Großenkneten

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Großenkneten
Großenkneten
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Großenkneten hervorgehoben
52.958.266666666666737Koordinaten: 52° 57′ N, 8° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Oldenburg
Höhe: 37 m ü. NHN
Fläche: 176,17 km²
Einwohner: 14.106 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 80 Einwohner je km²
Postleitzahl: 26197
Vorwahlen: 04435, 04487, 04433, 04407
Kfz-Kennzeichen: OL
Gemeindeschlüssel: 03 4 58 007
Gemeindegliederung: 20 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Markt 1
26197 Großenkneten
Webpräsenz: www.grossenkneten.de
Bürgermeister: Thorsten Schmidtke [2] (SPD)
Lage der Gemeinde Großenkneten im Landkreis Oldenburg
Landkreis Oldenburg Niedersachsen Landkreis Vechta Landkreis Diepholz Delmenhorst Bremen Landkreis Cloppenburg Landkreis Ammerland Oldenburg (Oldenburg) Landkreis Wesermarsch Colnrade Winkelstett Wildeshausen Großenkneten Prinzhöfte Beckeln Dötlingen Wardenburg Hatten Harpstedt Hude Ganderkesee Dünsen Kirchseelte Groß IppenerKarte
Über dieses Bild
Gemeinderatswahl 2011[3]
Wahlbeteiligung: 60,47 % (2006: 62,10 %)
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Gewinne und Verluste
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Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d Kommunale Alternative
e Carsten Grallert
f Henrik Abeln

Großenkneten ist eine Gemeinde im Landkreis Oldenburg in Niedersachsen.

Lage[Bearbeiten]

Großenkneten liegt zwischen den Flüssen Hunte und Lethe und wird physiogeografisch der Cloppenburger Geest zugeordnet. Der Ort liegt im Naturpark Wildeshauser Geest. Er besteht unter anderem aus den Gemeindeteilen Ahlhorn, Huntlosen, Sage, Döhlen und Großenkneten und wird, stark agrarisch geprägt, zunehmend von Pendlern (v.a. nach Oldenburg) als Wohnort gewählt.

Die in einem ausgedehnten Waldstück gelegenen Ahlhorner Fischteiche, deren Ufer auch dem Rohrkolben (auch Narrenkolben, Lampenputzer, Trommelschlegel genannt) eine Heimat bieten, sowie zahlreiche über das Gemeindegebiet verstreute Hünengräber sind besonders sehenswert. Auffällig ist die relativ große Anzahl erhaltener Schafkoben auf dem Gebiet der Gemeinde Großenkneten, auf deren Heideflächen die Schafzucht früher eine große Rolle spielte.[4]

Ortsteile[Bearbeiten]

Evangelisch-lutherische Kirche in Großenkneten

Großenkneten besteht aus den 20 Ortsteilen (Einwohnerzahl der Ortsteile, Stand 1. Dezember 2011, in Klammern) Ahlhorn (6.441), Amelhausen (120), Bakenhus (48), Bissel (319), Döhlen (461), Großenkneten (2.637), Hagel (32), Halenhorst (237), Haschenbrok (79), Hengstlage (136), Hespenbusch-Pallast (78), Hosüne (569), Huntlosen (1.831), Husum (60), Regente (k.A), Sage (623), Sage-Haast (290), Sannum (217), Steinloge (128), Westrittrum (106).

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: Das Wappen ist in Blau und Gold geteilt und zeigt oben eine goldene Getreidegarbe von zwei silbernen Ästen begleitet, unten ein rotes Hünengrab.

Geschichte[Bearbeiten]

Besiedelt war das Gebiet der heutigen Gemeinde Großenkneten bereits zur Zeit des Neolithikums (8.000 - 2.000 v. Chr.). Aus dieser Zeit sind im Gemeindegebiet sogenannte Hünengräber der Megalithkultur erhalten. Zu nennen sind etwa das Großsteingrab Bakenhus zwischen Ahlhorn und Großenkneten, das Hügelgrab Huntlosen südöstlich von Huntlosen, das Großsteingrab Wittenhöge westlich von Huntlosen und das Hügelgräberfeld Hespenbusch östlich von Großenkneten. Weitere Hünengräber wurden entweder zerstört oder liegen auf Privatgrundstücken.

Nachdem ab 780 n. Chr. von Karl dem Großen (* wahrscheinlich 2. April 747 oder 748; † 28. Januar 814 in Aachen) neun Missionssprengel zur Christianisierung der unterworfenen Sachsen errichtet worden waren, wurden von der Missionszelle Visbek aus durch Abt Gerbert Castus die ersten Kirchengemeinden in der Umgebung gegründet.[5] Zu diesen zählte im Lerigau die Pfarrkirche Großenkneten. [6]

Die Ortschaften wie Großenkneten, Huntlosen, Döhlen und Sage wurden bereits im 9. Jahrhundert urkundlich erwähnt. 1933 wurde die damalige Gemeinde Huntlosen in die Gemeinde Großenkneten eingegliedert. Dadurch erhält Großenkneten seine heutige Ausdehnung.

