Charles Joseph de Croix, comte de Clerfait

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François Sébastian Charles Joseph de Croix Graf von Clerfait und von Carbonne, auch Clerfayt oder Clairfait, (* 14. Oktober 1733 auf Schloss Bruille im Hennegau (Österreichische Niederlande); † 21. Juli 1798 in Wien) war ein österreichischer Feldmarschall.

Leben[Bearbeiten]

Graf Clerfayt
Grabmal auf dem Friedhof Hernals

Clerfait avancierte im Siebenjährigen Krieg zum Oberst, kämpfte 1788 und 1789 im Türkenkrieg als Feldmarschallleutnant und wurde 1790, nachdem er die Türken bei Kalafat (27. Juli) geschlagen hatte, zum Feldzeugmeister befördert. Im Jahr 1792 warf er mit Beaulieu die Franzosen aus den Niederlanden zurück, nahm an der Einnahme von Longwy und Verdun teil, bemächtigte sich am 1. September des wichtigen Postens bei Stenay, deckte den Rückzug des Herzogs von Braunschweig nach Koblenz und erhielt dann in den Niederlanden statt des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen das Kommando gegen Dumouriez.

Am 1. März 1793 überfiel er die Franzosen bei Aldenhoven, zwang sie zur Aufhebung der Belagerung von Maastricht und entschied am 18. März in der Schlacht von Neerwinden den Sieg. Die Schlacht bei Wattignies am 15. und 16. Oktober 1793 verlor er. 1794 schlug er in Flandern mehrere Angriffe der Feinde zurück, konnte aber nach der Schlacht bei Fleurus, die Prinz Coburg verlor, den Feind nicht mehr aufhalten. In Coburgs Stelle eingerückt, führte er die Armee in Ordnung über den Rhein zurück.

1795 erhielt er als Reichsfeldzeugmeister den Oberbefehl über die österreichische und die Reichsarmee am Mittel- und Niederrhein. Als im Herbst Jourdan bei Düsseldorf und Pichegru bei Mannheim über den Rhein drangen, warf sich Clerfait auf erstern, schlug ihn am 10. Oktober bei Höchst am Main und warf ihn über den Rhein zurück. Danach eilte er nach Mainz, das von 70.000 Franzosen eingeschlossen war, eroberte die für unüberwindlich gehaltenen Mainzer Linien und trieb den Feind über Ingelheim gegen Bingen und über Oppenheim bis Alzey zurück. Auf einen Winterfeldzug nicht eingerichtet, schloss er am 21. Dezember einen Waffenstillstand und kehrte im Januar 1796 nach Wien zurück.

Auf dem Weg dorthin nahm er am 5. Januar 1796 in Frankfurt am Main sein Quartier im Gasthof Römischer Kaiser. Sein Sieg bei Höchst hatte die Stadt vor der Eroberung durch französische Truppen bewahrt, deshalb gab sie ihm zu Ehren einen Festakt im Städtischen Theater, bei dem ein eigens zu diesem Anlass gedichteter Prolog von Johann Jakob Ihlée vorgetragen wurde. Der Senat unter Führung des Älteren Bürgermeisters Adolph Carl von Humbracht ernannte ihn am 7. Januar 1796 zum Ehrenbürger von Frankfurt. Für diese Ehre, die die Stadt erst zum zweiten Mal verlieh, ließ Kaiser Franz II. dem Senat sein Allergnädigstes Wohlgefallen ausdrücken.

Wegen Zwistigkeiten mit dem Minister Thugut wegen des Waffenstillstandes und des Vorwurfs, viel zu wenig rasche Initiative ergriffen zu haben, erhielt er den Oberbefehl nicht wieder und trat in den Hofkriegsrat, starb jedoch allgemein geachtet am 21. Juli 1798, von der Stadt Wien durch ein ehrenhalber gewidmetes Grab (Gruppe OK, Nummer 1) auf dem Hernalser Friedhof geehrt.

Rezeption[Bearbeiten]

Durch die kaiserliche Entschließung von Franz Joseph I. vom 28. Februar 1863 wurde Clerfait in die Liste der „berühmtesten, zur immerwährenden Nacheiferung würdiger Kriegsfürsten und Feldherren Österreichs“ aufgenommen, zu deren Ehren und Andenken auch eine lebensgroße Statue in der Feldherrenhalle des damals neu errichteten k.k. Hofwaffenmuseums (heute: Heeresgeschichtliches Museum Wien) errichtet wurde. Die Statue wurde 1867 vom Bildhauer Thomas Seidan (1830-1890) aus Carrara-Marmor geschaffen, gewidmet wurde sie von Kaiser Franz Joseph selbst.[1]

1894 benannte man die Clerfaytgasse in Wien-Hernals nach ihm. 1908 wurde Clerfait zum „immerwährenden Inhaber des k.u.k Galizischen Infanterie-Regiments Nr. 9“ ernannt.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Das Museum und seine Repräsentationsräume. Kiesel Verlag, Salzburg 1981, ISBN 3-7023-0113-5, S. 36 f.