Albert Victor, Duke of Clarence and Avondale

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Prinz Albert Victor

Prince Albert Victor Christian Eduard, Duke of Clarence and Avondale (* 8. Januar 1864 in Frogmore House, Berkshire; † 14. Januar 1892 in Sandringham House, Norfolk) war ein Angehöriger des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha. Der älteste Sohn Eduards VII. war bis zu seinem frühen Ableben präsumtiver Thronfolger der britischen Monarchie.

Herkunft[Bearbeiten]

Prinz Albert Victor erblickte im Januar 1864 in Frogmore House, einem Anwesen nahe Windsor Castle, das Licht der Welt. Er war der älteste Sohn des britischen Thronfolgers Albert Eduard, Prince of Wales (der spätere König Eduard VII.) und dessen Ehefrau Prinzessin Alexandra von Dänemark. Regierende Monarchin des Britischen Weltreichs war seine Großmutter, Königin Victoria und der Prinz stand als Heir Presumptive hinter seinem Vater an zweiter Stelle der Thronfolgeregelung.

Erziehung und Ausbildung[Bearbeiten]

Im Alter von 10 Jahren, 1875

Der Neugeborene war zwei Monate zu früh zur Welt gekommen und wog bei seiner Geburt lediglich drei Pfund. Infolgedessen entwickelte sich „Eddy“, wie er in Familienkreisen genannt wurde, zu einem kränklichen, apathischen Jungen, der gemeinhin als zurückgeblieben, nervenschwach und gleichgültig beschrieben wurde. Die Erziehung Albert Victors und seines jüngeren Bruders Georg legten ihre Eltern ab 1871 in die Hände von John Neale Dalton, der den beiden Prinzen einen strengen Lehrplan verordnete, der durch militärischen Drill und äußerste Disziplin geprägt war. Albert Victors schulische Leistungen waren sehr begrenzt und er war ein träger Schüler, der nur langsam Fortschritte machte.

Zu weiteren Ausbildungszwecken wurden Albert Victor und Georg 1877 zur Royal Navy geschickt und dienten zunächst in Dartmouth auf dem Schulschiff HMS Britannia. Im Anschluss begaben sich die beiden Seekadetten mit der HMS Bacchante auf eine dreijährige Weltreise (1879 bis 1882). Neben weiten Teilen des riesigen Empire wie den Falkland-Inseln, Ägypten, der Kapkolonie, Ceylon, Singapur, den Fidschi-Inseln und Australien bereisten sie Palästina, Griechenland, China und Japan. Nach ihrer Rückkehr wurden die Brüder 1883 voneinander getrennt, und Albert Victor, der voraussichtliche Thronerbe, sollte am ehrwürdigen Trinity College in Cambridge auf seine kommenden Aufgaben vorbereitet werden. Jedoch zeigte er dort wenig Interesse an der intellektuellen Atmosphäre, und in den meisten Studienfächern verfügte er nicht einmal über die einfachsten Grundkenntnisse. Vielmehr gab sich der Prinz Freizeitbeschäftigungen wie dem Polo hin, weshalb sogar behauptet wurde, er könne kaum lesen. Um sein Deutsch zu verbessern, studierte Albert Victor 1884 einige Monate an der Universität Heidelberg.

1885 verließ Albert Victor Cambridge und diente anschließend als Leutnant bei den 10th Royal Hussars in Aldershot, später in London-Hounslow. Von nun an nahm er vermehrt offizielle Aufgaben für das Königshaus wahr, etwa wie Besuche in Irland und Gibraltar oder die Eröffnung der Hammersmith Bridge in London. 1889/90 reiste er im Auftrag der Monarchie mehrere Monate durch Indien. Am 24. Mai 1890 ernannte ihn Königin Victoria zum Duke of Clarence, ein Titel, der seit 101 Jahren nicht mehr vergeben worden war.