Um 1400 wurde das Gut Lethe errichtet, dessen Ländereien sich beiderseits der Lethe, also zum Teil auch auf das Gebiet der Gemeinde Emstek im Landkreis Cloppenburg erstrecken. Das Herrenhaus wurde zunächst am linken Letheufer platziert, um 1900 aber am rechten (Ahlhorner) Ufer neu gebaut.[7]

Während des Ersten Weltkrieges wurde im Bereich des heutigen Ortsteils Ahlhorn für die Kaiserliche Marine ab 1916 einer der größten Militärluftschiffhäfen eingerichtet. Auf dem Luftschiffhafen Ahlhorn gab es sechs große Luftschiffhallen, die im Januar 1918 durch ein Explosionsunglück teilweise zerstört wurden. Das Areal des ehemaligen Luftschiffhafens wurde bis 2006 militärisch genutzt.[8]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Ortsteil Sage ein britischer Ehrenfriedhof für Kriegsgefallene aus Commonwealth-Staaten errichtet, der Sage War Cemetery.

Auf dem Buhlertsberg im Zentrum der Ahlhorner Fischteiche steht das Ahlhorner Blockhaus, seit 1946 ein evangelisches Jugendheim. Baubeginn war 1934, 1937 wurde es zum Gaukameradschaftsheim erweitert und 1945 sogar als Strafgefangenenlager der Britischen Armee genutzt. 1946 wurde das Blockhaus von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg übernommen. Es wird seitdem vorrangig als Jugendbegegnungsstätte geführt. Allerdings hat sich die Einrichtung in den vergangenen Jahren vermehrt für informelle Gruppen und Einzelreisende geöffnet.

Das Ahlhorner Jugendwaldheim (JWH), ein außerschulischer Standort in der Umweltbildung, liegt in der Nähe des Blockhauses zwischen mehreren Ahlhorner Teichen.[9]

Zwischen 1952 und 1957 betrieb Karl Poggensee und der von ihm gegründete Verein DAFRA (= Deutsche Arbeitsgesellschaft für Raketenangelegenheiten) nahe dem Gehöft Hespenbusch einen Startplatz für kleine Versuchsraketen mit einer Gipfelhöhe von einigen Kilometern. 1957 wurde das zur Verfügung stehende Areal zu klein und die Startaktivitäten nach Cuxhaven verlegt.

Erdgasaufbereitungsanlage

Im Gemeindeteil Sage befindet sich eine der weltgrößten, modernsten und umweltfreundlichsten Erdgasaufbereitungsanlagen. Hier wird das in Norddeutschland häufig vorkommende Sauergas gereinigt, indem der Schwefelwasserstoff entzogen wird. Betrieben wird sie von der Firma Exxon Mobil.

Das Cover des erfolgreichen Musikalbums Trio zeigt großflächig die Großenknetener Privatanschrift der Interpreten und machte so den Ort überregional bekannt

Anfang der 1980er Jahre wurde der Ort überregional bekannt, als die ortsansässige Musikgruppe Trio auf ihre erste LP ihre Privatadresse in der Regenter Siedlung in Großenkneten druckte (siehe Abbildung links).

Trinkwasser-Lehrpfad des OOWV in Bakenhus

Im Jahr 1997 kaufte der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) den Biohof in Bakenhus. Hier werden Möglichkeiten zum Grund- und Trinkwasserschutz erforscht, angewandt und Besuchergruppen vermittelt. Der Biohof Bakenhus bewirtschaftet im Wasserschutzgebiet Großenkneten ca. 130 ha. Weide bzw. Mähgrünland und baut auf ca. 60 ha Getreide an. Sehenswert sind die ca. 200 Rinder der Rasse Aberdeen Angus auf dem Gelände des Biohofs.[10]

Meteoriteneinschlag in Bissel: Am 10. September 1930 um 14:15 Uhr schlug im Ortsteil Bissel ein Meteorit ein. Er ist ein Teil des Meteoriten „Oldenburg“, der in etwa 4 km Höhe oberhalb der Ortschaft Döhlen in mindestens zwei Hauptteile zerbrach, die in Bissel und Beverbruch (Gemeinde Garrel) niedergingen. Das Fragment 'Bissel' mit einem Gewicht von 4,84 kg befindet sich heute im Museumsdorf Cloppenburg, ist dort aber nicht öffentlich ausgestellt.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist über die Bahnhöfe Huntlosen, Großenkneten und Ahlhorn an die Bahnstrecke Oldenburg–Osnabrück angeschlossen.

