Airbus Helicopters

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Airbus Helicopters
Logo
Rechtsform Société par actions simplifiée
Gründung 1992
Sitz Marignane, FrankreichFrankreich Frankreich
Leitung Guillaume Faury
Mitarbeiter 15.600[1]
Umsatz 5,415 Mrd. EUR (2011)
Branche Hersteller von Hubschraubern
Website www.airbushelicopters.com

Airbus Helicopters, 1992–2013 Eurocopter, ist ein europäischer Hersteller von Hubschraubern und Flugzeugbauteilen. Airbus Helicopters entstand 1992 aus den Hubschrauber-Sparten der DASA und der französischen Aérospatiale. Airbus Helicopters ist eine hundertprozentige Tochter des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus Group (früher EADS).

Airbus Helicopters ist weltweit führend am zivilen und halbstaatlichen Markt für Hubschrauber bei einem Marktanteil von 52 Prozent im Jahr 2010. Im April desselben Jahres gab es mehr als 10.500 Hubschrauber des Unternehmens in mehr als 140 Ländern.[1] Im Jahr 2012 wurde ein Umsatz von 6,3 Milliarden Euro bei insgesamt 469 Neubestellungen erwirtschaftet.[2]

Organisation[Bearbeiten]

Airbus Helicopters wurde im Jahr 1992 gegründet und ist ein deutsch-französisch-spanischer Konzern und Geschäftsbereich der Airbus Group, einem weltweit führenden Unternehmen in der Luft- und Raumfahrt und im Verteidigungsgeschäft. Organisatorisch gliedert sich Airbus Helicopters in einen deutschen, einen französischen und einen spanischen Teil. Das internationale und französische Hauptquartier liegt in Marignane, das deutsche in Donauwörth und das spanische in Madrid. Im Rahmen der Umstrukturierung des Mutterunternehmens wurde der Konzern zum Jahreswechsel 2013/2014 von Eurocopter in Airbus Helicopters umbenannt.[3]

Forschungs- und Produktionsstätten[Bearbeiten]

Standorte[4] finden sich in Deutschland in:

  • Donauwörth (Geschäftsführung Airbus Helicopters Deutschland, Entwicklung, Prototypenbau, Wartung, Rotoren- und Endfertigung, Flugzeugtüren, Testcenter, Kundenservice, Trainingscenter);
  • Ottobrunn (ehemals Entwicklung, seit 2013 Verlagerung nach Donauwörth) und
  • Kassel (Wartung, Ausstattung sowie technisches Training);

in Frankreich in:

  • Marignane (Geschäftsführung, Entwicklung, Prototypenbau, Wartung, Endfertigung, Logistik, Testcenter und Kundenservice) und
  • La Courneuve (Rotorenbau und -Entwicklung, Marketing);

in Spanien in:

  • Madrid (Geschäftsführung Eurocopter Spanien, Rumpffertigung, Wartung und Herstellung von Bauelementen)
  • Albacete (Rumpf- und Endfertigung, Logistik und Wartung)

In den Vereinigten Staaten[5] befindet sich die Geschäftsführung von American Eurocopter in Grand Prairie, Texas und eine Produktionsstätte in Columbus, Mississippi. In Brasilien hält Airbus Helicopters Anteile an dem dortigen Hubschrauberhersteller Helibras.

Geschichte[Bearbeiten]

Historisches Logo
Eurocopter AS 350 Écureuil („Eichhörnchen“)
Eurocopter AS 365 N1 Dauphin 2

Anfang Juli 2006 wurde bekannt, dass die US-Armee mit Eurocopter-Hubschraubern im Wert von etwa drei Milliarden US-Dollar (rund 2,36 Milliarden Euro) beliefert wird. Die 332 Helikopter vom Typ UH-145 sind der größte Auftrag für ein einzelnes Modell bei Eurocopter. Eine weitere Option auf bis zu 20 Stück in den nächsten zehn Jahren wurde vereinbart. Die erste Auslieferung war für den November 2006 geplant. Im Programm LUH (Light Utility Helicopter) werden Eurocopter und EADS erstmals Hauptauftragnehmer der US-Streitkräfte. Der Bedarf im LUH-Programm umfasst bis zu 352 Hubschrauber.

Seit 2003 war Fabrice Brégier CEO von Eurocopter und wurde im November 2006 zum COO von Airbus bestellt. Sein Nachfolger als CEO bei Eurocopter war Lutz Bertling, der diese Position bis zum März 2013 innehatte. Sein Nachfolger ist Guillaume Faury.

