Borkumer Kleinbahn

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Borkum–Reede
Strecke der Borkumer Kleinbahn
Zug im Stadtbahnhof
Kursbuchstrecke (DB): 10000
Streckennummer (DB): 9153
Streckenlänge: 7,5 km
Spurweite: 900 mm (Schmalspur)
Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h
   
Ostlandbahn, zum Bw Barbaraweg bis 1958
   
0,00 Borkum
   
Nordstrandbahn, Postgleis bis 1975
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0,30 Lokschuppen/Bahnbetriebswerk
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Güterbahnhof
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Nordstrandbahn, bis 1953/1968
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0,35 Wagenhalle
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0,4 Strandbatterie / Fort Lüderitz, bis 1972
   
1,0 Elektrischer Leuchtturm, Rettungs-
Strecke – geradeaus
Bootschuppen u. Südbatterie, bis 1933
   
Elektrischer Leuchtturm, Rettungs-
Strecke – geradeaus
Bootschuppen u. Südbatterie, 1933–1957
Haltepunkt, Haltestelle
1,80 Jakob-van-Dyken-Weg
   
2,2 Gaswerk u. Schlachthof, 1910 bis 1972
   
Schlütergleis (Ostumfahrung v. Borkum), 1944–1947
   
3,2 Munitionsdepot Seeflugstation
   
3,4 Batterie Strasser
   
3,83 Deichdurchlass
Brücke über Wasserlauf (groß)
4,0 ehemals: Pfahlbrücke, 1896
   
5,2 Batterie Borkum II
   
zum neuen Hafen
   
6,5 Neuer Hafen
Brücke über Wasserlauf (groß)
7,0 ehemals: Pfahlbrücke, 1895
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Anschluss Kaserne Borkum-Reede, bis 1965
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7,42 Hafen (Güterverladung)
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7,44 Reede
   
Fähre der AG Ems nach
Emden Außenhafen u. Eemshaven
Übersichtskarte der Insel Borkum mit Verlauf der Inselbahn

Die Borkumer Kleinbahn (BKB) ist eine Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 900 mm auf der ostfriesischen Nordseeinsel Borkum. Die wichtigsten Ortsteile der Insel, Borkum-Stadt (Bahnhof Borkum), Borkum-Dorf (Haltepunkt Jakob-van-Dyken-Weg) und Borkum-Reede (Bahnhof Reede), verfügen über Stationen. Die Strecke stellt bis heute eine wichtige Verkehrsader der Insel dar. Die Borkumer Inselbahn ist inzwischen eine Nebenbahn, nennt sich aber weiterhin Kleinbahn. Die Borkumer Kleinbahn ist die letzte zweigleisige Schmalspurbahn in Niedersachsen.

Geschichte[Bearbeiten]

Pferdebahn[Bearbeiten]

1879 wurde eine Pferdebahn in der Spurweite 900 mm errichtet, um das Baumaterial für den Bau des Neuen Leuchtturms von der Entladestelle der Schiffe am Hopp, an der Ostseite der Insel, zur Baustelle an der Westseite der Insel zu bringen.

Hauptartikel: Pferdebahn Borkum
Borkumer Kleinbahn 1.JPG

Kleinbahn[Bearbeiten]

1885 wurde, nach längeren Verhandlungen zwischen dem Bauunternehmen und Betreiber der Pferdebahn, Habich & Goth, der Stadt Emden und der Finanzdirektion Hannover ersterem eine Konzession zum Betrieb einer Eisenbahn aufgrund des Preußischen Eisenbahngesetzes von 1838 auf 30 Jahre zwischen einer neu zu errichtenden Landungsbrücke und der Gemeinde Borkum erteilt – ursprünglich noch für Pferdebahnbetrieb. Ab 1887/88 wurde diese Bahn dann aber für Lokomotivbetrieb gebaut, nachdem Kapazitätsengpässe bei Habich & Goth den Beginn der Bauarbeiten zunächst verzögert hatten. Dazu wurde der östliche Teil der Strecke neu trassiert und eine Anlegestelle für die Fähren vom Festland an der Stelle errichtet, wo sie sich noch heute befindet. Diese Bahn wurde am 15. Juni 1888 in Betrieb genommen und ermöglichte es Borkum überhaupt erst, zu einem bedeutenden Seebad aufzusteigen.[1]

„Statt vom Landungsplatz auf hartem Bretterwagen in's Dorf zu rumpeln, fährt man [nun] gelinde per Eisenbahn.“

Hermann Nöldecke, 1904[2]

Von der Stammstrecke abzweigend wurden eine Reihe von Gleisanschlüssen verlegt und eine Strecke angeschlossen, mit der das Wasser- und Schifffahrtsamt Material zum Ausbau und Unterhalt der westlichen Schutzbauwerke gegen Sturmfluten transportierte. Diese wurde später auch im Personenverkehr zum Nordstrand bedient und erhielt die Bezeichnung Nordstrandbahn.

