Autobahn-Behelfsflugplatz

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A 29 eingerichtet als Behelfsflugplatz während der NATO-Übung „Highway 84“
(Ehemaliger) Notlandeplatz III/4 auf der A 44 zwischen den Anschlussstellen Büren und Geseke

Ein Autobahn-Behelfsflugplatz ist ein Autobahnstück, das in relativ kurzer Zeit in einen Flugplatz umgewandelt werden kann, von dem aus unter anderem militärische Flugzeuge starten und landen können.

In der Bundesrepublik Deutschland lautet die offizielle Bezeichnung Notlandeplatz (NLP). In der Deutschen Demokratischen Republik wurde der Begriff Autobahn-Abschnitt (ABA) verwendet.

Deutschland[Bearbeiten]

Charakteristika[Bearbeiten]

Ein Autobahn-Behelfsflugplatz ist durchschnittlich etwa drei Kilometer lang und durch einen geraden, ebenen Fahrbahnverlauf ohne Überführungen gekennzeichnet. Der Mittelstreifen ist meist betoniert oder asphaltiert und die Mittelleitplanke leicht demontierbar. Damit steht die volle Breite der Autobahntrasse als Start- oder Landebahn zur Verfügung.

Auch Hochspannungsleitungen unterqueren in diesem Bereich die Autobahn als Erdkabel oder sind in weitem Bereich um den Autobahn-Landeplatz herumgeführt. Häufig sind die Freileitungsmasten in auffällig niedriger Bauweise ausgeführt und als Luftverkehrshindernisse mit einem rot-weißen Anstrich gekennzeichnet.

An den beiden Enden eines Autobahn-Behelfsflugplatzes befinden sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite jeweils ein trapezförmig angelegter Parkplatz, auf dem Flugzeuge abgestellt werden können. Die Landeplätze haben dazu an mindestens einer Seite eine Anschlussstelle an eine Bundes- oder große Landesstraße, um den Verkehr abfließen zu lassen und den notwendigen Nachschub heranführen zu können.

Zu Zeiten des Kalten Krieges wäre im Krisenfall ein solcher Behelfsflugplatz innerhalb von etwa 24 Stunden einsatzbereit gewesen, da alles vorbereitet war und nur noch aufgebaut werden musste. Ein mobiler Tower, mobiles Radar usw. wurden in der Nähe vorgehalten. Für Tower, Radar und andere erforderliche Geräte war meistens auf der Hälfte der Landebahn eine Betonfläche mit Zufahrt vorbereitet oder einfach eine größere ebene Fläche, ebenfalls mit Zufahrt, vorhanden.

Der Autobahn-Behelfsflugplatz auf der A 29 beim Kreuz Ahlhorn wurde beispielsweise 1984 im Rahmen der NATO-Übung Highway 84 für 48 Stunden in Betrieb genommen, in der Zeit starteten und landeten dort unter anderem Maschinen des Typs Transall, F4-Phantom, Tornado und Thunderbolt II.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Behelfsflugplatz an einer Reichsautobahn 1945

Die ersten Autobahnlandebahnen kamen in den späten Jahren des Zweiten Weltkriegs auf, als viele reguläre Flugplätze und Flughäfen von Bombern zerstört worden waren. Im Kalten Krieg wurden Autobahn-Behelfsflugplätze in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR weiter unterhalten, bereitgestellt oder neue eingerichtet. Auch die Schweizer Armee nutzte solche Autobahnteilstücke. So wurden zuweilen die ursprünglich zivilen Autobahnplanungen abgeändert, um einen Behelfsflugplatz einrichten zu können. Seit dem Ende des Kalten Krieges werden die meisten Landeplätze nicht mehr gepflegt und verschwinden nach und nach.

Die Ramstein Air Base entstand aus einem Autobahnlandeplatz der deutschen Luftwaffe, der auf der Reichsautobahn Kaiserslautern–Saarbrücken in der Ortslage von Ramstein eingerichtet worden war. Dieser wurde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges von den vorrückenden amerikanischen Streitkräften erobert und über die Jahre zum wichtigsten europäischen Stützpunkt für den Lufttransport der US-Streitkräfte ausgebaut. Heute verläuft die Autobahn von Kaiserslautern nach Saarbrücken zwischen der Anschlussstelle Kaiserslautern-Einsiedlerhof und dem Kreuz Landstuhl in einem großzügigen südlichen Bogen um die Air Base. Weite Teile der alten Reichsautobahn-Trasse sind noch erhalten und werden als Zufahrt zur Airbase genutzt; der Verlauf der alten Strecke lässt sich in Luftbildern sehr gut nachvollziehen.

Beispielsweise nutzte die B&V Flugzeugwerft Wenzendorf in den letzten Kriegsjahren die angrenzende Reichsstraße 3 (heute B 3) als Start- und Landepiste und den Wald daneben zur Tarnung seines Jagdschutzes.