Insgesamt 381 neue Militär- und Zivilhelikopter wurden 2006 ausgeliefert, was einen Gesamtumsatz von 3,8 Milliarden Euro und einen Anstieg von 18 Prozent gegenüber 2005 bedeutete. Geprägt war das Jahr durch eine hohe Nachfrage nach neuen Modellen. Sie steigerte sich auf 615 Neuhubschrauber im Gesamtwert von 4,89 Milliarden Euro (2005: 3,52 Milliarden Euro). Damit erreichte der Auftragsbestand Ende Dezember 2006 den neuen Rekordwert von 11 Milliarden Euro.

Im Dezember 2008 teilte das US-amerikanische Verteidigungsministerium mit, dass der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS den Zuschlag zur Lieferung von 39 Light Utility Helicopter (LUH) vom Typ EADS UH-72A Lakota an die US-Armee im Wert von 208 Millionen Dollar (knapp 164 Mio. Euro) erhalten hat. Die Hubschrauber sollen dort den UH-1 Iroquois in der Variante UH-1H ablösen. Insgesamt sollen 345 Lakota-Helikopter bis 2017 angeschafft werden. 200 davon werden an die National Guard ausgeliefert.[6] Im Zuge der Umstrukturierung und Umbenennung des Mutterkonzerns EADS wurde im August 2013 beschlossen, das Unternehmen Eurocopter in Airbus Helicopters umzubenennen.[7] Das Unternehmen steht in direkter Konkurrenz zum russischen Hubschrauberkonsortium Oboronprom und der US-amerikanischen Bell Helicopter.

Forschung[Bearbeiten]

Geräuscharme Rotorblätter[Bearbeiten]

Seit 1998/99 arbeitet Airbus Helicopters an einer Möglichkeit, das charakteristische Hacken eines Hubschraubers zu minimieren. Ansatzpunkt sind dabei die Rotorblätter, da der Lärm in erster Linie von diesen verursacht wird; die Antriebsturbine tritt hierbei weniger störend in Erscheinung. Die aerodynamische Entwicklung der Rotoren machte in den vergangenen Jahrzehnten zwar erhebliche Fortschritte, sodass die Geräusche im Reiseflug drastisch verringert wurden, ganz vermieden werden kann dieses „Knattern“ mit herkömmlichen Rotorblättern allerdings nicht. Ähnlich wie an den Tragflächenenden eines Flugzeugs entstehen an den Rotoren spiralförmige Wirbel, die im Reiseflug relativ wenig stören, weil sie von der anströmenden Luft schnell aus der Rotorebene transportiert werden. Befindet sich der Hubschrauber im langsamen Sink- oder Steigflug, durchschlägt das nachfolgende Rotorblatt die entstehenden Wirbel des vorangegangenen. Diese schlagartige Druckänderung wirkt wie eine knallende Peitsche – die schnelle Abfolge dieser „Peitschenhiebe“ wird am Boden als lästiges Knattern wahrgenommen. Um diesem Effekt zu begegnen, wurde ein Rotorblatt mit Doppelpfeilung – ähnlich den Flügeln eines Albatrosses – entwickelt. Dadurch konnte das Knattern um 3 bis 4 dB reduziert werden.[8]

Die Geräuschentwicklung der Rotorblätter lässt sich außerdem durch aktive Klappen an den Rotorblättern dämpfen, die im Takt der Umdrehung reguliert werden. Dadurch lässt sich eine deutliche Minderung des Lärmpegels und der Vibrationen erreichen. Langfristig sollen sogar Verringerungen der Vibration um 90 Prozent denkbar sein. Im Herbst 2005 wurde das System auf dem Experimentalhubschrauber BK 117 S7045 am Eurocopter-Standort im bayerischen Donauwörth zum ersten Mal im Flugbetrieb erprobt. Erweist sich die Methode im Flugtest als funktionstüchtig und effizient, plant Eurocopter, die Klappen für den Einsatz am EC 145 serienreif zu machen. Später ist der Einsatz auch an anderen Hubschraubertypen von Eurocopter vorgesehen.[9]

Helikopter mit Dieselmotorantrieb[Bearbeiten]

Auf der Pariser Luftfahrtschau 2009 wurde erstmals das Konzept eines mit Dieselmotor (mit Hubkolben und hoher Kompression – statt Kerosinturbine) betriebenen Helikopters, des sogenannten Bluecopters, vorgestellt. Entwicklungsziel ist, die Lärmentwicklung um 10 dB, den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid um 30 % und den Ausstoß von Stickoxiden um 60 % zu verringern.[10]

Airbus Helicopters X3[Bearbeiten]

Hauptartikel: Airbus Helicopters X3
Airbus Helicopters X3 auf der ILA 2012

Seit dem 25. Januar 2008 wird bei Airbus Helicopters an einem schnellfliegenden Flugschrauber gearbeitet. Dieser schnellfliegende Flugzeug-Helikopter-Hybrid wurde englisch Highspeed-Hybrid-Helicopter, abgekürzt H3, genannt, woraus später die Bezeichnung X3 (X-Cube) entstand, wobei X für eXperimental steht. Der X3-Flugschrauber besteht aus dem Rumpf und dem Hauptrotor des EC155 (AS365 N4 Dauphin) mit zwei Turbinen des NH90 vom Typ RTM322 von Rolls-Royce,[11] auf die ein adaptiertes Hauptgetriebe des EC175 aufgesetzt wurde, das seinerseits den Hauptrotor und zwei Vortriebspropeller antreibt. Bei höheren Geschwindigkeiten verringert sich die Umdrehungszahl des Rotors, um Überschallgeschwindigkeiten der Rotorblätter zu vermeiden, die wegen der dadurch auftretenden Luftverdichtung die Geschwindigkeit des Vorwärtsflugs beeinträchtigen. Ein Heckrotor zum Ausgleich des Drehmoments des Auftriebrotors ist nicht erforderlich, da dies über die Antriebspropeller ausgeglichen wird. Mit dieser Konfiguration sollen Geschwindigkeiten von über 220 kn (410 km/h) erreicht werden.[12] Am 6. September 2010 nahm Airbus Helicopters Testflüge mit einem Prototyp des Flugschraubers X3 auf der Istres-Le Tubé Flugbasis (Base Aérienne 125) auf (Luftfahrzeugkennzeichen: F-ZXXX).[13] Das angestrebte Konstruktionsziel besteht zusammengefasst in einer 50-prozentigen Erhöhung der Geschwindigkeit bei um lediglich 25 % erhöhten Kosten.

Eurocopter X4[Bearbeiten]

Am 6. März 2011 wurde von Lutz Bertling (CEO Eurocopter) – nach eigenen Worten – ein völlig neues Konzept für einen leichten bis mittelschweren Hubschrauber vorgestellt, der die zweimotorige EC 155 ablösen soll. Die X4 genannte Technologie bezeichnet einen neuen Ansatz des Helikopterfliegens, welches ohne das bisher selbstverständliche Cockpit möglich sein soll. Die Vorteile liegen laut Eurocopter darin, mehr Zuladung sowie mehr Sicherheit zu ermöglichen. Der Hubschrauber wird unter anderem mit fünf geräuscharmen Rotorblättern und Fly-by-wire ausgestattet sein. Als Antrieb dient eine Pratt & Whitney Canada PW210 Wellenturbine. Der Produktstart wird für das Jahr 2016 erwartet.[14]

Eurocopter X6[Bearbeiten]

Als Nachfolger für die Super Puma Familie soll die X6 entwickelt werden.[15]

Eurocopter X9[Bearbeiten]

Im August 2012 gab der CEO von Eurocopter im Beisein des Bundeswirtschaftsministers Philipp Rösler bekannt, einen neuen Hubschrauber entwickeln zu wollen, der keinen bereits produzierten als Grundlage hat. Die Entwicklungskosten wurden hierfür auf 1 Milliarde Euro geschätzt und zum Teil subventioniert. Leistungsdaten und Termine wurden keine genannt.[16] Der Hubschrauber soll die AS 365 (Dauphin) ablösen.

Drohnenhubschrauber[Bearbeiten]

Im April 2013 stellte Eurocopter den A-Flight Drohnenhubschrauber vor, der ein OPV-Hubschrauber auf Basis der EC 145 ist. Bei Bedarf lässt sich dieser Hubschrauber auch bemannt fliegen. Das System ist für den militärischen wie auch den zivilen Einsatz ausgelegt.[17]

Bezeichnungssystematik[Bearbeiten]

Airbus Helicopters benutzt für die Bezeichnung seiner Modelle einen einheitlichen Code, der sich aus drei Ziffern zusammensetzt. Diese Bezeichnungen haben sich auch durch die Umbenennung Anfang 2014 nicht geändert.[18] Dabei gilt:

1. Ziffer: Einsatzgebiet des Hubschraubers, wobei „1“ für eine zivile, „6“ für eine militärische Variante steht.

2. Ziffer: MTOW („Maximum Takeoff Weight“) aufgerundetes maximales Abfluggewicht in Tonnen. Übersteigt es 10 t, wird die Zehnerstelle zur ersten Ziffer addiert.

3. Ziffer: Anzahl der Triebwerke, mit „0“ für HS mit einem und „5“ für HS mit zwei Triebwerken.

Beispiel: EC135, zivile Variante eines 3-t-HS mit zwei Triebwerken oder EC725, militärische Variante eines 12-t-HS mit zwei Triebwerken (dieser Code gilt nicht oder nur teilweise für ältere Muster, also MBB oder SA).

Liste der Hubschrauber[Bearbeiten]

EC 135
EC 145
Tiger

Weltrekordlandung[Bearbeiten]

Am 14. Mai 2005 landete erstmals ein Eurocopter-Hubschrauber auf dem Gipfel des Mount Everest (8848 m). Vom Tenzing Hillary Airport in Lukla (2866 m) aus stieg der Testpilot Didier Delsalle mit einem serienmäßigen Ecureuil/AStar AS 350 B3 auf und landete um 07:08 Uhr (Ortszeit) am Gipfel. Nach zwei Minuten Aufenthalt kehrte er zur Basis zurück. Der Rekordflug wurde am 15. Mai 2005 wiederholt.

Flugzeugbauteile[Bearbeiten]

Airbus Helicopters stellt als Zulieferer auch Flugzeugteile her, insbesondere die Passagiertüren und Frachttore für nahezu alle Airbus-Flugzeugtypen.[19] Die Fertigung erfolgt größtenteils in Donauwörth. Des Weiteren werden in Donauwörth die Kunststoffverkleidungen für den Bereich des hinteren Fahrwerks der A320 hergestellt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Airbus Helicopters – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Strategische Neuaufstellung bei Eurocopter: Massive Investitionen in neue Produkte und Dienstleistungen – finanziert durch Strukturwandel. In: www.bdli.de. 27. April 2010, abgerufen am 22. Juni 2013.
  2. Eurocopter 2012 mit Rekordumsatz. In: Handelsblatt. 24. Januar 2013, abgerufen am 22. Juni 2013.
  3. Konzernumbau: Aus EADS wird künftig Airbus. In: airliners.de. 31. Juli 2013, abgerufen am 31. Juli 2013.
  4. http://www.airbushelicopters.com/site/en/ref/Main-Plants_39.html
  5. http://www.eurocopterusa.com/about_us/locations.asp
  6. http://www.strategypage.com/military_videos/military_photos_2008072404554.aspx
  7. eads.com: EADS Reports Solid Half-Year (H1) Results, Reaffirms 2013 Guidance , Pressemitteilung vom 31. Juli 2013
  8. Eurocopter Zeitschrift „Rotor“ Ausgabe April/Mai 2010.
  9. techeblog.com: Eurocopter’s Blue Edge Rotor Blade Makes Helicopters Silent vom 26. Februar 2010.
  10. Website des Herstellers zur Bluecopter-Technologie, abgerufen am 13. Oktober 2011
  11. flightglobal.com: HELI-EXPO 2009: Rolls-Royce confirms role in Airbus helicopters X3 programme, vom 23. Februar 2009
  12. http://www.airbushelicopters.com/site/en/press/Flight-testing-of-Eurocopter-s-X3-high-speed-hybrid-helicopter-demonstrator-marks-a-new-milestone-in-the-company-s-innovation-roadmap_719.html
  13. Airbus Helicopters Pressemitteilung: Flight testing of Airbus Helicopters’ X3
  14. flightglobal.com: Eurocopter readies for cockpit-less X4 launch, vom 6. März 2011
  15. FlightGlobal: Eurocopter promises four new rotorcraft by 2020. Abgerufen am 28. Januar 2013.
  16. handelsblatt.com: Eurocopter plant neuen Hubschrauber, vom 3. August 2012
  17. Primäre Quelle: Spiegel Online
  18. br.de: Eurocopter wird zu "Airbus Helicopters" , aufgerufen am 7. Januar 2014
  19. http://www.eurocopter.com/site/en/ref/Other-Activities_874.html