Hauptartikel: Nordstrandbahn

In der Anfangszeit der Bahn mussten die Betreiber immer wieder auf Zerstörungen an der Bahn durch Sturmfluten reagieren. So wurde der östliche Teil der Strecke zunächst im Watt verlegt, dann auf einem befestigten Sanddamm und, als dieser Sturmfluten nicht standhielt, wurde er 1895 und 1896 an zwei Stellen durch eine Pfahlbrücke ersetzt, die wiederum bis 1910 erneut in einen Damm umgebaut wurden.[3] Das wirtschaftliche Risiko der Bahn erwies sich deshalb für eine private Firma wie Habich & Goth als zu hoch. Befördert durch den Staat kam es schließlich 1902 zur Gründung einer Aktiengesellschaft zwischen Habich & Goth und der AG Ems, die den Namen Borkumer Kleinbahn und Dampfschiffahrt AG erhielt. Dieser wurde der Betrieb der Bahn 1903 nach dem Preußischen Kleinbahngesetz auf 75 Jahre konzessioniert. Bis 1905 gelang es der BKB dann auch, alle Betriebsgrundstücke vom Staat zu erwerben oder in Erbpacht zu übernehmen.[4]

Marinebahn[Bearbeiten]

Nachdem Kaiser Wilhelm II. der Insel Borkum 1902 den Status einer Seefestung verliehen hatte, wurde ab 1908 die Stammstrecke zwischen Anleger und Ortschaft Borkum für die Baumaterialtransporte und den Militärverkehr mit Hilfe des Deutschen Reiches durch die BKB zweigleisig ausgebaut. Der Betrieb erfolgte zunächst in der Form, dass auf einem Gleis ausschließlich der Zivilverkehr, auf dem anderen die Bauzüge für das Militär verkehrten. Die Verbindungsweichen waren verschlossen. Der genaue Zeitpunkt, ab wann hier gemischter ziviler und militärischer Verkehr stattfand ist unklar, vermutlich seit 1912.[5] Die Strecke wurde damit neben der Zittauer Schmalspurbahn eine der beiden Schmalspurbahnen in Deutschland, die zweigleisigen Betrieb aufwiesen.[6] Zahlreiche militärische Anlagen wurden nun auf der Insel durch die Kaiserliche Marine errichtet und alle mit einem Gleisanschluss versehen. Damit das möglich wurde, errichtete die Marine in Fortsetzung der Stammbahn, jenseits des Bahnhofs Borkum, die Ostlandbahn, eine Marinebahn.

Hauptartikel: Ostlandbahn

Im Ersten Weltkrieg spielte die Seefestung Borkum keine Rolle. Kein einziger Schuss wurde auf die Insel abgefeuert. Die Bahnstrecken dort waren dagegen auf eine Länge von mehr als 30 Kilometer angewachsen.[7] 1938 lagen auf Borkum gar 45 Kilometer Gleis und auf der Stammstrecke zwischen Reede und Bahnhof wurden bis zu 50 Fahrten pro Tag durchgeführt.[8] Der Fuhrpark der BKB bestand damals aus sechs Dampflokomotiven sowie 70 Wagen.

Ab 1942 war der Betrieb der BKB dem Transportkommandanten der Festung Borkum, Oberleutnant Schlüter, unterstellt. Deren Schäden durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg hielten sich in Grenzen. Beim heftigsten Luftangriff auf die Bahnanlagen am 5. August 1944[9] wurden einige Gleise im Ortsgebiet von Borkum und eine Dampflokomotive zerstört.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Zug unterwegs
Hafenbahnhof: Umsteigen zwischen Schiff und Zug
Die Inselbahn als Massenverkehrsmittel – Bahnhof Borkum
Haltepunkt Jakob-van-Dyken-Weg

