Abellio (Unternehmen)

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Die Abellio Deutschland GmbH ist ein Verkehrsunternehmen mit Sitz in Essen. Es handelt sich um eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Abellio Transport Holding BV (ursprünglich NedRailways BV) aus Utrecht, die ihrerseits wiederum die Expansionsaktivitäten der niederländischen Staatseisenbahn im Personenverkehr außerhalb der Niederlande koordiniert. Im Jahr 2004 gemeinsam von der Essener Verkehrs-AG (EVAG) und dem britischen Investmentfonds Star Capital gegründet, wurde es im November 2008 von der damaligen NedRailways BV übernommen. Abellio betreibt Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Nordrhein-Westfalen und Mitteldeutschland sowie über eine Minderheitsbeteiligung an der Westfalenbahn GmbH auch in Niedersachsen. Seit der Unternehmensgründung wurden zunächst auch Buslinien betrieben. Nachdem man sich zunächst in Hessen und Sachsen betätigt hat, wurden die defizitären hessischen Busgesellschaften bis 2013 komplett abgestoßen, 2014 folgte die Kraftverkehrsgesellschaft (KVG) Dreiländereck Zittau. Darüber hinaus ist man über die Beteiligung an der PTS im Sicherheitsgewerbe aktiv.

Abellio GmbH
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 2004
Sitz Essen, Nordrhein-Westfalen

Leitung

  • Stephan Krenz (Vorsitzender)
  • Dirk Snel
Mitarbeiter ca. 1.800 (bis 2015)
Branche Verkehr
Website www.abellio.de

Geschichte[Bearbeiten]

Logo 2004 – 2009
Bus des bis 2013 zur Abellio Bus GmbH gehörenden Verkehrsunternehmens Werner im Wormser Busbahnhof

Wolfgang Meyer (2004 – 2008)[Bearbeiten]

Das Unternehmen entstand 2004 als gemeinsame Tochtergesellschaft der städtischen Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (EVV), zu der auch die Essener Verkehrs-AG (EVAG) gehört, und des Essener Busunternehmers Mesenhohl. Vorgänger war die 2001 gegründete EVAG-Betriebsgesellschaft mbH (EVBG), in die der EVAG-Fahr- und Werkstattbetrieb ausgegliedert wurde. Die Gründung von Abellio erfolgte, um in den bundesweiten Wettbewerb um Verkehrsleistungen einsteigen zu können. Daher war der EVAG-Betrieb auch nicht Teil des Unternehmens Abellio, sondern in der EVV-Tochter meoline GmbH organisiert. Geschäftsführer des neuen Unternehmens wurde der bisherige EVAG-Geschäftsführer Wolfgang Meyer. Abellio gewann in der Folge in Nordrhein-Westfalen mehrere Ausschreibungen für den Eisenbahnverkehr und war über eine Reihe von zugekauften Omnibusunternehmen in mehreren Bundesländern auch im Busverkehr tätig.2005 wurden 75,1 % des Unternehmens an die britische Investorengruppe Star Capital Partners verkauft. 12,36 % hielt weiterhin die EVV. Weitere Gesellschaftsanteile hielt das Abellio-Management.

Als Hauptwerkstatt reaktivierte Abellio ein früheres Bundesbahn-Werk am Standort Hagen-Eckey. Hier wurden zunächst insgesamt acht Millionen Euro investiert, um die Fahrzeuge zu beheimaten und die Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten durchzuführen.

Die erste Betriebsaufnahme erfolgte im Dezember 2005 im Emscher-Ruhrtal-Netz auf der heutigen Glückauf-Bahn, damals Nokia-Bahn. Hier kommen seitdem Triebzüge vom Typ Alstom Coradia LINT zum Einsatz, die sich im Eigentum des Unternehmens befinden. Diese Linie war vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr für zwölf Jahre ausgeschrieben worden,. Zum gleichen Zeitpunkt fand auch die Betriebsaufnahme auf der Ruhr-Lenne-Bahn zwischen Essen und Hagen statt. Hier betrug die ursprüngliche Vertragsdauer zunächst nur zwei Jahre, so dass man bei Abellio von einer Investition in Neufahrzeuge abgesehen hat. Statt dessen kamen alte Silberlinge und D-Zug-Abteilwagen zum Einsatz, die man sich teilweise aus ganz Deutschland gemietet hatte. Insgesamt drei davon wurden in der Hagener Werkstatt zu Steuerwagen umgebaut, um als Wendezug betrieben werden zu können. Schub- bzw. Zuglok waren gemietet Fahrzeuge vom Typ Siemens ES64U2. Eigentümer war das heutige Unternehmen MRCE, das damals noch unter dem Namen Dispolok aktiv war und im Eigentum der Siemens AG stand.

