Arabische Literatur

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Arabische Literatur im engeren Sinn ist Literatur in arabischer Sprache. Im weiteren Sinn versteht man darunter auch Literatur von arabischen Autoren, in welcher Sprache auch immer das Original verfasst wurde. Zum einen schreiben etliche bedeutende arabische Autoren in anderen Sprachen als Arabisch, sei es, dass sie die Sprache des ehemaligen Koloniallandes benutzen, wie es im Maghreb häufig vorkommt, sei es, dass sie im Exil leben und die Sprache des Exillandes bevorzugen. Zum anderen gab es gerade in der Frühzeit des Islam wichtige Autoren nicht-arabischen Ursprungs, die Arabisch als Literatursprache wählten.

In der arabischen Literaturgeschichte sind die folgenden fünf Epochen von Bedeutung:

  • die altarabische oder vorislamische Epoche (um 475 bis 622)
  • die Epoche der orthodoxen Kalifen und der Omaijaden (622–750)
  • die Epoche der Abbasiden (749–1258)
  • die Epoche der Dekadenz (1258–1798)
  • die Epoche seit Napoleons Ägyptischer Expedition (von 1798 bis heute)

Vorislamische Zeit[Bearbeiten]

Aus der vorislamischen Zeit ist nur weniges direkt erhalten. Die meisten Werke sind mündlich überliefert und wurden, obwohl ihre Entstehung bis ins 5. Jahrhundert zurückreicht, erst Ende des 8. Jahrhunderts – also um die 300 Jahre später – niedergeschrieben.

Poesie[Bearbeiten]

Einen besonderen Stellenwert nahm die lyrische Dichtung ein. Die ältesten Denkmäler sind in der traditionellen Gedichtform, die Qaside (eingedeutscht auch: Kasside), verfasst. Darunter versteht man ein polythematisches Gedicht mit gleich bleibendem Metrum und Endreim. Diese Gedichtform blieb bis in die Moderne für die arabische Lyrik bestimmend. Besonders verbreitet waren in dieser Zeit: Liebesgedichte, Traueroden (die meist Frauen auf den Tod ihrer im Kampf gefallenen Verwandten dichteten, nicht jedoch auf ihre eigenen Ehemänner), Lobgedichte (auf Waffen, gute Reittiere etc.) und Schmähgedichte, die z.B. einen feindlichen Beduinenstamm mit Spott übergossen.
Zu den berühmtesten Dichtern dieser Epoche zählt Imru' al-Qais († um 540). Ihm wird eines der sieben Gedichte aus der hochgeschätzten Sammlung Al Muallakat zugeschrieben: Der Legende nach standen diese auf Tüchern, die vor dem Tor der Ka'aba aufgehängt waren, weshalb sie auch al-Mu'allakat (die Aufgehängten) genannt wurden. Ein weiteres Gedicht dieser Sammlung stammt von dem berühmten Helden Antara Ibn Shaddad al-'Absi († um 615). Weitere bekannte Dichter dieser Zeit sind Tarafa († um 569) und An Nabigha († um 684).

Prosa[Bearbeiten]

Von der Prosa sind die Tage der Araber zu nennen, die wichtige Kämpfe zwischen rivalisierenden Beduinenstämmen schildern.

Islamische Zeit außer der Moderne[Bearbeiten]

Der Koran ist durchgängig in Reimprosa gestaltet und eines der ältesten erhaltenen Werke der arabischen Literatur. Zitate aus dem Koran oder Anspielungen auf den Koran durchziehen die arabische Literatur bis heute.

Schon zur Zeit des Kalifats der Umayyaden nahm das Lobgedicht auf hochgestellte Persönlichkeiten bei Hofe und das Schmähgedicht auf den Gegner einen wichtige Rolle ein. Die beiden Dichter Farazdaq (640–728) und al-Dschabir (653–729) verspotteten sich gegenseitig jahrzehntelang auf die bissigste Weise. Die Legende sagt, dass al-Dschabir aus Kummer starb, als er vom Tode seines Dichtergegners erfuhr. Zu den berühmtesten Dichtern von Lobgedichten einer späteren Zeit gehört al-Mutanabbi (915–965), der einen ehemaligen Gönner auch kräftig schmähen konnte, wenn er von ihm enttäuscht worden war und inzwischen einen großzügigeren Mäzen gefunden hatte. Ghasalen sind arabische Liebesgedichte. Immer wieder wurde die unglückliche Liebe von Laila und Madschnun besungen, die rivalisierenden Stämmen angehörten und darum nicht heiraten konnten.

