Bewusstseinserweiterung

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Denis Barthel 11:14, 26. Dez. 2010 (CET)

Bewusstseinserweiterung ist ein Begriff, der auf sehr unterschiedliche Weise verwendet werden kann. Er bezeichnet zum einen eine über das alltägliche Bewusstsein hinausgehende Erfahrung, die aus einer Veränderung des Bewusstseinszustandes oder dem Erleben einer größeren Einsichts- oder Wahrnehmungsfähigkeit besteht. Es wird von Phänomenen berichtet, die vom Erlebenden als „außersinnliche Wahrnehmung“ oder „außerkörperliche Erfahrung“, bzw. als Erfahrungen der Ich-Entgrenzung (mit Gefühlen der „Grenzenlosigkeit“ und der „All-Einheit“) beschrieben werden. Die Naturwissenschaft betrachtet bewusstseinserweiternde Erfahrungen als subjektiv, weil sie einer wissenschaftlichen Untersuchung in der Regel nicht zugänglich seien (vgl. Qualia) und über ihren Erlebniswert hinaus keine objektiv diskutierbare Bedeutung hätten.

Bewusstseinserweiterung kann auch eine Veränderung der eigenen Wahrnehmung, Standpunkte und Einschätzungen durch Lernprozesse und Selbstreflexion bezeichnen.

Arten der Bewusstseinserweiterung[Bearbeiten]

  • Religiöse Bewusstseinserweiterung: Hiermit wird die Empfindung einer Einswerdung mit Gott (mit dem sogenannten höheren Selbst, der Natur, dem Universum) bezeichnet, wie sie aus allen Weltreligionen berichtet wird (vgl. Mystik). Ein wichtiges Merkmal kann die Ekstase sein, d. h. starke, blitzartige bis lang anhaltende Gefühlswallungen, gefolgt von einer Phase der Glückseligkeit, der Friedfertigkeit und der Anteilnahme am Leben anderer (vgl. Erleuchtung). Zu dieser Kategorie können auch Nahtoderfahrungen gezählt werden.
  • Sensorische Bewusstseinserweiterung: Hierunter fallen die scheinbare oder reale Verstärkung von Sinneswahrnehmungen oder deren Vermischung (Synästhesien: „Farben schmecken, Töne riechen“), häufig hervorgerufen durch die Einnahme von bewusstseinsverändernden Drogen.
  • Motorische Bewusstseinserweiterung: Dies umfasst den Eindruck, physikalisch nicht erklärbare Handlungen vornehmen zu können (Flugerfahrungen, körperliche Höchstleistungen), die in einem Zustand der Stasis, aber von der betroffenen Person bewusst erlebt werden (vgl. auch Schlaflähmung, Hypnagoges Erleben, Traumyoga).
  • Gezielte Bewusstseinserweiterung: Von einer Person – z. T. mit fremder Hilfe – herbeigeführter Zustand der Konzentration auf eine Fragestellung, eine Person oder ein Ziel. Ein verbreitetes Verfahren in vielen spirituellen Traditionen, sowohl des Westens (Kontemplation, bestimmte Formen des Gebets und der Askese) als auch des Ostens (Meditation).
  • Temporale Bewusstseinserweiterung: Spekulative Form der Bewusstseinserweiterung, in der zum Beispiel sogenannte präkognitive Erfahrungen, d. h. die Wahrnehmung zukünftiger oder entfernter Ereignisse möglich sein sollen (vgl. auch Seher), auch Rückführungen in angeblich bereits gelebte Leben unter Hypnose.

Methoden zur Bewusstseinserweiterung[Bearbeiten]

Denken[Bearbeiten]

Denken, das gewohnte Bahnen verlässt – das heißt, sich auf ungewohnte Weise in ungewohnte Gebiete hineindenken, – soll eine nachhaltige und gesunde bewusstseinserweiternde Wirkung haben. Es gibt eine ganze Reihe methodischer (zum Beispiel Laterales Denken, Bildung) und einige wenige unmethodische Verfahren (Serendipity) des bewusstseinerweiternden Denkens. Hierüber schreibt R. Kapellner, dass es, subjektiv gesehen, zu dem Gefühl kommen kann, schneller und klarer zu denken. Es kann zu Gefühlen der Selbstentfremdung kommen, zu einem Verlust der Selbstkontrolle. Jeweils mit negativen und positiven Emotionen einhergehend [1].

Meditation[Bearbeiten]

Meditation und andere spirituelle Übungen können zu einer Erweiterung des Bewusstseins führen. Letztendliches Ziel ist die Erfahrung der Erleuchtung, beschrieben unter Anderem als die Erfahrung der Auflösung der Getrenntheit des Einzelnen vom All.

Dabei kann man grundlegend unterscheiden zwischen zwei entgegengesetzten, sich ergänzenden (d. h. komplementären) Grundmethoden, die zu einer Bewusstseinserweiterung entweder durch äußerste Konzentration und extreme Fokussierung auf einen Punkt (z. B. Samatha) führen, oder jenen, die diese im völligen Gegensatz dazu durch äußerste Öffnung und Erweiterung auf das Ganze um den Übenden herum durch Achtsamkeit erreichen wollen (z. B. Vipassana). „Gewißheit der Nähe zum Überirdischen stellt sich insbesondere dann ein, wenn das Heilige sich dem Suchenden selbst offenbart, sei es nun im Traum oder in sonstigen Bildern, welche Zustände veränderten Bewußtseins dem Gläubigen darbieten. Die Geschichte jeder Religion, so auch die der christlich-judaischen, ist immer auch eine Geschichte von Visionen“ [2]. Beispiele für Ausprägungen dieser Methoden lassen sich in allen Kulturen und Religionen finden.

