Bünzen AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Bünzenf zu vermeiden.
Bünzen
Wappen von Bünzen
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Muriw
BFS-Nr.: 4229i1f3f4
Postleitzahl: 5624
Koordinaten: 666955 / 24037447.310858.3241441Koordinaten: 47° 18′ 39″ N, 8° 19′ 27″ O; CH1903: 666955 / 240374
Höhe: 441 m ü. M.
Fläche: 5,77 km²
Einwohner: 1011 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 175 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 12,7 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.buenzen.ch
Bünzen-Preghejo 103.jpg

Karte
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Bünzen (schweizerdeutsch: ˈbʏntsə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Muri im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im oberen Bünztal. 1940 wurde die Gemeinde Waldhäusern eingemeindet.

Geographie[Bearbeiten]

Bünzen von Kallern aus gesehen

Bünzen liegt an der Bünz, einem teilweise kanalisierten Flüsschen, das in nordwestlicher Richtung fliesst. Das Dorf selbst befindet sich ganz im Süden des Gemeindegebiets und ist beinahe mit Boswil zusammengewachsen. Mehr als zwei Kilometer nördlich liegt die Ortschaft Waldhäusern. Im Nordosten liegt der Wagenrain, ein bewaldeter Höhenzug, der die natürliche Grenze zum Reusstal bildet. Das Dorfzentrum befindet sich am Ende einer Moräne, die in die ansonsten weitgehend flache Ebene hineinragt.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 577 Hektaren, davon sind 164 Hektaren bewaldet und 58 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 478 Metern im Hüslirain nordöstlich von Waldhäusern, der tiefste auf 426 Metern an der Bünz.

Nachbargemeinden sind Bremgarten im Nordosten, Besenbüren im Osten, Boswil im Süden und Westen sowie Waltenschwil im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gegend um Bünzen war bereits während der Jungsteinzeit besiedelt. Vor rund 14'000 Jahren bestand ein 2,2 Kilometer langer, 1,5 Kilometer breiter und bis zu 4 Meter tiefer See, an dessen Ufer Jäger und Fischer lebten. Dieser See verlandete dann vor rund 8000 Jahren und wurde durch ein Moor verdrängt, das bis weit ins 19. Jahrhundert die Landschaft prägte.

Bunzina wurde im Jahr 1259 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name stammt vom lateinischen Pontina und bedeutet «Brückenort».[3] Die Bewohner Bünzens waren den Herren von Reussegg (bei Sins) untertan. Diese häuften jedoch grosse Schulden an und mussten ihren Besitz 1321 an das Kloster Muri verkaufen, das somit auch die niedere Gerichtsbarkeit übernahm. Die Bewohner Waldhäuserns hingegen waren freie Bauern und verfügten über ihren eigenen Grundbesitz. Die Landesherrschaft und die hohe Gerichtsbarkeit lagen in den Händen der Habsburger.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau, und Bünzen war fortan ein Teil des Amtes Hermetschwil in den Freien Ämtern, einer Gemeinen Herrschaft; Waldhäusern gehörte zum Amt Boswil. Im Jahr 1529 traten die Bewohner beider Dörfer zur Reformation über. Dies wurde jedoch 1531 nach dem Zweiten Kappelerkrieg wieder rückgängig gemacht.

Im Jahr 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein. Im März wurde unter dem Druck Frankreichs in Aarau die Helvetische Republik ausgerufen. Bünzen wurde eine Gemeinde im Distrikt Muri des kurzlebigen Kantons Baden, während Waldhäusern zum Distrikt Sarmenstorf gehörte. 1803 gelangten beide Gemeinden zum neu gegründeten Kanton Aargau. Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderte sich das Landschaftsbild völlig. Nachdem der Torf ausgebeutet war, wurden die Sümpfe an der Bünz trockengelegt und für die Landwirtschaft erschlossen.

Waldhäusern

1940 beschloss der Grosse Rat die zwangsweise Fusionierung der Gemeinde Waldhäusern, die damals knapp 130 Einwohner zählte, mit Bünzen, nachdem sich das näher gelegene Waltenschwil erfolgreich gegen die Übernahme der verarmten Gemeinde gewehrt hatte. Dennoch sank die Bevölkerungszahl Bünzens in den folgenden Jahrzehnten leicht. Seit 1980 hat sie jedoch um fast die Hälfte zugenommen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Als Ersatz für eine zu Beginn des 16. Jahrhunderts errichtete und wegen zu geringer Grösse abgebrochene Kirche beschloss die Kirchgemeinde 1850 einen Neubau. Den Zuschlag für die Gestaltung der neuen Pfarrkirche St. Georg erhielt der bekannte Architekt Joseph Caspar Jeuch. Die Einweihung dieser neugotischen Saalkirche erfolgte am 26. Oktober 1862.[5]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss über blauem Fluss ausgerissene grüne Buche.» Die älteste Darstellung des Wappens stammt aus dem Jahr 1734, wobei der Baum einer Buche nachempfunden war. Ebenfalls eine Buche zeigte das Gemeindesiegel von 1811. Die heute verwendete stilisierte Form wurde 1955 eingeführt.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1749 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 205 352 440 474 693 759 782 718 683 850 865 1009

Am 31. Dezember 2013 lebten 1011 Menschen in Bünzen, der Ausländeranteil betrug 12,7 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 65,8 % römisch-katholisch, 17,5 % reformiert. 2,2 % christlich-orthodox und 1,8 % moslemisch.[8] 93,4 % gaben Deutsch als ihre Hauptsprache an, 1,5 % Italienisch, 1,0 % Serbokroatisch, je 0,8 % Französisch und Albanisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre, und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Muri zuständig. Bünzen gehört zum Friedensrichterkreis Boswil.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Bünzen gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 240 Arbeitsplätze, davon 29 % in der Landwirtschaft, 22 % in der Industrie und 49 % im Dienstleistungsgewerbe.[10] Hergestellt werden unter anderem Verpackungsmaschinen, Rollläden und orthopädische Geräte. Die Mehrheit der Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den umliegenden Gemeinden.

Verkehr[Bearbeiten]

Obwohl das Dorf abseits des Durchgangsverkehrs liegt, ist es verkehrstechnisch gut erschlossen. Rund einen Kilometer westlich verläuft die Hauptstrasse 25 zwischen Lenzburg und Sins. Nebenstrassen führen nach Wohlen und Rottenschwil. Eine Postautolinie verkehrt von Wohlen AG über Waldhäusern und Bünzen nach Muri. Rund einen Kilometer südwestlich von Bünzen liegt der Bahnhof Boswil-Bünzen an der SBB-Strecke AarauArth-Goldau.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule, wobei die Primarschüler teilweise nach Besenbüren zur Schule gehen. Die Sekundarschule und die Realschule können in Boswil besucht werden, die Bezirksschule in Muri. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bünzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 117–118.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1110, Swisstopo
  5.  Georg Germann, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band V: Bezirk Muri, Birkhäuser Verlag, Basel 1967.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 135.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.