Im Rahmen der Neuausschreibung des Ruhr-Sieg-Netzes für zwölf Jahre, von Dezember 2007 bis Dezember 2019, wurde auch die Ruhr-Lenne-Bahn erneut vergeben. Abellio hat die Linie wiederholt gewinnen können und die Leasinggesellschaft CB-Rail (heute Ascendos) mit der Anschaffung von insgesamt zwanzig Triebzüge vom Typ Stadler FLIRT beauftragt. Erstmals kam dabei auch die zweiteilige Variante zum Einsatz, die bis dahin nur auf dem Papier bestand.

Mit der Betriebsaufnahme im Ruhr-Sieg-Netz wurden zwischen Hagen, Siegen und Essen teilweise veraltete Silberlinge von DB Regio NRW abgelöst. Neu am Betriebskonzept von Abellio ist eine regelmäßige Flügelung der Züge aus Hagen kommend in Letmathe: Dort fährt ein Teil stets nach Iserlohn, der andere stets nach Siegen. Durch konnte der Aufgabenträger NWL die Zahl der Zugkilometer reduzieren, ohne dabei jedoch das Gesamtangebot zu verschlechtern.

Im Jahr 2005 beteiligte man sich zudem an der Gründung der Westfalenbahn und trat so auch in der Region Nordwestdeutschland in den Markt ein. Als einer von vier gleichberechtigten Gesellschaftern fährt die Westfalenbahn ebenfalls seit 2007 im nördlichen Nordrhein-Westfalen sowie in Niedersachsen. Auch hier kommen Stadler FLIRT zum Einsatz, die sich im Eigentum von Alpha Trains befinden.

Im November 2008 wurde bekannt gegeben, dass die bisherigen Eigentümer der Abellio GmbH aus dem Unternehmen aussteigen und sämtliche Geschäftsanteile an die niederländische Staatseisenbahn verkaufen. Am 7. November 2008 wurde die Übernahme beim Bundeskartellamt zur Genehmigung angemeldet[1], welche am 24. November 2008 bedingungslos erteilt wurde. Im weiteren Verlauf wurde Abellio der zentrale Markenname sämtlicher Aktivitäten der niederländischen Staatseisenbahn im Personenverkehr außerhalb der Niederlande. Geschäftsführer Meyer verließ das Unternehmen zum Jahresende 2008.

Shawn Mills (2009 – 2010)[Bearbeiten]

Mit Wirkung zum 1. Januar 2009 wurde Shawn Mills Geschäftsführer der Abellio GmbH. Unter dessen Führung hat das Unternehmen sich im Jahr 2009 an der Vergabe der damaligen Linie RB 47 (Der Müngstener) beteiligt und konnte mit Wirkung zu Dezember 2013 das Netz weiter vergrößern. Dabei kam, auch aus den Erfahrungen der Finanzkrise ab 2007 erstmals ein neues Investitionsmodell zum Einsatz, das auf dem Prinzip Sale-Lease-Back basiert. Abellio hat die Fahrzeuge vom Typ Coradia LINT angeschafft und unmittelbar nach der Auslieferung an den VRR verkauft – der die Fahrzeuge dann an Abellio vermietet hat. Durch dieses Konstrukt ist der VRR den Banken gegenüber der Kreditnehmer. Ziel des Aufgabenträgers war es, seine eigene Kreditwürdigkeit für alle Akteure gleichermaßen zur Verfügung zu stellen. Der endgültige Zuschlag wurde im November 2010 erteilt.