Autobahn-Behelfslandeplätze[Bearbeiten]

Autobahn-Behelfsflugplatz (Deutschland)
Ladbergen-Lengerich
Vechta – Lohne-Dinklage
Lohne-Dinklage – Holdorf
Greven – Münster Nord
Greven – Münster Nord
Delmenhorst-Süd – Wildeshausen-Nord
Sittensen – Heidenau
Ottendorf-Okrilla – Pulsnitz
Kirchardt – Sinsheim-Steinsfurt
Kirchberg – Crailsheim
Kirchberg – Crailsheim
Tarp – Schleswig/Schuby
Tarp – Schleswig/Schuby
Schleswig/Jagel – Owschlag
Schleswig/Jagel – Owschlag
Dessau-Süd – Zörbig
Dr. Havelland – Falkensee
Dr. Havelland – Falkensee
Storkow – Friedersdorf
Storkow – Friedersdorf
Ruhland – Ortrand
Strocken
Forst – Bademeusel
Forst – Bademeusel
Kessin – Kavelstorf
Neuruppin – Herzsprung
Nordholz – Neuenwalde
Nordholz – Neuenwalde
Uthlede – Hagen
Großenkneten – Ahlhorn
Nottuln – Dülmen Nord
Büren – Geseke
Büren – Geseke
Alpen – Sonsbeck
Alpen – Sonsbeck
Meckenheim – Bad Neuenahr-Ahrweiler
Meckenheim – Bad Neuenahr-Ahrweiler
Bad Kreuznach – Gau-Bickelheim
Bad Kreuznach – Gau-Bickelheim
Osterburken – Möckmühl
Osterburken – Möckmühl
Oberndorf – Rottweil
Oberndorf – Rottweil
Übersichtskarte Bundesautobahnen in Deutschland mit Behelfslandeplätzen
Grüner Punkt in Funktion
Roter Punkt zurückgebaut (in der Karte ohne Beschriftung, nur mouse-roll-over)

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich wurden Landungen mit Kampfflugzeugen und Flächenflugzeugen auf Autobahnen und Schnellstraßen im inneralpinen Bereich letztmals Ende 1986 geübt. Zahlreiche Landeplätze, die im alpinen Gelände leicht an der ungewöhnlich geraden Linienführung erkennbar sind, wurden mittlerweile überbaut. Im Lawinen-Winter 1999 landeten die Hubschrauber, die Eingeschlossene aus Galtür evakuierten, auf einem als Behelfsflugplatz vorgesehenen Autobahnteilstück bei Imst. Ein Behelfsflugplatz in Österreich zum Zwecke der Militärluftfahrt befindet sich neben dem Militärflugplatz im steirischen Zeltweg (LOXZ) auf der Murtalschnellstraße (S36) zwischen Spielberg und Zeltweg. Die dortige Behelfslandebahn beginnt in Fahrtrichtung Wien bei StrKM 33,500 und endet bei StrKM 36,750. Zusätzlich verfügt die Ersatzlandebahn Zeltweg/S36 über eine direkte Taxiway-Anbindung an die Hangargebäude am Militärflugplatz.

Schweiz[Bearbeiten]

Zur Situation in der Schweiz siehe:

Polen[Bearbeiten]

Östlich von Stettin gibt es das DOL Kliniska bei 53° 26′ N, 14° 48′ O53.42694444444414.805833333333.

Tschechien[Bearbeiten]

Měřín Highway Strip[2]: Auf der Autobahn D1 (Praha - Brno) befindet sich zwischen Kilometer 137 und 139, auf Höhe der Ortschaft Stránecká Zhoř, ein intakter Behelfsflugplatz von 2.500 m Länge (11/29) zwischen den zivil genutzten Abstellplätzen (Raststätte, Schnellrestaurant). Die Unterführung einer nachrangigen Straße unter der Autobahn / Landebahn misst lotrecht 49 m Breite (statt hier üblicher RQ27) (49° 23′ N, 15° 56′ O49.38246722222215.934330222222). Bei Kilometer 139 existiert auf der Nordseite (Richtung Prag) ein zivil ungenutzter Abstellplatz von 160 x 30 Meter. Statt Mittelleitplanken sind Stahlseile gespannt

Nördlich von Vyškov (49° 18′ N, 17° 2′ O49.29994187222217.026491165278) befindet sich eine etwa drei Kilometer lange Landebahn neben der E 462 mit breiten Einfahrten und Bodenmarkierungen. Etwa 500 Meter westlich der Schnellstraße R 46 stehen im Muzeum letecké a vojenské techniky (Museum für Flug- und Militärtechnik) ausgemusterte Kampfjets.

Bulgarien[Bearbeiten]

Zwischen den Ortschaften Borovan und Bjala Slatina ist die Fernstraße Nr. 13 von zwei auf fünf Spuren verbreitert. Am Ende der 2 Kilometer langen Landebahn befinden sich etwa zehn Splitterboxen für Kampfflugzeuge. Die Anlage ist schon seit vielen Jahren ungenutzt und stark überwuchert.

Schweden[Bearbeiten]

Auch in Schweden gibt es mehrere Straßenabschnitte, die über das ganze Land verteilt als behelfsmäßige Flugplätze dienen können. In der Zeit des Kalten Krieges war dies als Sicherheitsmaßnahme gedacht, damit die schwedische Luftwaffe ausweichen könnte, wenn die Hauptflugplätze angegriffen werden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Highway strips – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Behelfsflugplatz auf der Autobahn. spiegel.de, abgerufen am 7. September 2013.
  2. Měřín Highway Strip bei Military Airfield Directory - Flugplätze im Kalten Krieg; abgerufen am 19. Januar 2014