Psychoaktive Substanzen[Bearbeiten]

Einige Drogen (diverse Pilzarten oder Kräuter, LSD und Cannabis) zeigen eine bewusstseinserweiternde Wirkung. Derartige Substanzen werden traditionell in schamanischen Ritualen eingesetzt. Zu Beginn der psychedelischen Forschung fanden sie auch in der psycholytischen Psychotherapie weitreichende Verwendung.

Körpereigene Botenstoffe[Bearbeiten]

Das Gefühl der Bewusstseinserweiterung ist auch möglich im Rahmen der Über- oder Unterproduktion von körpereigenen Botenstoffen, die bei körperlicher Anstrengung, monotonen Rhythmen, extremer Freude, Dehydrierung, Unterzuckerung u. Ä. produziert bzw. gehemmt werden. Darunter fallen zum Beispiel Flow-Gefühle beim Sport, Discobesuch und Techniken im islamischen Sufismus.

Atemtechniken[Bearbeiten]

Stanislav Grof entwickelte das Holotrope Atmen als Alternative zur LSD-Therapie und zur angeblichen Erreichung erweiterter Bewusstseinszustände. Dazu schrieb er, „Zustände erweiterten Bewußtseins können spontan und ungesucht auftreten, aber auch durch bestimmte Drogen, Fasten, körperliche Extremleistungen, sensorische Deprivation, Meditation oder gezielte therapeutische Techniken wie holotrope Atemarbeit induziert werden[3].

Reizdeprivation[Bearbeiten]

Eine weitere Möglichkeit der Herbeiführung von Zuständen erweiterten Bewusstseins ist die Verringerung äußerer Reize (Reizdeprivation). Dies wurde unter anderem von Mönchen in Tibet angewandt (z. B. Praktizierende des Dzogchen), gehörte aber auch in vielen anderen spirituellen Strömungen zur Übung. Die Dunkelheit und Abgeschiedenheit unterirdischer Kammern und Höhlen reduziert die Stimulation des sensorischen Systems. In absoluter Dunkelheit und Stille soll es unter anderem zu einer ungewohnten Weite des visuellen Gedankenflusses kommen. Besucher der Kammern in den Pyramiden von Ägypten berichten ebenfalls von derartigen Effekten. Neurotransmitter werden anfangs wie gewöhnlich weiterproduziert, dies verursacht eine Sensibilisierung aller Sinne und auch des Gehirns. Der sogenannte Isolationstank verhindert zusätzlich die sensorische Stimulation durch das eigene Körpergewicht und unterstützt den Eindruck der Bewusstseinserweiterung.

Bewusstes Träumen[Bearbeiten]

Als ungewöhnliche Art der Bewusstseinserweiterung gilt der Klartraum, der seine systematischen Ursprünge im tibetischen Buddhismus hat, aber als physiologisches Phänomen seit einigen Jahrzehnten auch im Westen bekannt ist. Die Effekte während eines solchen luziden Traum ähneln teils denen der Reizdeprivation, fortgeschrittenen Übenden ist jedoch die komplette Steuerung der Traumumgebung möglich; damit können die Grenzen der Möglichkeiten unseres Wachbewusstseins im Schlaf überwunden werden.

Psychologisch-medizinische Sicht[Bearbeiten]

Psychologie und medizinische Psychiatrie verstehen Bewusstseinserweiterung als einen Begriff, der für sehr viele unterschiedliche seelische Phänomene verwendet wird. Er wird synonym mit Bewusstseinsveränderung für Veränderungen der sinnlichen Wahrnehmung, der Orientierung über Ort und Zeit, der Affektivität und der Libido, des assoziativen Denkens sowie der Wahrnehmung der eigenen Persönlichkeit interpretiert. Solche Erfahrungen werden dann, wenn sie außergewöhnlich und vorübergehend sind, im Rahmen dieser Wissenschaften als „Bewusstseinserweiterung“ bezeichnet. Sind solche Veränderungen nicht vorübergehend, sondern permanent, werden sie im westlichen Kulturkreis von Medizinern gewöhnlich als seelische Störung begriffen und dem Aufgabenfeld der Psychiatrie zugerechnet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Stanislav Grof, Kosmos und Psyche. An den Grenzen menschlichen Bewusstseins. Fischer Verlag 2003. ISBN 978-3-596-14641-3
  • Stanislav Grof, LSD–Psychotherapie. 1983. ISBN 3-608-94017-0
  • Rudolf Kapellner, Gerd Gerken (Hrsg.), Wie der Geist überlegen wird. Mit einem Beitrag von R. Kapellner: Bewusstsein und Floaten. Verlag Junfermann, Paderborn 1993. ISBN 3-87387-118-1
  • Walther Bühler, Meditation als Erkenntnisweg. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1980. ISBN 3-7725-0032-3 (Als Vortrag gehalten auf der Tagung Meditation in Religion und Psychotherapie, Stuttgart im Oktober 1957).
  • Barbara Schachenhofer, Gesundheitsbewusstsein versus Selbstbeteiligung. Hochschulschrift Universität Linz. Universitätsverlag Tauner, Linz 1997. ISBN 3-85320-854-1
  • Ralph Metzner, Die Erweiterung des Bewusstseins. Verlag Nachtschatten, Solothurn. ISBN 978-3-03788-162-0
  • Hans Cousto (Hrsg.), Psychonautik, Hedonismus und Ekstase. Verlag Nachtschatten, Solothurn. ISBN 3-03788-199-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikibooks: Bewusstseinserweiterung – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. hierzu: Rudolf Kapellner, Gerd Gerken (Hrsg.), Wie der Geist überlegen wird
  2. Zitat nach: Walther Bühler, Meditation als Erkenntnisweg
  3. Vgl. hierzu: Stanislav Grof, Kosmos und Psyche