Thionville
| Thionville | ||
|---|---|---|
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| Region | Lothringen | |
| Département | Moselle | |
| Arrondissement | Thionville-Est | |
| Kanton | Thionville-Est, Thionville-Ouest | |
| Gemeindeverband | Portes de France-Thionville | |
| Koordinaten | 49° 21′ N, 6° 10′ O49.3580555555566.1686111111111150Koordinaten: 49° 21′ N, 6° 10′ O | |
| Höhe | 150 m (147–423 m) | |
| Fläche | 49,86 km² | |
| Einwohner | 41.564 (1. Jan. 2009) | |
| Bevölkerungsdichte | 834 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 57100 | |
| INSEE-Code | 57672 | |
| Website | http://mairie-thionville.fr/ | |
Thionville [cɔ̃ˈvil] (deutsch Diedenhofen) ist eine Stadt mit 41.564 Einwohnern (Stand 1. Januar 2009) im Département Moselle im Nordosten Frankreichs. Im örtlichen moselfränkischen Dialekt, der noch von den Älteren gesprochen wird und stark an das Luxemburgische angelehnt ist, wird die Stadt Diddenuewen genannt.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Thionville bestand schon zur Zeit der Merowinger und wurde in Urkunden als Theudonevilla, Totonisvilla, Thionisvilla (1236) und Theodunvilla erwähnt. Erste urkundliche Erwähnung fand der Ort 753 als theodonis villa. Er war bereits zur Zeit Pippins des Jüngeren eine königliche Pfalz. In ihr wurden mehrere Hoftage abgehalten, zum Beispiel 835, auf dem die Absetzung Ludwigs des Frommen für ungültig erklärt wurde. Pippins Sohn Karl der Große erließ am 24. Dezember 805 in Thionville das nach der Stadt benannte Diedenhofener Kapitular.
Ab dem 10. Jahrhundert gehörte das Gebiet mit Luxemburg zum Heiligen Römischen Reich und blieb bis 1462 im Besitz der Herzöge von Luxemburg. Von jenem Jahr bis 1477 gehörte es dem Herzog von Burgund und von 1477 bis 1643 den Habsburgern.
Nachdem Diedenhofen 1558 von französischen Truppen belagert worden war, kam es 1639 im Zusammenhang mit dem Französisch-Spanischen Krieg (1635–1659) zu einer erneuten Belagerung der Stadt unter Manassès de Pas, Marquis de Feuquières, dessen Truppen von einem überlegenen kaiserlichen Heer unter General Octavio Piccolomini in der Schlacht von Diedenhofen am 7. Juni 1639 geschlagen wurden. Doch schon am 10. August 1643 eroberten und besetzten französische Truppen den Ort erneut.
Durch den Pyrenäenfrieden wurde Thionville am 7. November 1659 an Frankreich abgetreten.
Im Jahr 1792 begann der Feldzug des Herzogs von Braunschweig zur Rückeroberung des Throns von König Ludwig XVI. mit der Belagerung von Thionville, deren Besatzung für die Französische Revolution eintrat. Die Belagerung scheiterte letztlich und gab dem Ancien Regime einen Vorgeschmack auf den erbitterten Widerstand der Revolutionsarmee, der in der Kanonade von Valmy gipfeln sollte.
Im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 wurde die Stadt während der Belagerung durch preußische Truppen stark beschädigt. Die Festung kapitulierte am 25. November 1870, über 4000 Franzosen gingen in Gefangenschaft. Diedenhofen musste am 10. Mai 1871 aufgrund des Frankfurter Friedens an das neue Deutsche Kaiserreich abgetreten werden.
Am 22. November 1918 besetzten französische Truppen die Stadt. Der Versailler Vertrag bestimmte die Abtretung von ganz Deutsch-Lothringen (Reichsland Elsaß-Lothringen) an Frankreich. In der Zeit der Besatzung während des Zweiten Weltkrieges ab 1940 wurde Lothringen einer deutschen Zivilverwaltung unterstellt (CdZ-Gebiet) und war damit inoffiziell wieder Teil des Deutschen Reichs. 1944 nahmen US-amerikanische Truppen Thionville ein, das seitdem wieder zu Frankreich gehört. Noch im Winter 1944/45 wurde das DP-Lager Nr. 8 für Displaced Persons eingerichtet, das in den folgenden Jahren tausende ehemalige KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene passierten.
[Bearbeiten] Bevölkerungsentwicklung
| Jahr | 1962 | 1968 | 1975 | 1982 | 1990 | 1999 | 2007 |
| Einwohner | 31811 | 37079 | 43020 | 40573 | 39712 | 40907 | 40910 |
[Bearbeiten] Politik
[Bearbeiten] Bürgermeister
Seit März 2008 ist der hier gebürtige Politiker Bertrand Mertz Bürgermeister (Maire) der Stadt. Er gehört der Parti Socialiste an.