Einer der wichtigsten Vertreter der Adab-Literatur ist Amr Ibn Bachr Uthman, genannt al-Dschahiz (i. e. der Glotzäugige) (776–869), der Enkel eines schwarzen Sklaven. Er war für seine Belesenheit, seinen Bildungshunger und seine sprichwörtliche Hässlichkeit berühmt. Al-Dschahiz schrieb in einem eleganten Stil und hatte eine scharfe Zunge. Man sagt, dass er seinen Tod unter einem umgestürzten Bücherstapel gefunden habe. Zu einem Büchernarren sagt man noch heute: „Du bist wie al-Dschahiz.“ Zu seinen bekanntesten Werken zählt die Anekdotensammlung Die Geizigen, in der er allzu sparsame Menschen ins Lächerliche zieht.

Ein weiteres bedeutendes Werk der klassischen Literatur ist die Fabelsammlung Kalīla wa Dimna, die der Perser Ibn al-Mukaffa (hingerichtet 755 oder 756) aus dem Mittelpersischen in makelloses Arabisch übertrug und dabei noch erweiterte. Diese Sammlung geht im Kern auf das indische Panchatantra zurück.

Nicht zur Hochliteratur gehört dagegen die weltbekannte Sammlung Tausendundeine Nacht, die zunächst vor allem in Kaffeehäusern von professionellen Erzählern zur Unterhaltung der männlichen Gäste vorgetragen wurde. Erst durch ihre begeisterte Aufnahme in Europa wird Tausendundeine Nacht heute auch in arabischen Ländern als literarisch wertvoll angesehen.

Die Makamen des Hariri sind in kunstvoller Reimprosa abgefasste Stücke über kluge Bettler, Betrüger und arme Dichter. Das Hauptwerk von Hariri (1054–1122) gehört zur höfischen Unterhaltungsliteratur und ist eine Nachahmung des Vorbilds von al Hamadhani.

Wissenschaftliche Literatur[Bearbeiten]

Einen bedeutenden Betrag hat die arabische wissenschaftliche Literatur geleistet, indem sie die gesammelte griechische Fachliteratur über die Wirren der Völkerwanderung gerettet, überarbeitet und erweitert hat sowie die Verbindung zur indischen und chinesischen Forschungstradition herstellte. Ein Gutteil der Arbeit mittelalterlicher europäischer Wissenschaftler beruht auf Übersetzungen aus dem Arabischen, insbesondere in der Astronomie, der Mathematik und der Chemie.

Siehe hierzu:

Zeitgenössische Arabische Literatur[Bearbeiten]

Die arabische Welt als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse[Bearbeiten]

Arabische Literatur war Schwerpunktthema der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2004. Über den arabischen Schriftstellerverband sind an den Zensurbehörden der arabischen Staatenwelt vorbei nicht nur regimetreue „Staatsschriftsteller“ eingeladen worden. Unabhängig davon luden in Deutschland sowie im übrigen Europa ansässige Verlage die von ihnen vertretenen Autoren ein.

Anlässlich des Ehrengast-Auftritts der arabischen Welt auf der Frankfurter Buchmesse wurde eine Liste arabischer Literatur in deutscher Übersetzung aufgestellt, die über die Webseite des Ehrengast-Auftritts abgerufen werden kann.

Buchmarkt-Strukturen[Bearbeiten]

In arabischen Ländern begann der Buchdruck in arabischer Sprache Anfang des 18. Jahrhunderts mit religiösen Traktaten christlicher Gemeinden im Gebiet des heutigen Syriens und des heutigen Libanons. Einen Aufschwung nahm der Buchdruck jedoch erst Anfang des 19. Jahrhunderts, ausgelöst von einer Druckerpresse, die Napoleon bei seinem Einmarsch in Ägypten dabei hatte.

