Oberrüti

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Oberrüti
Wappen von Oberrüti
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Muriw
BFS-Nr.: 4237i1f3f4
Postleitzahl: 5647
Koordinaten: 672679 / 22441047.1666668.397223416Koordinaten: 47° 10′ 0″ N, 8° 23′ 50″ O; CH1903: 672679 / 224410
Höhe: 416 m ü. M.
Fläche: 5.37 km²
Einwohner: 1415 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 264 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 11,1 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.oberrueti.ch
Oberrüti

Oberrüti

Karte
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Oberrüti ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Muri im Südosten des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Reusstal.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt rund eineinhalb Kilometer vom westlichen Ufer der Reuss entfernt am Fusse eines flachen Moränenhügels, der zugleich die westliche Gemeindegrenze bildet und zur Höhe von Fenkrieden ansteigt. Die Ebene zwischen dem Dorf und dem Fluss ist völlig flach, abgesehen von zwei Drumlins. Diese sind zwar nur wenige Meter hoch, prägen aber die Landschaft entscheidend. Der Fluss wird auf seiner ganzen Länge durch einen Hochwasserschutzdamm begrenzt. Parallel dazu verläuft in einer Entfernung von 100 bis 500 Metern ein künstlich angelegter Entwässerungskanal. Gegen Norden hin verengt sich die Flussebene. Neben dem eigentlichen Dorf gibt es noch die Weiler Widen (½ km östlich), An der Rüss (1 km östlich) Beuggen (1 km nordöstlich), das weitverzweigte Winterhalden, sowie mehrere Einzelhöfe.[3]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 537 Hektaren, davon sind 82 Hektaren bewaldet und 53 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt der Gemeinde befindet sich an der südwestlichen Gemeindegrenze auf 492 m.ü.M., der tiefste an der Reuss auf 396 m.ü.M.

Nachbargemeinden sind Sins im Westen und Norden, Hünenberg im Osten sowie Dietwil im Süden.

Geschichte[Bearbeiten]

Es wird angenommen, dass das Dorf im 8. oder 9. Jahrhundert von eingewanderten Alamannen gegründet worden ist. Im Jahr 1236 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung von Ruty in einem Schutzbrief des Papstes an das Kloster Engelberg. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen (ze riuti) und bedeutet «bei der Rodungsstelle».[4] Bereits 1231 war ein Freiherr von Rüthi als Stifter des Klosters Frauenthal verzeichnet. Die Freiherren, ein Ministerialengeschlecht der Habsburger, verschwanden jedoch in der Mitte des 14. Jahrhunderts und von ihrer Burg ist nichts erhalten geblieben. Inhaber der hohen Gerichtsbarkeit und der Landesherrschaft waren die Habsburger, die das Dorf dem Amt Meienberg zuteilten. Die erste Kirche datiert von 1265.

1415 eroberte Luzern das Amt Meienberg, musste es aber 1425 an den gemeinsamen Besitz der Eidgenossen zurückgeben. Aus den eroberten Gebieten wurden die Freien Ämter gebildet, eine Gemeine Herrschaft. Die niedere Gerichtsbarkeit gehörte seit Mitte des 14. Jahrhunderts den Herren von Hünenberg, danach dem Kloster in Kappel am Albis. Sie wurde schliesslich 1498 an die Stadt Zug verkauft. Die Zuger konnten dadurch einen grossen Einfluss auf das Dorf ausüben, obwohl es rechtlich gesehen zum gemeinsamen Besitz der Eidgenossen gehörte. Dies führte häufig zu Kompetenzstreitigkeiten. Auch die Pfarrherren stammten stets aus Zug. An der Reuss wurde Gold gewaschen, die Vorkommen waren allerdings um 1630 erschöpft.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Oberrüti gehörte zum Distrikt Muri im kurzlebigen Kanton Baden. Die helvetische Verfassung von 1802 sah die Zugehörigkeit zum Kanton Zug vor, doch Napoléon Bonaparte verfügte im Februar 1803 den Anschluss an den Kanton Aargau.