Im Westen der Gemeinde verläuft die Bundesautobahn 29, die ebenfalls Osnabrück mit Oldenburg verbindet. Der Ortskern von Ahlhorn wird erheblich weniger durch den Straßenverkehr belastet, seitdem

  • die ehemalige Bundesstraße 69 im Zuge des Baus der A 29 zur Landesstraße zugerückgestuft sowie
  • die ehemalige Bundesstraße 213 zwischen der Anschlussstelle Ahlhorn der A 29 und der Anschlussstelle Wildeshausen-West der Bundesautobahn 1 zur Gemeindestraße zurückgestuft und gleichzeitig der internationale und überregionale Straßenverkehr über die Anschlussstelle Cloppenburg der A 1 umgelenkt wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde

Personen, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen

  • Astrid Grotelüschen (*1964), ehm. Niedersächsische Ministerin
  • Walter Hulverscheidt (1899–1989), leitete von 1946 bis 1964 das Forstamt Ahlhorn
  • Peter Lehmann (1921-1995), Bildhauer, lebte und arbeitete seit 1968 in Bissel
  • Stephan Remmler (*1946), Musiker der Gruppe "Trio", lebte und arbeitete von 1980-1984 in der Regenter Siedlung
  • Eilert Tantzen (1929–2012), Forstmann, Lokalpolitiker, Naturschützer und Genealoge

Panoramaaufnahmen aus Großenkneten und Umgebung[Bearbeiten]

Großenknetener Bauernhof und Blick auf die Exxon Mobil Production
Zwischen Großenkneten und Döhlen
Zwischen Großenkneten und Döhlen

Literatur[Bearbeiten]

  • Dierk Feye: Großenkneten in alter und neuer Zeit. Herausgegeben vom Bürgerverein Großenkneten. Holzberg, Oldenburg 1990, 461 S., ISBN 3-87358-345-3
  • Dirk Faß: Die Gemeinde Großenkneten im 3. Reich. Isensee, Oldenburg 2003, 184 S., ISBN 3-89995-016-X
  • Dirk Faß: Die Gemeinde Großenkneten in alter Zeit. Die Reihe Archivbilder. Sutton, Erfurt 2004, 128 S., ISBN 3-89702-728-3
  • Dirk Faß: Was gab's Neues? Große und kleine Meldungen aus der Gemeinde Großenkneten von 872 bis 2000. Isensee, Oldenburg 2006, 194 S., ISBN 3-89995-372-X
  • Heinz Edzards: Die Interessentenforsten im Kirchspiel Großenkneten. Die Geschichte der Holzungen in den Bauerschaften Ahlhorn, Döhlen, Großenkneten und Sage. Isensee, Oldenburg 1993, 218 S., ISBN 3-89442-138-X

Ahlhorn

  • Heinz Edzards: Die Entwicklung Ahlhorns im 19. Jahrhundert. Darstellung der Wandlungsprozesse einer ländlichen Siedlung. Isensee, Oldenburg 1997, 219 S., ISBN 3-89598-478-7

Döhlen

  • Hans Duhme: Döhlen, das Eschdorf an der Wühr. Holzberg, Oldenburg 1984, 220 S., ISBN 3-87358-222-8
  • Hans Duhme: Döhlen, dat ole Dorp. Holzberg, Oldenburg 1982, 224 S., ISBN 3-87358-155-8

Halenhorst

  • Dorfgemeinschaft Halenhorst e.V. (Autorenkollektiv): 150 Jahre Halenhorst. 1854 - 2004. Dorfgemeinschaft Halenhorst, Großenkneten 2004, 352 S.

Huntlosen

  • Dirk Faß: Eine Zeitreise durch Huntlosen. Ein heimatliches Lesebuch. Isensee, Oldenburg 1998, 196 S., ISBN 3-89598-579-1

Sage

  • Dirk Faß: Sager Heide. Isensee, Oldenburg (1996)
    • Band 1: Sager Heide. Ein heimatliches Lesebuch.
    • Band 2: Sager Heide und Umgebung. Ein heimatliches Lesebuch. 1996

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Großenkneten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. NWZ online vom 7. April 2013
  3. http://wahl.kdo.de/?kommune=Gemeinde%20Grossenkneten&instflash=yes&noflash=&wahl=2011_____Gemeinderatswahl%202011%2011.09.2011_____110414180519762&showData=tabelle
  4. Bernd Rothmann: Karte der Schafkoben. 3. September 2006
  5. Michael Bönte: Abt Gerbert Castus - Ein Missionar aus zweiter Reihe. Kirchensite (Online-Zeitung des Bistums Münster). 29. Oktober 2004. Abgerufen am 14. Oktober 2013.
  6. Offizialatsbezirk Oldenburg. Abgerufen am 14. Oktober 2013.
  7. Franz Hellbernd: Münsterländische Burgen, Schlösser, adelige Häuser. 1963
  8. Fliegerhorst Ahlhorn
  9. Niedersächsische Landesforsten: Waldinformation August 2008. S. 16
  10. Biohof Bakenhus Landwirtschaft