Im Jahr 2009 kam es zudem in einem langjährigen Streit zwischen VRR und DB Regio NRW zu einer außergerichtlichen Einigung. Diese hätte eine langfristige Direktvergabe zugunsten der Deutschen Bahn vorgesehen. Unter der Führung von Shawn Mills hat Abellio juristische Schritte gegen diese Planungen eingeleitet. Sowohl die Vergabekammer Münster als auch das Oberlandesgericht Düsseldorf erklärten die Vergabe für rechtswidrig. Da es aus dem Jahr eine anderslautende Entscheidung des Oberlandesgerichtes Brandenburg gab, musste der Bundesgerichtshof sich der Sache annehmen, der im Februar 2011 die Vergabe aufgehoben hat.


Im 1. Quartal 2015 plant die Abellio-Gruppe den Umzug ihrer Deutschlandzentrale von Essen nach Berlin. Als Grund für den Umzug nennt das Unternehmen die neue deutschlandweite Ausrichtung sowie die Nähe zu politischen Gremien und Vertretungen der Bundesländer. [2]

Struktur des deutschen Geschäfts[Bearbeiten]

Stadler Flirt der Abellio Rail NRW in Essen Hbf

2006 wurden die beiden Beteiligungsgesellschaften Abellio Bus GmbH für den Omnibusverkehr und Abellio Rail GmbH für den Eisenbahnverkehr gegründet, um die verschiedenen Beteiligungen nach Sparten zu ordnen.[3] Seitdem ist die Struktur des Konzerns in Deutschland wie folgt:

Änderungen in der Konzernstruktur[Bearbeiten]

Ab 2010 begann Abellio seine Beteiligungen im Bereich Bus zu verringern. Im Jahr 2010 übernahm die Familie Mesenhohl die 49%-Beteiligung der Abellio an der Meobus, Essen. Die restlichen 51% dieser Gesellschaft wurden auch zuvor schon von ihr gehalten.[4]

Im April 2011 wurde die Beteiligung von 34% an der OBS Omnibusbetrieb Saalkreis an die beiden anderen Gesellschafter Vetter und HAVAG abgegeben.[5]

Mit Wirkung vom 1. Januar 2013 übernahm die CVAG alle Geschäftsanteile der ETP Euro Traffic Partner, die zuvor zu je 25% von Abellio, der CVAG sowie zwei sächsischen Regionalbusgesellschaften gehalten wurden.[6]

Im April 2013 gab Abellio bekannt, dass es sich strategisch neu ausrichten will: Demnach wolle sich Abellio künftig ausschließlich auf den Schienenpersonennahverkehr konzentrieren. Der Konzern suchte deshalb für die drei verbleibenden eigenen Busgesellschaften KVG, VM und Werner einen Käufer.[7] Am 1. November 2013 hat der Schweizer Finanzinvestor Transport Capital die Busunternehmen VM und Werner übernommen.[8] Die verbleibende KVG wurde im Oktober 2014 an die Regionalbus Oberlausitz verkauft.[9]

International[Bearbeiten]

England

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abellio (transport company) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. www.eurailpress.de, "NedRailways will Abellio übernehmen", 14. November 2008. Abgerufen am 7. Oktober 2010.
  2. Abellio Deutschland zieht nach Berlin, 18. September 2014. Abgerufen am 19. September 2014.
  3. Meldung im Portal ÖPNV-Wettbewerb
  4. Meldung im Portal ÖPNV-Wettbewerb
  5. Eintrag im Portal ÖPNV-Wettbewerb
  6. Richtungslampe, Mitarbeiterzeitung der CVAG, 58. Jahrgang, Nr. 4 (August 2013), S. 8
  7. Pressemitteilung auf abellio.de: Abellio Deutschland vor strategischer Neuausrichtung. Abellio Deutschland, 10. April 2013, abgerufen am 25. April 2013.
  8. Meldung des Roten Renner: VM/WERNER: Verkauf in die Schweiz. Roter Renner, 2. November 2013, abgerufen am 2. November 2013.
  9. Abellio verkauft Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck an Regionalbus Oberlausitz. 29. Oktober 2014, abgerufen am 30. Oktober 2014 (Pressemitteilung der Abellio GmbH).
  10. http://www.bbc.com/news/uk-scotland-29531099