. August bis 8. Oktober) teil. Nachdem Metz am 28. Oktober 1870 gefallen war, rückte das Regiment an die Loire ab. Am 20. Dezember 1870 ritt die Einheit eine verlustreiche Attacke bei Monnaie. Das Regiment stand am 31. Dezember bei Danzé, am 6. Januar bei St. Armand, am 7. Januar bei Villechauve-Villeporcher, und am 8. Januar bei Villeporcher. Diese Orte liegen im Departemant Loir-et-Cher nördlich der Loire im Bereich Le MansAngersToursVendôme.

Als Teil der Besatzungstruppen verblieben die Ulanen nach dem Waffenstillstand zunächst in Frankreich, bis sie nach Beendigung dieser Aufgabe und dem Verlassen des Landes am 28. Juni 1871 wieder in Demmin eintrafen.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Demminer Ulanen in Felddienstuniform 1914

Nach der Mobilmachung im Juli 1914 rückte das Regiment in das neutrale Belgien ein und verblieb bis zum 5. September in der Bewegung. Von der Marne aus musste dann der Rückzug angetreten werden und die Einheit nahm an dem sogenannten Wettlauf zum Meer am rechten Flügel der 1. Armee teil und verblieb bis November 1914 in Nordfrankreich. Danach erfolgte die Verlegung an die Ostfront mit der bis Februar 1915 andauernden Aufgabe des Grenzschutzes an der ostpreußischen Südgrenze. Danach folgten Kämpfe im Rahmen der Winterschlacht in Masuren, sowie in Nordpolen. Im Juni 1916 erfolgte die Verlegung nach Wolhynien, wo Teile des Regiments erstmals als Infanteristen eingesetzt werden mussten. Wieder komplett beritten gemacht, nahm das Regiment von Oktober 1916 bis Februar 1917 am Feldzug gegen Rumänien teil und war auch an der Einnahme von Bukarest am 6. Dezember 1916 beteiligt. Danach erfolgte die Rückverlegung an den westlichen Kriegsschauplatz, wo es im Grenzschutz- und Sicherungsdienst eingesetzt wurde. Im November 1917 mussten die Pferde abgegeben werden und die Ulanen wurden zu einem Kavallerie-Schützen-Kommando im Verband der 6. Kavallerie-Schützen-Division umgebildet. Nach der infanteristischen Ausbildung erfolgte vom 30. Juni 1918 bis zum Kriegsende der Einsatz in den großen Abwehrschlachten im Westen.

Verbleib[Bearbeiten]

Nach dem Waffenstillstand von Compiègne trafen die Reste des Regiments am 19. November in Demmin ein und wurden Ende Dezember demobilisiert.

Im Laufe des Sommers 1919 stellte man dann noch eine freiwillige Ulanen-Eskadron zusammen, die im Grenzschutz gegen Polen eingesetzt wurde.

Die Tradition übernahm in der Reichswehr die 6. Eskadron des 6. (Preußisches) Reiter-Regiments in Demmin.

Im Jahre 1924 errichtete man den Ulanen in Demmin ein Denkmal.

Kommandeure[Bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum
Major Georg Demetrius von Kleist 13. Januar bis 21. März 1868 (mit der Führung beauftragt)
Oberstleutnant/Oberst Georg Demetrius von Kleist 22. März 1868 bis 13. März 1874

Uniform[Bearbeiten]

Ulanen in Preußen – wahrscheinlich Sachsen mit roten Aufschlägen
Demminer Ulanendegen

Das Regiment trug eine Ulanka aus dunkelblauem Tuch mit polnischen Aufschlägen. Die Abzeichenfarbe auf Aufschlägen, Kragen, Paraderabatten, Tschapkarabatten, Epaulettenfeldern und Passanten war weiß. Tschapkabeschläge und Knöpfe aus Tombak (gelb). Zur Parade wurde ein weißer Roßhaarbusch aufgesteckt.

Bereits mit A.K.O. vom 14. Februar 1907 befohlen und ab 1909/1910 schrittweise eingeführt, wurde anlässlich des Kaisermanövers 1913 die bunte Uniform erstmals durch die feldgraue Felddienstuniform (M 1910) ersetzt. Diese glich vollkommen der Friedensuniform. Das Lederzeug und die Stiefel waren naturbraun, die Tschapka wurde durch einen schilffarbig genannten Stoffüberzug bedeckt. Das Bandelier und die Kartusche wurden zu dieser Uniform nicht mehr angelegt.

Literatur[Bearbeiten]

  • L. von Besser: Die preussische Kavallerie in der Campagne 1866. Alexander Duncker. Berlin 1868. (online)
  • Hugo F. W. Schulz: Die Preußischen Kavallerie-Regimenter 1913/1914. Weltbild. Augsburg 1992. ISBN 3-89350-343-9.
  • Wolfgang Fuhrmann: Die Hansestadt Demmin in alten und neuen Ansichten. GEROS Verlag. Neubrandenburg 1998. ISBN 3-935721-00-5.
  • Jürgen Kraus: Die deutsche Armee im Ersten Weltkrieg. Uniformierung und Ausrüstung – 1914 bis 1918. (= Kataloge des Bayerischen Armeemuseums Ingolstadt 2). Herausgegeben von Stefan Rest. Verlag Militaria. Wien 2004. ISBN 3-9501642-5-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ruhmeshalle unserer Alten Armee. Herausgegeben auf Grund amtlichen Materials des Reichsarchivs. Militär-Verlag, Berlin 1927, S. 32.