Brücke über die Reuss, Oberrüti im Hintergrund

1869 wurde die Aargauische Südbahn gegründet, um einen Anschluss an die sich in Bau befindende Gotthardbahn zu schaffen. Nachdem die direkte Linienführung von Sins nach Cham früh aufgegeben worden war, sahen die Pläne einen Bahnhof weit abseits des Dorfes auf der gegenüberliegenden Seite der Reuss vor. Doch Oberrüti setzte sich erfolgreich dafür ein, dass die Reussbrücke zwei Kilometer weiter südlich gebaut wurde. Dadurch kam auch der Bahnhof viel näher beim Dorf zu liegen. Der Abschnitt MuriRotkreuz konnte schliesslich am 1. Dezember 1881 eröffnet werden.

Viele Jahrhunderte lang mäandrierte die Reuss sehr stark und trat mehrmals über die Ufer. Nach einer besonders verheerenden Überschwemmung im Jahr 1911 beschloss der Kanton eine Flusskorrektion, die jedoch erst in den 1930er Jahren beendet werden konnte. Bis in die 1950er Jahre wurde fast die gesamte Reussebene trockengelegt. Ein kleiner Rest des ehemaligen Feuchtgebietes steht heute unter Naturschutz.

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb Oberrüti ein kleines Dorf, das hauptsächlich von der Landwirtschaft lebte. Viele Jahrzehnte lang stagnierte die Bevölkerungszahl. Doch dann sorgten die Eröffnung der Autobahn A14 in unmittelbarer Nähe sowie die Nähe zu den Agglomerationen von Luzern und Zug für einen Wachstumsschub. Das Dorf entwickelte sich zu einer Wohngemeinde und die Bevölkerungszahl stieg seit 1970 um fast das Dreifache.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Rupert

Die Pfarrkirche St. Rupert geht auf das 13. Jahrhundert zurück, wobei das heute bestehende, neugotische Gebäude in den Jahren 1862 bis 1865 erbaut wurde. Nachdem ein Entwurf von Joseph Caspar Jeuch abgelehnt worden war, erhielt der Mainzer Dombaumeister Ludwig Metternich den Zuschlag. Von der alten Kirche blieb der vor 1584 gebaute gotische und 1883 auf 18 Meter erhöhte Turm bestehen.[5]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb gebogene schwarze Hirschstange mit kleeblattartigem Grind.» Das heute verwendete Wappen taucht erstmals 1612 auf einer Standesscheibe der Stadt Zug auf. Ursprünglich war es das Wappen der Edlen von Rüti bei Rohrbach im Kanton Bern gewesen, das jedoch nach deren Aussterben freigeworden war. 1933 wurde es definitiv eingeführt und löste damit das zwischenzeitlich verwendete Wappen, eine Axt auf rotem Grund, ab.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 539 409 461 479 471 437 506 714 1097 1350

Am 31. Dezember 2013 lebten 1415 Menschen in Oberrüti, der Ausländeranteil betrug 11,1 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 73,2 % römisch-katholisch und 19,0 % reformiert; 1,3 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 97,2 % gaben Deutsch als Hauptsprache an.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Muri zuständig. Oberrüti gehört zum Friedensrichterkreis Sins.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Oberrüti gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 300 Arbeitsplätze, davon 20 % in der Landwirtschaft, 29 % in der Industrie und 51 % im Dienstleistungssektor.[10] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den Agglomerationen der Städte Luzern und Zug.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Hauptstrasse LenzburgLuzern führt mitten durch Oberrüti. Ein Anschluss der Autobahn A14 liegt rund vier Kilometer südlich. Das Dorf besitzt eine Bahnstation an der SBB-Eisenbahnlinie AarauArth-Goldau. Ausserdem verkehrt eine Buslinie der Zugerland Verkehrsbetriebe zwischen den Bahnhöfen Sins und Gisikon-Root.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Sämtliche Oberstufen der obligatorischen Volksschule (Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule) können in Sins besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Franz Stöckli, Ulrich Widmer, Einwohnergemeinde Oberrüti (Hrsg.): Dorfgeschichte Oberrüti. Oberrüti 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oberrüti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1130 und 1131, Swisstopo
  4.  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 329–331.
  5.  Georg Germann, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band V: Bezirk Muri, Birkhäuser Verlag, Basel 1967.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 240.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.