Lebensstil[Bearbeiten]

Von seinem lebenslustigen Vater hatte Albert Victor die Neigung zum Alkohol und leichtem Leben geerbt, einschließlich regelmäßiger Bordellbesuche. Obwohl alles andere als intelligent, begabt oder belesen, schien er bei Frauen sehr gut anzukommen. Aber auch romantische Beziehungen zu Männern sagte man ihm nach. So soll Albert Victor 1889 bei einer Polizei-Razzia in einem illegalen Männer-Bordell als Freier enttarnt worden sein (Cleveland-Street-Skandal). Zwei Jahre später war der Prinz Opfer einer Erpressung und zahlte zwei Prostituierten 200 Pfund Schweigegeld, um Briefe mit kompromittierendem Inhalt zurückzuerhalten, die er ihnen geschrieben hatte.

Aufgrund seines unsteten Umgangs begann sich Albert Victor auf Betreiben seiner Großmutter Anfang der 1890er Jahre nach einer passenden Braut umzusehen. Die Suche erwies sich als erfolglos, da sowohl seine Cousine Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt als auch Prinzessin Hélène von Orléans seine Anträge ablehnten. Schließlich verlobte er sich nach Vermittlung Königin Victorias am 7. Dezember 1891 mit Prinzessin Maria von Teck, und die Familie erhoffte sich von ihr einen positiven Einfluss. Den Hochzeitstermin legte der Hof für den Februar 1892 fest.

Krankheit und Tod[Bearbeiten]

Ab 1890 verschlechterte sich Albert Victors gesundheitlicher Zustand und er litt immer wieder unter Gichtanfällen. Der Grund dafür waren wahrscheinlich Alkohol und Zigaretten, vermutet werden aber auch Geschlechtskrankheiten. Als er sich Ende 1891 zusätzlich noch bei einer Grippeepidemie ansteckte und diese sich zu einer Lungenentzündung ausweitete, wurde es lebensbedrohlich. Am 12. Januar 1892 wurde er von Fieberanfällen geschüttelt und erkannte niemanden mehr, der an seinem Krankenbett erschien. Zwei Tage später verstarb Prinz Albert Victor im Kreise der engsten Familie mit nur 28 Jahren auf Sandringham Estate, dem Landsitz seines Vaters. Später wurde auch vermutet, dass die Todesursache nicht die Grippe, sondern die Geschlechtskrankheit Syphilis war.

Seine Grabstätte befindet sich in der Albert Memorial Chapel auf Windsor Castle.

Prinz Georg, sein jüngerer Bruder, trat an Albert Victors Stelle als präsumtiver Thronfolger und bestieg im Jahre 1910 als Georg V. den Thron. Auf Wunsch Königin Victorias heiratete er 1893 Maria von Teck.

Titel und Wappen[Bearbeiten]

Prinz Albert Victor's Wappen
  • 8. Januar 1864 – 24. Mai 1890: His Royal Highness Prince Albert Victor of Wales
  • 24. Mai 1890 – 14. Januar 1892: His Royal Highness Prince Albert Victor The Duke of Clarence and Avondale, Earl of Athlone

Sonstiges[Bearbeiten]

Seit 1962 wird er immer wieder in Verbindung mit den Jack-the-Ripper-Morden genannt. Protokolle belegen jedoch, dass er sich während der fraglichen Tatzeiten überhaupt nicht in London aufhielt und somit aus dem Kreis der Verdächtigen ausscheidet.

In der Graphic Novel From Hell (sowie deren Verfilmung) von Alan Moore und Eddie Campbell ist seine Beziehung zu einer Bürgerlichen der Auslöser der Ripper-Morde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Donald Spoto: Die Windsors. 200 Jahre Skandale und Affären. Erweiterte Taschenbuchausgabe. Heyne Verlag, München 1997, ISBN 3-453-13186-X, (Heyne-Bücher 19, 565).
  • Hendrik Püstow, Thomas Schachner: Jack the Ripper. Anatomie einer Legende. Militzke Verlag, Leipzig 2006, ISBN 3-86189-753-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Albert Victor, Duke of Clarence and Avondale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien