Collegium Josephinum Bonn

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Collegium Josephinum Bonn
Cojobo wappen.gif
Schulform Gymnasium und Realschule
Gründung 1880 in Vaals (Niederlande)
1920 Umzug nach Bonn
Ort Bonn
Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 44′ 57,2″ N, 7° 4′ 38,5″ O50.7492333333337.07735Koordinaten: 50° 44′ 57,2″ N, 7° 4′ 38,5″ O
Träger Redemptoristenorden
Schüler etwa 1300
Lehrkräfte etwa 65
Leitung Gymnasium: Peter Billig,
Realschule: Dirk Berger
Website www.cojobo.net

Das Collegium Josephinum Bonn ist eine staatlich anerkannte, katholische Privatschule in der Trägerschaft des Redemptoristenordens im Ortsteil Auerberg. Es umfasst ein Gymnasium mit 900 und eine Realschule mit 400 Schülern[1]. Beide Schulen sind nicht koedukativ; sie werden nur von Jungen besucht. Allerdings besteht eine Kooperation mit der nahegelegenen Mädchenschule des Erzbistums Köln in Bornheim-Hersel, das sich früher in der Trägerschaft der Ursulinen befand. Das Collegium Josephinum erhebt kein Schulgeld.

Schulgeschichte[Bearbeiten]

1880 gründete der Redemptoristenorden das Collegium Josephinum als Internatsschule für den deutschen Ordensnachwuchs. Da durch die Jesuitengesetze der preußischen Regierung (Kulturkampf) die Arbeit des Ordens auf deutschem Reichsgebiet stark behindert wurde, wurde als Standort das Städtchen Vaals gewählt, das unmittelbar hinter der deutsch-niederländischen Grenze liegt. Diese Schule wurde von Schülern aus ganz Deutschland besucht. Einer von ihnen war für zwei Jahre der Schriftsteller Stefan Andres.

Als nach dem Ende des Ersten Weltkriegs die unbehinderte Arbeit des Ordens wieder möglich war, wurde das leerstehende Gebäude des Waisenhauses „St. Joseph an der Höhe“ im Norden Bonns gekauft und das Ordensgymnasium mit Internat sowie das Kloster für die in der Schule arbeitenden Redemptoristen eingerichtet. Seit 1930 war das Abitur des Collegium Josephinum staatlich anerkannt.

Unter den Nationalsozialisten wurde das Collegium Josephinum 1940 aufgelöst, das Gebäude beschlagnahmt und als nationalsozialistische Lehrerbildungsanstalt eingerichtet. Gegen Ende des Krieges erhielt das Gebäude einige schwere Bombentreffer.

Frontansicht

1945 bis 1980[Bearbeiten]

Als am 9. März 1945 Einheiten der US-amerikanischen Armee in Bonn einrückten, erhielten die Redemptoristen ihr Eigentum zurück und begannen sofort mit dem Wiederaufbau. Schon zwei Monate später wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen.

Eine wesentliche Veränderung gegenüber der Vorkriegszeit bestand darin, dass das Collegium Josephinum nicht mehr eine reine Internatsschule für Ordensnachwuchs war, sondern für andere Schüler aus Bonn und Umgebung geöffnet wurde. Infolgedessen wuchs die Zahl der Schüler in den 1950er und 1960er Jahren stark an, so dass die Räumlichkeiten schon bald nicht mehr ausreichten. Gleichzeitig sank in diesem Zeitraum die Zahl der internen Schüler. Das Internat verlor an Bedeutung.

Im Jahr 2010 wurden Vorwürfe gegen drei ehemals im Internat (geschlossen 1983) tätige Patres erhoben, die sich auf sexuelle oder körperliche Misshandlung in den 1950er und 1960er Jahren bezogen. Die Ordensprovinz geht diesen Vorwürfen durch einen extern beauftragten Richter nach.[2]

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Aus dem Bericht dieses Beauftragten geht hervor, daß von 1949 bis in die 1980er Jahre hinein, 16 Patres Kinder misshandelten und 9 dieser Patres die Kinder auch sexuell missbraucht haben. Die Täter hätten den Missbrauch hinter dem Schein einer positiv wahrgenommenen Arbeit mit Jugendlichen verstecken können und ihre Opfer durch ein Regiment des Schreckens, Strafen und Belohnung, Nachspionieren durch Spitzel, Unterdrückung und Gewalt ausgenutzt. Für die Kinder sei es unmöglich gewesen, diesem System zu entrinnen. Bei allem habe die Aufsicht gefehlt oder versagt. Für die damaligen Ordensverantwortlichen habe die Regel gegolten, dass die Vorfälle nicht die Öffentlichkeit erreichten. Also Täterschutz geht vor Opferschutz. Ein ausführlicher Bericht eines ehemaligen Absolventen des Collegiums Josephinum, in dem er über den jahrelangen Missbrauch durch den pädokriminellen Pater Segeroth berichtet, ist in dem Buch "Ich bin hinter dir - Katholische Internatsgeschichten", Herausgeber Rolf Cantzen, Alibri Verlag, Aschaffenburg, 2012, enthalten. Die Missbrauchsopfer haben sich als Verein „Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen“ e.V. organisiert.[3]

Da die Schülerzahl im Bereich des Gymnasiums wuchs, wurde 1976 mit Unterstützung durch das Erzbistum Köln ein Schulneubau beschlossen. Gleichzeitig wurde zur Erweiterung des Bildungsangebotes die Realschule eröffnet. 1980 konnte das neue Gebäude für beide Schulen bezogen werden. Der Internatsbetrieb wurde dagegen 1983 eingestellt.

ab 1980[Bearbeiten]

Das CoJoBo war durch den Neubau von den Einschränkungen jahrzehntelanger räumlicher Provisorien befreit und wurde durch neue Lehrerinnen und Lehrer verjüngt. Die Leitung übernahmen die Direktoren Pater Dietger Demuth (1980 bis 1993), Pater Peter Niesemann (1985 bis 2006) und Peter Billig (seit 1993). Das Gymnasium des CoJoBo lag 2010/11 mit 791 Schülern auf Platz 13 der 19 Bonner Gymnasien, während man im Jahre 1965 noch Platz 19 eingenommen hatte. Die Realschule und das Gymnasium des CoJoBo verzeichnen bis heute eine beständige Nachfrage aus Bonn und den nordwestlichen Nachbargemeinden beiderseits des Rheins.

CoJoBo-Stiftung[Bearbeiten]

Für das Jubiläumsjahr 2005 haben sich Redemptoristen, Lehrer und Ehemalige das Ziel gesetzt, Unabhängigkeit für die Zukunft sichern zu helfen. Die erforderlichen finanziellen Anstrengungen sollen durch eine Stiftung unter dem Dach der bereits errichteten Redemptoristen-Stiftung übernommen werden. Die CoJoBo-Stiftung hat als Ziel die Förderung von Erziehung und Bildung, Wissenschaft und Religion durch Unterstützung der Schulseelsorge, der Realschule und des Gymnasiums des Collegium Josephinum in Bonn.

Die feierliche Gründung der Stiftung fand an Christi Himmelfahrt (5. Mai 2005) durch den Provinzial der Provinz St. Clemens, Pater Hermann ten Winkel, statt.

Die Geschichte der Josephshöhe[Bearbeiten]

Der heutige Standort des Collegium Josephinum hat seit dem Mittelalter seine besondere Geschichte. Die Anhöhe im Norden von Bonn war der Platz des Bonner Hochgerichts. Neben der alten Römerstraße von Bonn nach Köln stand der Galgen. Weil dadurch die Örtlichkeit ohnehin etwas Anrüchiges hatte, wurde sie für die Ansiedlung eines Leprosoriums, also eines Aussätzigen-Hospizes, gewählt. Derartige Einrichtungen waren in ganz Westeuropa notwendig geworden, nachdem sich die Lepra im Gefolge der Kreuzzüge stark verbreitet hatte. Dieses Leprosorium bestand aus einer kleinen Kapelle, einem Bauernhof zur Versorgung der Kranken, und winzigen Wohnungen für die Aussätzigen von Bonn und Umgebung. Die Kapelle war dem heiligen Lazarus geweiht, dem Patron der Aussätzigen. Seine Statue aus dem 16. Jahrhundert befindet sich heute noch in der Kirche des Redemptoristenklosters an der Kölnstraße.

Im frühen 18. Jahrhundert erlosch in Europa die Lepra infolge verbesserter Lebens- und Hygienebedingungen. Die Einkünfte des Bauernhofes wurden daher für Bedürftige in Bonn verwendet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigten sich im Rheinland die sozialen Folgen der wachsenden Industrialisierung, unter anderem in einer steigenden Anzahl von entwurzelten und elternlosen Kindern, die heute Straßenkinder genannt würden. Der katholische Verein von Bonn entschloss sich daher 1868, das Gelände des ehemaligen Leprosariums einschließlich des Bauernhofes zu kaufen und hier ein Waisenhaus zu errichten. 1872 konnte der erste Gebäudeteil der „Unterrichts- und Erziehungsanstalt St. Joseph an der Höhe“ bezogen werden. In den folgenden Jahrzehnten gedieh dieser bemerkenswerte Versuch zu einem blühenden sozialen Unternehmen. Es bot in seiner besten Zeit etwa 300 Kindern eine Heimat und verhalf ihnen über – mit heutigen Begriffen umschrieben – Kindergarten, Grundschule, Hauptschule, Lehrwerkstätten und Berufsschule zu einem soliden Start ins Leben.

Die politische und wirtschaftliche Katastrophe am Ende des Ersten Weltkrieges führte die Erziehungsanstalt in den Ruin. Die Gebäude wurden zeitweise als Lazarett benutzt, fähiges Personal war an die Kriegsfront abgezogen worden, und die Versorgung der verbliebenen Kinder und Jugendlichen war nicht mehr aufrechtzuerhalten. Daher war das zuständige Kuratorium einem Verkauf nicht abgeneigt, als der Redemptoristenorden nach einem neuen Standort für seine Internatsschule Collegium Josephinum suchte.

Alt-Josephiner[Bearbeiten]

Um den Kontakt zu den ehemaligen Schülern herzustellen und zu pflegen, existiert eine eigene Arbeitsgemeinschaft, die Alt-Josephiner. Die Gruppe aus aktiven und ehemaligen Schülern veranstaltet jedes Jahr das Ehemaligentreffen (Zeitpunkt ist immer der Samstag eine Woche vor dem 1. Advent), welches im Durchschnitt mit über 400 Personen jedes Jahr zu einem Event wird.

Zu den bekannten ehemaligen Schülern des Collegium Josephinum gehören:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schulprofil des CoJoBo: http://www.cojobo.net/schulvorstellung/schulprofil
  2. http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=765620
  3. http://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/