Bad Neuenahr-Ahrweiler

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler
Bad Neuenahr-Ahrweiler
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler hervorgehoben
50.5447222222227.113333333333399Koordinaten: 50° 33′ N, 7° 7′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Ahrweiler
Höhe: 99 m ü. NHN
Fläche: 63,4 km²
Einwohner: 26.919 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 425 Einwohner je km²
Postleitzahl: 53474
Vorwahlen: 02641
02646 (Stadtteil Ramersbach)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: AW
Gemeindeschlüssel: 07 1 31 007
Stadtgliederung: 13 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 116
53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Webpräsenz: www.bad-neuenahr-ahrweiler.de
Bürgermeister: Guido Orthen (CDU)
Lage der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler im Landkreis Ahrweiler
Remagen Grafschaft (Rheinland) Bad Neuenahr-Ahrweiler Sinzig Bad Breisig Brohl-Lützing Gönnersdorf bei Bad Breisig Waldorf (Rheinland-Pfalz) Burgbrohl Wassenach Glees Niederzissen Wehr (Eifel) Galenberg Oberzissen Brenk Königsfeld (Eifel) Schalkenbach Dedenbach Niederdürenbach Oberdürenbach Weibern (Eifel) Kempenich Hohenleimbach Spessart (Brohltal) Heckenbach Kesseling Kalenborn (bei Altenahr) Berg (bei Ahrweiler) Kirchsahr Lind (bei Altenahr) Rech Dernau Mayschoß Altenahr Ahrbrück Hönningen Kaltenborn Adenau Herschbroich Meuspath Leimbach (bei Adenau) Dümpelfeld Nürburg (Gemeinde) Müllenbach (bei Adenau) Quiddelbach Hümmel Ohlenhard Wershofen Aremberg Wiesemscheid Kottenborn Wimbach Honerath Bauler (Landkreis Ahrweiler) Senscheid Pomster Dankerath Trierscheid Barweiler Reifferscheid Sierscheid Harscheid (bei Adenau) Dorsel Hoffeld (Eifel) Wirft Rodder Müsch Eichenbach Antweiler Fuchshofen Winnerath Insul Schuld (Ahr) Nordrhein-Westfalen Landkreis Neuwied Landkreis Vulkaneifel Landkreis Mayen-KoblenzKarte
Über dieses Bild

Bad Neuenahr-Ahrweiler ist Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Ahrweiler im nördlichen Rheinland-Pfalz. Die Stadt entstand 1969 als Zusammenschluss der beiden Nachbarstädte Ahrweiler und Bad Neuenahr.

Geographie[Bearbeiten]

Bad Neuenahr-Ahrweiler liegt im Ahrtal im linksrheinischen Teil des Rheinlandes, im Norden von Rheinland-Pfalz etwa zehn Kilometer von der nordrhein-westfälischen Landesgrenze entfernt. Die nächstgelegenen Großstädte sind Bonn und Koblenz. Die Stadt ist von Bergen umgeben, die zum Ahrgebirge gehören und an deren Südhängen Weinbau betrieben wird.

Der höchste Berg im Stadtgebiet ist das Häuschen mit 506 m ü. NHN. Weitere Erhebungen sind der südlich gelegene Steckenberg (371 m) und der Neuenahrer Berg (339 m) sowie die östlich die Talerweiterung abschließende Landskrone (272 m). Auf den beiden letztgenannten Bergen standen einst Burgen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler grenzt im Uhrzeigersinn an folgende Städte, Gemeinden und Ortsgemeinden, beginnend im Norden: Grafschaft, Remagen, Sinzig, Königsfeld, Schalkenbach, Heckenbach, Kesseling, Rech und Dernau.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Bad Neuenahr-Ahrweiler ist gegliedert in Ortsbezirke, die aus einem oder mehreren Stadtteilen bestehen. Die Ortsbezirke werden durch Ortsbeiräte vertreten.[2] Der größte Stadtteil, Bad Neuenahr, wurde ursprünglich aus drei Gemeinden gebildet, die auch heute noch als Ortsteile verstanden werden.

Einwohnerstatistik per 31. März 2013 (Haupt- und Nebenwohnung):[3]

Ortsbezirk Untergliederung Einwohnerzahl
31. März 2013
Ahrweiler Stadtteil: Ahrweiler 7.553
Bachem Stadtteil: Bachem 1.238
Bad Neuenahr Ortsteile: Beul, Hemmessen und Wadenheim 11.950
Gimmigen Stadtteil: Gimmigen 737
Heimersheim Stadtteile: Heimersheim und Ehlingen 3.166
Heppingen Stadtteil: Heppingen 909
Kirchdaun Stadtteil: Kirchdaun 387
Lohrsdorf Stadtteile: Lohrsdorf und Green 675
Ramersbach Stadtteil: Ramersbach 603
Walporzheim Stadtteile: Walporzheim und Marienthal 732

Geschichte[Bearbeiten]

Bad Neuenahr um 1900
Landskrone um 1900

Altertum[Bearbeiten]

Funde aus der Hallstattzeit (1000-500 v. Chr.) zeigen, dass Kelten in der Region ansässig waren und Ackerbau und Viehzucht betrieben. In den Jahren 58 v. Chr. bis 50 v. Chr. wurde der Gallische Krieg geführt, eine Folge daraus war die fast vollständige Vernichtung der autochthonen keltischen Urbevölkerung, die dem Stamm der Eburonen angehörte. Germanische Stammesverbände rückten in die linksrheinischen Gebiete am Mittelrhein ein. Aus dem 1. bis 3. Jahrhundert existieren zahlreiche Funde aus der Römerzeit; unter anderem die Villa Rustica am Silberberg.

Mittelalter[Bearbeiten]

Anno 893 wurde Ahrweiler erstmals im Prümer Urbar (Güterverzeichnis aus der Benediktinerabtei Prüm) als Arwilre, Arewilre, Arewilere und später Arweiller benannt. Danach besaß die Abtei in Ahrweiler einen Herrenhof mit 24 Hofstellen, 50 Morgen Ackerland und 76 Morgen Weinberge. Das Dorf Wadenheim wurde 992, also knapp einhundert Jahre danach, erstmals genannt, Hemmessen folgte im Jahr 1106. Die erste urkundliche Erwähnung einer Pfarrkirche in Ahrweiler stammt aus dem Jahr 1204, um 1225 wurde die Burg und die Grafschaft Neuenahr (Newenare) durch den Grafen von Are-Nürburg errichtet, das Geschlecht wurde nach der Burg benannt. Zwanzig Jahre darauf ließ König Konrad IV. Ahrweiler durch Burggraf Gerhard von Landskron brandschatzen. Die Ortschaft wurde 1246 an das Erzbistum Köln verschenkt.

Am 2. August 1248 erfolgte die Bestätigung der Stadtrechte den Bürgern Ahrweilers durch Erzbischof Konrad I. von Are-Hochstaden in Are (Altenahr). 1250 begann der Bau der heute noch existierenden Stadtmauer von Ahrweiler, dieser wurde etwa zehn Jahre später abgeschlossen. Um das Jahr 1255 herum wurde Ahrweiler bereits regelmäßig Stadt (lat. oppidum = „Stadt“) genannt, erhielt allerdings erst 1320 das Stadtsiegel. Im Jahr 1269 wurde mit dem Bau der St. Laurentius-Pfarrkirche begonnen. Eine Urkunde vom 22. Februar 1277 enthält erstmals den Beleg Ahrweilers als Stadtgemeinde und nennt die Vertreter der kommunalen Selbstverwaltung: Schöffen, Bürger und Gemeinde von Ahrweiler (scabini, burgenses ac universitas in Arwilre).[4]

Spätestens im 13. Jahrhundert leben unter dem Schutz des Kölner Erzbischofs Juden in Ahrweiler. Im Verlauf der Pestpogrome 1348/49 wird die jüdische Gemeinde ausgelöscht; seit 1367/70 sind wieder Juden in der Stadt. Auch eine Mikwe lässt sich nachweisen. Unter den jüdischen Einwohnern der Stadt werden auch Schriftgelehrte genannt.[5]

Die Herzöge von Jülich erhielten 1343 die Grafschaft Neuenahr zum Lehen. Um 1350 wurden erstmals die innerstädtischen Viertel Oberhut, Adenbachhut, Niederhut und Ahrhut genannt. Im Jahr 1352 folgten nach dem Tod des Grafen Wilhelm von Neuenahr schwere Erbstreitigkeiten, da sein Geschlecht in männlicher Linie mit ihm ausstarb. Aus dem Jahr 1365 stammt das älteste erhaltenes Stadtsiegel von Ahrweiler. 1366 trat Ahrweiler dem Landfriedensbündnis Maas-Rhein bei[6], das am 13. Mai 1351 zwischen Erzbischof Wilhelm von Gennep, dem Herzog Johann von Brabant, dessen Sohn Herzog Gottfried von Limburg (*1347, †1352) und den Städten Köln und Aachen auf zehn Jahre vereinbart und dann stetig verlängert worden war.[7]

Zu einem Eingriff durch den Erzbischof von Köln Friedrich III. von Saarwerden kam es 1372, die Burg Neuenahr wurde zerstört und Kurköln zum Mitbesitzer der Grafschaft. Zwei Jahre darauf erfolgte die erste Nennung des Dorfes Beul in der Grafschaft Neuenahr. Die Ahrweiler Huten (Ahrhut, Niederhut, Oberhut, Adenbachut), ursprünglich fiskalische Bürgergemeinschaften, wurden 1411 mit Wehraufgaben betraut.

Nach dem Tod des Erzbischofs und Kurfürsten Dietrich II. von Moers am 14. Februar 1463 waren nahezu alle Schlösser, Burgen, Ämter und Renten in den Händen von Pfandinhabern. Infolgedessen kam es in Kurköln am 26. März 1463 zur rheinischen Erblandesvereinigung, die vom Erzbischof beschworen werden musste. An ihr beteiligte sich das Kölner Domkapitel, die Grafen, Ritter und die bedeutendsten Städte. Auch die Stadt Ahrweiler besiegelte die Vereinigung.[8] Im Verlauf der Kölner Stiftsfehde (1473-1480) wurde Ahrweiler im April und Mai 1474 durch Truppen des Kölner Erzbischofs Ruprecht von der Pfalz belagert. Mauern und Huten wehrten die Angriffe ab.[9]

Neuzeit[Bearbeiten]

Aus dem Jahr 1510 stammt die älteste überlieferte Stadtordnung für Ahrweiler. 36 Jahre später, 1546, kam es zur Rückeroberung der Grafschaft Neuenahr durch den Herzog von Jülich; seitdem war die Grafschaft mit dem Herzogtum Jülich als Amt Neuenahr vereint. Auch in Ahrweiler gab es Hexenverfolgungen. Eine erste, überlieferte Aktennotiz deutet auf eine entsprechende Hinrichtung 1501 hin: Do Tryne van Eich verbrant wart, heißt es in der Ratsnotiz. Details überliefert eine für die Jahre 1628/29 überlieferte, ausführliche Generalrechnung was wegen des Hexenwesenß alhi neben den special gerichtlichen rechnunghen so vff jeder persohn gestelt vor Uncosten drufgangen. Die Hinrichtungen fanden danach auf Honenstein hinter dem Kalvarienberg statt.[10] 1629 erreichte die Hexenverfolgung mit der Verbrennung der Frau des Bürgermeisters Stapelberg ihren Höhepunkt. In der besagten Rechnungslegung der Ahrweiler Hexenprozesse sind 26 Personen namentlich aufgeführt, die verbrannt worden waren.[11]

Mit dem Vertrag von Xanten aus dem Jahr 1614 infolge des Jülich-Klevische Erbfolgestreits fiel Neuenahr an das Herzogtum Pfalz-Neuburg. Generalfeldmarschall Wolf Heinrich von Baudissin erzwang 1632 den Einzug in die Stadt, gegen die Entrichtung einer hohen Summe am 11. Dezember kam es zu keinen Plünderungen. Vier Jahre darauf eroberte Bernhard von Sachsen-Weimar Ahrweiler. Nach einer Niederlage der kaiserlichen Truppen in der Schlacht bei Krefeld (Niederrhein) unter General Guillaume de Lamboy am 17. Januar 1642 wurden 2200 Mann zu Fuß und 700 Kavalleristen für vier Monate lang nach Ahrweiler gelegt; es kam zu Plünderungen, Brandschatzungen, Raub, Vergewaltigungen. Im Juli 1646 eroberte der französische General Vicomte de Turenne Ahrweiler. Wieder kam es zu Plünderungen, zu Raub und Mord.[12][13]

Nur zwei Jahre danach forderte die Pest mehr Menschenleben als zuvor der Dreißigjährige Krieg. Neuenahr fiel mit Jülich-Berg 1685 an die Kurpfalz. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg besetzten französische Truppen am 7. September 1688 Ahrweiler. Bei ihrem Rückzug zündeten die Franzosen die Stadt am 1. Mai 1689 unter General Henri d'Escoubleau de Sourdis an; Ahrweiler wurde bis auf zehn Häuser niedergebrannt.

Im Jahr 1797 wurde Ahrweiler mit der gesamten Region französisch und gehörte zum Rhein-Mosel-Département. Bei der Säkularisation 1803 folgte das Ende der tausendjährigen Herrschaft des Klosters Prüm in Ahrweiler, die Benediktiner-Mönche waren nicht mehr länger Pfarrherren. 1815 wurde die preußische Rheinprovinz gegründet. Dasselbe Jahr markiert die Geburtsstunde der Kreise Ahrweiler und Adenau; Ahrweiler wurde zum Sitz der Kreisverwaltung. Der Straßentunnel bei Altenahr wurde 1834 eröffnet, damit begann der Fremdenverkehr. Etwa zwanzig Jahre darauf, 1852, wurde der Apollinarisbrunnen erbohrt. Im Jahr 1856 wurden die Heilquellen erschlossen und zwei Jahre später ein Heilbad in Wadenheim gegründet.[14]

1875 erfolgte die Zusammenlegung der Orte Wadenheim, Hemmessen und Beul zur Gemeinde Neuenahr (Name der ehemaligen Burg, der Grafschaft und des Burgberges). Die Ahrtalbahn von Remagen bis Ahrweiler wurde 1880 eröffnet (1886 führte sie bis Altenahr, 1910 erfolgte der zweigleisige Ausbau). Von 1906 bis 1917 verkehrte außerdem die Elektrische gleislose Bahn Ahrweiler in der Stadt, ein früher Oberleitungsbus-Betrieb. Zwischen 1899 und 1901 wurden das Thermal-Badehaus, der Ostbau, das Kurhotel und das Kurhaus gebaut.

Im Jahr 1908 wurde das Ahrgau-Museum durch Peter Joerres gegründet. Das Ahrhochwasser forderte 1910 mehrere Menschenleben. Am 30. Juli 1912 starb Kardinal-Erzbischof Antonius Fischer während einer Kur. Am 5. Juli 1927 genehmigte das Preußische Staatsministerium das Wappen des Kreises Ahrweiler. Im selben Jahr wurde der Heilcharakter der Quellen anerkannt – Neuenahr wurde Bad Neuenahr.

1933 lebten 31 jüdische Einwohner (zehn Familien) in Ahrweiler sowie 96 jüdische Einwohner in Bad Neuenahr. Im Verlauf der Novemberpogrome 1938 wurden die Ahrweiler und die Bad Neuenahrer Synagoge geschändet und noch bestehende jüdische Geschäfte verwüstet. 1942 erfolgte die Deportation der letzten jüdischen Einwohner in Vernichtungslager.

Während des Zweiten Weltkriegs kam es in den letzten beiden Kriegsjahren zu schweren Kriegsschäden durch alliierte Bombenangriffe auf Ahrweiler, dabei wurden 126 Häuser insbesondere in der unteren Ahrhutstraße, Schützbahn und Blankenheimer Hof zerstört. Nach dem Krieg, 1946, wurde Ahrweiler zum Sitz der Kreisverwaltung im neu gegründeten Land Rheinland-Pfalz. Fünf Jahre später erfolgte die Verleihung der Stadtrechte an Bad Neuenahr.

1953 wurde die „Bundesschule der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk“ im Stadtteil Marienthal eingerichtet. Der Zusammenschluss der Städte Ahrweiler und Bad Neuenahr und der Gemeinden Gimmigen, Heimersheim, Kirchdaun und Lohrsdorf zu Bad Neuenahr-Ahrweiler im neu gegründeten Landkreis Ahrweiler erfolgte am 7. Juni 1969. Die bis dahin selbstständige Gemeinde Ramersbach wurde am 16. März 1974 eingemeindet.[15] Im Jahr 1971 wurde die THW-Bundesschule in die Katastrophenschutzschule des Bundes umgewandelt. Bei Bauarbeiten an der Bundesstraße 267 wurde 1980 eine Römervilla entdeckt. Zwischen 1991 und 1993 wurden die Ahrthermen gebaut. 1995 kam es zum Kompromiss von Bad Neuenahr: Es wurde eine historische Einigung zwischen den deutschen Länderregierungen zu einem neuen Rundfunkstaatsvertrag erzielt. Die Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen (Technikfolgenabschätzung) wurde 1996 gegründet, im selben Jahr wurde die Akademie für Notfallplanung und Zivilschutz (AkNZ) – seit 2002 Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) – eingerichtet.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Bad Neuenahr-Ahrweiler bezogen auf das heutige Stadtgebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[16][1]

Jahr Einwohner
1815 5.276
1835 6.508
1871 7.328
1905 12.104
1939 15.795
1950 18.091
Jahr Einwohner
1961 21.652
1970 24.015
1987 24.608
1997 26.668
2005 27.589
2012 26.919

Religion[Bearbeiten]

Vorherrschende Religion in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist das römisch-katholische Christentum. Evangelische Christen sind in der Minderheit. Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland tagt jährlich, zumeist im Januar, in Bad Neuenahr.

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat in Bad Neuenahr-Ahrweiler besteht aus 36 ehrenamtlichen Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem hauptamtlichen Bürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:[17]

Wahl SPD CDU GRÜNE FDP LINKE FWG WGR Gesamt
2014 7 17 4 1 1 4 2 36 Sitze
2009 6 17 4 3 5 1 36 Sitze
2004 7 20 3 2 4 36 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten]

Hauptamtlicher Bürgermeister ist Guido Orthen (CDU), der am 25. April 2010 mit 57,8 % direkt gewählt wurde.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Bad Neuenahr-Ahrweiler unterhält seit 1988 eine Partnerschaft mit dem belgischen Brasschaat.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Bad Neuenahr-Ahrweiler ist ein Kurort mit kohlensäurehaltigen Natronthermen an der Apollinarisquelle, erheblich geprägt vom Weinbau und mit 284 Hektar bestockter Rebfläche größte Weinbaugemeinde der Ahr. Es werden hauptsächlich Rotweinreben angepflanzt.

Des Weiteren steuern Industriebetriebe wie Apollinaris, Morgan Rekofa, ZF Sachs (ehemals Boge) und J.M. Schmitt ihren Teil zur wirtschaftlichen Stabilität des Ortes bei. Daneben war die Bundeswehr mit dem Logistikzentrum des Heeres bis Ende des Jahres 2012 ein großer Arbeitgeber für die Menschen vor Ort.

Der Tourismus muss für die Mittelstadt als weiterer wichtiger Wirtschaftszweig genannt werden. Vor allem Bad Neuenahr, als eines der wenigen privat geführten Heilbäder in Deutschland, steht mit seinen zahlreichen großen Kliniken und zahlreichen Hotels für die meisten Arbeitsplätze, optimal ergänzt durch Ahrweiler mit seinem sehenswerten Altstadtkern, ist es ein beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel für Touristen. Das Restaurant Zur Alten Post von Hans Stefan Steinheuer im Stadtteil Heppingen zählt mit zwei Michelin-Sternen zu den zehn besten in Deutschland. Die Bad Neuenahrer Ahr-Thermen mit den weltberühmten Quellen werden zu den schönsten Thermal-Badelandschaften Europas gezählt. Hier können auch die zahlreichen touristischen Wege erwähnt werden: Rotweinwanderweg, AhrSteig und Ahr-Radweg (Ahrtalweg).

Verkehr[Bearbeiten]

Luftverkehr[Bearbeiten]

Der Flugplatz Bad Neuenahr-Ahrweiler liegt unmittelbar nördlich der Stadt und ist als Sonderlandeplatz zugelassen. Die befestigte Start- und Landebahn hat eine Länge von 500 Metern. Der Flugbetrieb ist zugelassen für Flugzeuge bis zu zwei Tonnen Höchstgewicht, Hubschrauber, Motorsegler, Segelflugzeuge, Ultraleichtflugzeuge und Luftsportgeräte sowie Ballone. Der Platz unterliegt einer PPR-Regelung (prior permission required) und ist bei Sichtflug-Wetterbedingungen anfliegbar.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Bad Neuenahr, Straßenseite

Die Bahnhöfe Bad Neuenahr und Ahrweiler sowie die Haltepunkte Heimersheim, Ahrweiler Markt (nahe der historischen Innenstadt von Ahrweiler) und Walporzheim liegen an der Unteren Ahrtalbahn (KBS 477) RemagenAhrbrück, auf der im Personennahverkehr die „Rhein-Ahr-Bahn“ (RB 30) verkehrt.

Straßen[Bearbeiten]

An das Fernstraßennetz ist Bad Neuenahr-Ahrweiler über die Autobahnzubringer 571 und 573 an die Bundesautobahn 61 angeschlossen.

Ausbildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Im Stadtteil Ahrweiler ist auf der Anhöhe Godeneltern die 1996 gegründete und 2002 umbenannte Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ansässig, welche als zentrale Ausbildungsstätte des Bundes im Bereich des Bevölkerungsschutzes fungiert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ahrweiler, Niederhutstraße: Fachwerkhäusern u. Niedertor

Im Stadtteil Ahrweiler befindet sich die Römervilla, in welcher ein Herrenhaus aus der Römerzeit des 2. bis 3. Jahrhunderts freigelegt und untergebracht ist. Das Herrenhaus ist, nebst großem Badetrakt, sehr gut erhalten, wodurch potenzielle Besucher einen sehr plastischen Einblick in die gehobene römische Wohnlebensweise erhalten können. In Ahrweiler selbst gibt es viele prächtige, aufwändig restaurierte Fachwerkhäuser und eine gut erhaltene mittelalterliche Stadtmauer mit teilweise noch vorhandenem Graben. Alle vier Stadttore, Ober-, Walporzheimer oder Gisemer Tor, Nieder- oder Rheintor, Adenbach- oder Winzertor und Ahrtor sind erhalten. Die Tore sind sehr unterschiedlich gebaut, zwei sind Doppelturmtore (Ahrtor, Niedertor), zwei Dreimauertore (an der Stadtseite offene, portallose Tore). Das Obertor wurde 1500 auf der offenen Stadtseite mit einer vierten Mauer versehen, hat seitdem zwei Portale. Das Adenbachtor – benannt nach dem wüst gefallenen Flecken Adenbach – wurde erst 1974 nach 285 Jahren wiederhergestellt. Von den drei mittelalterlichen Wohntürmen sind nur der Weiße Turm, der seit dem 17. Jahrhundert statt des gotischen Helms eine oftmals erneuerte barocke Haube hat, und der Kolwenturm (Colventurm, oftmals umgebaut) am Adenbachtor erhalten (heute Burgrestaurant Adenbach). Der Schenkenturm nahe dem Obertor (auch Kautenturm, Runder Turm, Roter Turm) wurde 1811 abgerissen. Weiterhin sind zwei der sieben mittelalterlichen Adelshöfe, der (große) Blankartshof (vormals Fischenicher Hof) und der Deutsche Hof, dazu zwei Klosterhöfe erhalten: der Prümer Hof und der Rodderhof. Nicht mehr existent sind die Adelshöfe Dalwigkscher Hof (vor dem Adenbachtor), Ehrensteiner Hof (neben dem Prümer Hof), Gymnicher Hof (Weinanbaugebiet), Kolwehof (nahe Adenbachtor) und der Eltzer Hof (ehemaliger (kleiner) Blankartshof) am Ahrtor.

Spielbank in Bad Neuenahr

Der Stadtteil Bad Neuenahr ist eine bekannte Kurstadt mit zugehörigen beachtenswerten Kuranlagen und Kureinrichtungen, so den Ahrthermen und dem Kurhaus (erbaut 1903-1905), das heute das Spielcasino beherbergt. Zahlreiche Villen und Kurhotels, unter anderem auch das ehemalige kaiserliche Postamt, nach dem die Poststraße benannt ist, zeugen noch von der Blütezeit des Bades zu Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ursprünglich bildete sich Bad Neuenahr aus den Orten Beul, Wadenheim und Hemmessen. Einzelne Bauobjekte, wie Kapellen, die Rentmeisterei oder Fachwerkhäuser geben von deren Geschichte noch Zeugnis. Südlich Neuenahrs finden sich noch Reste der namengebenden Burg der Grafen von Neuenahr (zerstört 1372), an ihrer Stelle wurde vor etwa 40 Jahren ein Aussichtsturm errichtet.

Die auf der rechten Ahrseite oberhalb der Rentei stehende Willibrorduskirche war die Wadenheimer-Pfarrkirche. Sie stammt in Teilen aus der Spätromantik. 1899–1901 wurde in Wadenheim die Rosenkranz-Basilika des Architekten August Menken errichtet, ihr 60 m hoher Turm beeinflusst das Stadtbild. Die Kapelle in Hemmessen (St. Sebastian) wurde 1869 an Stelle einer früheren errichtet.

2002 entstand bei einem internationalen Bildhauersymposium entlang der Ahr der Skulpturenweg Bad Neuenahr-Ahrweiler. Er ist gleichzeitig ein Teilstück des Skulpturenwegs Rheinland-Pfalz.

Regelmäßige Stadtführungen finden während der Hauptsaison für Touristen statt.

Im Stadtteil Marienthal befand sich der inzwischen aufgegebene und weitgehend rückgebaute Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes, der im Verteidigungsfall zentralen Bundesorganen eine atomsichere Zuflucht bieten sollte. Ein kleiner, vom Rückbau ausgenommener Teil dieses „Regierungsbunkers“ ist im Jahr 2007 als Museum des Kalten Krieges eröffnet worden. Bekannt ist auch die Ruine des Augustinerinnen-Klosters.

Im Stadtteil Heppingen befindet sich eines der renommiertesten Restaurants Deutschlands. Hans Stefan Steinheuers Restaurant Zur Alten Post trägt seit 1986 (Erlangen des ersten Michelin-Sterns) zum kulinarischen Aufschwung der Region bei.

Im Ortsteil Ramersbach befindet sich eine im Jugendstil erbaute Kirche. St. Barbara wurde 1908 gebaut und feiert 2009 das 100-jährige Bestehen. Zu diesem Anlass wird derzeit eine Chronik erarbeitet.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat am 19. April 2012 die ersten 30 „Stolpersteine“ in Erinnerung an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Bad Neuenahr-Ahrweiler verlegt. Im Jahr 2013 werden weitere Stolpersteinen im Stadtgebiet hinzu kommen[18].

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Schulen[Bearbeiten]

In Bad Neuenahr-Ahrweiler gibt es drei Gymnasien: Im Stadtteil Bad Neuenahr sind das Peter-Joerres-Gymnasium und das Are-Gymnasium, das als Ganztagsschule organisiert ist, beheimatet, in Ahrweiler befindet sich die Klosterschule Kalvarienberg, wo inzwischen koedukativer Unterricht erteilt wird. Daneben gibt es zwei Realschulen: die Philipp-Freiherr-von-Boeselager-Realschule Ahrweiler und eine Realschule, welche auch zur Klosterschule Kalvarienberg gehört (Mädchenschule). Ferner die Erich-Kästner-Realschule plus, zwei Förderschulen (Don-Bosco-Schule und Levana-Schule), eine berufsbildende Schule sowie die Privatschule Carpe Diem mit Internats-Anschluss.

Die Stadt hat drei Grundschulen, je eine in den Stadtteilen Ahrweiler, Bad Neuenahr und Heimersheim.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

in Bad Neuenahr-Ahrweiler geboren[Bearbeiten]

mit Bad Neuenahr-Ahrweiler verbunden[Bearbeiten]

  • Karl Marx (1818–1883) Kurgast im "Hotel Flora" [19]
  • Blandine Merten (Schwester Blandine) (1883–1918), Ordensschwester und Selige, trat 1908 in die Ursulinenkongregation Calvarienberg in Ahrweiler ein; dort befinden sich im Kloster Kalvarienberg ein Blandinen-Archiv sowie ein Blandinenmuseum.
  • Georg Habighorst (1899–1958), Arzt (Sanitätsrat) in Ahrweiler und Politiker; es gibt eine Georg-Habighorst-Straße in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
  • Hermann Cuno (1831–1896), Architekt, entwarf die 1872 erbaute Martin-Luther-Kirche in Bad Neuenahr–Ahrweiler.
  • Peter Gabrian (* 1922), Maler, Grafiker und Bildhauer, porträtierte Kurt Beck und Andrea Nahles.
  • Walter Wirz (* 1947), Politiker, Landtagsabgeordneter des Wahlkreises Bad Neuenahr–Ahrweiler
  • Pen Cayetano (* 1954), Musiker und Maler aus Belize, lebt in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
  • Günter Ruch (1956–2010), Autor, lebte in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
  • Stephan Maria Glöckner (* 1961), Designer und Musiker
  • Anno Saul (* 1963), Drehbuchautor und Filmregisseur, besuchte das Peter-Joerres-Gymnasium Ahrweiler.
  • Sandra Minnert (* 1973), Trainerin des Frauenfußball-Bundesligavereins SC 07 Bad Neuenahr

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bad Neuenahr-Ahrweiler – Sammlung von Bildern
 Wikisource: Bad Neuenahr-Ahrweiler – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. 16. Dezember 2011, abgerufen am 6. März 2014 (PDF; 784 kB).
  3. Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, Einwohnerstatistik per 31. März 2013
  4. Quellen zur Geschichte der Stadt Ahrweiler Bd.1, hg. Robert Bous und Hans-Georg Klein, Nr.108 (S.65), Bad Neuenahr-Ahrweiler 1998
  5. Germania Judaica II,1 S. 3-4; III,1 S. 5-7.
  6. Rheinischer Antiquarius, III.Abt., Bd.9, S.650ff.
  7. Hermann Keussen: Wilhelm, Erzbischof von Köln. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 43, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 113–115.
  8. Rheinischer Antiquarius, III. Abt., Bd. 9, S.659ff.
  9. Hans-Georg Klein: Die Belagerung Ahrweilers 1474, in: HJbKAhrweiler 1999, S.66-75
  10. Rheinischer Antiquarius, III. Abt., Bd. 9, S.690,695ff.
  11. weitere Nachweise: Paul Krahforst: Ahrweiler Hexenprozesse im 16. und 17. Jahrhundert, in: Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler Jg.1977, S.66
  12. Rheinischer Antiquarius, III. Abt., Bd. 9, S.710f.
  13. Josef Müller: 1646 - ein Schreckensjahr des Dreißigjährigen Krieges in Ahrweiler, in: HJbKAhrweiler, Jg. 1993, S.95
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatA. J. Weidenbach: Die Thermen von Neuenahr ... ein vollständiger Führer für Curgäste. Bonn 1864, abgerufen am 19. Februar 2014 (sehr detailreich über das Bad und seine Einrichtungen Mitte des 19. Jahrhunderts).
  15. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Seite 170 (PDF; 2,6 MB)
  16. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  17. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  18. Das Projekt „Stolpersteine“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler
  19. Heinrich Gemkow: Karl Marx' letzter Aufenthalt in Deutschland. Als Kurgast in Bad Neuenahr 1877. Plambeck, Neuss 1986 ISBN 3-88501-063-1