Albtrauf

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Albtrauf nahe dem Backofenfelsen mit Burg Hohenzollern im Hintergrund
Trauf von der Burg Hohenneuffen (743,3 m) mit Burg Teck (mittlere Alb)

Albtrauf bezeichnet den nordwestlich ausgerichteten Steilabfall der in Baden-Württemberg und Bayern gelegenen Schwäbischen Alb. Im Albbereich ist er der markanteste und in mehrere Schichtstufen untergliederte Stufenhang des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes und verläuft etwa von Südwest nach Nordost.

Seine geologische Fortsetzung findet der Albtrauf im Nordosten im Stufenhang der Fränkischen Alb und im Südwesten und Westen in den Jura-Stufenhängen von Baaralb, Hegaualb, Randen, Klettgau, Aargau sowie des Tafeljura um Basel, der Ajoie und des Französischen Schichtstufenlandes.

In Geologie und Geomorphologie bedeutet Trauf allerdings lediglich die Kante im Schneiden von Stufenhang und Stufenfläche (nicht ausgebildet bei Walmstufen).

Geographischer Verlauf[Bearbeiten]

Wie die gesamte Alb verläuft auch der Albtrauf etwa von Südwesten nach Nordosten und folgt annähernd der Linie DonaueschingenLembergBalingenReutlingenKirchheim unter TeckGingen an der FilsUnterkochen. Im Detail ist er durch viele tief erodierte Täler stark zergliedert.

Die vorragenden Zeugenberge tragen bekannte, weithin sichtbare Burgen wie die Burg Hohenzollern, die Burg Hohenneuffen oder die Burg Teck. Wichtige Verkehrswege vom Albvorland auf den Albtrauf werden Albaufstiege genannt, von denen die Geislinger Steige der bekannteste ist.

Geologie[Bearbeiten]

Am Aufbau des Albtraufs sind Gesteine des oberen Braunjuras sowie des unteren und mittleren Weißjuras beteiligt. Als Fundament dieses Schichtenpakets – somit als oberste, vielfach nur schwach ausgeprägte Stufe des Albvorlands – fungieren die härteren Schichten des Braunjuras in regional unterschiedlicher Form: Sandflaserschichten (Quenstedtsche Gliederung B β) in der Ostalb, Blaukalke (B γ) in der mittleren Alb, oolithische Kalkmergel (B δ) in der Westalb. Den unteren Abschnitt des Stufenhangs nehmen die nachfolgenden, bis zum abschließenden Ornatenton als Tongesteine ausgebildeten Braunjuraschichten ein; darauf folgen als erste Weißjuraschicht die ebenfalls weichen Kalkmergel (W α). Als Stufenbildner geeignete harte Kalksteine finden sich zum einen im W β (in der Westalb als Riffkalke, ansonsten als mauerartige Wohlgeschichtete Kalk-Formation), zum anderen im W δ (Riffkalke kommen im gesamten Gebiet vor, in den jüngeren Schichten vermehrt), dazwischen ist wiederum ein Mergelkomplex (W γ) eingeschaltet.

Geomorphologie[Bearbeiten]

Albtrauf, von Tübingen aus gesehen
Albtrauf vom Irrenberg mit Burg Hohenzollern und Heiligenkopf

Die mittlere Neigung des Albtraufs beträgt rund 35 Grad. Im Bereich des Ermstals sowie bei Balingen erreicht er eine durchschnittliche Höhe von fast 400 m ü. NHN. Die Traufkante liegt im Südwesten auf rund 1000 m, im Nordosten auf rund 650 m Höhe.

In der Ostalb und Teilen der mittleren Alb (bis zum Raum Bad Urach) erscheint der W β nicht als Stufenbildner, sondern allenfalls als Geländeknick im Stufenhang, der in einem Zug bis zur W δ-Kante ansteigt. Im Bereich Reutlingen bis Mössingen sind W β- und (die rund 100 m hohe) W δ-Stufe deutlich ausgeprägt. Weiter westlich bildet der W β sowohl die Stirn des Albtraufs als auch eine anschließende, mehrere Kilometer breite Stufenfläche; die W δ-Stufe (mit vorgelagerten Zeugenbergen, z. B. Kornbühl) tritt weiter zurück.

Durch rückschreitende Erosion weicht der Albtrauf (wie seit Jahrmillionen) im Durchschnitt jedes Jahr um wenige Millimeter nach Südosten zurück, was den stark zerlappten und gebuchteten Verlauf erklärt. Auch Rutschungen und Bergstürze tragen zu diesem Prozess bei. Zum Formenschatz zählen Stufenrandbuchten, Stirnseitentäler, Vorsprünge, Sporne, Auslieger und Zeugenberge. Zu den bekanntesten Zeugenbergen ohne Stufenfläche gehören von Nordost nach Südwest Ipf, Hohenstaufen, Achalm und Hohenzollern (Zoller). Zu den eindrücklichsten Zeugenbergen mit Stufenfläche zählen Kaltes Feld, Michelsberg, Farrenberg, das Plateau von Burgfelden (Böllat-Heersberg) und Plettenberg.

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Vegetation besteht hauptsächlich aus Kalkbuchenwald, vereinzelt (z. B. auf dem Jusi) findet man auch die für die Hochfläche der Schwäbischen Alb typischen Wacholderheiden, die in der Regel unter Naturschutz stehen. Im Bereich der Hohen Schwabenalb sind durch standortuntypische forstliche Nutzung auch Fichten- und Tannenwälder zu finden. Charakteristisch sind auch die allenthalben aus dem Wald hervortretenden weißen Felsnasen aus Riffkalk. Wegen der aus einiger Entfernung zu beobachtenden blassblauen Schimmerung wurde der Albtrauf poetisch „Blaue Mauer“ getauft. Der Begriff wurde von Eduard Mörike geprägt.

Der Schwäbische-Alb-Nordrand-Weg (Hauptwanderweg 1, HW 1) des Schwäbischen Albvereins erschließt den Albtrauf von Donauwörth bis Tuttlingen.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Blick vom Wackerstein (825,9 m) südlich von Reutlingen mit Zeugenbergen: Links Scheibenbergle, in Bildmitte Gaisbühl und Georgenberg, rechts im Norden Pfullingen und Reutlingen mit Scheibengipfel und Achalm
Blick vom Hangenden Stein (922,9 m) am Albtrauf nördlich von Onstmettingen über den Dreifürstenstein, Jungingen und den Himberg

Literatur[Bearbeiten]

  • Reiner Enkelmann, Dieter Ruoff, Wolfgang Wohnhas: Der Albtrauf. Natur und Kultur zwischen Ries und Randen. Silberburg-Verlag, Tübingen und Lahr/Schwarzwald 2010. ISBN 978-3-87407-892-4
  • Otto F. Geyer und Manfred P. Gwinner: Einführung in die Geologie von Baden-Württemberg. Stuttgart 1964, S. 60ff. und S. 148ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Albtrauf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien