Thionville

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Thionville (Begriffsklärung) aufgeführt.
Thionville
Wappen von Thionville
Thionville (Frankreich)
Thionville
Region Lothringen
Département Moselle
Arrondissement Thionville-Est
Kanton Thionville-Est, Thionville-Ouest
Gemeindeverband Portes de France-Thionville.
Koordinaten 49° 21′ N, 6° 10′ O49.3580555555566.1686111111111150Koordinaten: 49° 21′ N, 6° 10′ O
Höhe 147–423 m
Fläche 49,86 km²
Einwohner 40.951 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 821 Einw./km²
Postleitzahl 57100
INSEE-Code
Website www.thionville.fr
Platz in Thionville
Thionville, an der Bastion
Wehrturm neben dem Rathaus
Kanonenkugeln im Wehrturm neben dem Rathaus

Thionville [tjɔ̃ˈvil] (deutsch Diedenhofen[1]) ist eine an der Mosel gelegene französische Stadt mit 40.951 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Moselle in der Region Lothringen. Im örtlichen moselfränkischen Dialekt, der noch von den Älteren gesprochen wird und dem Luxemburgischen sehr ähnlich ist, wird die Stadt Diddenuewen genannt.

Geografie[Bearbeiten]

Ortsteile[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Thionville bestand schon zur Zeit der Merowinger und wurde in Urkunden als Theudonevilla, Totonisvilla, Thionisvilla (1236) und Theodunvilla erwähnt. Erste urkundliche Erwähnung fand der Ort 753 als theodonis villa. Dietenhoven (707), Didenhowen (962), Duodinhof/Duodenhof (11. Jh.), Diesenhoven (1023), Ditdenhof (1033), Dydenhowen (1346), Dutenhofen (1357), Diedzhofen (1431), Diedenhoven (1449), Dietenhoben (1576), Dudenhoffen (1606), Diedenhoben (1612)[1].

Er war bereits zur Zeit Pippins des Jüngeren eine königliche Pfalz. In ihr wurden mehrere Hoftage abgehalten, zum Beispiel 835, auf dem die Absetzung Ludwigs des Frommen für ungültig erklärt wurde. Pippins Sohn Karl der Große erließ am 24. Dezember 805 in Thionville das nach der Stadt benannte Diedenhofener Kapitular.

Ab dem 10. Jahrhundert gehörte das Gebiet mit Luxemburg zum Heiligen Römischen Reich und blieb bis 1462 im Besitz der Herzöge von Luxemburg. Von jenem Jahr bis 1477 gehörte es dem Herzog von Burgund und von 1477 bis 1643 den Habsburgern.

Nachdem Diedenhofen 1558 von französischen Truppen unter dem Herzog von Guise belagert worden war, kam es 1639 im Zusammenhang mit dem Französisch-Spanischen Krieg (1635–1659) zu einer erneuten Belagerung der Stadt unter Manassès de Pas, Marquis de Feuquières, dessen Truppen von einem überlegenen kaiserlichen Heer unter General Octavio Piccolomini in der Schlacht von Diedenhofen am 7. Juni 1639 geschlagen wurden. Doch schon am 10. August 1643 eroberten und besetzten französische Truppen den Ort erneut.

Durch den Pyrenäenfrieden wurde Thionville am 7. November 1659 an Frankreich abgetreten.

Im Jahr 1792 begann der Feldzug des Herzogs von Braunschweig zur Rückeroberung des Throns von König Ludwig XVI. mit der Belagerung von Thionville, deren Besatzung für die Französische Revolution eintrat. Die Belagerung scheiterte letztlich und gab dem Ancien Régime einen Vorgeschmack auf den erbitterten Widerstand der Revolutionsarmee, der in der Kanonade von Valmy gipfeln sollte.

Im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 wurde die Stadt während der Belagerung durch preußische Truppen stark beschädigt. Die Festung kapitulierte am 25. November 1870, über 4000 Franzosen gingen in Gefangenschaft. Diedenhofen musste am 10. Mai 1871 aufgrund des Frankfurter Friedens an das neue Deutsche Kaiserreich abgetreten werden.

