Thann

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Thann (Begriffsklärung) aufgeführt.
Thann
Wappen von Thann
Thann (Frankreich)
Thann
Region Elsass
Département Haut-Rhin
Arrondissement Thann (Unterpräfektur)
Kanton Thann (Chef-lieu)
Koordinaten 47° 48′ N, 7° 6′ O47.8066666666677.1044444444444343Koordinaten: 47° 48′ N, 7° 6′ O
Höhe 328–922 m
Fläche 12,51 km²
Einwohner 7.930 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 634 Einw./km²
Postleitzahl 68800
INSEE-Code
Website http://www.ville-thann.fr/

Blick auf die Altstadt von Thann
Rathaus
Blick auf das Industriegebiet und den Bahnhof
Die Thur fließt durch Thann
Der Turm des Münster St. Theobald beherrscht das Stadtbild

Thann (elsässisch: Dànn, deutsch: Thann bzw. zeitweilig Tann) ist eine französische Stadt mit 7930 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Haut-Rhin in der Region Elsass. Die Stadt ist Sitz der Unterpräfektur (Sous-préfecture) des Arrondissements Thann.

Geographie[Bearbeiten]

Thann liegt in den Vorbergen der Vogesen am Flüsschen Thur etwa 15 Kilometer nordwestlich von Mülhausen, im Regionalen Naturpark Ballons des Vosges.

Geschichte[Bearbeiten]

Thann wurde urkundlich erstmals im Jahr 1290 erwähnt, Stadtrecht erhielt es 1360. Die Stadt war bis zum Dreißigjährigen Krieg Teil von Vorderösterreich.

In Thann wütete die frühneuzeitliche Hexenverfolgung besonders stark. Allein im Zeitraum von 1572–1620 wurden annähernd 140 Menschen hingerichtet, meist auf dem Scheiterhaufen.[1]

1659 kam die Stadt durch Schenkung von König Ludwig XIV. in den Besitz von Kardinal Jules Mazarin, den der Sonnenkönig für seine Verdienste belohnen wollte.

Den Adelstitel eines Grafen von Thann und Rosemont (frz. Comte de Thann et de Rosemont) trägt heute der jeweils regierende Fürst von Monaco (seit 2005 Fürst Albert II. von Monaco).

Im 19. Jahrhundert und bis in die 1960er Jahre hinein war Thann stark von der Textilindustrie geprägt. Dazu gesellte sich eine Chemiefabrik zur Unterstützung der Textilproduktion (Färberei). Dieses heute noch existierende Werk gilt als die älteste Chemiefabrik in Europa. Den Interessen der örtlichen Industrie ist es auch zu danken, dass 1839 eine der ersten französischen Zugverbindungen für den Personenverkehr von Mülhausen nach Thann eröffnet wurde.

Im Krieg von 1870 fiel Thann mit dem Elsass an das Deutsche Reich. Einige Einwohner verließen die Stadt, weil sie französisch bleiben wollten. Im Ersten Weltkrieg wurde Thann schon 1914 von Frankreich zurückerobert, nicht ohne erhebliche Zerstörungen hinnehmen zu müssen, und war vier Jahre lang „Hauptstadt des befreiten Elsass“.

Heute ist Thann eine Dienstleistungs- und Touristenstadt, in der auch der Weinbau eine nicht unbeträchtliche Rolle spielt. So befindet sich auf dem Gemeindegebiet auch eine der bekanntesten Weinbaulagen des Elsass, der Rangen. Diese Lage ist eine von insgesamt 50 Alsace-Grand-Cru-Lagen.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007
Einwohner 7736 8218 8519 7788 7751 8033 7973

Politik[Bearbeiten]

Thann ist Mitglied und Sitz der Communauté de communes du Pays de Thann. Bürgermeister (Maire) der Stadt ist seit 1989 Jean-Pierre Baeumler (PS).

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Thann pflegt folgende Städtepartnerschaften:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch:Liste der Monuments historiques in Thann

Hauptartikel: Münster zu Thann
Blick durch das Hexenauge, im Hintergrund die Stadt Thann

Das gotische Münster St. Theobald mit seinen prächtigen und gut erhaltenen Sandsteinfiguren (Gotischer Torbogen), Bleiglasfenstern und Heiligenfiguren ist nach dem Straßburger Münster eines der besten Beispiele Oberrheinischer Gotik im Elsass. Es wurde vom 13. bis zum 15. Jahrhundert erbaut, der 76 m hohe Turm wurde 1516 vollendet.

Ausflugsziele gibt es in der weiteren Umgebung (Vogesen – Elsässer Belchen) und ganz in der Nähe: Die Ruine der Burg „Engelsburg“ ist über der Stadt zu besichtigen. Kurios ist deren umgekippter Bergfried, der in der Region auch als „Hexenauge“ bezeichnet wird.

Zu den Sehenswürdigkeiten in der Umgebung gehört das Staufen-Kreuz, ein Monument in Form eines Lothringerkreuzes. Es wurde 1949 zur Feier der 300-jährigen Zugehörigkeit von Teilen des Elsass zu Frankreich seit 1648 errichtet. Das Denkmal kam 1981 in die Schlagzeilen, weil es innerhalb eines halben Jahres zweimal von Separatisten der Elsässischen Kampfgruppe Schwarze Wölfe (ESKW) gesprengt wurde.

Thann ist mit drei Blumen im Conseil national des villes et villages fleuris (Nationalrat der beblümten Städte und Dörfer) vertreten.[2] Die „Blumen“ werden im Zuge eines regionalen Wettbewerbs verliehen, wobei maximal drei Blumen erreicht werden können.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Johannes Pauli (* um 1455; † nach 1530), Franziskanermönch, der in Thann wirkte
  • Jean Baptiste Joseph Gobel (* 1. September 1727 in Thann; † 13. April 1794 in Paris), Bischof von Paris.
  • Ernst Robert Curtius (1886–1956), deutscher Romanist, in Thann geboren
  • René Laforgue (1894–1962), französischer Psychiater und Psychoanalytiker, in Thann geboren
  • Élizabeth Lutz (1914–2008), Mathematikerin, in Thann geboren
  • Dominique Meyer (* 1955), französischer Wirtschaftswissenschaftler, Manager, Politberater und Theaterleiter
  • Remy Faesch (* 1460 in Basel, † 1533/1534 in Thann), arbeitete als Architekt und Baumeister an das Theobaldusmünster zu Thann und erbaute die Kornhalle derselben Stadt.
  • Auguste Scheurer-Kestner, (* 1833 in Mulhouse, † 1899 in Bagnères-de-Luchon), Chemiker und Politiker, forderte die Entwicklung der Chemie-Industrie in Thann und verteidigte seine Stellung zur Seite des Capitaine Dreyfuss.
  • Marc Pfertzel (* 1981), Fußballer, wuchs in Thann auf

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Assaf Pinkus: The Patron Hidden in the Narrative: Eve and Johanna at St. Theobald in Thann, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte, Jg. 70, Heft 1 (2007), S. 23-54.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Wilhelm Gottlieb Soldan: Soldans Geschichte der Hexenprozesse. Band I, Outlook, Bremen 2011, ISBN 978-3-86403-185-4, S. 492 (Reprint der Originalausgabe von 1880, Digitalisat, abgerufen am 13. November 2012).
  2. Haut-Rhin, Palmarès des communes labellisées (französisch) Abgerufen am 14. Januar 2010