Dieter Meier

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieter Meier an der Verleihung des Schweizer Filmpreises 2012

Dieter Meier (* 4. März 1945 in Zürich) ist ein Schweizer Konzeptkünstler und Musiker, der vor allem als Sänger des Elektropop-Duos Yello internationalen Bekanntheitsgrad erlangte.

Leben[Bearbeiten]

Dieter Meier wurde am 4. März 1945 in Zürich geboren. Er begann ein Jurastudium, brach dieses aber ab. Anschließend arbeitete er in einer Bank und danach als Berufspokerspieler. Sein Vater stammt aus ärmlichen Verhältnissen, war dann aber im Berufsleben als erfolgreicher Unternehmer tätig.

Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre machte Meier, der sich selbst als „Individual-Anarchist“ bezeichnet, durch aussergewöhnliche Aktionen auf sich aufmerksam; beispielsweise inszenierte er im Jahr 1968 am Haupteingang des Zürcher Warenhauses Magazine zum Globus ein Strassentheater. 1971 gab er in New York City jedem Passanten eine Quittung über einen US-Dollar, der zu ihm die Worte „yes“ oder „no“ sagte.

1972 ließ Meier als Beitrag zum Concept-Art-Programm der documenta 5 am Kasseler Hauptbahnhof eine Metalltafel mit folgender Aufschrift einbetonieren: „Am 23. März 1994 von 15.00 – 16.00 Uhr wird Dieter Meier auf dieser Platte stehen“. Dieses verwirklichte er dann auch. Noch am gleichen Tag wurde die Tafel entfernt.[1] Dazu erzählte er in der NDR Talk Show im April 2014: „Zeit und Endlichkeit, das beschäftigt mich in ganz vielen Aspekten. Das war ein wirklich berührendes Ereignis, 22 Jahre später dort zu stehen, was ja eine Anmaßung war [...] Da kamen ganz viele Leute, zum Teil sogar angeflogen. Hunderte von Leuten standen da. Für die war diese Tafel, über die sie täglich zur Arbeit gingen, dass da irgendein Meier 22 Jahre später stehen wird, das war wie ein Memento mori [...] Es war dieses unsinnige Datum einer höchst unwichtigen Tatsache [...] Die Leute kamen, um das zu sehen, was ist das für ein Kerl. Ich hatte mir vorgenommen, eigentlich nichts zu reden, sondern einfach dazustehen. Ich habe mit Dutzenden Leuten geredet, die mir sogar ihr Flugticket hingehalten haben zum Unterschreiben.“[2]

Ein weiteres Projekt von ihm heißt Le Rien En Or (Das Nichts in Gold). Abgesehen von einer Goldkugel hat Meiter unter diesem Titel elf Alltagsgegenstände in der Innenstadt von Zürich vergoldet; dazu zählen beispielsweise Teile von Brückengeländern, Signaltafeln, Strassenpfosten und Dachrinnen. Durch diese Vergoldung sollen die Gegenstände mehr Beachtung erhalten. Die goldene Kugel La Boule d'Or Centenaire (Goldene Jahrhundertkugel) soll in den nächsten 100 Jahren an acht festgelegten Daten zwölf Meter auf einer Holzstrecke zurücklegen. Am 26. April 2008 geschah dies beispielsweise in Hamburg vor einem Spielkasino.

Dieter Meier ist seit 1974 verheiratet und Vater von drei Töchtern und einem Sohn. Er hat fünf Wohnsitze, die sich in Zürich, Berlin, Los Angeles, Argentinien und Ibiza befinden.[3] Als sein Markenzeichen gelten sein Schnurrbart, Halstuch und Zigarre.

Musik[Bearbeiten]

Ende der 1970er Jahre traf Dieter Meier Boris Blank und wurde im Jahr 1984 Sänger der Band Yello. Zudem ist Meier für die Produktion der Musikvideos zuständig. Eines der kommerziell erfolgreichsten Songs von Yello ist das Stück The Race, das 1988 als Titelmelodie der Musiksendung Formel Eins diente und später vom Fernsehsender Eurosport für Trailer verwendet wurde.

Im Jahr 1988 startete Meier als Produzent, Regisseur und Schauspieler ein Filmprojekt mit der Musik von Yello. Doch erst im Jahr 2001 wurde der Film fertiggestellt und auf der Berlinale 2002 gezeigt. Eine überarbeitete Version wurde 2009 beim Zurich Film Festival gezeigt.

1996 kaufte Meier die ehemalige Villa des Stummfilmstars Antonio Moreno in Los Feliz, einem Stadtteil von Los Angeles. In dem dortigen Musikstudio arbeitet Meier zusammen mit Boris Blank an Filmmusik und Videos.

Im Jahr 2014 veröffentlichte Meier mit Out of Chaos das erste Soloalbum seiner Musikkarriere.

Unternehmer und Investor[Bearbeiten]

Als Unternehmer ist Dieter Meier an Euphonix beteiligt, einer zu AVID gehörenden Firma für digitale Mischpulte und DAW-Controller im Silicon Valley. Zudem lässt Meier Biogemüse und Rotwein anbauen, entwirft Uhren und züchtet Rinder. 1973 kam er auf die Idee, eine Biofarm in Argentinien zu betreiben, als er sich auf einer Reise der Möglichkeiten der dortigen Landwirtschaft gewahr wurde. 1997 kaufte er sich 2200 Hektar Land, das vier Autostunden von Buenos Aires entfernt ist.

Auf den in der Pampa Humeda gelegenen Estancias Ojo de Agua und Algarobo betreibt Meier auf einer Fläche von ca. 20.000 Hektar eine rund 10.000 Rinder umfassende Zucht der Rassen Hereford und Black Angus. Sowohl der Wein, den er im Weinbaugebiet Agrelo Alto in Mendoza anbauen lässt, als auch das produzierte Fleisch sind mit dem argentinischen Bio-Zertifikat ArgenCert ausgezeichnet.[4] Sein Geschäft heißt Ojo de Agua (Wasserauge), in dem Meier Wein, Fleisch, Mais, Soja, Getreide und Gemüse anbietet. Inzwischen beschäftigt er 20 Mitarbeiter.

Im Herbst 2008 eröffnete Meier in Zürich ein Restaurant mit Namen Bärengasse, wo ebenfalls Produkte seiner Farm Ojo de Agua angeboten werden. Ende November 2013 wurde dann sein erstes Restaurant in Deutschland in Frankfurt am Main eröffnet, weitere sind in Planung.[5]

Am 7. April 2010 wurde aus den von der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange publizierten Meldungen bezüglich der Offenlegung von Beteiligungen bekannt, dass Meier über seine auf den Britischen Jungferninseln eingetragenen Campdem Development SA mehrere Beteiligungen hält, wie beispielsweise 13,6 Prozent an der BVZ Holding und 13,99 Prozent an der Orell Füssli Holding.[6][7] Damit ist er nach der Schweizerischen Nationalbank, die einen Anteil von 33 Prozent hält, zweitgrösster Einzelaktionär der Orell Füssli Holding.[8][9] Die nach dem Schweizer Börsengesetz vorgeschriebene Meldepflicht trat laut der Schweizer Börse mehrere Jahre zuvor ein, jedenfalls vor dem 1. Januar 2009, und wurde von Dieter Meier nie offengelegt. Der Wert der beiden Beteiligungen betrug zum Zeitpunkt der Offenlegung 51,6 Millionen Schweizer Franken.[10]

Diskografie[Bearbeiten]

Studioalben[Bearbeiten]

  • 2014: Out of Chaos

Kompilationen[Bearbeiten]

Singles[Bearbeiten]

  • 1978: Cry for Fame
  • 1978: Jim for Tango
  • 2002: I Want You Back (X-Press 2 featuring Dieter Meier)
  • 2002: Side by Side (Com&Com featuring Dieter Meier)
  • 2009: Gimme (Headman featuring Dieter Meier)
  • 2014: Paradise Game
  • 2014: Buffon

Filmografie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Kurt Boehlke: Kunst im öffentlichen Raum – Kassel 1950 – 1991; Marburg 1991, ISBN 3-89445-109-2.
  • Heiner Georgsdorf: Kunst im öffentlichen Raum Band 2 – Kassel 1992 – 2005; Marburg 2007, ISBN 3-89445-347-8.
  • Ausstellungskatalog (mit Ergänzungen): documenta 5. Befragung der Realität – Bildwelten heute; Katalog (als Aktenordner) Band 1: (Material); Band 2: (Exponatliste); Kassel 1972.
  • 2011: Works 1969 – 2011 and the Yello Years, Sammlung Falckenberg, Hamburg und danach im ZKM, Karlsruhe; Werkschau über die Konzeptkunst und die Elektropop-Musik des Künstlers

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sachbuch: Kunst im öffentlichen Raum. 3-bändig, mit Essay und Fotografie der 61x61 Zentimeter großen Gusseisenplatte. Jonas Verlag, Marburg. Herausgeber: Magistrat der Stadt Kassel (Kulturamt)
  2. NDR Talk Show. Fernsehsendung, 11. April 2014, 120 Min. - Autor: Sebastian Fuchs, Regie: Eduard Baumgartner, Redaktion: Carola Conze, Norddeutscher Rundfunk
  3. Dieter Meier – Millionär im Müßiggang. In: faz.net. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Juni 2010, abgerufen am 26. Januar 2011.
  4. Dieter Meier Puro Argentinien, abgerufen am 11. Februar 2012
  5. Ojo de Agua - Premium-Beef-Restaurant & Weinkontor ab Ende November in Frankfurt: Argentina a lo mejor!, abgerufen am 28. März 2014
  6. Bedeutende Aktionäre der BVZ Holding AG gem. Bundesgesetz über die Börsen und den Effektenhandel, SIX Swiss Exchange, 8. April 2010
  7. BVZ Holding AG, Ad-hoc-Medienmitteilung vom 7. April 2010 (PDF; 25 kB)
  8. Bedeutende Aktionäre der Orell Füssli Holding AG gem. Bundesgesetz über die Börsen und den Effektenhandel, SIX Swiss Exchange, 8. April 2010
  9. „Dieter Meier legt Beteiligungen offen“, Handelszeitung, 7. April 2010
  10. Dazu in einem Porträt der Rheinischen Post (14. März 2011): "weil mein Vater eine Bank hatte, investierte er das Geld. Ich habe mich darum nicht gekümmert." Meiers Vater Walter, der heute 96 Jahre alt ist, ... . Meier ignorierte aus Unwissen die meldepflichtige Schwelle für Aktienbesitz von drei Prozent, und nun hat die Börsenaufsicht eine Strafe verhängt: 200 000 Franken. "Ich war ganz überrascht, was da zusammengekommen ist", sagt Meier.