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die BKB ihren Verkehr am 8. Juni 1945 wieder aufnehmen – allerdings wegen des Kohlemangels nur sehr eingeschränkt. Zahlreiche Eisenbahnfahrzeuge des Militärs, darunter auch Diesellokomotiven, ein Triebwagen, 32 Personenzugwagen und 175 Güterwagen aus dessen Bestand wurden von der Militärregierung der Britischen Besatzungszone der BKB überlassen.[10]

1953 wurde der Regelverkehr auf der Nordstrandbahn aufgegeben, da der Strand vor die Promenade zurück gewandert war und der Badebetrieb sich wieder vor die Promenade verlagert hatte. 1968 wurde die Strecke ein letztes Mal mit einem Sonderzug befahren und dann abgebrochen.[11]

Seit den 1950er Jahren machte sich der wirtschaftliche Druck auf die Bahn bemerkbar, den der konkurrierende Verkehr auf der im Krieg vom Militär errichteten und seit 1944 für den Zivilverkehr freigegebenen, parallel zur Eisenbahnstrecke von der Reede in die Ortschaft Borkum führenden Straße verursachte. Dies führte zu ständigen Rationalisierungsmaßnahmen und 1960 erstmals zu einer Studie, ob das Verkehrsaufkommen der Bahn nicht auf die Straße verlagert werden könne. Die Unmöglichkeit, Busse in einer für Verkehrsspitzen ausreichenden Zahl vorzuhalten, ließen den Plan wieder in der Schublade verschwinden.[12] 1961 übernahm die AG Ems auch die Aktien der Kleinbahn AG, die sich noch nicht in ihrem Besitz befanden, und wandelte die Kleinbahn in eine GmbH um.

Die Sturmflut vom 17. Februar 1962 zerstörte ca. 900 m des Wattdammes, auf dem die Bahnstrecke unmittelbar westlich des Hafens verläuft. Zunächst für die Übergangszeit, bis der Schaden repariert war, schließlich aber auch dauerhaft, beschaffte sich die BKB Omnibusse für den Stadtverkehr und nahm damit ihren heute noch bestehenden Linienbusbetrieb auf.

In den 1970er Jahren geriet die Inselbahn in wirtschaftliche Turbulenzen. 1968 wurde die erste Autofähre nach Borkum in Betrieb genommen. Dies führte dazu, dass der Güterverkehr zunehmend mit Lkw abgewickelt wurde und der Güterverkehr der Bahn auf die Dauer zum Erliegen kam. Der Güterbahnhof Borkum wurde 1972 aufgegeben.[13] Ebenfalls 1968 wurde der Eisenbahnverkehr auf die Sommersaison beschränkt, außerhalb der Saison bis 1994 Schienenersatzverkehr durchgeführt.[14] 1978 lief die auf 75 Jahre lautende Konzession der BKB aus und wurde um 50 Jahre bis 2028 verlängert.

Links das östliche Gleis von 2007 mit massivem Oberbau, rechts das westliche aus dem Winter 1993/1994 in einfacher Ausführung mit Holzschwellen verlegt im Sand

1980/81 wurde in einer Studie untersucht, ob die Kleinbahn nicht durch eine Magnetschwebebahn ersetzt werden sollte.[15] Davon wurde allerdings aus verschiedenen Gründen Abstand genommen. Letztes bauliches Relikt dieser Überlegungen sind die neuen Werkstatthallen des Bahnbetriebswerks, die so konstruiert wurden, dass sie auch für eine Magnetschwebebahn hätten verwendet werden können.

Bei einem Versuch, Kosten der Kleinbahn einzusparen, wurde 1989 das zweite Gleis im Streckenabschnitt Hafen bis zum sogenannten Weertsgatt ausgebaut und der Betrieb dort eingleisig fortgeführt. Das aber bewährte sich nicht. Da die Züge Anschlüsse zu gezeitenabhängigen Fährverbindungen herstellen, wurde der Fahrplan im eingleisigen Betrieb sehr störanfällig. Die Bedeutung der Bahn nahm infolge des immer stärker werdenden Tourismus so zu, dass weiter erheblich in die Bahn investiert wurde. Dazu zählen für die Fahrgäste das neue Empfangsgebäude des Bahnhofs Borkum (1991), die Wiederverlegung des zweiten Gleises 1993 und die Anschaffung zweier je neun Wagen starker Zuggarnituren für den fahrplanmäßigen Verkehr, die seit 1994 im Einsatz sind. Seitdem fährt die Bahn auch wieder ganzjährig. 1998 konnten die letzten Betriebsgrundstücke, die lediglich in Erbpacht vom Land Niedersachsen gehalten wurden, von der BKB gekauft werden. Im Sommer 2006 wurden umfangreiche Bauarbeiten an der Eisenbahninfrastruktur durchgeführt. So erhielt der Haltepunkt „Jakob-van-Dyken-Weg“ neue Bahnsteige und neue Wartehäuschen. Im Winter 2007/2008 schließlich wurde das aus den 1980er Jahren stammende östliche Gleis komplett neu gebaut, mit schwererem Profil und erstmals mit Betonschwellen in Schotter. Im Winter 2013/2014 passierte ähnliches mit dem anderen Gleis: die alten Schienen wurden mit neuen Betonschwellen in neuem Schotterbett verlegt.

Betrieb[Bearbeiten]

Sicherung eines Bahnübergangs gleisseitig
Sicherung eines Bahnübergangs straßenseitig
Deichtor, das den Durchgang der Strecke durch den Außendeich sichert

Strecke[Bearbeiten]

Die Bahn wird heute von der AG Ems betrieben. Die einzig verbliebene Strecke, die vom Hafen in den Ort, ist rund 7,5 Kilometer lang. Die Strecke wird im Normalbetrieb im Rechtsverkehr befahren, ist aber so ausgestattet, dass Gleiswechselbetrieb möglich ist. Die Strecke durchfährt den Außendeich von Borkum. Dieser ist hier im Fall einer Sturmflut durch ein Deichtor versperrbar.

Streckensicherung[Bearbeiten]

Die Zugsicherung erfolgt über Sprechfunk und eine Zugleitstelle. Die Strecke ist mit Trapeztafeln in Blockstellen eingeteilt. Die Einfahrt in den Block wird von der Zugleitstelle freigegeben. Darüber hinaus gibt es keine Signale die die Fahrtfreigabe regeln.

Die Bahnübergänge im gesamten Stadtgebiet – zuvor bis auf einen ungesichert – wurden ab 2004, die meisten 2006, straßenseitig über das Andreaskreuz (StVO-Zeichen 201) hinaus mit Halbschranken und Ampeln gesichert.[16] Gleisseitig sind die Bahnübergänge mit automatischen Überwachungssignalen versehen. Die Anlagen werden vom Zug automatisch bei Überfahren einer Induktionsschleife in entsprechendem Abstand vor dem Bahnübergang eingeschaltet. Vor 2006 war es im Durchschnitt im Jahr zu zwei bis drei Kollisionen zwischen Zügen und Kraftfahrzeugen gekommen.

Verkehr[Bearbeiten]

Seit Juli 2007 verkehren die Regelpersonenzüge im Wendezugbetrieb in Sandwichbespannung: Lok – Wagen – Lok. Die an der Spitze fahrende Lok zieht den Zug, während die Lok am Zugende nur mitläuft. Dieses Verfahren erspart das Umsetzen der Lokomotiven an den Endbahnhöfen. Zusätzlich zu diesem Regelverkehr wird in der Saison planmäßig einmal in der Woche eine Fahrt mit dem Wismarer Schienenbus T1 (Baujahr 1940, „Schweineschnäuzchen“) und – meist am Samstag oder Mittwoch – eine Fahrt mit dem „Nostalgiezug“ (restaurierte, historische Wagen unter Bespannung mit der Dampflokomotive BORKUMIII) angeboten.

Die Kleinbahn hat 39 Beschäftigte (2013) und befördert jährlich einschließlich des Busverkehrs etwa eine Million Passagiere.[17]

Zugsicherung[Bearbeiten]

Ursprünglich bremsten die Züge nur durch die Lok und eine Handbremse im Gepäckwagen. Erst mit der Beschaffung der neuen Zuggarnituren wurde bei der BKB 1994 die durchgehende Druckluftbremse eingeführt.[5]

Fahrzeugpark[Bearbeiten]

Im Rahmen eines langfristigen Investitionsprogramms wurde 1993/1994 der Fahrzeugpark erneuert.

Lokomotiven[Bearbeiten]

Die Hauptlast des Verkehrs tragen seitdem die 1993/1994 bei Schöma gebauten drei zweiachsigen Diesellokomotiven Hannover, Berlin und MünsterIII und die zur Einsparung des Lokwechsels an den Endbahnhöfen 2007 beschaffte gleichartige Lok Aurich. Alle drei Neubau-Diesellokomotiven fuhren von 1993 bis 2006 mit Biodiesel aus Rapsöl.[18] Alle vier Lokomotiven sind rot lackiert, jede hat aber ein andersfarbiges Auspuffrohr: Jeweils unter den Reedereifarben Rot-Blau-Schwarz ist das Auspuffrohr bei "Hannover" rot, bei "Berlin" grau, bei "Münster" schwarz und bei "Aurich" blau.[19]

Außerdem sind noch drei ältere Diesellokomotiven Leer (Baujahr 1935), MünsterII (Baujahr 1957) und Emden (Baujahr 1970) vorhanden. Die Lok Emden steht dabei in regelmässigem Einsatz und zieht in der Hauptsaison zu den Spitzenzeiten einen Verstärkungszug.

Reisezugwagen[Bearbeiten]

1993/94 wurden zwei Wagengarnituren, bestehend aus je acht Reisezugwagen und einem Gepäckwagen mit Abteil und Zugangsmöglichkeit für Rollstuhlfahrer von Waggonbau Bautzen geliefert. Im äußeren Erscheinungsbild wurden sie den alten bis dahin auf Borkum verkehrenden Wagen der Bauart Weyer angeglichen. Die Züge sind abweichend von der bisherigen Kupplungsart mit einer Scharfenbergkupplung ausgerüstet. Die Wagen sind in unterschiedlichen Farben gestrichen. Diese unterschiedlichen Farben haben – bis auf die drei jeweils gelb gestrichenen Wagen, die in jedem Zug mitlaufen – keine Bedeutung. Die gelbe Farbe dagegen markiert Wagen mit Bremsen und eingebautem Zugschlusssignal.

Neben diesen beiden Garnituren im Regelverkehr gibt es noch einen dritten Zug, der als Verstärkungszug in Spitzenzeiten verkehrt. Er besteht meist aus sieben der heute noch zehn erhaltenen vierachsigen Personenwagen der Baujahre 1908 bis 1928 (Hersteller waren Weyer, HAWA, Waggonfabrik Oldenburg) sowie den Altbau-Packwagen Nr. 39 oder 48.

Historische Fahrzeuge[Bearbeiten]

Dampflok BorkumIII mit dem Nostalgiezug
„Kaiserwagen“ der Borkumer Kleinbahn
Der Wismarer Schienenbus T1 im Borkumer Bahnhof

Der Nostalgiezug, aus den ältesten erhaltenen Wagen der BKB zusammengestellt, wird regelmäßig mit der zweiachsigen Dampflok BORKUMIII eingesetzt. Diese Dampflok hieß ursprünglich „Dollart“ (Baujahr 1942) und war bis 1962 im Einsatz. Von 1978 bis 1995 stand sie als Denkmal am Kurpark und ist nach umfangreicher Wiederaufarbeitung im Dampflokwerk Meiningen seit 1997 wieder betriebsfähig. Die erhaltenen historischen Wagen sind:

  • Wagen 1, ein vierachsiger ehemaliger Marinebahnwagen,
  • Wagen 2, ein zweiachsiger ehemaliger Marinebahnwagen,
  • Wagen 17, ein zweiachsiger Personenwagen (Baujahr 1889), das älteste erhaltene Fahrzeug,
  • Wagen 38 (sog. „Kaiserwagen“, Baujahr 1905) ist ein zweiachsiger Salonwagen,
  • Wagen 42, der 2008 grundlegend renoviert und umgebaut wurde, insbesondere erhielt er Polsterbänke (normalerweise haben die Wagen der BKB nur „Holzklasse“),
  • Wagen 45 wurde zum Bistrowagen umgebaut und erhielt dafür einen wageneigenen Generator und eine Theke.

Schließlich gehört noch der Wismarer Schienenbus T1 (Baujahr 1940) zum Fahrzeugpark.

Güterwagen[Bearbeiten]

Der Bestand umfasst zwei gedeckte zweiachsige Güterwagen (33 und 55), zwei vierachsige Flachwagen (60 und 62) sowie einen zweiachsigen Flachwagen, der aus dem Packwagen 9 hervorging und 2007 "rückgebaut" wurde. Alle diese Fahrzeuge haben die traditionelle Borkumer Kupplung mit zwei Außenpuffern und mittigem Kupplungshaken und werden z. B. bei (Gleis-)Bauarbeiten eingesetzt. Ebenfalls im Bestand ist seit den Gleisbauarbeiten 2007 ein Trichterwagen, der von der Kerkerbachbahn übernommen wurde und für gelegentlich noch erforderliche Schottertransporte bereitgestellt ist.

Betriebseinrichtungen[Bearbeiten]

Werkstatt/Lokschuppen[Bearbeiten]

Am südlichen Bahnhofskopf des Bahnhofs Borkum (Stadtbahnhof) befinden sich mit Einfahrt aus Richtung Norden die dreigleisige Werkstatt und der dreigleisige Lokschuppen der BKB. In der Werkstatt werden sämtliche Fahrzeuge der Kleinbahn gewartet und aufgearbeitet.

Wagenhalle[Bearbeiten]

Direkt hinter Werkstatt und Lokschuppen folgt (getrennt durch eine Straße) die viergleisige Wagenhalle der BKB, mit einem kurzen Freiluft-Abstellgleis daneben. Ihre Ein- und Ausfahrt befindet sich aber im Gegensatz zur Werkstatt bzw. zum Lokschuppen in Richtung Süden. Die Fahrt zwischen Lokschuppen und Fahrzeughalle ist nur mit zweimaligen Richtungswechsel und einem Befahren des Streckengleises möglich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Kappelhoff, Maximilian Graf von Spee: Die Fähre zum Festland. Eine kulturhistorische Betrachtung des Borkumverkehrs aus Anlass des 100jährigen Jubiläums der Borkumer Kleinbahn und der Reederei Aktien-Gesellschaft „Ems“ 1989. Selbstverlag der Aktien-Gesellschaft Ems. Emden 1989, insb, S. 41ff, 67ff.
  • msm: 125 Jahre Borkumer Kleinbahn. In: Eisenbahn-Revue International. 8-9 (2013), S. 430f.
  • Jörg Reith: Die Borkumer Inselbahn. In: Die Museumseisenbahn. 2/1975. Reprint als Sonderdruck zur Indienststellung der Dampflok BORKUM. Borkum 1997.
  • Manfred Richter: Sie Dampft wieder. In: Die Borkumer Inselbahn. – Sonderdruck zur Indienststellung der Dampflok BORKUM. Borkum 1997, S. 10.
  • Christoph Riedel: Die Triebfahrzeuge der Borkumer Kleinbahn. in: Jahrbuch Lokomotiven 2011. Verlag Podszun, Brilon 2010, ISBN 978-3-86133-574-0.
  • Hans Wolfgang Rogl: Archiv deutscher Klein– und Privatbahnen: Niedersachsen. transpress, Stuttgart 1996, ISBN 3-344-71022-2.
  • Hans Wolfgang Rogl: Die Nordsee-Inselbahnen. 6. Auflage. alba, Düsseldorf 1996, ISBN 3-87094-230-4.
  • Hans Schweers: Die Borkumer Kleinbahn und die Schiffe der A.G. „Ems“. Schweers + Wall, Köln 2007, ISBN 978-3-89494-132-1.
  • Gerd Wolff: Deutsche Klein– und Privatbahnen. Band 9: Niedersachsen 1. Zwischen Weser und Ems. EK-Verlag, Freiburg 2005, ISBN 3-88255-668-4, S. 13–33.

Weblinks[Bearbeiten]

Ausfahrt des historischen Zuges aus dem Bahnhof Borkum
 Commons: Borkumer Kleinbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Streckenende am Hafen
  1. Schweers, S. 22.
  2. Zitiert nach: Jan Schröder: Borkum. Ein illustriertes Reisehandbuch. Bremen 2001, ISBN 3-86108-416-3, S. 69.
  3. Schweers, S. 24, 39.
  4. Kappelhoff, S. 67ff.
  5. a b Schweers, S. 113.
  6. Reiner Preuß: Zweigleisiger Betrieb bei einer Schmalspurbahn. In: Sächsische Heimatblätter. 5/1990, S. 277–280.
  7. Schweers, S. 37.
  8. Schweers, S. 114.
  9. Volker Apfelt: Borkum – Festung im Meer. Die interessante Geschichte der Seefestung Borkum von den Anfängen im Jahre 1902 bis zur Schließung des Bundeswehrstandortes 1996. Eigenverlag, 2008, DNB 1003566537, S. 61; Schweers, S. 59.
  10. Schweers, S. 60.
  11. Reith, S. 8.
  12. Schweers, S. 71.
  13. Schweers, S. 75.
  14. Schweers, S. 92.
  15. Schweers, S. 81ff.
  16. Schweers, S. 101.
  17. eisenbahn-magazin. 6/2013, S. 30.
  18. Richter.
  19. msm, S. 430.