Am 22. November 1918 besetzten französische Truppen die Stadt. Der Friedensvertrag von Versailles bestimmte die Abtretung von ganz Deutsch-Lothringen (Reichsland Elsaß-Lothringen) an Frankreich. In der Zeit der Besatzung während des Zweiten Weltkrieges ab 1940 wurde Lothringen einer deutschen Zivilverwaltung unterstellt (CdZ-Gebiet) und war damit inoffiziell wieder Teil des Deutschen Reichs. 1944 nahmen US-amerikanische Truppen Thionville ein, das seitdem wieder zu Frankreich gehört. Noch im Winter 1944/45 wurde das DP-Lager Nr. 8 für Displaced Persons eingerichtet, das in den folgenden Jahren tausende ehemalige KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene aufnahm.

Nachdem Thionville wie ganz Frankreich in den ersten Nachkriegsjahrzehnten einen Wirtschaftsaufschwung erlebte (trente glorieuses), setzte seit den 1970er Jahren der Niedergang der dominierenden Schwerindustrie ein, vor allem des Abbaus von Eisenerz (Minette), so dass die Stadt und die gesamte Region mit wirtschaftlichen Problemen und hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007
Einwohner 31811 37079 43020 40573 39712 40907 40910

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Seit März 2008 ist der hier gebürtige Politiker Bertrand Mertz Bürgermeister (Maire) der Stadt. Er gehört der Parti Socialiste an.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Thionville

Museen[Bearbeiten]

  • Musée de la Tour aux Puces oder Musée du Pays Thionvillois, (Museum im Flohturm, s.u.) Dauerausstellung archäologischer Funde der Region aus der Zeit der Vorgeschichte bis zur Renaissance, Wechselausstellungen zur Heimatkunde
  • Musée de la résistance et de la déportation
Hôtel de Ville (Rathaus)
La Poste
Pont de Cormontaigne, Pont-écluse Sud über den Canal des fortifications
A 31 in Thionville

Bauwerke[Bearbeiten]

Thionville verfügt über eine erstaunlich gut und vielfältig erhaltene Bausubstanz. Trotz Kriegszerstörungen blieben zahlreiche Bauten erhalten oder wurden wieder restauriert. In der Regel handelt es sich um Bürgerhäuser und Villen aus der Wilhelminischen Ära sowie aus der Zeit des Fin de Siècle. Das ansonsten gut erhaltene Stadtbild wird allerdings durch etliche deplaziert wirkende moderne Hochhausbauten gestört.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Region ist ein Zentrum der französischen Stahlproduktion. Etwa acht Kilometer nördlich von Thionville steht das Kernkraftwerk von Cattenom. "Der Hafen Thionville-Illange ist der größte Binnenhafen Frankreichs für den Transport von metallurgischen Produkten. Es handelt sich um den wichtigsten Hafen am Eisenbahnkanal der Mosel (Canal des Mines de Fer de la Moselle (CAMIFEMO)). Der Vorteil des Hafens Thionville-Illange liegt insbesondere in seiner Trimodalität (Straße, Schiene und Wasser) begründet."[2]

Der Bahnhof Thionville ist Eisenbahnknoten an der Bahnstrecke Metz–Luxemburg. Hier zweigen die Strecke nach Trier und eine Nebenstrecke nach Bouzonville und Dillingen (Saar) ab. Die Autobahn 31 (Autoroute A31) führt auf dem Abschnitt zwischen Metz und Luxemburg direkt durch das Zentrum der Stadt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Thionville in der Literatur[Bearbeiten]

Karl Mays Fortsetzungsroman Die Liebe des Ulanen spielt vor dem historischen Hintergrund des Deutsch-Französischen Krieges teilweise in Thionville.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thionville – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ernest de Bouteiller - Dictionnaire topographique de l'ancien département de la Moselle (1868 geschrieben)
  2. Seite der Moselkommission Weitere Einzelheiten zum Hafen siehe ebd.