Rottenschwil

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Rottenschwil
Wappen von Rottenschwil
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Muriw
BFS-Nr.: 4238i1f3f4
Postleitzahl: 8919
Koordinaten: 670165 / 24105847.3166618.366664387Koordinaten: 47° 19′ 0″ N, 8° 22′ 0″ O; CH1903: 670165 / 241058
Höhe: 387 m ü. M.
Fläche: 4.49 km²
Einwohner: 804 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 179 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 12,2 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.rottenschwil.ch
Rottenschwil

Rottenschwil

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Rottenschwil (schweizerdeutsch: rɔtːəʃˈʋiːl)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Muri im Südosten des Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im Reusstal. Werd wurde 1898 eingemeindet.

Geographie[Bearbeiten]

Rottenschwil ist ein rund zwei Kilometer langes Strassendorf, das sich vom westlichen Ufer der Reuss bis hin zum Wagenrain zieht, einen Hügelzug am Übergang zum Bünztal. Einen halben Kilometer Meter südlich von Rottenschwil liegt der Weiler Werd. Das Gelände zwischen Fluss und Hügelzug ist geprägt durch die völlig flache Schwemmlandebene der Reuss, die hier früher stark mäandrierte, oft über die Ufer trat und die Felder überflutete. Der alte Flusslauf lässt sich noch heute teilweise erkennen. So folgt die östliche Gemeindegrenze dem Verlauf eines nicht mehr existierenden Flussarms östlich des Flusses. Werd liegt an einer ehemaligen hufeisenförmigen Flussbiegung, Die «Stille Reuss» am Dorfrand von Rottenschwil ist ebenfalls ein hufeisenförmiger Altwasserlauf.[4]

Seit der letzten Etappe der Melioration in den 1970er Jahren ist der Verlauf der Reuss begradigt und vollständig durch Hochwasserschutzdämme begrenzt. Nördlich von Rottenschwil liegt der ein Kilometer lange und bis zu 300 Meter breite Flachsee. Der See wurde 1975 künstlich geschaffen und hat sich zu einem idealen Lebensraum für bedrohte Vogel- und Amphibienarten entwickelt. Am Westufer des Sees, der fünf Inseln aufweist, erstreckt sich das Rottenschwiler Moos, ein ausgedehntes Feuchtgebiet. Ein Sechstel der Gemeindefläche steht unter Naturschutz.[5]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 449 Hektaren, davon sind 107 Hektaren bewaldet und 33 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 454 Metern im Buechwald, der tiefste liegt 379 Metern im Rottenschwiler Moos (also noch tiefer als die Reuss).

Nachbargemeinden sind Unterlunkhofen im Norden, Oberlunkhofen im Osten, Jonen im Südosten, Aristau im Süden, Besenbüren im Westen sowie Bremgarten im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Reussbrücke von Unterlunkhofen nach Rottenschwil
Flachsee unterhalb der Reussbrücke bei Rottenschwil

Im Jahr 1281 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung von Rotolfswile, im Habsburger Urbar von 1306 stand die Namensform Rotoswile. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Rotineswilari und bedeutet «Hofsiedlung des Rotin».[3] Wichtigste Grundherren im Mittelalter waren die Klöster Muri und Hermetschwil, Landesherrschaft und hohe Gerichtsbarkeit übten die Habsburger aus. Im Jahr 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Rottenschwil war nun Teil des Amtes Hermetschwil in den Freien Ämtern, einer Gemeinen Herrschaft. Werd hingegen gehörte zu zwei Dritteln zum Kelleramt und damit zum Einflussbereich der Stadt Zürich, was häufig zu Rechtsstreitigkeiten führte.

Die folgenden Jahrhunderte waren durch häufige Überschwemmungen und den ständig wechselnden Lauf der Reuss geprägt. 1682 zerstörte ein Grossbrand ganz Rottenschwil. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Rottenschwil wurde eine Gemeinde im Distrikt Bremgarten des kurzlebigen Kantons Baden, während Werd Teil der Gemeinde Aristau im Distrikt Muri war. Nach der Gründung des Kantons Aargau im Jahr 1803 waren beide Dörfer je eine eigene Gemeinde.

Rottenschwil und Werd blieben bis weit ins 20. Jahrhundert hinein landwirtschaftlich geprägt. Nachdem sich die Bevölkerungszahl in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch verdoppelt hatte, nahm sie in der Folge stets ab. Selbst der von der Kantonsregierung am 23. Mai 1898 verfügte Zusammenschluss beider Gemeinden konnte diesen Trend nicht stoppen. Die mindestens seit 1312 bestehende Fähre über die Reuss wurde 1907 durch eine Brücke ersetzt. Ab 1980 begann aufgrund der Nähe zur Stadt Zürich eine rege Bautätigkeit, innerhalb von 20 Jahren stieg die Bevölkerungszahl um mehr als das Zweieinhalbfache.

Ein wichtiges Anliegen war stets die Bändigung der frei fliessenden Reuss gewesen. Doch auch nach der ersten Melioration von 1861 bis 1863 kam es immer wieder zu Dammbrüchen und Überschwemmungen. Erst die zweite Reusstalsanierung von 1972 bis 1983 löste das Problem endgültig. Der Kraftwerkneubau von Zufikon im Jahr 1975 sorgte für einen Rückstau und damit eine langsamere Fliessgeschwindigkeit, dadurch entstand der Flachsee.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau über drei weissen Wellen weisser Hecht, überhöht von sechsstrahligem weissem Stern.» Das Wappen erschien bereits 1811 auf dem Gemeindesiegel, jedoch war nicht klar ersichtlich, um welche Art Fisch es sich handelt. Der Hecht kam erstmals 1978 als Wappentier zur Anwendung, wohl in Anlehnung an den bereits im 14. Jahrhundert erwähnten Gasthof zum Hecht. 2002 wurden die Schuppen des Hechts weggelassen.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 257 518 403 382 274 278 292 305 613 806 810

Am 31. Dezember 2013 lebten 804 Menschen in Rottenschwil, der Ausländeranteil betrug 12,2 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 58,2 % römisch-katholisch und 27,2 % reformiert; 1,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 94,3 % gaben Deutsch als ihre Hauptsprache an, 1,2 % Portugiesisch, je 1,0 % Italienisch und Französisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Muri zuständig. Rottenschwil gehört zum Friedensrichterkreis Boswil.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Rottenschwil gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 200 Arbeitsplätze, davon 13 % in der Landwirtschaft, 39 % in der Industrie und 48 % im Dienstleistungssektor.[10] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den umliegenden Gemeinden oder in der Agglomeration der Stadt Zürich.

Verkehr[Bearbeiten]

Obwohl das Dorf abseits des Durchgangsverkehrs liegt, ist es verkehrstechnisch gut erschlossen. Im Südwesten des Gemeindegebiets verläuft die Hauptstrasse zwischen Bremgarten und Sins. Eine Verbindungsstrasse führt durch das Dorf und über die Reussbrücke nach Unterlunkhofen zur Hauptstrasse Bremgarten–Affoltern am Albis. Rottenschwil ist durch die Postautolinien MuriZürich-Wiedikon und Wohlen–Muri an das Netz des öffentlichen Verkehrs angeschlossen.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Sekundarschule und die Realschule können in Jonen besucht werden, die Bezirksschule in Bremgarten. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band V: Der Bezirk Muri. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 55). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1967, DNB 457321970.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rottenschwil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 360–361.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1110, Swisstopo
  5. Informationen zum Flachsee
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 257.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.