Auch heute noch liegt der Schwerpunkt der arabischen Verlagstätigkeit im Libanon und in Ägypten. Wegen der relativ liberalen Gesetzgebung im Libanon werden hier viele Bücher veröffentlicht, die in anderen arabischen Ländern durch die Zensur verboten wären. Probleme für die Buchbranche bestehen nicht nur in der Zensur, sondern auch in dem noch immer verbreiteten Analphabetismus und der Tatsache, dass sich ärmere Bevölkerungsschichten keine Bücher leisten können. Daher sind die Auflagen arabischer Literatur oft sehr niedrig.

Ins Deutsche übersetzt wurden bisher nur wenige arabische Autoren. Subventionen der Verlage und Übersetzer sind dabei nötig, denn arabische Belletristik in deutscher Übersetzung findet nur wenige Leser.

Für die Übersetzung von Belletristik aus dem Arabischen sind im deutschen Sprachraum der Lenos Verlag und der Unionsverlag marktführend. Interessante Entdeckungen kann man aber auch bei den Verlagen Donata Kinzelbach, Edition Orient, Hans Schiler,Lisan Verlag, Jadara Verlag und Ammann machen. Einige dieser Verlage führen zweisprachige arabisch-deutsche Ausgaben.

Europa besitzt eine herausgehobene Bedeutung für die arabische Literatur, weil hier Bücher veröffentlicht werden können, die in vielen arabischen Staaten der Zensur zum Opfer fallen würden. Ein Beispiel eines arabischen Verlags mit Sitz in Deutschland ist der in Köln ansässige Verlag Al-Kamel des irakischen Verlegers und Dichters Khalid Al-Maaly.

Die Neue Zürcher Zeitung enthält öfter Besprechungen arabischer Literatur.

Aktuelle Informationen zur modernen arabischen Literatur bietet die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika.

Arabische Dichter und Schriftsteller[Bearbeiten]

Ägypten[Bearbeiten]

Algerien[Bearbeiten]

Bahrain[Bearbeiten]

Irak[Bearbeiten]

Jordanien[Bearbeiten]

Libanon[Bearbeiten]

Marokko[Bearbeiten]

Palästina[Bearbeiten]

Saudi-Arabien und Jordanien[Bearbeiten]

Sudan[Bearbeiten]

Syrien[Bearbeiten]

Tunesien[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Khalid Al-Maaly, Mona Naggar: Lexikon arabischer Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts. Palmyra Verlag, Heidelberg 2004, ISBN 3-930378-55-8.
  • Petra Dünges: Kinder- und Jugendliteratur aus arabischen Ländern – Eine Einführung. In: Internationale Jugendbibliothek. Report. Bd. 22, Nr. 1, 2004, ISSN 1013-0071, S. 18–21.
  • Manar Omar: Bibliografie der deutschen Übersetzungen arabischsprachiger Werke. Von 1990 bis 2004. M. Omar, Kairo 2004.
  • Paul Starkey: Modern Arabic Literature. Edinburgh University Press, Edinburgh 2006, ISBN 0-7486-1290-4.
  • Suleman Taufiq (Hrsg. und Übersetzer): Frauen in der arabischen Welt (= dtv 13261). Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 2004, ISBN 3-423-13261-2 (Anthologie).
  • Suleman Taufiq (Hrsg. und Übersetzer): Arabische Erzählungen (= dtv 13263). Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 2004, ISBN 3-423-13263-9 (Anthologie).
  • Suleman Taufiq (Hrsg. und Übersetzer): Neue arabische Lyrik (= dtv 13262). Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 2004, ISBN 3-423-13262-0 (Anthologie).
  • Wiebke Walther: Kleine Geschichte der arabischen Literatur. Von der vorislamischen Zeit bis zur Gegenwart. C. H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-52243-2.
  • Stefan Weidner: Erlesener Orient. Ein Führer durch die Literaturen der islamischen Welt. Edition Selene, Wien 2004, ISBN 3-85266-239-7.
  • Stefan Weidner (Hrsg. und Übersetzer): Die Farbe der Ferne. Moderne arabische Dichtung C. H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-45860-2 (Anthologie).

Weblinks[Bearbeiten]

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