[Bearbeiten] Städtepartnerschaft
[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten
Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Thionville
[Bearbeiten] Museen
- Musée de la Tour aux Puces oder Musée du Pays Thionvillois, (Museum im Flohturm, s.u.) Dauerausstellung archäologischer Funde der Region aus der Zeit der Vorgeschichte bis zur Renaissance, Wechselausstellungen zur Heimatkunde
- Musée de la résistance et de la déportation
[Bearbeiten] Bauwerke
Thionville verfügt eine erstaunlich gut und vielfältig erhaltene Bausubstanz. Trotz Kriegszerstörungen blieben zahlreiche Bauten erhalten oder wurden wieder restauriert. In der Regel handelt es sich um Bürgerhäuser und Villen aus der Wilhelminischen Ära sowie aus der Zeit des Fin de Siècle. Das ansonsten gut erhaltene Stadtbild wird allerdings durch etliche deplaziert wirkende moderne Hochhausbauten gestört.
- Belfried aus dem 14. Jahrhundert
- La Poste (alte Post am Place de la République, Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert)
- Tour aux Puces (Flohturm), ursprünglich Bergfried, ab 11./12. Jahrhundert
- Autel de la Patrie (Altar des Vaterlandes), in Form eines Obelisken auf dem Platz Claude Arnoult, einziges in Frankreich erhaltenes Exemplar der rund 36.000 Monumente dieser Art, errichtet in der Zeit der Französischen Revolution
- Pfarrkirche St. Maximin, 1755–1759
- Hôtel de Ville (Rathaus, 1634–1637)
- Feste Obergentringen (Fort de Guentrange), 1899–1906 (Lage49.3758888888896.1333111111111)
- Schloss Volkrange
- Ponts-écluse über den Canal des fortifications, zwei Schleusenbrücken wovon eine als Monument historique klassiert ist, 1746–1752
- Haus Oscar Stephany, 1904 von Karl Griebel errichtet
- Synagoge
[Bearbeiten] Galerie - Bauwerke
[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur
Die Region ist ein Zentrum der französischen Stahlproduktion. Etwa acht Kilometer nördlich von Thionville steht das Atomkraftwerk von Cattenom.
Thionville ist Eisenbahnknoten an der Strecke Metz-Luxembourg. Hier zweigen die Strecke nach Trier sowie eine Nebenstrecke nach Bouzonville und Dillingen ab. Die Autobahn 31 (Autoroute A31) führt auf dem Abschnitt zwischen Metz und Luxemburg direkt durch das Zentrum der Stadt.
[Bearbeiten] Persönlichkeiten
- Johann von Aldringen (1588–1634), deutscher Feldherr des Dreißigjährigen Krieges
- Joseph Bodin de Boismortier (1689–1755), Flötist, Cembalist und Komponist
- François Ignace de Wendel (1741–1795), Industrieller
- Merlin de Thionville (1762–1833), Persönlichkeit der französischen Revolution
- Isidor Didion (1798–1878), General
- Senta Söneland (1882–1934), deutsche Schauspielerin
- Wendelin Thomas (* 1884; verschollen, † nach 1947), deutscher Politiker (SPD, USPD, KPD)
- Fritz von der Lancken (1890–1944), deutscher Wehrmachtsoffizier und Widerständler
- Joseph Schneider (1900–1986), deutscher Jurist und erster Präsident des Bundessozialgerichts
- Gerhard Borrmann (1908–2006), deutscher Physiker, Entdecker des Borrmann-Effekts
- Ernest Bour (1913–2001), Dirigent
- Henry Anglade (* 1933), Radsportler
- Daniel Gomez (* 1979), französischer Fußballspieler
- Aïmen Demai (* 1982), französischer Fußballspieler
- Rémi Ochlik (1983–2012), französischer Fotograf
[Bearbeiten] Thionville in der Literatur
Karl Mays Fortsetzungsroman Die Liebe des Ulanen spielt vor dem historischen Hintergrund des Deutsch-Französischen Krieges teilweise in Thionville.
[Bearbeiten] Weblinks
- Gemeindeverband der Stadtregion Thionville (französisch)
- Fremdenverkehrsbüro von Thionville (französisch)
- Literatur zum Schlagwort Thionville im Katalog der DNB und in den Bibliotheksverbünden GBV und SWB
- Fotos von Thionville, seit 1900 bis in unsere Tage (französisch)
- Historische Karte von 1692 als Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf